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Tag vier


Überall, wohin Skukius kam, hatte sich der dicke, schwarze Nebel ausgebreitet.
Seit Tagen war Skukius bereits auf der Flucht.

Kreuz und quer war er über das Land geflogen. Doch überall breitete sich der dichte, schwarze Nebel aus, der die Präsenz dunkler Magie anzeigte.

Es gab kein Entkommen!

Nachts zog er sich in Höhlen zurück. Die Albträume nahmen wieder zu, sodass er die ganze Nacht hindurch gegen dunkle Flüche ankämpfen musste und von dunklen, gesichtslosen Magiern verfolgt wurde.

So floh er morgens in heilloser Panik aus der Höhle, nur um festzustellen, dass er auch im Freien der dunklen Magie nicht entkommen konnte. Sie verfolgte ihn, wohin er auch floh.

Skukius spürte, wie seine Kräfte langsam nachließen, doch er durfte nicht aufgeben. Er musste einen Ort finden, an dem er sicher war, einen Platz, der von der dunklen Magie verschont geblieben war. Irgendwo musste es einen solchen Ort geben. Es musste ihn einfach geben!

Und so floh er von Höhle zu Höhle, nur um immer wieder feststellen zu müssen, dass er sich nirgendwo vor der dunklen Magie verstecken konnte.

In einiger Entfernung entdeckte Skukius aus der Höhe erneut einen Höhleneingang. Sie schien schwer zugänglich zu sein. Vielleicht, hoffte er, würde er hier endlich seine Ruhe finden.

Lautlos flog er in die Höhle hinein, doch dann hörte er eine Stimme. Diese Höhle war bewohnt! Hier konnte er nicht bleiben. Er machte kehrt und flog wieder hinaus. Er musste einen anderen Ort finden.

Plötzlich begann er im Flug zu taumeln. Seine Flügel versagten ihm den Dienst. Er musste sich schleunigst irgendwo niederlassen, und so landete er etwas holprig auf einem Felsen, der aus dem dunklen Nebel emporlugte. Sein Herz klopfte so stark, dass er glaubte, es wolle aus seiner Brust springen.

Was war los mit ihm?

Doch im gleichen Moment wurde ihm bewusst, was ihn gelähmt hatte. Es war die Stimme gewesen − die Stimme, die er in der Höhle gehört hatte.

Er kannte diese Stimme! Oh ja, und wie er sie kannte!

Wie oft hatte sie dunkle Flüche auf ihn abgefeuert, und jedes Mal hatten sie ihr Ziel getroffen. Nicht ein einziger Fluch war danebengegangen!

Wie gelähmt saß Skukius auf dem Felsen.

Hadadust!

Die Stimme gehörte dem dunklen Magier Hadadust, der sich damals als einer der grausamsten und brutalsten dunklen Magier hervorgetan hatte.



Skukius hatte die Stimme wiedererkannt, die er in der Höhle gehört hatte.

Er hatte sich einen Spaß daraus gemacht, Skukius und seine Familie zu foltern. Auch die Idee mit dem gigantischen magischen Käfig, der den Korvum-Raben und seine Familie an der Flucht gehindert hatte, war von ihm gekommen.

Er hatte sie einfach in einen riesigen magischen Käfig gesperrt und anschließend dunkle Flüche an ihnen getestet. Skukius und seine Familie konnten die Begrenzung des Käfigs nicht sehen − eine weitere Teufelei Hadadusts. Bei ihren Fluchtversuchen waren sie immer wieder gegen die unsichtbaren Stangen geflogen. Hadadust hatte dies lediglich mit einem höhnischen Lachen quittiert und einen weiteren Fluch auf sie abgefeuert, der sein Ziel ebenfalls getroffen hatte.

Skukius hatte diese Erinnerung jahrelang aus seinem Gedächtnis verbannt. Er hatte sie unterdrückt und nicht zugelassen, dass sie wieder an die Oberfläche gelangte. Seit jenem magischen Unfall, bei dem ein anderer dunkler Magier aus Hadadusts Clan einen äußerst finsteren Schwur gesprochen hatte und Skukius versehentlich in das dadurch entstandene magische Feld geraten war, hatte er diese Erinnerung verdrängt.

Dieser magische Unfall hatte ihm die Flucht aus dem Käfig ermöglicht. Plötzlich hatte er durch die Stangen fliegen können und war in das helle Zentrum der Magie entkommen. Er hatte versucht, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen.

Und nun holte sie ihn mit einem Donnerschlag wieder ein.

Hadadust!

Dieser dunkle Magier hatte sich in jener Höhle eingenistet!

Langsam drang die Erkenntnis in Skukius' Bewusstsein vor.

In der Dunkelheit dieser Höhle hatte sich sein Widersacher niedergelassen!

Doch plötzlich schoss dem Korvum-Raben eine Frage durch den Kopf: Was machte Hadadust eigentlich hier?



Skukius wunderte sich, dass sich Hadadust in dieser Höhle befand, die nahe am Zentrum der Hellen Magie lag und nicht hoch im Gebirge.

Irritiert schaute sich Skukius um. Er befand sich nicht in dem Gebirge, in dem der Clan der dunklen Magier lebte. Er war nicht einmal in der Nähe des Gebirges. Warum hatte sich dieser bösartige Magier dann in dieser Höhle eingenistet?

Oh nein!, fuhr es Skukius durch den Sinn. Sollte etwa Hadadust der dunkle Magier sein, der Vanavistaria mit dunkler Magie überflutete?

Nein, dachte er dann, das kann nicht sein! Hadadust war immer grausam und brutal gewesen, doch so viel Macht hatte er nie besessen.

Was aber machte er dann hier in dieser Höhle?

In Skukius begannen zwei Seiten miteinander zu ringen: die ängstliche, die vor Jahren in dem magischen Käfig gefangen gehalten und gequält worden war, und die neugierige, die sich während seiner letzten Jahre im Zentrum der hellen Magie entwickelt hatte.

Er wollte wissen, warum Hadadust fernab seiner Heimat in dieser Höhle hauste. Doch er wusste nicht, wie er auf den Anblick seines einstigen Peinigers reagieren würde.

Wäre er noch in der Lage, klar zu denken? Oder würde sein Verstand vor Angst versagen, sobald er ihm wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand?

Aber wenn er tatsächlich den Magier gefunden hatte, der seine Freunde bedrohte...

Ein warmes Gefühl stieg in ihm auf, als er an Rangalo und Rafyndor dachte. Seine Freunde, die immer für ihn da waren, ihn niemals im Stich gelassen hatten. Wenn er jetzt bei ihnen wäre, könnte er mit ihnen beraten, was zu tun sei − aber nun?

Plötzlich wurde Skukius bewusst, wie kopflos seine Flucht gewesen war. Doch was sollte er jetzt tun? Es war nicht rückgängig zu machen. Er dachte eine Weile über seine missliche Lage nach.

Schließlich traf er eine Entscheidung.



Als Skukius an Rafyndor und Rangalo dachte, breitete sie grimmige Entschlossenheit in ihm aus.

Er hatte zwar keine Ahnung, woher Hadadust diese Macht haben sollte, den Hauchzauberdunst zu manipulieren. Doch sollte er tatsächlich der dunkle Magier sein, nach dem die Zaubergemeinschaft suchte, würde er, Skukius, nicht zulassen, dass dieser Peiniger seine Freunde verletzte.

Dieses Mal nicht!

Dieses Mal würde Skukius ihm die unsichtbaren Stangen um die Ohren hauen!

Mit grimmiger Entschlossenheit erhob sich der Korvum-Rabe von dem Felsen, auf dem er zuvor etwas unsanft gelandet war. Mit Genugtuung stellte er fest, dass seine Flügel ihm wieder gehorchten.

Nein, dachte er verbissen. Solltest du tatsächlich dieser dunkle Magier sein, wirst du dieses Mal nicht auf einen verschreckten Skukius treffen. Dieses Mal wird er kämpfen!

Lautlos flog er erneut in die Höhle hinein.

Als er die Stimme abermals hörte, setzte sein Denken für einen Augenblick aus. Wieder hörte er die auf ihn abgefeuerten Flüche und das grausame Lachen. Doch dann erschien vor seinem inneren Auge Rafyndors sanftes Gesicht. Er erinnerte sich daran, wie dieser ihn aufgefordert hatte, seine magischen Fähigkeiten beim Ernten der Bimara-Bucheckern einzusetzen, und seine Entschlossenheit kehrte zurück.

Nein, Hadadust, du wirst meinen Freunden nicht wehtun!

Obwohl er die Angst in sich spürte, zwang er sich, weiter in die Höhle hineinzufliegen. Auf einem Felsvorsprung versteckte er sich und lugte vorsichtig um die Ecke.



Skukius erschrak, als er Hadadust von vielen dunklen Wesen umringt vorfand.

Erschrocken zog er den Kopf zurück. Hadadust war nicht allein! Zwanzig oder mehr dunkle Wesen umringten ihn.

Erneut riskierte Skukius einen Blick. Er hörte, wie Hadadust eine Formel sprach, dann einen wütenden Kraftausdruck brüllte und schließlich entnervt ausrief: „Was muss diese Zauberformel auch so endlos lang sein! Dauernd verhaspele ich mich!“

Skukius fiel auf, dass sich die dunklen Begleiter um Hadadust nicht bewegten. Das wirkte irgendwie unheimlich.

Schließlich hörte der Korvum-Rabe, wie Hadadust erneut die Zauberformel murmelte:

„Durch die tiefste Hingabe an das Dunkle, die meine Seele umfängt und jegliches Licht verdrängt, erwecke ich dich, Schattenkrieger, aus dem Abgrund des Nichts. Mit finsterem Atem und dunklem Herz bringe ich dich aus dem Nichts ins Sein. Willenloser Krieger, ohne eigenes Denken, kein eigenes Ziel, sondern nur das Instrument meiner finsteren Absichten. Du gehorchst meinen dunklen Befehlen, ohne zu zögern und ohne Widerstand. Du bist auf Zerstörung aus, in Dunkelheit geboren, von Grausamkeit durchtränkt. Die Lust an der Vernichtung treibt dich an. Helfer bei meiner Machtergreifung, Werkzeug meiner finsteren Herrschaft, erhebe dich aus dem Nichts und nimm Form und Gestalt an. Du bist mein Schattenkrieger, und mit deiner Hilfe werde ich die Welt in Dunkelheit hüllen und die Macht über alles erlangen.“

Plötzlich erschien vor Hadadust ein weiterer dunkler Geselle. Der dunkle Magier fuchtelte mit einem Stab herum, an dessen Ende ein leuchtend grüner Kristall saß, und sagte: „Stell dich zu den anderen und gib den Platz für den Nächsten frei.“

Gehorsam befolgte der Schattenkrieger den Befehl.

Dann begann Hadadust erneut, die Beschwörungsformel aufzusagen. Nachdem er zwei weitere dieser „Schattenkrieger“ erschaffen hatte, seufzte er laut auf und klagte knurrend: „Warum kann man nicht gleich eine ganze Armee erschaffen? Das dauert ja ewig!“

Er schwang sein Zepter und befahl mit gelangweilter Stimme: „Stellt euch am Höhleneingang auf. Wenn jemand kommt, warnt mich.“

Skukius duckte sich. Doch keiner der Schattenkrieger sah zu ihm hinauf.

Wieder lugte er um den Steinbrocken herum.

Hadadust hatte sich entnervt in einen Sessel fallen lassen und das Zepter vor sich auf einen kleinen, wackeligen Holztisch gelegt. Mit äußerst missmutiger Miene starrte er zur Decke hinauf.

Was für ein blasses Gesicht er bekommen hatte, stellte Skukius erstaunt fest. So weiß hatte er ihn nicht in Erinnerung.



Die Schattenkrieger liefen an Skukius vorbei, ohne ihn wahrzunehmen.

Seine Augen lagen tief in Schatten, während ein zottiger, dunkelgrauer Vollbart seinen Mund verdeckte. Lange, strähnige braune Haare quollen unter der Kapuze hervor, die er sich über den Kopf gezogen hatte



Hadadust war im Besitz unzähliger Artefakte und eines grün leuchtenden Zepters.

Wenn Skukius nicht seine Stimme gehört hätte, hätte er in diesem grimmigen Magier, der in einen dunklen Kapuzenumhang gehüllt war, vermutlich nicht seinen einstigen Peiniger erkannt.

Der Korvum-Rabe schaute sich heimlich um. Rings um Hadadust lagen verschiedene Artefakte verstreut, und auch um seinen Hals hingen mehrere Amulette. Auf dem Boden lag eine kreisrunde Steinplatte, deren Mitte rot glühte. Um ihren Rand herum waren Runen eingraviert.

Vermutlich war dies das Artefakt, mit dem Hadadust die Schattenkrieger erschuf, dachte Skukius.

Wahrscheinlich lag darin auch das Geheimnis seiner Macht: in dieser überwältigenden Anzahl an Artefakten. Inzwischen war sich Skukius sicher, dass Hadadust der dunkle Magier war, der Vanavistaria bedrohte.

Doch dieses Mal würde Skukius sich nicht ohne Gegenwehr geschlagen geben. Er würde Hadadust eines seiner Artefakte stehlen. Zuvor musste er nur herausfinden, welches ihm am meisten schaden würde.

Hadadust schien sich inzwischen ausreichend seiner Übellaunigkeit hingegeben zu haben. Missmutig stand er auf, griff erneut nach dem Zepter und trat an den Rand der Steinplatte.

Wieder begann er, die Zauberformel aufzusagen. Doch an einer Stelle blieb er hängen, stampfte mit dem Fuß auf, stieß einen Kraftausdruck aus und trat gegen den Tisch. Klappernd stürzte dieser um.

Dann begann er erneut, die Formel aufzusagen. Dieses Mal gelang es ihm auf Anhieb, und ein Schattenkrieger erschien in der rot leuchtenden Glut.

Hadadust fuchtelte wieder mit seinem Zepter und sagte: „Stell dich an die Wand.“

Gehorsam befolgte die Kreatur den Befehl.

Erneut begann Hadadust, die Formel aufzusagen. Diesmal gelang es ihm, nacheinander drei weitere Schattenkrieger zu erschaffen.



Ein Schattenkrieger nach dem anderen nahm Gestalt an.

Wieder machte er eine Pause. Er ließ sich erneut missmutig in seinen Sessel fallen, behielt das Zepter dieses Mal jedoch in der Hand.

Plötzlich erschien ein gemeiner Ausdruck auf seinem Gesicht. Er setzte sich etwas aufrechter hin, schwang sein Zepter und befahl mit gehässiger Stimme: „Prügelt auf den zuletzt geschaffenen Schattenkrieger ein!“

Wie befohlen, prügelten die drei zuerst erschaffenen Schattenkrieger auf den zuletzt entstandenen ein. Dieser wehrte sich nicht, sondern ließ die Schläge einfach über sich ergehen.

Äußerst enttäuscht brach Hadadust die Aktion ab.

„Stopp, hört auf! Stellt euch wieder an die Wand.“

Gehorsam folgten die Kreaturen seinem Befehl.

Mit einem lauten Seufzen stand Hadadust erneut auf und erschuf fünf weitere Schattenkrieger, die er zu den anderen an die Wand beorderte. Anschließend ließ er sich wieder missgelaunt in seinen Sessel fallen, stellte den umgestürzten Tisch auf und legte das Zepter darauf.

Dann holte er ein großes Amulett aus einer seiner Manteltaschen und sprach ein Zauberwort: „Manebatavo!“

Grimmig murmelte er: „Dann will ich doch mal sehen, was diese Hüterin des Lichts jetzt wieder ausheckt. Dauernd vereitelst du mir meine Pläne, du Miststück!“



Hadadust beobachtete Lililja mithilfe des Amuletts und hatte das Zepter auf den Tisch vor sich abgelegt.

Er schien sich ganz und gar auf das große Amulett zu konzentrieren, das er mit beiden Händen auf Augenhöhe hielt.

Skukius dachte gar nicht erst nach, denn sonst würde ihm seine Angst womöglich wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Er verließ sein Versteck, flog lautlos zum Tisch, schnappte sich das Zepter und wollte heimlich davonflattern.

Als er das Zepter jedoch vom Tisch nahm, geriet das Möbelstück ins Wackeln, und Hadadust wurde auf ihn aufmerksam.

„Was...?“, schrie er. „Schnappt euch den Vogel, Schattenkrieger!“

Da er allerdings nicht mehr über sein Zepter verfügte, gehorchten ihm die Kreaturen nicht.

„Na warte“, knurrte Hadadust und schickte Skukius einen dunklen Fluch hinterher.

Skukius spürte, wie der Fluch ihn traf, und ließ vor Schreck das Zepter fallen. Es fiel zu Boden und zerbrach.

„Du Mistviech!“, kreischte Hadadust und feuerte erneut einen dunklen Fluch auf Skukius ab.

Wieder spürte Skukius, dass er getroffen wurde. Merkwürdigerweise empfand er jedoch keinen Schmerz. Er bemerkte lediglich, wie sein Gefieder etwas zerzaust wurde.

Eine ganze Salve dunkler Flüche ging auf ihn nieder, doch mehr, als dass seine Federn zerfleddert wurden, geschah nicht.



Skukius spürte, wie er von dem dunklen Fluch getroffen wurde und ließ das Zepter fallen.

Trotzdem floh Skukius aus der Höhle. Hadadust konnte schließlich noch auf die Idee kommen, mit Steinen nach ihm zu werfen. Und ob er auch das so harmlos überstehen würde, wusste Skukius nicht.

Hals über Kopf flog er davon. Er musste zurück ins Zentrum der hellen Magie. Er musste seine Freunde warnen. Und er musste Rafyndor von seiner Entdeckung berichten!

Hadadust war außer sich. Sein Schattenkrieger-Zepter war zerbrochen. Dieser elende Korvum-Rabe!

Wie sollte er nun seine erschaffenen Schattenkrieger befehligen?

Er sammelte die Bruchstücke ein und trug sie zum Tisch. Dort begutachtete er sie eingehend. Der Kristall schien unbeschädigt zu sein und war noch immer fest am Ende des Zepters verankert.

Vielleicht funktionierte es ja noch.

Er schwang das Zepter und sagte: „Schlagt eurem Nachbarn die Faust ins Gesicht.“

Gehorsam befolgten die Kreaturen den Befehl. Erleichtert stellte Hadadust fest, dass er seine Schattenkrieger weiterhin führen konnte.

Dennoch würde dieser elende Korvum-Rabe seine Strafe noch erhalten!

Es wunderte ihn allerdings, dass der Vogel seinen Flüchen entkommen war. Er war sich sicher, ihn getroffen zu haben, doch der Korvum-Rabe war einfach weitergeflogen, als wäre nichts geschehen.

Hatte Hadadust etwa seine Magie verloren?



Zu Testzwecken hieb Hadadust einem seiner Schattenkrieger mit einem dunklen Fluch ein Bein ab.

Um dies zu überprüfen, schickte er einen dunklen Fluch auf einen seiner Schattenkrieger und trennte ihm damit ein Bein ab. Das Bein fiel zu Boden, und der Schattenkrieger stürzte um.

Mit seiner Magie schien alles in Ordnung zu sein. Warum hatte er dann dieses elende Mistviech nicht erwischt?

Egal. Der Vogel war ohnehin verschwunden.

Wenn er seine Schattenkrieger-Armee doch nur schneller aufstellen könnte, dachte Hadadust. Dann hätte er das Zentrum der hellen Magie längst in seiner Hand!

Aber diese entsetzliche Zauberformel ließ immer nur einen einzigen Schattenkrieger entstehen. Er würde noch Tage benötigen, bis er eine große Armee beisammenhatte.

Es war zum Verzweifeln!

Wie viele dunkle Gestalten hatte er bislang erschaffen? Dreißig? Oder waren es inzwischen schon mehr?

Er befahl den Schattenkriegern, die er am Eingang postiert hatte, zurückzukehren. Überhaupt, warum hatten sie ihn nicht gewarnt? Sie sollten ihm doch melden, wenn jemand kam. Und wo blieben sie eigentlich?

Ungeduldig fuchtelte er erneut mit dem Zepterende herum und sagte: „Schattenkrieger am Eingang, kommt zurück!“

Wieder geschah nichts.

Warum kamen sie nicht?

Er machte sich auf den Weg zum Eingang. Dort standen sie, gehorsam nach draußen blickend, und hielten Ausschau nach jemandem, der die Höhle betreten wollte.

Erneut schwang er das Zepterende und befahl: „Kehrt in die Höhle zurück!“

Gehorsam drehten sie sich um und marschierten im Gleichschritt zurück in die Höhle.

Warum nicht gleich so?, dachte er.

Dann ging ihm ein Licht auf.

„Stopp!“, rief er. „Kehrt an den Höhleneingang zurück!“

Gehorsam stellten sich die Schattenkrieger wieder am Höhleneingang auf.

Hadadust entfernte sich fünf Schritte, befahl ihnen erneut, in die Höhle zu kommen, und stoppte sie wieder, sobald sie sich in Bewegung setzten. Anschließend ließ er sie zum Höhleneingang zurückkehren.

Er entfernte sich noch einmal um fünf Schritte und wiederholte das Schauspiel. Danach ging er weitere fünf Schritte zurück.



Die Schattenkrieger drehten sich gemeinsam um und marschierten zurück in die Höhle, als Hadadust ihnen den Befehl dazu gab.

Als er die Schattenkrieger dieses Mal in die Höhle beorderte, reagierten sie nicht mehr.

Zorn brodelte in Hadadust auf. Dieses elende Mistviech hatte durch das Fallenlassen des Zepters verhindert, dass er seine Schattenkrieger-Armee aus der Ferne steuern konnte!

Wieder war einer seiner Pläne dahin! All seine finsteren, gut durchdachten Pläne scheiterten! Alles, aber auch wirklich alles ging schief!

Er ließ seinem Unmut und seiner Frustration in einem gellenden Schrei freien Lauf.

Dabei hatte er sich alles so schön ausgedacht. Er hatte extra mit seinem Einsatz gewartet, bis der Hauchzauberdunst eintraf. Von Ravgor hatte er eine magische Formel erhalten, mit der er den hellen, positiven Hauchzauberdunst in einen schweren, schwarzen Nebel verwandeln konnte, der alle schwermütig machte.

Nach einem Jahr des sehnsüchtigen Wartens auf diesen positiven Magieschub hätte die Enttäuschung darüber, dass nun das Gegenteil eingetreten war, doch eigentlich zu einer Revolte führen müssen. Zumindest hatte er es sich so vorgestellt.

Aber Ravgor hatte ihn gewarnt. Er hatte ihm gesagt, dass die Hüter des Lichts auf jeder Welt sehr findige und gefährliche Wesen seien, die man nicht so leicht unterschätzen dürfe.



Statt in Panik zu verfallen, sorgte die Hüterin des Lichtes für Areale mit hellem Hauchzauberdunst.

Diese zierliche Elfe mit den großen Augen, die Ravgor ihm als Hüterin des Lichtes genannt hatte, hatte er allerdings tatsächlich unterschätzt.

Statt in Panik zu verfallen, ließ sie überall im Land Areale anlegen, die von den Lichtgeistern gereinigt wurden.

Gut, die Einwohner Vanavistarias waren zwar nicht glücklich über den schwarzen Nebel, doch sie schienen die Bemühungen der Hüterin des Lichts anzuerkennen, ihnen trotzdem den Zugang zum Hauchzauberdunst zu ermöglichen.

Damit war der erste Teil seines sorgfältig ausgearbeiteten Plans gescheitert.

Ein weiterer frustrierter Schrei durchschnitt die Stille der Höhle.

Dann hatte er gedacht, dass er nur den Versammlungsort der Zaubergemeinschaft verschließen müsste, um ihr den Treffpunkt zu nehmen und somit zu verhindern, dass sie zusammenkommen konnte.

Aber nein!

Dieses Miststück hatte sich einfach einen neuen Platz gesucht, die Zaubergemeinschaft dorthin beordert und machte genauso weiter wie bisher!

Wieder schrie Hadadust seinen Frust heraus.

Schließlich hatte er in mühsamer Kleinarbeit diese Schattenkrieger-Armee aufgestellt, mit der er die Zaubergemeinschaft einschüchtern oder vernichtend schlagen wollte, ohne selbst in Erscheinung treten zu müssen.

Und was passierte?

So ein elender Korvum-Rabe zerschmetterte sein Schattenkrieger-Zepter!

Es war zum Verzweifeln!

Ravgor erwartete Ergebnisse! Er hatte Hadadust mit all diesen Amuletten und Artefakten ausgestattet, damit er die Macht in Vanavistaria übernahm. Doch bisher war ihm das nicht gelungen.

Sollte er es nicht schaffen, würde er dafür büßen müssen. Ganz schrecklich büßen!

Erneut ließ er seiner Frustration in einem lauten Schrei freien Lauf.



Hadadusts sämtliche finstere Pläne waren
von der Hüterin des Lichtes und dem
Korvum-Raben durchkreuzt worden.

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