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Arokando schaute immer wieder ängstlich zum großen Waldhüter hoch.
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Während Arokando ohne große Hoffnung dem endgültigen Urteil entgegensah, schaute er immer wieder ängstlich zu dem hünenhaften Waldhüter hoch.
Er hatte gehörigen Respekt vor diesem wild aussehenden Waldgeist. Allein die Größe und Statur des Mannes schüchterten den kleinen Goblin ein.
Zudem bekleidete der Waldgeist ein sehr wichtiges Amt in Vanavistaria. Was mochte dieser ehrenwerte Waldhüter wohl von ihm, dem Goblin, der den Schwur des Lichtes gebrochen hatte, denken?
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Allerdings war Arokando außerordentlich glücklich darüber, dass der kleine Vasta-Sperling von dem Korvum-Raben gerettet worden war.
Wann immer ihm der kleine, bunte Vogel in den Blick geriet, durchströmten ihn erleichterte Glücksgefühle und er musste unweigerlich lächeln. Der junge Goblin hatte ihn ehrlich nicht verletzen wollen und war über seine Tat unbändig erschrocken gewesen. Wie hatte es nur so weit kommen können, dass er, ein Schüler des Lichtes, ein kleines, unschuldiges Wesen beinahe umgebracht hatte?
Die Zauberweisen würden ihn bestimmt vom Unterricht ausschließen, dachte Arokando traurig. Aber sie hätten ja auch jedes Recht dazu. Er hatte einst den Schwur des Lichtes abgelegt und damit öffentlich kundgetan, sich niemals dunkler Magie zu bedienen.
Doch seine Nachbarn, die sich mit ihren dunklen Flüchen gegenseitig das Leben schwer machten, waren nicht nur für sich selbst eine Last. Die gesamte Nachbarschaft litt unter ihrem Streit, da die beiden Streithähne ständig verlangten, dass sich jeder auf eine Seite schlagen müsse. Aber das wollte Arokando nicht. Er mochte beide Nachbarn und hatte auch kein Verständnis für diesen andauernden Streit, der in der Regel um nichts Wichtiges ging. Daher hatte er ihre Gedanken manipulieren wollen, damit diese Streitereien endlich ein Ende hatten.
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Als Mojalian in Vanavistaria gewesen war, hatte er den beiden immer geduldig zugehört, wenn sie erzählten, und ihnen anschließend deutlich gemacht, dass ihr Streit vollkommen überflüssig sei. Irgendwann waren die beiden tatsächlich so weit gewesen, dass sie ihre Streitigkeiten direkt miteinander lösten und die gegenseitigen Attacken nicht mehr stattfanden.
Allerdings war der Streit einige Wochen nach Mojalians Fortgang wieder ausgebrochen und inzwischen genauso schlimm wie früher.
Arokando seufzte.
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Arokando dachte sehnsüchtig an die Zeit zurück, als Mojalian die beiden Streithähne miteinander versöhnt hatte.
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Wieder schaute er scheu zum Waldhüter hoch. Dieser betrachtete den jungen Goblin genau.
Arokando wurde nervös. Immerhin hatte er einen kleinen Vogel verletzt, auf den der Waldhüter stets Acht gab. Eigentlich musste dieser ihn hassen.
Nun sprach der Waldhüter − wie auch schon vorhin im Studierzimmer des Hohenmagiers − erneut mit dem Vogel in dessen Sprache. Das war toll. Arokando überlegte, ob er das wohl auch lernen könnte. Dann könnte er sich bei dem kleinen Vogel selbst entschuldigen und ihm sagen, dass er ihn niemals hatte verletzen wollen.
Der junge Goblin hörte, wie der Vasta-Sperling leise zurückzwitscherte, woraufhin der Waldhüter erneut eine Antwort zwitscherte und schmunzelte.
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Rafyndor und Rangalo unterhielten sich in der Vogelsprache miteinander.
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Ach, wenn Arokando doch nur verstehen könnte, worüber die beiden redeten. Es wäre bestimmt interessant zu erfahren, was sie miteinander besprachen.
Der Vasta-Sperling beäugte den Goblin vom Kopf des Waldhüters aus. Dort oben schien er sich sicher zu fühlen. Plötzlich flog er jedoch hinab auf die offene Hand des Waldhüters.
Unwillkürlich betrachtete Arokando ebenfalls seine Hand und stellte sich vor, den kleinen Vogel darauf sitzen zu haben. Als er jedoch bemerkte, dass der Waldhüter ihn beobachtete, versteckte er diese schnell hinter seinem Rücken.
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Arokando schluckte schwer. Er wollte den Waldhüter gerne etwas fragen, wusste aber nicht, ob er sich trauen sollte.
Schließlich nahm er all seinen Mut zusammen und sprach ihn schüchtern an: „Waldhüter, wärt Ihr bereit, dem kleinen Vasta-Sperling mein tiefstes Bedauern auszudrücken und ihm zu sagen, dass ich mir geschworen habe, nie wieder dunkle Magie anzuwenden?“
Der große Waldgeist zwitscherte es dem Vogel zu, der ihm aufmerksam zuhörte. Anschließend beäugte der Vasta-Sperling wieder den jungen Goblin.
Arokando beobachtete, wie der Waldhüter dem Vogel schmunzelnd etwas zuzwitscherte, woraufhin dieser den jungen Goblin erneut intensiv musterte.
Der junge Goblin gestattete sich ein scheues Lächeln.
Nun schien der kleine Vogel den Waldhüter etwas zu fragen, denn als Antwort erhielt er dieses Mal nur ein Nicken. Ein kurzes Piepsen kam von Rangalo zurück.
Dann sprach der Waldhüter Arokando an: „Halte deine Hand auf.“
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Unsicher tat der junge Goblin, was der Waldhüter ihm gesagt hatte.
Da flatterte der Vasta-Sperling auf seine offene Hand. Arokandos Herz machte einen Hüpfer. Er hatte den kleinen Vogel auf seiner Hand sitzen, jenes kleine Wesen, das er so schwer verletzt hatte.
Vorsichtig näherte er seine andere Hand dem Vasta-Sperling und begann, ganz behutsam über dessen Rückengefieder zu streicheln. Das schien dem kleinen Vogel zu gefallen.
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Als Arokando den Zeigefinger ausstreckte, flatterte Rangalo darauf.
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„Es tut mir so unendlich leid“, sagte Arokando leise zu dem Vogel. Sein Bedauern konnte er gar nicht stark genug zum Ausdruck bringen. „So unendlich leid, was ich dir angetan habe. Ich werde versuchen, es irgendwie wieder gut zu machen. Das verspreche ich dir.“
Mit einem Schmunzeln im Gesicht meinte der Waldhüter: „Ich glaube, Rangalo hat dir verziehen. Aber ich warne dich: Rangalo hat sehr viel Unsinn im Kopf. Er wird dich in den Wahnsinn treiben, wenn er dich einmal ins Herz geschlossen hat.“
Arokando strahlte und sagte glücklich: „Er darf so viel Unsinn machen, wie er will. Ich bin ja so froh, dass er überhaupt noch Unsinn machen kann.“
Rangalo, dachte Arokando. Du heißt also Rangalo. Ja, der Name passt zu dir!
Die Beratung zog sich hin.
Anscheinend wurde viel diskutiert. War das eher ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?, überlegte Arokando.
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Arokando war sich sicher, dass er vom Unterricht ausgeschlossen würde.
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Eigentlich müsste das Urteil doch einstimmig ausfallen: Ausschluss vom Unterricht!
Und was sollte er dann tun?
Ursprünglich hatte er einer der hellen Magier werden wollen, die die anderen Wesen vor dunklen Flüchen schützten. Doch nun hatte er selbst einen dieser Flüche angewandt. Sie konnten ihn unmöglich weiter am Unterricht teilnehmen lassen.
Also warum dauerte die Beratung so lange?
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Inzwischen streichelte Arokando Rangalo mit einem Finger auch über die Brust. Auch das schien dem kleinen Vasta-Sperling zu gefallen. Arokando strahlte den kleinen Vogel auf seiner Hand an.
Dann nahm er wieder all seinen Mut zusammen und fragte den Waldgeist schüchtern: „Waldhüter, darf ich Euch eine Frage stellen?“
Der große Waldhüter nickte.
„Wo habt Ihr die Sprache der Tiere gelernt?“, wollte Arokando schüchtern wissen.
„Die kann man nicht erlernen“, erklärte der Waldhüter freundlich. „Es ist eine Begabung, die einige Waldgeister von Geburt an mitbringen.“
Arokando war enttäuscht. „Ah, ich verstehe“, entgegnete er und dachte mit großem Bedauern: Dann werde ich dir, Rangalo, wohl nie sagen können, wie groß die Vorwürfe waren, die ich mir gemacht habe, seitdem ich den dunklen Fluch auf dich gehetzt habe.
Er spürte, wie ihn der große Waldgeist wieder beobachtete. Das machte ihn nervös. Er wollte dem kleinen Vogel wirklich nichts antun!
Dann sprach der Waldhüter erneut den Vogel an und zwitscherte ihm etwas zu, woraufhin der Vogel antwortete.
Ob sie sich über ihn unterhielten?, überlegte Arokando. Bestimmt, beantwortete er seine Frage gleich selbst, denn Rangalo beäugte ihn wieder intensiv.
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Plötzlich flatterte der Vasta-Sperling dem jungen Goblin auf den Kopf und rutschte auf dessen großes, abstehendes Ohr hinunter. Er kuschelte sich in die Ecke. Es kribbelte, und Arokando konnte nicht anders, als zu kichern.
„Hey, das kitzelt!“, rief er fröhlich.
Anschließend flatterte Rangalo auf den Kragen der Tunika des jungen Goblins und kroch in dessen Nacken. Das kitzelte noch mehr, doch es zeigte Arokando auch, dass Rangalo keine Scheu vor ihm hatte. Das machte ihn glücklich. Erneut musste Arokando kichern und meinte dann fröhlich: „Na, du bist ja ein kleiner Frechdachs!“
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Rangalo rutscht auf Arokandos Ohr hinunter und kuschelte sich in die Ecke.
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Rangalo krabbelte wieder aus der Tunika heraus und setzte sich dem jungen Goblin oben auf den Kopf. Glücklich hielt Arokando ihm die Hand hin, und der kleine Vasta-Sperling hüpfte wieder darauf. Freudestrahlend nahm der junge Goblin das Streicheln wieder auf.
Rangalo zwitscherte etwas in Richtung des Waldhüters, woraufhin dieser den jungen Goblin ansprach:
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Rafyndor bot Arokando an, ihm im Wald bei Arbeiten zu helfen und ihm die nonverbale Kommunikation mit Tieren beizubringen.
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„Arokando, wenn du magst, lade ich dich ein, mir bei meinen Waldarbeiten zur Hand zu gehen. Vielleicht ergibt sich dann die Gelegenheit, dass ich dir beibringen kann, wie du mit Rangalo kommunizieren kannst, ohne seine Sprache zu verstehen.“
Arokando schaute den Waldhüter vollkommen überrascht an. War das sein Ernst? Er, der Lichtschwur-Brecher und Angreifer des Vasta-Sperlings, sollte die Gelegenheit bekommen, im Wald mit dem Waldhüter zusammenzuarbeiten und zu lernen, wie er mit Rangalo kommunizieren konnte? Er war sich nicht sicher, ob der Waldhüter sich gerade einen üblen Scherz auf seine Kosten erlaubte.
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Der Waldhüter schien ihm seine Zweifel wohl anzusehen, denn er ergänzte: „Rangalo meinte, es würde sich vielleicht lohnen, mehr Zeit mit dir zu verbringen.“
Arokando sah auf den kleinen Vasta-Sperling, dem er so viel Leid zugefügt hatte, und anschließend dem Waldhüter in die Augen. Er konnte keinen Spaß darin erkennen. Der Waldhüter schien es tatsächlich so zu meinen, wie er es gesagt hatte.
Der junge Goblin war so glücklich über dieses Angebot, dass er unfähig war zu sprechen. Er strahlte den Waldhüter an und nickte schließlich überglücklich. Dann setzte er seine Streicheleinheiten fort und murmelte: „Oh ja, das will ich auf jeden Fall!“
Schließlich wurde Arokando wieder ins Studierzimmer gerufen, und Rangalo wechselte auf die Hand des Waldhüters.
Unglücklich schaute der junge Goblin den Waldhüter an, doch dieser zwinkerte ihm aufmunternd zu. Schweren Herzens, aber glücklich über das Angebot des Waldhüters, trat Arokando in das Studierzimmer, während Rafyndor und Rangalo auf dem Gang zurückblieben.
„Du hast ihm schnell verziehen“, bemerkte Rafyndor mit einer leichten, sachlichen Note in seiner Stimme.
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Rangalo zuckte mit den Flügeln und antwortete mit schelmischem Zwitschern: „Mein Leben ist viel zu kurz, um jemandem lange böse zu sein − besonders, wenn ich ihn ärgern darf.“
Ein amüsiertes Schmunzeln glitt über das Gesicht des Waldhüters. „Nun, in nächster Zeit wirst du ausreichend Gelegenheit haben, ihn zu ärgern“, sagte er mit einem Hauch von Humor. „Ich habe ihm angeboten, mir im Wald zu helfen. So kannst du deinen Unsinn künftig nicht nur an mir auslassen.“
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Rafyndor wunderte sich, dass Rangalo dem Goblin so schnell verziehen hatte.
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Kurze Zeit später öffnete sich die Tür wieder, und Arokando kam mit einem breiten, glücklichen Lächeln heraus. Sofort flatterte Rangalo ihm auf den Kopf. Arokando hielt ihm die Hand hin, und der kleine Vogel wechselte darauf.
„Es scheint wohl besser gelaufen zu sein, als du vermutet hattest?“, fragte Rafyndor lächelnd.
Arokando nickte strahlend. „Ich bin nicht vom Unterricht ausgeschlossen worden und erhalte noch eine Chance. Natürlich stehe ich jetzt unter Beobachtung. Das ist aber auch selbstverständlich! Und wenn nochmals mit dunkler Magie hantiert werden sollte, würde der Verdacht als Erstes auf mich fallen. Das ist aber auch klar. Doch damit kann ich leben. Ich darf weiter am Unterricht teilnehmen!“, berichtete er glücklich und fragte dann schüchtern: „Darf ich Euch trotzdem im Wald helfen?“
„Natürlich“, antwortete Rafyndor schmunzelnd. „Das war kein Angebot, das ich dir unterbreitet hatte, weil ich davon ausging, dass du rausgeschmissen wirst. Im Rat sitzt die Hüterin der Natur und der Magie mit einer guten Wesenskenntnis. An ihrer Bitte vorhin an dich, dass du erzählen solltest, was geschehen sei, erkannte ich sofort, dass sie dir eine zweite Chance geben würde. Die Frage war nur, ob sie sich mit ihrer Einstellung durchsetzen könnte. Allerdings ist sie eine starke Elfe, insofern wunderte es mich nicht, dass du nicht vom Unterricht ausgeschlossen wurdest.“
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Rafyndor ahnte im Vorfeld, dass sich Lililja für Arokandos Verbleib an der Akademie einsetzen würde.
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