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Lililja, die Elfe, war die Hüterin der Natur und der Magie in Vanavistaria.
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„Ist es nicht ein bezaubernder Abend, Rafyndor?“, fragte Lililja und atmete tief die Luft ein, die noch von der Wärme des Tages erzählte und zugleich den kühlen Abend ankündigte. Am Himmel zeichneten sich die ersten Sterne bereits blass am Firmament ab.
Rafyndor, der schweigend neben Lililja herging, sah sie mit einem sanften Lächeln an. Er genoss diese gemeinsamen Abendspaziergänge mit ihr.
Beide verband eine tiefe Liebe zur Natur, die sie trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft eng zusammenschweißte.
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Die Elfe Lililja war trotz ihrer jungen Jahre bereits die Hüterin der Natur und der Magie in Vanavistaria − ein Amt, das mit großer Verantwortung verbunden war.
Schon als Kind hatte sie eine außergewöhnliche Verbundenheit zur Natur gezeigt. Ihr gemeinsamer Lehrmeister, Meister Lehakonos, hatte diese besondere Begabung früh erkannt und gezielt gefördert.
So war die zierliche Elfe mit den langen goldenen Haaren und den unergründlich blauen Augen vor zwei Jahren von der Gemeinschaft der Zauberwesen nahezu einstimmig in dieses Amt gewählt worden. Lediglich Jadoruc hatte sich dagegen ausgesprochen. Das überraschte allerdings niemanden.
Der Vykati war dafür bekannt, Angehörigen anderer magischer Völker grundsätzlich mit Skepsis zu begegnen. Einer so jungen, zierlichen Elfe traute er eine derart verantwortungsvolle Aufgabe schlicht nicht zu. Lieber hätte er gesehen, dass jemand aus seinem eigenen Volk dieses Amt übernommen hätte. Letztlich konnte er sich jedoch nicht durchsetzen und musste sich dem Willen der Mehrheit beugen.
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Bei Rafyndor, dem Obersten Waldhüter, der sich mit großer Hingabe um die Bäume und Tiere des Waldes kümmerte, war die Wahl hingegen ohne jede Gegenstimme erfolgt.
Er war ein großer, athletisch gebauter Waldgeist mit sanft grüner Haut, einer wilden, lockigen Haarpracht, einem leichten Bart aus Moos und der außergewöhnlichen Fähigkeit, mit den meisten Tieren des Waldes kommunizieren zu können. Niemand − nicht einmal Jadoruc − zweifelte an seiner Eignung für dieses verantwortungsvolle Amt, obwohl der Vykati Waldgeistern sonst nur wenig abgewinnen konnte.
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Rafyndor, der Waldgeist, war der Oberste Waldhüter Vanavistarias.
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Rafyndor überragte Lililja deutlich; sie reichte ihm gerade bis zur Schulter. Die beiden kannten sich seit ihrer Kindheit, und es verband sie eine tiefe Vertrautheit. Sie arbeiteten häufig zusammen und ergänzten sich mit ihren unterschiedlichen Kenntnissen und Fähigkeiten hervorragend.
Nach den zahlreichen Aufgaben des Tages erholten sie sich gern bei ihren gemeinsamen Abendspaziergängen über die schmalen Pfade des Zentrums der Hellen Magie, die an bunten Blumenwiesen entlang und unter dem Blätterdach des lichten Waldes hindurchführten.
Das Zentrum der Hellen Magie, die Hauptstadt Vanavistarias, war mitten im lichten Wald entstanden, der einst das Gebiet der Elfen geprägt hatte. Entsprechend ihrer naturverbundenen Lebensweise war die Errichtung der Gebäude und Wege mit größter Sorgfalt geplant worden. Die Architektur fügte sich harmonisch in die natürliche Umgebung ein. Nur selten standen mehr als zwei Gebäude unmittelbar nebeneinander; meist waren sie auf Lichtungen oder am Waldrand errichtet worden. Dadurch gab es im Zentrum zahlreiche Wege, die ausschließlich von der Natur gesäumt wurden.
Während Lililja und Rafyndor nebeneinander herschlenderten und die Schönheit ihrer Umgebung genossen, vernahmen sie plötzlich ein kaum hörbares Summen, das sich mit dem Säuseln des Windes und dem sanften Rascheln der Blätter zu einer harmonischen Melodie verband. Es war, als würde die Natur selbst ein kaum vernehmbares Lied anstimmen, das von allen Pflanzen aufgenommen wurde. Selbst Blumen und Gräser schienen sich im Takt dieser geheimnisvollen Klänge zu wiegen.
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Während des Abendspaziergangs vernahmen Lililja und Rafyndor plötzlich ein kaum hörbares Summen im Säuseln des Windes.
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Erstaunt blieb Lililja stehen, und auch Rafyndor ließ seinen Blick aufmerksam über die Umgebung schweifen. Etwas Vergleichbares hatten die beiden noch nie erlebt.
Dank ihrer besonderen Verbindung zur Natur spürten die Elfe und der Waldgeist eine ungewöhnliche Magie in der Luft, die sich wie ein unsichtbarer Schleier über alles um sie herum zu legen schien.
Mit großen Augen sah Rafyndor Lililja an.
„Was ist das?“, fragte er verwundert.
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Lililja schüttelte langsam den Kopf und flüsterte: „Ich weiß es nicht. Aber es klingt wunderschön.“
Sie lauschte der Melodie und ließ ihren Blick über die Landschaft schweifen.
„Sieh nur, Rafyndor“, sagte sie plötzlich aufgeregt. „Die Farben der Blumen und Gräser werden intensiver. Selbst der Bach scheint seine Bewegung dem Rhythmus anzupassen.“
Glimmkidos, kleine leuchtende Wesen, die bislang nur vereinzelt in den Büschen entlang des Weges gesessen hatten, schienen sich explosionsartig zu vermehren und tauchten den immer dunkler werdenden Wald vor ihnen in ihr sanftes Licht.
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„Schau dir die Glimmkidos an“, hauchte Rafyndor. „Auch sie scheinen im Rhythmus der Melodie zu tanzen.“
Lililja und Rafyndor standen eine ganze Weile reglos da und ließen die Magie auf sich wirken.
Sie spürten, wie sie in sie eindrang, wie sich ihr Herzschlag der Melodie anpasste und sie mit einem tiefen Gefühl des Wohlbefindens erfüllte. Es war, als umhülle sie der Hauch eines lichten Zaubers, der sie mit Glück und Zufriedenheit erfüllte.
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Unmengen von Glimmkidos schienen zur Melodie zu tanzen.
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Schließlich sagte Lililja leise: „Lass uns zu Meister Lehakonos gehen und ihm von diesen ungewöhnlichen Naturphänomenen berichten. Vielleicht kann er uns erklären, was hier geschieht.“
Rafyndor nickte stumm.
Es fiel den beiden schwer, diesen melodischen Ort zu verlassen, an dem die Natur in vollkommener Harmonie zu leben schien. Doch entgegen ihrer Erwartung blieb die Melodie bei ihnen − nicht in ihrer Umgebung, sondern tief in ihrem Innersten. Sie schien sich in ihnen eingenistet zu haben, summte lautlos in Herz und Seele, weckte positive Energien und vermochte selbst einen aufgewühlten Geist zu beruhigen. Es war ein merkwürdiges und zugleich überaus angenehmes Gefühl.
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Meister Lehakonos′ Anwesen lag auf einer Lichtung im Wald des Zentrums der Hellen Magie.
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Über verschlungene Pfade, die von wilden Ranken und tief hängenden Ästen gesäumt wurden, gelangten Lililja und Rafyndor schließlich zum Anwesen Meister Lehakonos', des Hohenmagiers von Vanavistaria und politischen Führers des Landes.
Das hohe Gebäude erhob sich auf einer Lichtung mitten im Wald des Zentrums der Hellen Magie und war von einer magischen Aura umgeben. Das uralte Gemäuer hatte bereits unzählige Lehrmeister kommen und gehen sehen. Hier war das magische Wissen ganzer Äonen bewahrt.
Rafyndor klopfte an.
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Nanistra, eine kleine, alte Vykati mit offenem, langem, grauem Haar, öffnete die knarrende Tür. Misstrauisch blickte sie zu den beiden Wesen auf, erkannte dann ihre Gesichter und ließ sie murmelnd eintreten.
Nanistra war so alt, dass sie vermutlich selbst nicht mehr wusste, wie viele Jahrzehnte sie bereits in diesem Haus tätig war. Vor den beiden herschlurfend führte sie sie zum Studierzimmer des Hohenmagiers. Sie klopfte an, trat ein und murmelte mürrisch: „Zwei Gäste!“
Dann trat sie beiseite, ließ Lililja und Rafyndor an sich vorbei ins Zimmer gehen, schlurfte wieder hinaus und schloss die Tür hinter sich.
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Nanistra, eine Vykati, war die Hausmagd des Hohenmagiers von Vanavistaria.
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