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Lililja hatte sich nach dem Abendgang von Rafyndor verabschiedet und war nach Hause zurückgekehrt.
Während sie die letzten Arbeiten für diesen Tag im Haus verrichtete, hatte sie sich nicht getraut, Mojalian zu rufen. Zu groß wäre die Enttäuschung gewesen, hätte er nicht geantwortet.
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Nun lag sie im Bett, holte tief Luft und fragte unsicher: Mojalian?
Ja, Lililja, erklang umgehend Mojalians sanfte Stimme in ihren Gedanken.
Ihr Herz machte einen Hüpfer. Mojalian war erreichbar!
Sie schwieg und genoss seine gedankliche Nähe.
Mojalian, begann Lililja nach einer Weile nachdenklich, warum hat sich unser Kontakt jedes Mal ausgeweitet, wenn ich so aufgewühlt war?
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Lililja stellte glücklich fest, dass sie nun auch Mojalian in ihrem Schlafzimmer hören konnte.
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Mojalian dachte eine Weile darüber nach und sagte schließlich zärtlich: Ich vermute, dass unsere Sehnsucht nach dem jeweils anderen ein unsichtbares Band zwischen uns gespannt hat, das selbst die weite Entfernung von Vanavistaria nach Valivisia nicht zerreißen konnte. Meine Liebe zu dir war schon in Vanavistaria erwacht. Aber ich hatte Rafyndor versprochen, mich nicht zwischen euch zu drängen, und hielt daher meine Gefühle vor dir verborgen. Ich dachte, wenn ich nach Valivisia zurückkehren und dich eine Weile nicht mehr sehen würde, würden diese Gefühle wieder verblassen. Aber das taten sie nicht. Die Sehnsucht nach dir wuchs von Tag zu Tag. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und schwebte in den Baum, um dir gefühlsmäßig nahe zu sein. Ich war überglücklich, als ich deine Stimme vernahm.
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Lililja erinnerte sich, dass sie sehr gern Zeit mit Mojalian verbracht hatte.
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Lililja überlegte und fragte sich, ob sie für Mojalian auch schon Gefühle entwickelt hatte, als er noch in Vanavistaria verweilte. Sie war sich nicht sicher.
Er hatte viel Zeit mit ihr verbracht, aber von Anfang an war klar gewesen, dass es nicht für immer sein würde. Die Aufgabe hatte gelautet, Mojalian wieder nach Hause zu bringen, und darauf hatte sie sich konzentriert.
Wenn sie jedoch ehrlich zu sich selbst war, hatte sie die Zeit mit ihm genossen − sehr sogar.
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Schließlich entgegnete sie ebenso zärtlich: Vermutlich fühlte ich auch schon damals Liebe für dich, habe dieses Gefühl aber nicht zugelassen, weil ich wusste, dass du nicht bleiben würdest.
Ich weiß, sagte Mojalian schlicht. Ich habe deine Gefühle für mich sehr wohl bemerkt, was mich glücklich machte, aber ich erkannte auch, dass du sie ignoriertest. Du warst viel zu sehr auf die Erfüllung der Aufgabe bedacht und darauf, Rafyndor nicht zu verletzen, als dass du dir deine eigenen Gefühle zugestanden hättest. Als ich dich zum Abschied umflügelte, musste ich meinen Geist direkt danach verschließen, sonst hättest du mich zurückhalten können. Ich hätte den Weg nach Valivisia nicht geschafft, hättest du mich gebeten zu bleiben. Aber ich wusste, dass ich auf Dauer nicht glücklich geworden wäre. Daher habe ich den Weg gewählt, der mich von dir fortbrachte.
In Mojalians letztem Satz schwang großes Bedauern mit.
Lililja ließ die Worte auf sich wirken. Sie hätte Mojalian aufhalten können, hätte sie nur damals tiefer in sich hineingehorcht. Warum hatte sie das nicht getan? Aber Mojalian wäre hier auf Dauer nicht glücklich geworden. War es dann nicht besser, dass er gegangen war?
Mojalian, sagte sie schließlich liebevoll, ich bin glücklich, dass ich dich von jetzt an überall und zu jeder Zeit erreichen kann. Sie lächelte sanft.
Darüber bin ich auch sehr glücklich, entgegnete Mojalian zärtlich und lächelte ebenso sanft zurück.
Am nächsten Morgen − Lililja hatte Mojalian direkt nach dem Aufstehen einen guten Morgen gewünscht und sich gefreut, dass er umgehend geantwortet hatte − ging sie auf direktem Weg zu Pranicara, um sich zu erkundigen, wie es Rangalo ging.
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Vor Pranicaras Hütte herrschte wieder einmal Hochbetrieb. Viele unterschiedliche Wesen hatten den Weg zu ihr gefunden und warteten darauf, dass sich die Seelenheilerin für sie Zeit nahm.
Um schneller Zutritt zu bekommen, ließ Lililja heute erkennen, dass sie das wichtige Amt der Hüterin der Natur und der Magie innehatte. Schließlich war sie tatsächlich in offizieller Angelegenheit hier und sollte den Zauberweisen später Bericht erstatten.
So klopfte sie, für alle Wesen deutlich sichtbar, an die Tür der Hütte.
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Vor Pranicaras Hütte warteten eine Menge Wesen darauf, dass sich die Seelenheilerin Zeit für sie nahm.
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Einige der wartenden Patienten runzelten die Stirn, weil sie sich vordrängelte. Als Pranicara etwas genervt öffnete, sprach Lililja für alle Anwesenden vernehmbar: „Einen schönen guten Morgen, Seelenheilerin. Ich müsste kurz mit Euch sprechen.“
Pranicara schaute sie irritiert an, ließ sie jedoch ohne Umschweife eintreten.
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Pranicara erklärte, dass die vielen Patienten auf Mojalians Arbeit zurückzuführen waren.
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„Hast du immer so viele Wesen vor deiner Hütte stehen?“, fragte Lililja ungläubig, nachdem Pranicara die Tür hinter ihr geschlossen hatte.
Die Waldgeistfrau verdrehte die Augen und nickte.
„Das sind die Auswüchse, die Mojalian uns hinterlassen hat“, erklärte sie seufzend. „Das Geisterwesen konnte ja jederzeit, an jedem Ort, mit jedem gleichzeitig sprechen. Es scheint sich allerdings noch nicht herumgesprochen zu haben, dass ich diese Fähigkeit nicht besitze.“
Lililja sah sie mitfühlend an.
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Pranicara zuckte mit den Schultern und fragte dann grinsend: „Was führt Euch her, Hüterin der Natur und der Magie?“
„Entschuldige meinen offiziellen Auftritt draußen“, sagte Lililja mit einem schiefen Lächeln, „aber ich bin tatsächlich vom Hohenmagier hergeschickt worden, mich nach Rangalos Befinden zu erkundigen. Rafyndor hat mir von dem magischen Fluch erzählt, den der kleine Vasta-Sperling abbekommen hat.“
„Dem geht's blendend“, erklärte Pranicara entnervt. „Der macht nur Blödsinn!“
Lililja musste schmunzeln. Ja, das klang ganz nach Rangalo.
„Rafyndor wird auch jeden Moment hier erscheinen“, erklärte Lililja. „Er soll Rangalo fragen, wer ihm das angetan hat. Der Magiefluss hat sich wieder verändert, und dieses Mal ist es deutlich: Ein Magier hat den Schwur des Lichtes gebrochen.“
Pranicara starrte Lililja entsetzt an.
„Du glaubst“, stammelte sie erschüttert, „ein Magier des Lichtes hat Rangalo das angetan?“
Lililja nickte ernst.
Gemeinsam warteten sie auf Rafyndor.
Als dieser an die Tür klopfte und viele mürrische Blicke auf sich zog, weil auch er sich vordrängelte, öffnete Lililja die Tür und sagte wieder für alle Wartenden vernehmbar: „Waldhüter, ich hatte schon auf Euch gewartet!“
Rafyndor trat mit einem breiten Grinsen ein und machte eine galante Verbeugung. „Hüterin, Seelenheilerin, ich bin untertänigst Eurem Ruf gefolgt.“
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Pranicara und Lililja lachten. Dann wurden sie jedoch wieder ernst. Es ging darum, einem Magier des Lichtes den Bruch des Schwurs nachzuweisen.
Rangalo saß oben auf einem Regal und ließ Pergamentschnipsel herunterregnen. Als er Rafyndor sah, flog er ihm direkt entgegen und setzte sich auf seine hingehaltene Hand.
„Hallo, mein kleiner Freund“, begrüßte Rafyndor den Vasta-Sperling. „Wie geht es dir heute?“
Rangalo zwitscherte zurück: „Bestens, ich langweile mich. Ich will hier weg!“
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Die drei Zauberwesen beobachteten Rangalo dabei, wie er Pergamentschnipsel von einem Regal herunterregnen ließ.
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Als Rafyndor dies den beiden anderen Zauberwesen übersetzte, lächelte Pranicara und sagte: „Gerne. Dann bin ich diesen Plagegeist wieder los, der mir hier alles verwüstet. Er ist inzwischen soweit genesen, dass es kein Problem darstellen dürfte.“
Rafyndor übermittelte Pranicaras Antwort an Rangalo und sagte dann: „Aber vorher muss ich dich noch etwas Wichtiges fragen: Weißt du, wer dir das angetan hat?“
Rangalo erstarrte. Das war etwas, woran er sich nicht erinnern wollte. Es war ein Trauma, das ihn noch immer im Griff hatte.
Sowohl Rafyndor als auch Pranicara spürten, dass sie an etwas rührten, das Rangalo nicht gefiel. Dennoch musste es zur Sprache gebracht werden.
Pranicara eilte in die Küchenecke, holte ein kleines Schälchen kalten Kemulitees und stellte es auf den Untersuchungstisch.
„Kannst du Rangalo bitten, etwas davon zu sich zu nehmen?“, bat sie Rafyndor. „Es wird ihm leichter fallen, über sein Erlebnis zu sprechen, wenn er seine Nerven beruhigt hat.“
Rafyndor übersetzte ihre Worte. Rangalo sah ihn skeptisch an.
„Es muss sein!“, sagte Rafyndor ernst. „Wir müssen wissen, welcher Magier seinen Schwur gebrochen hat, Rangalo. Sonst könnte es sein, dass ein anderes Wesen dasselbe Schicksal erleidet wie du.“
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Zur Beruhigung bekam Rangalo ein Schälchen kalten Kemulitees.
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Rangalo nickte verstehend, hüpfte auf den Tisch und trippelte zum Schälchen. Vorsichtig nippte er daran. Allerdings schien es ihm zu schmecken, denn er trank gleich mehrere Schlucke. Dabei spürte er selbst, wie er zunehmend ausgeglichener wurde.
Dann kehrte er auf Rafyndors Hand zurück.
„Bist du jetzt bereit, mit mir darüber zu sprechen?“, fragte Rafyndor sanft.
Rangalo begann zu erzählen:
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„Vor einiger Zeit habe ich einen grünen Magier dabei beobachtet, wie er die Farbe einiger Steine durch Magie veränderte. Graue Steine wurden blau oder grün oder rosa. Das gefiel mir sehr. Und weil die Steine so hübsch aussahen, habe ich um sie ein Blumenkränzchen gelegt, damit sie besser auffallen. Das schien der Magier aber nicht zu mögen. Er machte meine Blumenkränzchen immer wieder kaputt. Also habe ich sie immer wieder heimlich erneuert. Er scheint mich aber beim letzten Mal dabei gesehen zu haben, denn kaum war ich mit dem Kränzchen fertig, schrie er mich an und verbrannte mir die Brust. Es tat so schrecklich weh!“
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Rangalo erzählte, wie er die verzauberten Steine mit einem Blumenkränzchen dekoriert hatte.
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Er flog erneut zum Schälchen und nippte wieder an dem kalten Kemuli-Tee.
Während Rangalo trank, übersetzte Rafyndor den beiden anderen Zauberwesen, was Rangalo erzählt hatte.
Lililja nickte. Es passte zu Jadorucs Vermutung.
„Kannst du ihn fragen, ob er den Magier erkennen würde, wenn dieser vor ihm stünde?“
Rafyndor übermittelte die Frage, und Rangalo nickte.
„Könntest du Rangalo bitten, mit uns zu kommen?“, bat Lililja. „Meister Lehakonos wollte einen grünen Magier einbestellen, von dem wir vermuten, dass er derjenige sein könnte, der Rangalo das angetan hat. Es wäre hilfreich, wenn Rangalo uns sagen könnte, ob wir den Richtigen verdächtigen.“
Rafyndor übersetzte Lililjas Bitte. Rangalo sah nicht gerade glücklich aus. Immer wieder schielte er zum Schälchen hinüber.
Rafyndor musste lachen und meinte: „Pranicara, ich befürchte, du hast Rangalo süchtig gemacht.“
Pranicara musste lächeln. „Ich gebe euch ein kleines Fläschchen und ein Schälchen mit. Wenn ihr bei Meister Lehakonos seid, kannst du es ihm geben“, erklärte sie.
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Rafyndor und Lililja verabschiedeten sich förmlich von Pranicara.
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Als Lililja und Rafyndor ins Freie traten, wartete Skukius bereits auf sie. Er musste ihnen noch die Botschaft von Meister Lehakonos übermitteln, dass sie zum Treffen der Zauberweisen kommen sollten.
Lililja und Rafyndor verabschiedeten sich genauso förmlich von Pranicara, wie sie sie begrüßt hatten: „Es war uns eine Ehre, Seelenheilerin. Ihr habt uns wirklich weitergeholfen!“
Pranicara antwortete ebenso förmlich: „Es war mir eine Ehre. Hüterin, Waldhüter, Ihr seid jederzeit herzlich willkommen.“
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Dann lächelte sie die beiden noch einmal an, seufzte tief auf und bat den ersten Wartenden hinein.
Rangalo, der Rafyndor und Lililja ins Freie begleitet hatte, hatte Skukius sofort entdeckt und war direkt auf ihn zugeflogen. Er setzte sich auf seinen Rücken und kuschelte sich an ihn. Rafyndor hatte ihm bereits am Vortag erzählt, dass Skukius maßgeblich an seiner Rettung beteiligt gewesen war.
Gemeinsam gingen Lililja und Rafyndor zum Anwesen Meister Lehakonos'. Rangalo und Skukius flogen vor ihnen her, so ausgelassen wie schon lange nicht mehr.
Rafyndor betrachtete Lililja von der Seite.
Schließlich erkundigte er sich: „Geht es dir wieder besser? Du warst gestern nach der Nachricht über Rangalos Angriff ja doch arg mitgenommen.“
Lililja sah Rafyndor lächelnd an und nickte.
Ach, Rafyndor, dachte sie still bei sich, wie gerne würde ich es dir erklären. Aber es würde dich viel zu sehr verletzen!
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Rafyndor und Lililja machten sich auf den Weg zum Anwesen Meister Lehakonos′.
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