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Dunkle Magie

Lililja war glücklich! Seit drei Wochen konnte sie nun an allen magisch bedeutsamen Stellen mit Mojalian kommunizieren. Die Verbindung beschränkte sich nicht mehr nur auf den Baum der Magie. Dadurch fühlte sie eine große Nähe zu ihm, obwohl er körperlich nicht anwesend war, was ihr inzwischen mehr fehlte, als sie sich eingestehen wollte.

Vor einigen Tagen hatte sie ihn gefragt, ob es ihm nicht doch möglich sei, nach Vanavistaria zurückzukehren − oder ob es vielleicht für sie möglich wäre, zu ihm nach Valivisia zu kommen.

Sie spürte die große Traurigkeit in Mojalians Worten, als er ihr bedauernd erklärte: Leider funktioniert das eine wie das andere nicht. Das Portal erlaubt ausschließlich Geisterwesen, es zu benutzen. Allerdings ist euer Portal beschädigt. Daher kann es nur Geisterwesen von Vanavistaria fort- und nicht nach Vanavistaria hinbringen.

Sie hatte diese Erkenntnis mit großem Kummer und tiefer Enttäuschung zur Kenntnis nehmen müssen. Mojalian und sie würden für immer getrennt bleiben müssen. Es war nicht zu ändern, so sehr sie sich auch wünschte, dass es anders wäre! Er würde niemals zu ihr zurückkehren können.



Lililja genoss es, dass sie und Mojalian sich nun an allen magisch bedeutsamen Stellen unterhalten konnten.

Dennoch schien auch Mojalian über die Ausweitung ihrer Kommunikationsmöglichkeit glücklich zu sein.

Oft wurde sie, sobald sie von einer magisch bedeutsamen Stelle fortgegangen war und die nächste erreicht hatte, von ihm mit einem schelmischen Ich habe dich vermisst! begrüßt.

So konnte sie trotz der räumlichen Trennung ihre täglichen Runden weiterhin in vollen Zügen genießen. Mojalian begleitete sie nun wieder in Gedanken auf ihren Gängen, und an den magischen Knotenpunkten unterhielten sie sich intensiv.

Auf ihre Frage, ob er wisse, warum Nanistra sie plötzlich anlächelte, hatte er ihr eine ausweichende Antwort gegeben.

Dass Mojalian sie dadurch schützen wollte, konnte sie nicht ahnen.

Natürlich hatte er den Verdacht, dass dies eine Reaktion auf seine Mitteilung war, dass Lililja die Hüterin des Lichtes sei. Allerdings wollte er ihr diese Offenbarung noch ersparen.

Nanistra hatte erklärt: „Tarodastrus hat den Hinweis auf den Hüter des Lichtes aus sämtlichen Geschichtsaufzeichnungen gestrichen, weil er sein Leben lang unter den hohen Erwartungen gelitten hat, die an ihn, den damaligen Hüter des Lichtes, gestellt wurden.“

Wenn dies tatsächlich eine so außerordentliche Bürde war, wie Nanistra behauptet hatte, dann wollte Mojalian Lililja nicht damit belasten, solange es nicht notwendig war.

Da er diese Überlegung jedoch für sich behielt, nahm Lililja an, dass Mojalian über das neue Verhalten Nanistras ihr gegenüber genauso verwundert war, wie sie selbst.

Seit ihrem Schockerlebnis überprüfte die junge Elfe nun mit besonderer Aufmerksamkeit den Magiefluss im Sonnenbach, der inzwischen in seine gewohnten Bahnen zurückgekehrt war.

Weil die Zauberweisen bislang niemanden gefunden hatten, der sich mit dunkler Magie beschäftigte, schloss Lililja daraus, dass der Magier seine Neugier gestillt hatte und es bei diesem einen Vorfall blieb.

Als sie an diesem Morgen ihre Hand in das kristallklare Wasser des Sonnenbachs hielt, stellte sie allerdings erneut einen veränderten Magiefluss fest. Erneut musste dunkle Magie angewandt worden sein.

Es erschütterte sie zwar, doch dieses Mal hielt sich der Schreck in Grenzen.

Mojalian, dachte sie erschrocken, der Magiefluss hat sich wieder verändert!

Ist er ähnlich schwach wie beim letzten Mal?, wollte Mojalian sofort mit tiefernster Stimme wissen. Oder hat er sich verstärkt?



Lililja stellte erneut eine Veränderung des Magieflusses fest, dieses Mal aber deutlicher als beim letzten Mal.

Er ist eindeutig stärker als beim letzten Mal!, entgegnete sie. Beim letzten Mal hätte ich es ja fast übersehen. Aber dieses Mal ist er unverkennbar vorhanden!

Das ist beunruhigend, meinte Mojalian tief besorgt. Da muss jemand den Schwur des Lichtes gebrochen und dunkle Magie benutzt haben, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sei wachsam!

Lililja eilte sofort zu Meister Lehakonos' Anwesen, um ihn über die erneute Anwendung dunkler Magie zu unterrichten.



Lililja wurde von Nanistra erneut mit einem Lächeln begrüßt.

Beim Einlassen wurde sie von Nanistra wieder mit einem freundlichen Lächeln empfangen und genauso freundlich wie beim letzten Mal beim Hohenmagier angekündigt.

Völlig irritiert sagte der alte Lehrmeister, nachdem sich die Tür hinter Nanistra geschlossen hatte: „Sie scheint dich in ihr Herz geschlossen zu haben, Lililja. Du bist die Einzige, die sie auf diese liebenswerte Art zu mir führt.“

Lililja zuckte kopfschüttelnd mit den Schultern, um anzudeuten, dass sie selbst nicht wusste, womit das zusammenhängen könnte.

Dann kam sie umgehend auf den Grund ihres Besuchs zu sprechen: „Meister Lehakonos, es wurde erneut dunkle Magie benutzt, und dieses Mal ist der Magiefluss so stark verändert, dass ich befürchte, dass jemand mehr getan hat, als nur damit herumzuexperimentieren. Dieses Mal wurde der Schwur des Lichts eindeutig gebrochen und die dunkle Magie mit einer bestimmten Absicht eingesetzt.“

Meister Lehakonos erschrak sichtlich und erblasste.

„Wir müssen umgehend die Zauberweisen informieren und beraten, wie wir jetzt vorgehen.“

Wie beim letzten Mal wurde erneut Skukius damit beauftragt, die Zauberweisen zu unterrichten.

Skukius flog davon, um seinen Auftrag zu erfüllen. Er suchte jeden einzelnen Magier auf und überbrachte ihm persönlich die Nachricht: „Meister Lehakonos bittet Euch zu sich!“

Für ihn als Korvum-Raben mit seinem angeborenen Instinkt war es ein Leichtes, jeden gesuchten Zauberweisen sofort ausfindig zu machen. Nach überbrachter Botschaft flog er dann weiter.

Als er den letzten Zauberweisen informiert und seinen Auftrag erfolgreich ausgeführt hatte, wollte er zu Rafyndor in den Wald zurückkehren, wo er zuvor gewesen war, als ihn der Ruf des Hohenmagiers ereilt hatte. Sie hatten sich zwar nur über unwichtige Dinge unterhalten, aber Skukius genoss die Gesellschaft des Waldgeistes und hatte das Gefühl, dass es Rafynodor ähnlich erging.

Während er nun über den Wipfeln der Bäume im Wind dahinsegelte, nahm er plötzlich den Hauch von etwas Buntem wahr, das auf einem der Waldwege lag. Das musste er sich genauer ansehen. Also verringerte er die Höhe − und schrie innerlich auf, als er erkannte, was es war. Er stürzte auf die Stelle zu.

Rangalo!

Der Vasta-Sperling hatte eine breite Brandwunde quer über seiner kleinen Brust. Er atmete kaum noch.

„Rangalo!“, rief Skukius entsetzt. „Rangalo, du darfst nicht sterben!“



Skukius hatte während seines Fluges einen Hauch von etwas Buntem auf dem Weg unter sich wahrgenommen.

Der Vasta-Sperling reagierte jedoch nicht.

Skukius geriet in Panik. Was sollte er tun?

Seine Federkrone begann hell zu leuchten, doch er kümmerte sich nicht darum. Er musste seinem Freund helfen. Er konnte ihn hier doch nicht liegen lassen!

Vorsichtig griff er den kleinen Vasta-Sperling mit einem seiner Rabenfüße und flog auf direktem Weg zur Hütte von Pranicara.

Sie verabschiedete gerade einen Elfen an ihrer Tür, der sich bei ihr einen Rat geholt hatte. Vor ihrer Hütte standen noch etliche Wesen, die alle zu ihr wollten.

Ohne auf die wartenden Wesen Rücksicht zu nehmen, brauste Skukius mit Rangalo durch die offene Tür und legte den kleinen Vasta-Sperling behutsam auf Pranicaras Tisch.

„Du musst ihn behandeln!“, rief Skukius völlig außer sich. „Rangalo stirbt sonst!“

Pranicara schob den Moorgeist, der gerade eintreten wollte, mit einem freundlichen Lächeln zurück nach draußen und schloss die Tür vor seiner Nase. Dann drehte sie sich um und ging besorgt zu Skukius, dessen Federkrone immer noch vor Panik magisch leuchtete. Er war auf eine Stuhllehne gehüpft und trippelte nervös darauf hin und her.



Der panische Skukius legte den verletzten Rangalo auf Pranicaras Tisch.

„Ich habe ihn gefunden, und er hat kaum noch geatmet!“, rief Skukius panisch. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich habe ihn einfach mitgenommen. Du musst ihm helfen!“

„Beruhige dich, Skukius“, sagte Pranicara, die spürte, dass Skukius kurz davor war, magische Funken zu versprühen. „Wenn du dich nicht beruhigst, wirst du gleich noch meine Hütte in Brand stecken!“

Pranicaras Worte bewirkten, dass Skukius für einen Moment seine Panik vergaß und die Tierheilerin irritiert anstarrte. Seine Federkrone erlosch.

„Nun lass mich deinen kleinen Freund einmal untersuchen“, sagte sie und beugte sich über den Vasta-Sperling.

Rangalo atmete immer noch schwach, allerdings hatte sich die Wunde bereits zu schließen begonnen. Als Pranicara die Wunde sah, entfuhr ihr ein kleiner Schreckensschrei. Rangalo war von einem dunklen Fluch getroffen worden!

Wer bei aller Magie hatte ihm das angetan?

Allerdings wunderte sie sich darüber, dass sich die Wunde bereits schloss. Das geschah in der Regel nicht, wenn ein dunkler Fluch eine Wunde verursacht hatte. Solche Wunden waren immer sehr schwer zu heilen.

Sie sah Skukius nachdenklich an.

Skukius wurde unter ihrem Blick nervös. Warum schaute sie ihn so an?

„Ich habe ihm nichts angetan!“, verteidigte er sich nervös. „Ich habe ihn nur gefunden. Ich war es nicht!“

„Skukius, beruhige dich!“, wiederholte sie, dieses Mal sanft mit einem freundlichen Lächeln. „Ich unterstelle dir auch nicht, dass du ihn verletzt hast. Ich überlege gerade, ob du ihn geheilt hast!“



Pranicara untersuchte Rangalo und
überlegte, ob Skukius den verletzten
Vasta-Sperling geheilt hatte.

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