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Die Ankündigung



Die Vorbereitungen zum Schutz des Zentrums der Hellen Magie waren abgeschlossen. Mithilfe Skukius' hatte Rafyndor die Sicherung des Waldes sogar einen Tag früher als angekündigt für beendet erklären können und freute sich gemeinsam mit dem Korvum-Raben über diesen Erfolg.

Heute Morgen hatte er zudem Meister Lehakonos von Havaleons Beobachterposten berichtet.

Inzwischen hatte sich in der Zaubergemeinschaft herumgesprochen, dass Skukius weit mehr als nur ein Botenflieger war und über eine mächtige Magie verfügte.

Bei den weiteren Zusammenkünften in der Kristallhöhle erntete der Korvum-Rabe daher nicht mehr nur die missbilligenden Blicke wie früher, sondern immer häufiger auch bewundernde.

Skukius konnte nicht anders, als zuzugeben, dass ihm das sehr behagte. Es tat gut, von den anderen Zauberwesen als gleichwertig anerkannt und nicht länger nur geduldet zu werden.

Meister Lehakonos lobte die gesamte Zaubergemeinschaft dafür, so effektiv und fleißig zusammengearbeitet und die Sicherung der Hauptstadt noch vor dem Eintreffen des Schleiersturms vollständig abgeschlossen zu haben.

Er hielt eine lange Dankesrede, in der er die Arbeit jeder einzelnen Gruppe hervorhob.

Dabei vergaß er auch die − wie Jadoruc immer wieder betonte − „unnützen und einfachen“ Wesen nicht.

„Ich danke auch den Lichtgeistern“, sprach der alte Lehrmeister während seiner Dankesrede, „die dafür gesorgt haben, dass die dunklen Gebiete erhellt wurden und dadurch potenzielle Gefahren schneller entdeckt werden konnten. Außerdem haben sie durch ihre besondere Sichtweise, die alles in Ordentlich und Durcheinander einteilt, einige Anomalien und negative Energien entdeckt, die während des Schleiersturms zu einer Bedrohung hätten werden können.“

Applaus schallte durch die Höhle.

Als es wieder ruhiger geworden war, fuhr Meister Lehakonos fort: „Ebenso möchte ich den Nymphen danken. Sie haben sich mutigerweise bereit erklärt, auch während des Schleiersturms auf den Seerosenblättern zu tanzen und durch ihre anmutigen Bewegungen für eine harmonische Wasserbewegung in den Teichen und Seen zu sorgen. Das erleichtert die Arbeit der Wassermagier ungemein.“

Erneut brandete Applaus auf.

Jadoruc musste zerknirscht zugeben, dass seine erste Einschätzung, die kleinen „Nichtsnutze“ würden die magischen Vorbereitungen eher behindern als unterstützen, wohl doch etwas voreilig gewesen war.

Meister Lehakonos hatte mit seiner Entscheidung, auch die unbedeutenderen Wesen einzubeziehen, durchaus richtig gehandelt.

Sein Applaus fiel bei der Nennung dieser Gruppen allerdings deutlich verhaltener aus als bei der Erwähnung der wichtigeren magischen Gruppen.

Schließlich beendete Meister Lehakonos seine Dankesrede und kam zum Schluss:

„Nun können wir nur noch auf den Schleiersturm warten. Wie ich heute Morgen erfuhr, hält ein Silberfederadler bereits seit einigen Tagen Ausschau nach dem Schleiersturm, konnte bislang allerdings noch keinen Hinweis auf seine Ankunft entdecken. Sobald der Silberfederadler Anzeichen des Schleiersturms wahrnimmt, wird er unseren Waldhüter darüber in Kenntnis setzen. Dieser wird dann unseren hoch angesehenen Korvum-Raben Skukius damit beauftragen, die Nachricht über die Hauptstadt zu verbreiten, sodass alle rechtzeitig auf ihrem Posten sein werden, um den Schleiersturm zu erwarten. Nun denn, haltet euch bereit und passt auf euch auf.“

Ein tosender Applaus erfüllte die Versammlungshöhle.

Meister Lehakonos stieg vom Podium und gesellte sich zu einer Gruppe anderer Magier, die offenbar bereits auf ihn gewartet hatten.

Rafyndor, Pranicara, Skukius und Lililja warteten noch, bis der Applaus verebbt war, dann verließen sie gemeinsam durch den bunten Kristallgang die Höhle.

Als Ansprechpartner für den Silberfederadler musste Rafyndor schließlich auch von ihm gefunden werden können, sobald sich die ersten Anzeichen des Schleiersturms zeigten.

Fröhlich schwatzend folgten die vier Wesen dem Weg zu Rafyndors Waldhütte. Die Arbeiten waren beendet, und endlich konnten sie ein wenig Luft holen.

Plötzlich vernahmen sie ein Rauschen über sich.

Als sie den Blick hoben, sahen sie einen Silberfederadler näher kommen. Mit einem majestätischen Schlag seiner mächtigen Schwingen ließ er sich vor Rafyndor auf dem Boden nieder.

Er neigte zur Begrüßung den Kopf und begann dann zu sprechen:

„Oh, wackerer Hüter des Waldes, seid gegrüßt in dieser bedeutungsvollen Stunde. In der Stille des zeitlichen Flusses, in den weitläufigen Weiten des Universums, offenbart sich ein unheilvoller Schicksalspfad, auf dem ein gigantischer Wirbelsturm mit atemberaubender Wucht und majestätischer Gewalt heranrauscht, begleitet von einer Armee kraftvoller Windwesen, die ihre mächtigen Flügel in wildem Tanz schwingen. Ihre tobenden Lieder erfüllen die Lüfte und lassen die Welt erzittern, während sie die Grenzen zwischen Realität und Illusion verwischen. Gleichzeitig entfalten die dichten Nebelschleier ihr mysteriöses Schauspiel und hüllen das Land in ein geheimnisvolles Gewand, das die Sinne trübt und das Licht der Erkenntnis verschleiert. Der Sturm der Veränderung naht unaufhaltsam, unaussprechlich in seiner Kraft und von einer Rätselhaftigkeit umgeben, die die Schicksalsfäden in der Hand des Unbekannten zusammenführt.“

Rafyndor wurde nervös. Er konnte diese Nachricht nicht richtig deuten. Doch allein die Tatsache, dass der Silberfederadler hier vor ihm gelandet war, konnte darauf hindeuten, dass der Schleiersturm herannahte.

Zu seiner Überraschung antwortete jedoch Skukius dem Silberfederadler − und zwar in einem ganz ähnlichen Sprachstil:

„Wohledler Havaleon, Eure überaus geschätzte Mitteilung hat unser Herz erreicht, und in Demut neigen wir uns vor Euch. Wenn es Eurer werten Huld belieben sollte, möget Ihr, sobald der schicksalhafte Sturm sich jemals in unmittelbarer Nähe zu den erhabenen Baumwipfeln unserer Hauptstadt manifestieren sollte, unser geplagtes Gemüt mit einer weiteren Kundgabe Eurer erleuchteten Weisheit besänftigen?“

Havaleon neigte wohlwollend den Kopf und erhob sich wieder gen Himmel.

Rafyndor sah Skukius verblüfft an. „Du hast verstanden, was der Silberfederadler gesagt hat?“, fragte er erstaunt.

„Natürlich“, antwortete der Korvum-Rabe irritiert. „Du etwa nicht?“

Der Waldgeist räusperte sich betreten. „Ich muss zugeben, ich müsste raten. Ich empfinde die Sprache der Silberfederadler als ausgesprochen kompliziert. Allerdings“, fügte er schmunzelnd hinzu, „hatte deine Antwort durchaus Charakter!“

Skukius fühlte sich geschmeichelt und entgegnete, ohne weiter darüber nachzudenken: „Gelernt ist gelernt.“

Sofort wurde ihm bewusst, dass er mit dieser Antwort etwas aus seiner Vergangenheit preisgegeben hatte, das er eigentlich für sich behalten wollte. Nervös flatterte er von Rafyndors Arm, auf dem er bis eben gesessen hatte, und ließ sich auf einem nahe gelegenen Ast nieder.

Rafyndor bemerkte die Verlegenheit des Korvum-Raben und tat so, als hätte er den Zusammenhang nicht verstanden.

„Wärest du denn auch bereit, uns an deiner Weisheit teilhaben zu lassen, edler Skukius?“, fragte er mit einer tiefen Verbeugung, um die Spannung aus der Situation zu nehmen.

Es funktionierte. Lililja und Pranicara mussten laut auflachen, und auch Skukius entspannte sich wieder.

„Aber gewiss, edler Waldhüter“, stimmte der Korvum-Rabe nun seinerseits in den Sprachstil ein. „Der vornehme Havaleon hatte die Güte, uns mitzuteilen, dass sich weit vor den Grenzen des Zentrums der Hellen Magie ein gewaltiger Wirbelsturm erhoben hat, begleitet von starken Winden und dichtem Nebel.“

Wohlwollend neigte er den Kopf und fügte dann mit einer kaum wahrnehmbaren Verbitterung in der Stimme hinzu: „Und ich bat diesen arroganten Graureiher, uns gefälligst Nachricht zu geben, sobald der Sturm sich anschickt, die Grenzen zu überwinden.“



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