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Als Lililja sich an diesem Abend mit Rafyndor traf, war sie mit ihren Gedanken nicht ganz bei der Sache. Sie war noch immer so überwältigt von dem plötzlichen und überraschenden Kontakt zu Mojalian, dass es ihr schwerfiel, ihre Gedanken auf Rafyndor zu lenken. Immer wieder kehrten sie zu Mojalian zurück.
Ob sie sich morgen wieder hören konnten?
Sie hoffte es inständig! Seine Stimme in ihren Gedanken zu hören, hatte so gutgetan! Und er hatte ihr gesagt, dass er sie vermisste. Was hatte er zum Abschied gesagt?
„Auf Valivisia ist jemand, der sehr große Sehnsucht nach dir hat.“
Ja, Mojalian, dachte sie, und in Vanavistaria ist jemand, dem du auch ganz besonders fehlst.
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Rafyndor bemerkte während des Abendganges Lililjas geistige Abwesenheit.
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Rafyndor bemerkte ihre geistige Abwesenheit. Er hatte ihr gerade von Rangalos neuestem Streich erzählt, bei dem dieser Mikons Rückzugsort mit Blumen und Federn ausgepolstert hatte, doch sie hatte keinerlei Reaktion gezeigt. Normalerweise war sie immer an Rangalos Streichen interessiert.
„Wo bist du gedanklich?“, wollte Rafyndor wissen und runzelte die Stirn.
„Ich?“, fragte Lililja und fühlte sich ertappt. „Ich hatte heute einen sehr aufregenden Tag“, sagte sie dann. „Irgendwie komme ich davon noch nicht los.“
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„Was gab es heute denn so Aufregendes, dass ich zum Nebendarsteller werde?“, fragte Rafyndor mit einem Zwinkern.
Lililja wollte gerade ansetzen, ihm von ihrer plötzlichen Verbindung zu Mojalian zu erzählen, als ihr noch rechtzeitig einfiel, wie der Waldgeist auf die Erzählung von ihrem ersten Treffen mit dem Geisterwesen reagiert hatte. Hektisch überlegte sie, was heute noch vorgefallen war.
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Schließlich log sie Rafyndor zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, an: „Ich habe eine Lilochoda abgeknickt und musste mir von Pureus eine Standpauke anhören. Das hat mich etwas mitgenommen.“
Rafyndor schaute sie verwundert an. Sie hatte schon häufiger Standpauken von irgendwelchen Wesen bekommen, weil ihr trotz größter Vorsicht bisweilen auch einmal Missgeschicke passierten. Aber als aufregenden Tag hatte sie so etwas noch nie bezeichnet.
„Du scheinst dann heute wohl extrem empfindlich zu sein“, meinte er nachdenklich und runzelte die Stirn. „Bist du sicher, dass es das ist, was dich heute so beschäftigt?“
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Lililja schwindelte Rafyndor vor, dass sie angeblich von Pureus ausgeschimpft worden wäre.
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Lililja konnte ihm nicht sagen, was sie so durcheinanderbrachte. So ähnlich musste sich Rafyndor gefühlt haben, fiel ihr plötzlich ein, als er seine Gefühle für sie entdeckt hatte. Sie erinnerte sich an die Zeit vor dem Schleiersturm und an den Mondspiegelteich.
„Denkst du noch oft an Mojalian?“, fragte sie dann und wechselte unvermittelt das Thema.
Rafyndor runzelte noch immer die Stirn. Irgendwie zeigte Lililja heute ein besonders merkwürdiges Verhalten!
„Ja“, antwortete er auf ihre Frage. „Er fehlt mir. Ich habe viele und lange Gespräche mit ihm geführt. Er war ein sehr guter Zuhörer.“
„Ja, das war er“, entgegnete sie mit einem tiefen Seufzer. „Ich vermisse ihn auf den Morgengängen. Seine besondere Sicht auf die Dinge fehlt mir.“
Sie spürte, wie Rafyndors Gang neben ihr plötzlich ein wenig steifer wurde.
Nein, dachte sie, sie durfte ihm nichts von ihrem neuen Kontakt zu Mojalian erzählen! Sie würde dies geheim halten müssen, wenn sie Rafyndor nicht verletzen wollte.
Daher schwenkte sie direkt wieder auf ein neues Thema um.
„Drei Monate sind jetzt schon vergangen, seit wir die Aufgabe gelöst haben“, sagte sie. „Neun Monate müssen wir noch warten, bis wir wissen, ob es auch die richtige Aufgabe war.“
„Denkst du“, fragte Rafyndor ein wenig verunsichert, „dass wir die falsche Aufgabe gelöst haben?“
„Nein“, antwortete sie zuversichtlich. „Ich glaube schon, dass unsere Aufgabe darin bestand, Mojalian nach Valivisia zurückzuschicken. Aber wirklich wissen werden wir das erst, wenn der Hauchzauberdunst auch tatsächlich kommt.“
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Lililja konnte sich endlich wieder auf Rafyndor konzentrieren.
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Sie war froh, dass sie sich nun wieder zusammenreißen und auf Rafyndor konzentrieren konnte. Er hatte es nicht verdient, dachte sie etwas beschämt, dass er die wenige Zeit, die er am Tag mit ihr verbrachte, auch noch mit Mojalian teilen musste.
Nein, sie wollte in der Zeit, in der sie mit Rafyndor durch das Zentrum der Hellen Magie schlenderte, auch ganz für ihn da sein.
Der Rest des Spaziergangs verlief in der vertrauten, entspannten Atmosphäre, die sie beide gewohnt waren. Das besänftigte Rafyndor wieder, und wie üblich nahm er sie zum Abschied in die Arme.
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„Ich glaube, ganz Vanavistaria vermisst Mojalian“, sagte er mit einem milden Lächeln, bevor er die Umarmung löste und sie gehen ließ.
Am nächsten Morgen kam sie auf ihrer Morgenrunde wieder am Baum der Magie vorbei. Wie jeden Morgen legte sie die Hand an den Baum, dieses Mal allerdings wesentlich aufgeregter. Sie wagte es nicht zu fragen, ob Mojalian da war, aus Angst, enttäuscht zu werden, falls er ihr nicht antworten würde.
Daher sagte sie einfach, sobald ihre Hand den Baum berührte, etwas nervös: „Guten Morgen.“
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Prompt kam die sanfte Antwort: Guten Morgen, Lililja.
Ihr fiel ein Stein vom Herzen, und gleichzeitig begann ihr Herz wie wild zu schlagen. Die Verbindung war wieder da!
Sie war so erleichtert, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte, und so legte sie einfach nur die Stirn an den Stamm.
„Ich habe heute Nacht von dir geträumt“, sagte sie schließlich ganz leise.
Waren es schöne Träume?, fragte Mojalian, und wieder lag diese Zärtlichkeit in seiner Stimme.
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Lililja fiel ein Stein vom Herzen, als sie erneut Mojalians Stimme vernahm.
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Ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr, dachte sie mit Bedauern. Ich weiß nur noch, dass es um dich ging und ich so froh war, dass du da warst. Mit leichter Enttäuschung in den Gedanken fuhr sie fort: Und dann bin ich aufgewacht und wusste, dass du unerreichbar weit weg bist.
Das ist unser Schicksal!, bestätigte Mojalian mit großer Traurigkeit in der Stimme.
Sie schwiegen eine Weile.
Dann sagte Lililja nachdenklich: Ich glaube, Rafyndor fehlst du auch. Allerdings kann ich ihm nicht sagen, dass ich wieder Kontakt zu dir habe. Als ich ihm gestern Abend erzählte, dass ich dich vermisse, sank sofort seine Stimmung.
Sie konnte spüren, wie Mojalian milde lächelte.
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Lililja wollte wissen, was Mojalian beim Abschied angedeutet hatte.
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Übrigens, fiel ihr gerade ein, was sollten eigentlich diese merkwürdigen Andeutungen bei deinem Abschied? Darüber habe ich lange Zeit grübeln müssen.
Welche Andeutungen?, fragte Mojalian verwundert.
Du hast gesagt, ich trüge eine große Verantwortung und solle auf mich und die, die ich liebe, aufpassen, entgegnete Lililja.
Mojalian zögerte mit seiner Antwort.
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Das möchte ich jetzt nicht erklären, sagte er schließlich ganz sanft. Ich werde dir eines Tages sagen, was ich damit gemeint habe, aber noch nicht jetzt. Es ist noch nicht wichtig.
Lililja wollte zunächst nachhaken, akzeptierte dann aber seinen Wunsch. Er würde es ihr eines Tages erklären.
Glaubst du, fragte sie unsicher, dass diese Verbindung bleiben wird?
Ich denke schon, antwortete Mojalian zuversichtlich. Immerhin können wir die Gedanken des anderen schon seit zwei Tagen hören. Dann ergänzte er zärtlich: Und darüber bin ich sehr glücklich!
Sie spürte, wie er sie liebevoll anlächelte.
Ich werde jetzt meine übliche Morgenrunde machen, sagte sie innerlich aufseufzend, weil es ihr schwerfiel, sich von diesem Ort zu trennen. Bist du gleich noch hier, wenn ich sie beendet habe?
Ich werde immer hier sein und auf dich warten, antwortete Mojalian mit so viel Zärtlichkeit in der Stimme, dass sie meinte, der Windhauch, der gerade ihre Wange streichelte, trage einen Kuss von ihm zu ihr.
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Von nun an trafen sich Lililja und Mojalian mehrmals täglich am Baum der Magie. Sie erzählten sich von ihren Tagen oder diskutierten, wie früher, über ihre unterschiedlichen Ansichten zu den verschiedensten Dingen.
Einige Bewohner Vanavistarias, die beobachteten, wie Lililja so oft diesen Baum aufsuchte, wunderten sich zwar ein wenig über die intensive Beschäftigung der Hüterin der Natur und der Magie mit diesem Gewächs, machten sich deswegen jedoch keine großartigen Gedanken. Möglicherweise, so dachten sie, zeigte der Baum der Magie neuerdings besondere magische Energieflüsse an.
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Lililja und Mojalian trafen sich mehrmals täglich am Baum der Magie.
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So gingen die Tage ins Land. Inzwischen hatte sich Lililja angewöhnt, nach dem Sonnenaufgang zunächst alle ihre anderen Morgenaufgaben zu erledigen, bevor sie zum Baum der Magie ging. Auf diese Weise konnte sie mehr Zeit mit dem Geisterwesen verbringen, ohne dass ihre Arbeit unter ihrem Wunsch litt, Mojalian möglichst nahe zu sein.
An diesem Morgen − es waren inzwischen schon über zwei Monate vergangen, seit sie am Baum der Magie auf so wunderbare Weise wieder die Verbindung zu Mojalian erhalten hatte, und sie war sich nicht sicher, ob sie einen erneuten Abbruch überhaupt noch ertragen würde − hielt sie wie üblich nach dem Sonnenaufgang als Erstes die Hand in den kristallklaren Bach, der an der Sonnenwiese vorbeiführte, um dessen harmonischen Magiefluss zu prüfen.
Sie wollte ihre Hand gerade zurückziehen, als sie es bemerkte: Der Magiefluss hatte sich verändert!
Sie konnte es nicht glauben. Lililja wurde nervös. Sie prüfte ihn noch einmal, dann drang die Erkenntnis in ihr Bewusstsein: Dunkle Magie war verwendet worden!
Irgendein Magier, der den Schwur des Lichts abgelegt hatte, hatte dunkle Magie benutzt!
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Lililja spürte im Bach an der Sonnenwiese einen veränderten Magiefluss.
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Sie war geschockt. Noch nie hatte sie in den wenigen Jahren, seit sie zur Hüterin der Natur und der Magie gewählt worden war, erlebt, dass sich der Magiefluss verändert hatte. Was war passiert? Sie war erschüttert!
Lililja, was ist passiert?, vernahm sie Mojalians überaus besorgte Stimme in ihren Gedanken.
„Dunkle Magie!“, flüsterte sie, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. „Irgendein heller Magier hat dunkle Magie benutzt!“
Mojalians Besorgnis schlug in äußerste Wachsamkeit um.
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Was genau ist passiert, Lililja?, fragte er mit gepresster Stimme.
„Ich weiß es noch nicht“, antwortete sie tonlos. „Ich spüre nur leichte Veränderungen des Magieflusses.“
Mojalian entspannte sich wieder, und dadurch konnte auch Lililja wieder klarer denken.
Da registrierte sie, dass sie sich nicht an dem üblichen Platz befand, an dem sie normalerweise mit Mojalian kommunizieren konnte. Sie war nicht einmal in dessen Nähe!
Völlig verdattert dachte sie: Mojalian, was machst du hier?
Er verstand die Frage nicht und hakte verwundert nach: Was meinst du?
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Ich bin an der Sonnenwiese und nicht am Baum der Magie, stellte sie verwundert fest, und dennoch kann ich deine Gedanken hören.
Es scheint so, als hätte dein Erlebnis unsere Verbindung ausgeweitet, vermutete er nachdenklich und erklärte dann: Ich spürte plötzlich, wie erschüttert du warst, und bekam große Angst, dass dir etwas zugestoßen sein könnte. Aus lauter Sorge um dich fragte ich spontan, was geschehen sei, und machte mich direkt auf den Weg zu dem Baum, in dem ich immer auf dich warte. Ich war ein wenig überrascht, dass ich von dir schon eine Antwort erhielt, bevor ich den Baum überhaupt erreicht hatte.
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Plötzlich konnte Lililja Mojalian an der Sonnenwiese hören.
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Es ist das erste Mal, dass ich direkt mit dunkler Magie konfrontiert werde, meinte sie nervös. Ich muss zu Meister Lehakonos gehen und es ihm umgehend mitteilen.
Sie sprang auf.
Lililja, drang Mojalians sanfte und zärtliche Stimme beruhigend in ihr Bewusstsein, wenn sich der Magiefluss nur leicht verändert hat, dann wird vermutlich jemand, der sonst keine dunkle Magie anwendet, nur neugierig damit herumexperimentiert haben. Natürlich musst du deine Beobachtungen weiterleiten, aber deine tiefe Besorgnis ist unbegründet. Halte es einfach unter Beobachtung. Wenn sich der Magiefluss weiter verändert, dann kannst du anfangen, dir Sorgen zu machen. Momentan ist noch nicht viel passiert.
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Mojalian versuchte Lililja zu beruhigen und teilte ihr mit, dass es noch nicht besorgniserregend war.
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