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Nachdem Lililja die Sonnenwiese verlassen hatte, brach die Verbindung zu Mojalian ab.
Nun gab es also schon zwei Orte, an denen sie mit Mojalian kommunizieren konnte, dachte sie glücklich. Vielleicht würden es mit der Zeit noch mehr werden, hoffte sie. Dann würde es nicht mehr so auffallen, wenn sie immer wieder dieselben Plätze aufsuchte.
Sobald sie an Meister Lehakonos' Anwesen angekommen war, klopfte sie an, und Nanistra öffnete wie gewohnt die Tür.
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Verwundert stellte Lililja fest, dass Nanistra sie anlächelte.
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Verwundert stellte Lililja fest, dass die alte Hausmagd sie anlächelte, als sie sie erkannte. Sie hatte Nanistra noch nie lächeln sehen, lächelte aber trotz ihrer Überraschung ebenfalls zurück.
„Ich würde gerne Meister Lehakonos sprechen“, erklärte sie.
Die Hausmagd schlurfte vor ihr her, klopfte an die Tür des alten Lehrmeisters und trat ein. Lililja erwartete das übliche mürrische „Ein Gast“ zu hören, doch stattdessen sagte Nanistra freundlich: „Lililja wünscht Euch zu sprechen, Hohenmagier.“
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An Meister Lehakonos’ verblüfftem Gesicht erkannte Lililja, dass ihn diese Art ihrer Ankündigung ebenso überraschte.
Nanistra ließ Lililja an sich vorbeitreten, schenkte ihr noch ein freundliches Lächeln, schlurfte dann wieder hinaus und schloss hinter sich die Tür. Der alte Lehrmeister und seine ehemalige Schülerin schauten sich verwundert an.
Als Meister Lehakonos sie herausfordernd anlächelte, sagte Lililja schulterzuckend und nachdenklich: „Ich weiß auch nicht, warum Nanistra mir gegenüber gerade so freundlich ist. Ich habe ihr nur gesagt, dass ich Euch zu sprechen wünsche.“
„Dann setz dich“, sagte Meister Lehakonos und bot ihr einen Stuhl an. „Was führt dich zu so früher Morgenstunde her, Lililja?“
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„Ich habe heute im Bach an der Sonnenwiese einen leicht veränderten Magiefluss feststellen müssen“, erklärte sie besorgt. „Es wurde dunkle Magie angewendet.“
Auf Meister Lehakonos' Gesicht erschienen tiefe Sorgenfalten. „Das ist ja furchtbar!“, entfuhr es ihm.
„Ich glaube allerdings“, fuhr Lililja fort, „dass es noch nichts ist, über das wir uns allzu große Sorgen machen müssen.“ Sie wiederholte Mojalians Verdacht des Experimentierens mit dunkler Magie. „Ich werde die Magieflüsse aber auf jeden Fall weiter beobachten“ schloss sie und ergänzte dann noch: „Sollte ich weitere Anomalien feststellen, werde ich Euch wieder umgehend benachrichtigen.“
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Lililja berichtete von dem veränderten Magiefluss im Bach an der Sonnenwiese.
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„Ja, mach das, Kind“, sagte Meister Lehakonos tief in Gedanken versunken. „Allerdings denke ich, wir sollten die Zauberweisen ebenfalls benachrichtigen. Wenn ein Magier einmal Erfahrungen mit der dunklen Magie gemacht hat, besteht die Gefahr, dass er Gefallen daran gefunden hat. Alle müssen die Augen offen halten, damit derjenige schnell gefunden werden kann und ihm vor Augen geführt wird, welche Konsequenzen sein Handeln nach sich zieht.“
Besorgt öffnete er eines der Fenster im Studierzimmer und sprach: „Maheravo, Skukius!“, woraufhin kurze Zeit später der Korvum-Rabe auf dem Fensterbrett erschien.
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Meister Lehakonos schickte Skukius los, die Zauberweisen zusammenzurufen.
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„Skukius, kannst du die Zauberweisen bitten, sich in meinem Studierzimmer einzufinden?“, bat er den Vogel.
Skukius nickte und flog davon, um seinen Auftrag zu erledigen.
Während Lililja und Meister Lehakonos auf die Ankunft der Zauberweisen warteten, sagte der alte Lehrmeister: „Mir ist zu Ohren gekommen, dass du seit geraumer Zeit den Baum der Magie sehr oft am Tag aufsuchst. Hat das eine besondere Bewandtnis?“
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Er schaute Lililja erwartungsvoll an. Lililja wurde ein wenig rot. Sie mochte ihm nicht erzählen, dass sie wieder Kontakt zu Mojalian hatte. Das war ihr persönliches, gut gehütetes Geheimnis. Daher entschloss sie sich, die halbe Wahrheit zu erzählen.
„An diesem Baum hat Mojalian einst versucht, die Magie zu spüren“, erklärte sie. „Immer, wenn mich ein Problem beschäftigt, gehe ich zu dem Baum und erzähle ihm davon. Es fühlt sich dann stets so an, als würde Mojalian zuhören.“
Sie lächelte milde und ergänzte: „Bislang hat der Baum mir aber noch nie geantwortet.“
Meister Lehakonos nickte verständnisvoll.
„Ja“, entgegnete er seufzend, „viele Wesen erzählen mir, dass sie Mojalian vermissen. Er hat einen sehr tiefen Eindruck in Vanavistaria hinterlassen.“
Nachdem sämtliche Zauberweisen eingetroffen waren, die von Nanistra jedes Mal auf ihre übliche mürrische Art mit „Ein Gast“ oder „Zwei Gäste“ angekündigt worden waren, erzählte Lililja noch einmal von ihren Beobachtungen.
„Endlich“, dröhnte Jadorucs tiefe Bassstimme durch das Studierzimmer, „endlich zeigt der Rabe sein wahres Gesicht.“
Meister Lehakonos und Lililja starrten ihn entgeistert an.
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„Was meint Ihr damit, dass Skukius sein wahres Gesicht zeigt?“, fragte Lililja misstrauisch.
„Wir haben bei der Verabschiedung des Geisterwesens doch alle gesehen“, entgegnete Jadoruc, „dass dieser Vogel über Magie verfügt. Und ich hatte Euch schon damals gewarnt“, wandte er sich an den alten Lehrmeister, „dass dieser Vogel wahrscheinlich von einem dunklen Magier geschickt wurde, um uns auszuspähen. Nun zeigt er endlich, dass Magie in ihm steckt und auch, welche Art von Magie das ist. Das hat er ja auch lang genug geheim gehalten.“
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Jadoruc beschuldigte Skukius, dunkle Magie angewandt zu haben.
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Meister Lehakonos schüttelte entschieden den Kopf.
„Jadoruc, ich bitte dich, solche Unterstellungen nicht laut auszusprechen! Erstens wusste ich von Anfang an, dass Skukius Magie in sich trägt, sonst hätte ich ihn nicht zu meinem Unterricht zugelassen. Und zweitens weiß ich, dass Skukius diese Magie niemals für dunkle Zwecke einsetzen würde. Er hat ohne zu zögern den Schwur des Lichtes geleistet, und ich bin davon überzeugt, dass er sich daran hält. Dafür verbürge ich mich.“
„Und ich unterstütze Euch dabei“, bestätigte Lililja. „Skukius war mit Sicherheit nicht derjenige, der den Magiefluss geändert hat!“
Sie funkelte Jadoruc feindselig an. „Skukius hat bei der Sicherung des Waldes geholfen. Er hat die Nachrichten des Silberfederadlers entschlüsselt und an uns weitergeleitet. Warum sollte er plötzlich dunkle Magie anwenden, nachdem er uns beim Schleiersturm so entschieden unterstützt hat?“
Fast hätte sie auch noch von Skukius' zentraler Rolle bei der Lösung der Aufgabe des Schleiersturms gesprochen, doch sie konnte sich gerade noch zügeln. Davon durfte niemand erfahren!
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Lililja erzählte Jadoruc von Skukius′ Hilfe beim Sichern des Waldes.
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Jadoruc starrte Lililja ungläubig an. Von dieser Unterstützung des Korvum-Raben bei der Vorbereitung auf den Schleiersturm war ihm noch nichts erzählt worden.
Da Jadoruc ein so misstrauischer Magier war, hatte er nur sehr wenige enge Freunde, mit denen er sich über Belanglosigkeiten austauschte. In der Regel ging es in seinen Gesprächen mit anderen stets um bedeutsame magische Themen.
Und so hatte er auch von den bewundernden Gerüchten über Skukius, die nach seiner magischen Ernte im Umlauf waren, nichts mitbekommen.
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Ein wenig verunsichert überlegte Jadoruc, ob er seine Einschätzung des Korvum-Raben richtig gewesen war.
Nachdem eine Zeit lang angespannte Stille geherrscht hatte, nahm Meister Lehakonos das Gespräch wieder auf.
„Ich denke“, sagte er bestimmt, „dass wir alle die Augen nach Magiern mit auffälligem Verhalten offen halten sollten. Dass dunkle Magie angewendet wurde, sollten wir vorerst nicht an die große Glocke hängen. Das würde nur zu Panik führen. Lililja vermutet, dass es noch eine eher harmlose Sache ist und der Schwur des Lichtes noch nicht wirklich gebrochen wurde. Sie wird aber weiterhin wachsam sein und uns auf dem Laufenden halten, falls sich der Magiefluss weiter verändert.“
Lililja nickte.
„Gut“, schloss Meister Lehakonos die Sitzung ab, „dann ist das Wichtigste gesagt und alle können wieder an ihre Arbeit gehen. Nanistra wird euch hinausbegleiten.“
Nachdem alle Magier aufgestanden waren, bat der alte Lehrmeister: „Jadoruc, kann ich dich noch kurz unter vier Augen sprechen?“
Nanistra, die schon bereitstand, schlurfte vor der Gruppe her und begleitete sie zur Tür. Als Lililja an ihr vorbeiging, wurde sie erneut mit einem freundlichen Lächeln bedacht. Überaus verwundert nahm die Elfe dieses neue Verhalten der sonst so mürrischen Hausmagd des Hohenmagiers ihr gegenüber zur Kenntnis.
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Meister Lehakonos hatte sich inzwischen, nachdem sich die Tür hinter dem letzten Zauberweisen geschlossen hatte, an Jadoruc gewandt und erklärt: „Ich wollte es nicht vor allen Zauberweisen sagen, aber du musst wissen, dass Skukius Erfahrung mit der dunklen Magie hat − und zwar nicht, indem er sie selbst eingesetzt hat, sondern indem sie an ihm angewandt wurde. Dass Magie in ihm ist, wird irgendwie damit zusammenhängen. Und glaube mir, Skukius wäre der Letzte, der sich der dunklen Magie verschreiben würde. Er würde sich vermutlich eher sämtliche Federn einzeln ausreißen, bevor er sich auf dunkle Magie einlassen würde.“
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Lililja wurde beim Hinausgehen von Nanistra erneut mit einem Lächeln bedacht.
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Jadoruc begann zu verstehen. Es würde noch einige Zeit dauern, bis sich das Bild, das er sich jahrelang von diesem Vogel gemacht hatte, vollständig gewandelt haben würde. Doch er nahm sich vor, in nächster Zeit genauer darauf zu achten, ob sich die Sichtweisen von Meister Lehakonos und Lililja im Verhalten des Vogels bestätigten.
Währenddessen setzte Lililja ihre Morgenrunde fort. Sie musste noch einiges nachholen, bevor sie sich wieder dem Baum der Magie zuwenden und Mojalian von dem seltsamen Verhalten Nanistras ihr gegenüber erzählen konnte.
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Lililja versuchte am Mondfelsen die Harmonie der Erde zu fühlen.
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Von der Sonnenwiese, an der sie heute bereits den Magiestrom im Wasser geprüft hatte, schritt sie zum Mondfelsen, um ihre Hände daran zu legen und die Harmonie der Erde zu fühlen.
Doch nach allem, was sie heute schon erlebt hatte, fiel es ihr schwer, ihre Konzentration auf ihre Aufgaben zu lenken.
Schon zum dritten Mal versuchte sie, die Harmonie der Erde zu fühlen, doch immer wieder entglitt ihr die Konzentration und kehrte zu dem veränderten Magiefluss und dem merkwürdigen Verhalten Nanistras zurück.
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Vielleicht sollte ich direkt zum Baum der Magie gehen und Mojalian davon erzählen. Dann könnte ich mich möglicherweise wieder besser auf meine Aufgaben konzentrieren, dachte sie.
Wovon willst du mir erzählen?, hörte sie prompt die interessierte Frage Mojalians in ihren Gedanken.
Du hast mich gehört?, fragte Lililja völlig verdutzt.
Sonst hätte ich nicht nachgefragt, stellte Mojalian sachlich fest.
Aber... Lililja war ein wenig verwirrt. Ich befinde mich weder am Baum der Magie noch an der Sonnenwiese, und ich hatte gerade auch kein Schockerlebnis. Warum kannst du mich hier wieder hören?
Wo genau bist du?, wollte Mojalian wissen.
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Ich versuche gerade vergeblich, erklärte sie resigniert, die Harmonie der Erde am Mondfelsen zu fühlen, aber ich kann mich nicht konzentrieren.
Vermutlich hat sich die Verbindung durch dein Schockerlebnis auf sämtliche magischen Orte ausgeweitet, überlegte Mojalian und fügte dann zärtlich lächelnd hinzu: Du kannst mir an deiner nächsten Station ja einmal erzählen, was dir gerade auf der Seele liegt.
Lililja versuchte noch ein letztes Mal vergeblich, die Harmonie der Erde zu fühlen, dann verschob sie diese Prüfung auf später. Es hatte jetzt keinen Zweck. Es gab heute einfach viel zu viel zu überdenken!
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Lililja wunderte sich, dass sie Mojalian auch am Mondfelsen hören konnte.
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Also schritt sie weiter zum Wolkenhügel, um hier eine rituelle Luftreinigung vorzunehmen, die für einen harmonischen Magiefluss des Windes sorgen sollte.
Sie führte den Ritus aus, dieses Mal mit voller Konzentration, und fragte anschließend: Mojalian, hast du eine Ahnung, warum Nanistra mich anlächelt? Das hat sie früher nie getan!
Es erfolgte keine Antwort.
Schade, dachte sie tief enttäuscht. Mojalian scheint sich wohl geirrt zu haben.
Habe ich nicht, kam prompt die Antwort. Ich habe nur überlegt, was ich auf deine Frage antworten soll.
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Mojalian überlegte, was er auf Lililjas Frage antworten sollte.
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