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Während sich nun alle Wesen, die während des Schleiersturms keine aktive Rolle einnehmen mussten, in die Gebäude und Höhlen zurückzogen, verstärkten die anderen ihre Schutzanstrengungen. Die Steinwächter bezogen ihre Stellungen an den Gebäuden, die Wasserschützer gingen an den Ufern der Seen und Flüsse in Position, die Erdwächter überwachten die Felsen im Wald und in den Parks, und die Nymphen begannen mit einem ruhigen Tanz auf den Seerosenblättern, der das Wasser beruhigen sollte.
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Die Zauberweisen ließen einen Schutzschirm über der Hauptstadt Vanavistarias entstehen.
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Die Zauberweisen am Zauberbogenweiher hatten sich rund um den See verteilt.
Sie reckten ihre Arme über das Wasser und konzentrierten sich darauf, den Schutzschirm zu errichten, der sich von hier aus über das gesamte Zentrum der Hellen Magie legen würde.
Mit einem leisen, vibrierenden Summen begann sich ein magisches Netz zu weben, das von Außengrenze zu Außengrenze reichte und die gesamte Hauptstadt einschließlich der hohen Bäume unter sich barg.
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Als der Schleiersturm erkannte, dass die Schutzmaßnahmen für die Hauptstadt abgeschlossen waren, überwand er die ersten Bäume des Waldes und brauste über das Zentrum der Hellen Magie hinweg. Er sauste vom Nordende zum Südende, vom Westende zum Ostende und prüfte jede Erhebung darauf, ob der Schutz vollständig war.
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Nachdem er seine Prüfung zu seiner Zufriedenheit abgeschlossen hatte, wirbelte er zum Zauberbogenweiher und setzte sich dort fest. Diese Stellung hielt er bei und verließ sie nicht mehr.
Die Zauberweisen konzentrierten sich weiterhin auf die Erhaltung des Schutzschirmes.
Sie hatten bemerkt, dass der Schleiersturm einen für einen Wirbelsturm völlig untypischen Verlauf genommen hatte und auch dass er sich nun hier am Zauberbogenweiher festgesetzt hatte.
Wollte der Schleiersturm ihre Standhaftigkeit prüfen? Wollte er den Schutzschirm an dieser Stelle zum Einsturz bringen?
Lililja, die sich mit geschlossenen Augen ganz auf ihre Aufgabe konzentrierte, dachte: Hilfe! Hilf mir doch einer!
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Der Schleiersturm setzte sich am Zauberbogenweiher fest.
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Wieso musste sie plötzlich über Hilferufe nachdenken? Sie fühlte innerlich keine Panik, die diese Gedanken gerechtfertigt hätten. Für einen kurzen Moment ließ ihre Konzentration nach, dann nahm sie ihre vorherige Konzentration wieder auf.
Erneut dachte sie: Hilfe! Warum hilft mir niemand?
Was bei aller Magie sollte das? Sie war dabei, sich auf die Aufrechterhaltung des Schutzschirmes zu konzentrieren! Sie benötigte keine Hilfe! Konnte sie ihre Gedanken etwa nicht unter Kontrolle halten?
Jadoruc spürte, wie die Hüterin der Natur und der Magie in ihrer Konzentration nachließ.
Das war ja zu erwarten gewesen! Er wusste doch, dass diese Elfe für eine solche Aufgabe noch zu jung und unerfahren war. Gut, dass er sich direkt neben ihr postiert hatte!
Damit der Schutzschirm nicht einriss, verstärkte er an ihrer Seite seine Magie.
Zum dritten Mal ging ein Hilferuf durch Lililjas Gedanken, und sie öffnete entnervt die Augen. Vor sich sah sie den Schleiersturm über den Zauberbogenweiher wirbeln.
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Lililja entdeckte inmitten des Schleiersturms ein großes Geisterwesen.
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Und dann sah sie es plötzlich: Zwei rote, hilfesuchende Augen blickten sie aus dem Schleiersturm an. Ein großes, geflügeltes Geisterwesen war in diesem magischen Wirbelsturm gefangen und versuchte verzweifelt, sich daraus zu befreien. Seine Flügel bewegten sich im gleichen Rhythmus wie die Wirbel des Windes, als wären sie in einer zwanghaften Harmonie mit ihm verwoben.
Für einen kurzen Moment war Lililja von diesem Schauspiel fasziniert, dann vernahm sie zum vierten Mal den Hilferuf in ihren Gedanken − und endlich begriff sie, warum sie ständig an Hilferufe denken musste.
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Ohne den Schutzschirm zu vernachlässigen, rief sie über den Weiher hinweg: „Im Schleiersturm ist jemand gefangen. Wir müssen ihn befreien!“
Alle Augen richteten sich zunächst auf sie, dann auf den Schleiersturm. Lililja konnte die entsetzten Gesichter vieler Magier sehen, als sie das Geisterwesen erkannten.
„Wir müssen etwas tun!“, rief sie.
Die Zauberweisen schauten sich ratlos an. Sie mussten sich auf die Aufrechterhaltung des Schutzschirmes konzentrieren und sahen keine Möglichkeit, dem Geisterwesen zu helfen.
Lililja hatte weiterhin Gedanken voller Hilferufe. Sie verzweifelte. Es war so schwer, sich auf die Aufrechterhaltung des Schutzschirmes zu konzentrieren, diese merkwürdigen Hilferufe in ihrem Kopf zu hören und gleichzeitig eine Lösung zu finden, die das Geisterwesen aus dem Schleiersturm befreien würde. Da veränderten sich plötzlich ihre Gedanken.
Der Schutzschirm ist nicht mehr notwendig, dachte sie. Der Schleiersturm hat eure Schutzmaßnahmen getestet und sie für gut befunden.
Woher zum Eulenbärchen sollte sie das wissen? Warum hatte sie solch absurden Gedanken? Wirkte sich der Schleiersturm auf ihre geistigen Fähigkeiten aus?
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Völlig verwirrt schaute sie dem Wesen direkt in die Augen und endlich verstand sie, woher diese Impulse kamen. Das Geschöpf im Schleiersturm musste sich in ihren Geist eingemischt haben. Es waren gar nicht ihre eigenen Gedanken, die sie dachte, sondern die des Geisterwesens! Aber wie sollte sie das den anderen Magiern begreiflich machen?
Vielleicht, überlegte sie, funktionierte die Verständigung ja auch, wenn sie über ihre Gedanken mit dem Wesen kommunizierte. Also dachte sie gezielt: Kannst du das nicht auch den anderen Magiern mitteilen? Ich glaube kaum, dass sie mir das glauben werden, wenn ich es ihnen mitteile.
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Lililja erkannte, dass das Geisterwesen mit ihr über ihre Gedanken kommunizierte.
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Unverzüglich erfolgte die Antwort: Ich habe es versucht, aber du bist die Einzige, die reagiert hat. Die anderen Zauberwesen haben eine mentale Blockade gegen mich errichtet!
Es machte sie ganz konfus, die Antwort als eigenen Gedanken wahrzunehmen, obwohl sie offensichtlich von diesem Geisterwesen kommen mussten. Dennoch − es lag an ihr, zu handeln!
Lililja schaute den alten Lehrmeister eindringlich an, der neben ihr stand, und sagte mit verzweifelter Stimme: „Meister Lehakonos, Ihr müsst die mentale Blockade lockern. Das Geisterwesen versucht, mit uns über Gedanken zu kommunizieren!“
Meister Lehakonos schaute erst sie verwundert an, dann richtete er den Blick auf das Geisterwesen. Er schien ihre Worte abzuwägen. Nach einer Ewigkeit, wie es Lililja vorkam, nickte er langsam.
„Wir müssen ihm helfen!“, flehte sie nochmals.
„Auf keinen Fall!“, dröhnte Jadorucs Stimme von der anderen Seite neben ihr. „Wir werden bestimmt nicht den Schutzschirm senken, nur weil ein Geisterwesen versucht, unsere Gedanken zu manipulieren!“
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Jadoruc lehnte es rundweg ab, dem Geisterwesen zu helfen.
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Jadoruc hatte es kommen sehen. Diese Elfe würde es riskieren, die Hauptstadt Vanavistarias zu vernichten, nur weil ein Geisterwesen ihr Hilferufe in die Gedanken pflanzte!
„Aber wir können es nicht im Stich lassen!“, flehte Lililja erneut. „Schaut es euch an! Es ist in diesem furchtbaren Schleiersturm gefangen! Wir dürfen nicht tatenlos zusehen!“
„Woher sollen wir wissen, dass es nicht absichtlich mit dem Schleiersturm hergekommen ist? Vielleicht hat es vor, uns alle zu vernichten!“, gab Jadoruc zurück.
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Ich bin nicht freiwillig hier, dachte Lililja. Der Schleiersturm hat mich hierher gebracht.
Es war verwirrend, diese Gedanken zu denken, die sich nicht von ihren eigenen unterscheiden ließen. Dennoch blieb etwas davon in Lililja hängen: „Der Schleiersturm hat mich hierher gebracht.“
Das war es! Das war die Herausforderung, die der Schleiersturm mitbringen würde!
„Es ist die Aufgabe!“, rief sie, sodass es alle rund um den See hören konnten.
Die Zauberweisen schauten sie verwirrt an.
Meister Lehakonos zögerte zunächst, so als denke er über ihre Aussage nach, anschließend nickte er bedächtig.
„Ja, Lililja, du könntest recht haben!“
„Niemals!“, widersprach Jadoruc vehement: „Meister Lehakonos, wir können doch nicht aufgrund eines Gedankenmanipulators die Schutzmechanismen senken. Das könnt Ihr doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen!“
Meister Lehakonos ließ sich auch Jadorucs Einwand durch den Kopf gehen, senkte dann aber dennoch die Arme.
Jadoruc sah es mit Entsetzen. Auch Lililja senkte ihre Arme, und nach und nach folgten weitere Magier.
Der Schutzschirm verlor an Intensität. Hier und da bildeten sich Risse und Löcher, doch es geschah nichts Dramatisches. Der Schleiersturm wirbelte munter über dem Zauberbogenweiher weiter. Selbst das Wasser geriet durch die Drehung des Schleiersturms nicht in Wallung. Das veranlasste weitere Magier, ihre Arme zu senken.
Der Schutzschirm fiel in sich zusammen.
Als er verschwunden war, löste sich umgehend der Schleiersturm auf und gab das Geisterwesen frei, das erleichtert aufatmete.
Sanft schwebte es auf die Stelle zu, an der Lililja stand, und sie dachte: Ich grüße dich, Lililja, Hüterin des Lichtes. Ich bin Mojalian, ein Seelen-Drasta von Valivisia. Ich danke dir für meine Rettung.
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Als das Geisterwesen frei war, schwebte es auf Lililja zu und stellte sich als Mojalian von Valivisia vor.
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