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Skukius war in heller Aufregung aus der Höhle geflohen und hatte direkt das Zentrum der Hellen Magie angesteuert. Obwohl er durch seine kopflose, tagelange Flucht bereits geschwächt war, flog er so schnell, wie es ihm möglich war, über den Wald.
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Schließlich landete er auf dem Ast eines Baumes. Unter ihm ging Rafyndor, noch durch den Lichtsegen vor dem schwarzen Nebel geschützt, munter seiner Arbeit nach und sammelte die auf dem Boden verstreut liegenden Akharota-Nüsse in einem Korb.
„Rafyndor“, krächzte Skukius mit den letzten Kräften, die er noch aufbringen konnte.
Der Waldhüter schaute auf und erkannte den Korvum-Raben. Ein Strahlen legte sich auf sein Gesicht. Er erhob sich und wollte Skukius in die Arme schließen.
„Stopp!“, krächzte Skukius.
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Skukius landete auf dem Ast einer Akharota-Esche, unter dem Rafynoder munter die Nüsse einsammelte.
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Rafyndor hielt mitten in der Bewegung inne. Das Strahlen auf seinem Gesicht wich einem verwirrten Ausdruck.
„Ich weiß, dass du mich gerne umarmen möchtest“, sagte Skukius. „Aber von den vielen dunklen Flüchen, die damals auf mich abgefeuert wurden, habe ich unzählige Narben zurückbehalten, die noch immer schmerzen. Daher würde mir deine gut gemeinte Liebkosung nur wehtun.“
Rafyndors verwirrter Gesichtsausdruck wich einem mitfühlenden. Verwundert stellte er fest, dass Skukius plötzlich so offen und selbstbewusst über seine Vergangenheit sprach.
Dann legte sich erneut ein Strahlen auf Rafyndors Gesicht, und glücklich sagte er: „Ich freue mich so unendlich darüber, dass du zurück bist!“
Kurz darauf wechselte seine Miene in Besorgnis.
„Du siehst allerdings sehr mitgenommen aus. Ich werde dich zu Pranicara bringen, damit sie dich ein wenig auf Vordermann bringt.“
„Nein“, entgegnete Skukius. „Wir müssen umgehend zu Meister Lehakonos. Ich habe sehr wichtige Informationen über den dunklen Magier.“
„Dann müssen wir zu Lililja, nicht zu Meister Lehakonos“, sagte Rafyndor alarmiert, schüttete die Akharota-Nüsse aus dem Korb, legte etwas Laub hinein und fragte: „Kannst du selbst hineinklettern, oder erlaubst du mir, dich hineinzusetzen?“
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Rafyndor setzte Skukius vorsichtig in den Korb und trug ihn zu Lililjas Haus.
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Skukius war dankbar, dass er nicht mehr selbst fliegen musste, und bat den Waldgeist, ihn vorsichtig in den Korb zu setzen.
„Wo ist Lililja jetzt?“, fragte Rafyndor, nachdem der Korvum-Raben es sich im Korb bequem gemacht hatte.
„In ihrem Haus“, entgegnete der Skukius, und sie machten sich auf den Weg.
„Warum gehen wir zu Lililja und nicht zu Meister Lehakonos?“, fragte Skukius.
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„Weil Lililja inzwischen die Führung des Landes übernommen hat“, erklärte Rafyndor. „Sie leitet jetzt die Zaubergemeinschaft.“
„Hat sie Meister Lehakonos abgesetzt?“, fragte Skukius irritiert.
Rafyndor lachte.
„Nein, Skukius“, entgegnete er. „Als Hüterin des Lichtes muss sie in Zeiten dunkler Bedrohung die Führung übernehmen.“
Ach ja! Skukius erinnerte sich. Das war auf der letzten Versammlung erklärt worden, bei der er so panisch geworden war. Rafyndor war damals allerdings ebenfalls nicht sonderlich glücklich darüber gewesen. Inzwischen schien er es jedoch akzeptiert zu haben.
Schließlich gelangten sie zum Haus der Elfe. Rafyndor klopfte an. Als Lililja öffnete, schaute sie zunächst etwas irritiert und dann besorgt.
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„Rafyndor!“, sagte sie. „Ist etwas geschehen?“
„Ich habe Informationen über den dunklen Magier“, krächzte es aus dem Korb, den Rafyndor in der Hand hielt.
„Skukius!“, rief Lililja freudestrahlend. „Du bist wieder da!“
Dann registrierte sie, was er gesagt hatte, und bat Rafyndor herein. Sie setzten sich an den Tisch, und der Waldgeist stellte den Korb darauf ab.
„Willst du etwas essen oder trinken?“, fragte Lililja besorgt, als sie den zerfledderten Zustand des Korvum-Raben bemerkte.
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Lililja freute sich darüber, dass Skukius zurückgekehrt war.
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„Nicht jetzt“, entgegnete Skukius und begann zu erzählen.
„In einer Höhle, nicht weit von hier, hat sich Hadadust eingenistet, ein dunkler Magier aus dem Clan, der mich vor langer Zeit gequält hat. Er ist von magischen Artefakten umgeben und stellt gerade eine Schattenkrieger-Armee auf. Mit einer dunklen Zauberformel ruft er sie aus dem Nichts hervor. Sie sollen ihn bei der Machtergreifung unterstützen.“
„Oh je!“, hauchte die Elfe.
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Skukius berichtete von seinen Erkenntnissen und dass Hadadust ein Amulett besaß, mit dem er Lililja beobachten konnte.
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„Außerdem besitzt er ein großes Amulett, mit dem er dich beobachten kann, Lililja. Er mag dich nicht sonderlich. Er sagte, du hättest seine Pläne ständig vereitelt“, ergänzte Skukius.
„Er kann mich beobachten?“, fragte die Elfe bestürzt.
Skukius nickte.
Mojalian, dachte sie in Panik und fasste gedanklich zusammen, was Skukius ihr gerade mitgeteilt hatte. Kann ich etwas dagegen unternehmen, dass mich der dunkle Magier beobachtet?
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Ja, Liebes, antwortete Mojalian beschwichtigend. Aber du solltest dich jetzt erst einmal auf deine Gäste konzentrieren!
Sie sah in Gedanken, wie er sie sanft anlächelte.
Ja, Mojalian hatte recht. Vordringlich ging es nicht um ihre persönlichen Probleme, sondern um die Zaubergemeinschaft.
Sie musste sich sehr zusammenreißen, Mojalian nicht ebenfalls ein liebevolles Lächeln zu schicken. Rafyndor würde es vollkommen falsch auffassen.
„Wir müssen umgehend die Zaubergemeinschaft informieren!“, erklärte sie. „Skukius, fühlst du dich in der Lage, deine Beobachtungen vor der Zaubergemeinschaft zu wiederholen?“
Stöhnend wollte sich der Korvum-Rabe aus dem Korb erheben, um den Botenflug zu absolvieren, der die Zaubergemeinschaft zusammenbringen würde. Doch Rafyndor drückte ihn mit einem milden Lächeln sanft zurück.
Skukius nickte irritiert.
Daraufhin sprach Lililja: „Maheravo, Zaubergemeinschaft!“
„Trefft ihr euch jetzt hier bei dir?“, fragte Skukius völlig verwirrt.
„Nein“, antwortete Lililja lachend. „Wir gehen jetzt zur Morgenglanzlichtung.“
„Zur Morgenglanzlichtung? Skukius' Verwirrung nahm immer weiter zu. „Warum gehen wir nicht zur Kristallhöhle?“, wollte er wissen.
„Weil der dunkle Magier sie verschlossen hat“, entgegnete Rafyndor.
Skukius seufzte schwer.
„Ich habe nicht damit gerechnet“, meinte er niedergeschlagen, „dass sich in den paar Tagen, in denen ich fort war, alles, aber auch wirklich absolut alles verändert hat!“
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Rafyndor und Lililja lachten.
Auf dem Weg zur Morgenglanzlichtung unterhielten sich Skukius und Rafyndor angeregt miteinander, sodass Lililja unauffällig in Gedanken mit Mojalian kommunizieren konnte.
Du sagtest vorhin, dachte sie und gestattete sich nun doch ein zärtliches Lächeln, dass ich etwas gegen die Beobachtung durch den dunklen Magier unternehmen könnte. Kann ich das auch auf die Zaubergemeinschaft übertragen? Es wäre ja sehr ungeschickt, wenn der Magier mitbekäme, was wir als Nächstes planen.
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Während des Gangs zur Morgenglanzlichtung unterhielten sich Rafyndor und Skukius rege, sodass Lililja unauffällig mit Mojalian kommunizieren konnte.
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Ja, das kannst du, Liebes, antwortete Mojalian. Bevor du die Versammlung beginnst, wirst du laut eine Zauberformel sprechen, die ich dir nachher vorsagen werde. Danach wird er statt der Lichtung nur noch ein grelles Licht erblicken und keinen Ton mehr hören. Das machst du dann jedes Mal, bevor du die Versammlung eröffnest. Sobald du die Versammlung beendest, erlischt der Zauber. Um deinen persönlichen Schutz kümmern wir uns, wenn du wieder daheim bist.
Danke, dachte sie erleichtert, und erneut huschte ein verliebtes Lächeln über ihr Gesicht.
Dieses Mal bemerkte Rafyndor sowohl das Lächeln als auch, dass Lililja tief in Gedanken versunken war.
An wen dachte Lililja?, überlegte Rafyndor und spürte den rostigen Stachel der Eifersucht. Wer brachte ihr dieses verliebte Lächeln ins Gesicht? Seine Stimmung sank auf den Tiefpunkt.
Lililja fiel auf, dass Rafyndor plötzlich äußerst einsilbig auf Skukius' Fragen und Kommentare reagierte, und sah seine finstere Miene.
Oh je! Er hatte sie beobachtet und vermutlich das verliebte Lächeln gesehen, das ihr in Gedanken an Mojalian entwischt war. Sie musste sofort gegensteuern, bevor er sich wieder in seinen eifersüchtigen Gedanken verfing!
„Rafyndor, hast du Skukius schon von Pranicara und Demojon erzählt? Ich musste gerade an die beiden denken“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln zu ihm.
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Um Rafyndor eine Erklärung für ihr verliebtes Lächeln zu liefern, erwähnte Lililja die Beziehung zwischen Demojon und Pranicara.
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Rafyndor schaute Lililja misstrauisch an, doch sie spürte, dass er sich etwas entspannte.
„Was ist mit Pranicara?“, fragte Skukius neugierig.
Rafyndor erzählte ihm von der sich anbahnenden Liebesbeziehung zwischen Pranicara und dem jungen Vykati. Während er berichtete, beobachtete Lililja, wie sich Rafyndors Stimmung allmählich wieder hob. Jedes Mal, wenn er sie ansah, schenkte sie ihm ein freundliches Lächeln. So war er wieder guter Dinge, als sie die Morgenglanzlichtung erreichten.
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Demojon war hingegen ganz aus dem Häuschen, als ihn der erneute Ruf zur Versammlung erreichte. Er freute sich darauf, Pranicara bereits zum zweiten Mal an diesem Tag zu sehen. Jede einzelne Minute, die er mit ihr verbringen konnte, genoss er in vollen Zügen. Schließlich hatte er so lange nur von ihr träumen können, und nun schien es, als könnte dieser Traum endlich Wirklichkeit werden.
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Als er sie heute Morgen auf die Morgenglanzlichtung hatte zukommen sehen − wie sie sich mit schweren Schritten fortbewegte, die dem schwermütig machenden Nebel geschuldet waren , hätte er sie am liebsten die letzten paar Meter getragen. Doch so weit war ihre Beziehung noch längst nicht gediehen, und er wollte nicht schon im Vorfeld alles zerstören, bevor es überhaupt begonnen hatte. Er musste sich zurückhalten!
Der junge Vykati war sich der zerstörerischen Kraft seines impulsiven Charakters durchaus bewusst. Zu oft hatte er Beziehungen zu anderen Wesen verloren, weil er zu spontan und unüberlegt gehandelt hatte.
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Demojon versuchte diese Beziehung vorsichtig anzugehen, damit sein impulsiver Charakter nicht wieder alles kaputt machte.
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Und die noch frische Bekanntschaft mit Pranicara durfte einfach nicht daran scheitern! Schon so lange sehnte er sich nach einer engen Beziehung zu ihr.
Daher hatte er sie am Rand der Lichtung empfangen und zu sich auf die Wiese gezogen. Er hatte gesehen, wie die Schwermut von ihr abgefallen war, wie sie erleichtert aufgeatmet hatte und sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete − dieses wunderschöne Lächeln, das sich in ihren strahlend grünen Augen fortsetzte.
Sie hatten sich gemeinsam einen Platz in der Nähe des Podiums gesucht, das am Vortag mit Erlaubnis Saralas hier errichtet worden war.
Er hatte sich zwingen müssen, ihr nicht ununterbrochen Blicke zuzuwerfen. Den Vortrag Lililjas hatte er nur mit halbem Ohr verfolgt.
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Demojon konnte während der Versammlung am Morgen nicht die Augen von Pranicara lassen.
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Irgendwann hatte Pranicara ihn in die Rippen stoßen müssen, damit er auf Lililjas Frage antwortete. Doch sie hatte ihn dabei so freundlich angelächelt, dass er nicht glauben konnte, sie hätte ihm seine Unaufmerksamkeit übel genommen.
Und nun hatte er das Glück, sie an diesem Tag noch ein zweites Mal zu sehen − diese wundervolle Waldgeistfrau!
Er lief ihr von der Morgenglanzlichtung entgegen. Seine Schritte waren noch durch den morgendlichen Lichtsegen vor den Auswirkungen des schwarzen Nebels geschützt. Als er Pranicara auf sich zukommen sah, breitete sich ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht aus.
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Ihre Augen weiteten sich vor Erstaunen.
Magst du noch einen kleinen Spaziergang mit mir unter den Bäumen machen, bevor wir zur Morgenglanzlichtung gehen?, fragte er. Wir haben ja noch Zeit. Einige Zauberwesen kommen immer recht spät. Vor einiger Zeit habe ich hier in der Nähe besondere Steine entdeckt, die ich dir gerne zeigen würde.
Ja, warum nicht?, antwortete sie und freute sich ungemein über seine Einladung.
Nachdem sie am Vortag befürchtet hatte, dass Demojon keinen engeren Kontakt zu ihr halten wollte, war sie am Morgen freudig überrascht gewesen, als er sie mit einem strahlenden Lächeln auf die Morgenglanzlichtung gezogen hatte.
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Der Weg von ihrer Hütte bis zur Morgenglanzlichtung hatte so düstere Gedanken in ihr hervorgerufen, dass sie damit gerechnet hatte, der Vykati würde ihr nur die kalte Schulter zeigen oder sich über sie lustig machen.
Sie sah vor ihrem geistigen Auge bereits, wie er mit seinen Freunden zusammenstand, mit dem Finger auf sie zeigte und lauthals lachte, weil sie ihm gegenüber Sympathie hatte durchscheinen lassen. In ihrem Kopf hörte sie ihn schon hämisch rufen: „Seht sie euch an, diese eingebildete Waldgeistschlampe. Sie dachte wirklich, ich würde mich auf eine engere Beziehung mit ihr einlassen!“
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Pranicara drückten schwere Gedanken, während sie dirch den schwarzen Nebel stapfte.
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Doch dann war die Morgenglanzlichtung in ihr Blickfeld gerückt, und sie hatte Demojon ganz allein an deren Rand stehen sehen. Zunächst hatte sie gedacht, er würde sie hämisch angrinsen, doch stattdessen reichte er ihr die Hand, die sie zögernd ergriff. Er zog sie auf die Lichtung und betrachtete ihr Gesicht mit einem Lächeln. Kaum hatten ihre Füße den hellen Hauchzauberdunst berührt, fielen die düsteren Gedanken von ihr ab, und sie erkannte das aufrichtige Strahlen in seinen Augen.
Ihr wurde bewusst, dass er hier am Rand der Lichtung offenbar auf sie gewartet hatte. Er schien − anders als sie am Vortag noch vermutet hatte − tatsächlich eine neue Begegnung mit ihr zu wollen.
Auch während Lililjas Vortrag hatte er sich ganz selbstverständlich an ihrer Seite aufgehalten. Immer wieder hatte sie seinen Blick auf sich gespürt. Insgesamt hatte er auf sie eher den Eindruck gemacht, weniger Lililja zuzuhören, als vielmehr ihre Nähe zu genießen.
Aber konnte das wirklich sein? Ein Vykati, der sich ernsthaft für eine Waldgeistfrau interessierte? Nein, das war nicht möglich.
Vermutlich erhoffte er sich von ihr seelische Unterstützung, ohne dies offen zugeben zu müssen. Sie hatte einmal gehört, dass Vykati die Unterstützung durch Seelenheiler rundweg ablehnten. Jeder Vykati, der einen Seelenheiler aufsuchte, galt so wurde erzählt in seinem Volk als schwach.
Nun ja, wenn er ihre Nähe benötigte, um seine Unsicherheit in den Griff zu bekommen, wollte sie sie ihm nicht verwehren.
Als Lililja Demojon ansprach und er nicht reagierte, fühlte sie sich in ihrer Annahme bestätigt, dass er geistig nicht anwesend war. Allerdings achtete sie darauf, sich nicht wieder zu viel darauf einzubilden. Vermutlich war er mit den Gedanken bei der Frage, wie die Nähe einer Seelenheilerin auf die anderen Vykati wirken mochte.
Ohne groß nachzudenken, knuffte sie ihn in die Seite und musste schmunzeln, als er wie aus einer Trance erwachte und auf Lililjas Frage antwortete. Nach seinem Grinsen zu urteilen, schien er ihr den freundschaftlichen Stups jedenfalls nicht übel genommen zu haben.
Und nun kam er ihr schon vor der Morgenglanzlichtung entgegen und lud sie ein, ihr besondere Steine zeigen zu wollen.
Ob das nur ein vorgeschobener Grund war, um eine Weile mit ihr allein zu sein?, überlegte sie still.
Pranicara!, schalt sie sich sofort. Du hegst gerade Wunschgedanken!
Demojon schien mitnichten jemand zu sein, der auf eine derart romantische Weise dachte. Vermutlich hatte er tatsächlich besondere Steine entdeckt und wollte sie nur jemandem zeigen, der sich in seine Gedankenwelt hineinversetzen konnte. Oder er wollte mit ihr unter vier Augen über seine Unsicherheit sprechen.
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Demojon führte Pranicara abseits der Wege in den Wald hinein.
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Demojon führte sie abseits der vorgegebenen Wege in den Wald hinein.
Die Wuhurudi-Steine, die er vor etwa drei Monaten hier entdeckt hatte, waren nur vorgeschoben. In erster Linie ging es ihm darum, ihre unmittelbare Nähe zu spüren.
Zudem hoffte er, dass sie − wie am Vortag erneut Verständnis für seine Begeisterung aufbringen würde.
„Was sind das für besondere Steine?“, fragte Pranicara interessiert.
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Demojon registrierte erfreut das Interesse in ihrer Stimme. Doch er wollte ihr den Aha-Moment nicht vorwegnehmen und antwortete daher geheimnisvoll: „Das wirst du gleich sehen.“
Pranicara war über diese Antwort ein wenig verwundert. Warum wollte er ihr nichts darüber erzählen?
„Weißt du“, sagte Demojon plötzlich leise, während sie unter den Baumkronen hindurch durch das Laub schlenderten, das unter dem schwarzen Nebel vernehmlich raschelte, „dass du mir schon lange aufgefallen bist? Du wirkst so selbstsicher, so unerschütterlich. Niemand scheint dir vorschreiben zu können, was du zu tun oder zu lassen hast. Und nichts bringt dich so leicht aus der Fassung.“
Er errötete. Wie würde sie auf dieses Geständnis reagieren? Er traute sich nicht, sie anzusehen.
Pranicara war verblüfft über diese offen ausgesprochenen Worte. Bewunderte er sie etwa? Der Vykati eine Waldgeistfrau? Sollte er womöglich doch mehr in ihr sehen als eine Seelenheilerin?
Nein, natürlich nicht!
Er suchte bei ihr − wie sie bereits vermutet hatte − lediglich die Selbstsicherheit, die ihm fehlte. Innerlich seufzte sie resigniert.
„Ach, weißt du“, meinte sie nachdenklich, „ich glaube, das wirkt oft nur so. Auch ich fühle mich in neuen Situationen häufig unsicher. Aber ich lasse nicht zu, dass dieses Gefühl mich lähmt. Ich gehe dagegen an und reagiere dann automatisch.“
Demojon stieß einen Seufzer aus.
„Das würde ich auch gerne können“, sagte er niedergeschlagen. „Wenn ich unsicher werde, verhalte ich mich immer wie ein Zaubertroll, was nur dazu führt, dass ich noch unsicherer werde.“
Pranicara sah ihn verwundert an. „Auf mich hast du bislang nicht wie ein Zaubertroll gewirkt, obwohl du auch mir gegenüber schon häufiger Unsicherheit gezeigt hast.“
„Das liegt an dir, Pranicara“, sagte er und lächelte sie etwas scheu von der Seite an. „Du hast mir niemals vermittelt, dass du dich von meiner Art abschrecken lässt. Nicht viele Wesen reagieren so gelassen wie du, wenn ein Fremder sie einfach so umarmt oder vor seinen Freunden vor Begeisterung an sich drückt.“
„Du hast schon andere Erfahrungen gemacht“, stellte sie sachlich fest.
„Wie du gestern richtig festgestellt hast“, sagte er niedergeschlagen, „ich bin ein Vykati, aber ich verhalte mich nicht wie einer. Das habe ich mein Leben lang zu hören bekommen. Ich bin zu impulsiv, ich kann mich oft nicht zurückhalten. Das gehört sich für einen Vykati nicht.“ Er seufzte erneut und schaute sie an. „Daher hatte ich gestern auch das Gefühl, dass du es als Vorwurf gemeint hast, als du mich fragtest, ob ich ein Vykati sei.“
„Nein!“, rief sie entsetzt aus und blieb abrupt stehen. Sie wandte sich ihm zu. „Das sollte bestimmt kein Vorwurf sein! Es hat mich lediglich irritiert, dass du so gar nicht meinen Erwartungen an einen Vykati entsprochen hast. Diese Annahme war meiner eigenen Unsicherheit geschuldet. Ich wollte dich keineswegs damit verletzen!“
„Ja“, sagte er leise, „inzwischen ist mir das auch klar geworden.“
Er lächelte sie erneut scheu an.
Dann wandte er sich um und meinte: „Hier sind übrigens die Steine, die ich dir zeigen wollte. Siehst du dort die Felsen, um die der schwarze Nebel einen Bogen macht?“
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Er zeigte auf eine von der Sonne beschienene Stelle, die sich deutlich vom Schwarz des Nebels abhob. Dort war ein riesiger Haufen großer, grauer Felsen, die von weißen Adern durchzogen waren.
Pranicara blickte vollkommen baff auf diese Ansammlung Steine. „Was sind das für Felsen? Warum hält sich der Nebel von ihnen fern?“
„Das sind Wuhurudi-Steine“, erklärte Demojon, wobei deutlich Begeisterung in seiner Stimme mitschwang. „Sogenannte Wachstumsfelsen. Fantastisch, nicht wahr? Ich wusste bis vor einigen Monaten gar nicht, dass es hier im Wald welche gibt!“
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Demojon hatte Wuruhudi-Steine entdeckt.
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Pranicara schaute ihn verwirrt an.
„Was ist ein Wachstumsfelsen?“, fragte sie stirnrunzelnd.
Demojon strahlte sie an und führte aus: „Das sind Felsen, die man mit dem richtigen Zauberspruch zum Wachsen bringen und auch wieder verkleinern kann. Wuhurudi-Steine sind äußerst selten. Dass hier gleich ein ganzer Haufen liegt, ist unglaublich! Da das Wachstum dem Felsen allerdings sehr viel Energie abverlangt, benötigt er anschließend Zeit, um sich zu regenerieren. Während dieser Phase ist er von anderen Felsen nicht zu unterscheiden. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich bislang nichts darüber gelesen habe.“
Pranicara war überrascht. „Du sagtest, du hättest sie schon vor einiger Zeit entdeckt. Damals gab es diesen Nebel noch nicht, der vor ihnen fliehen konnte. Wie hast du sie dann als etwas Besonderes erkannt? Ich hätte sie wahrscheinlich für gewöhnliche Findlinge gehalten.“
„Ich habe sie getestet“, erklärte er sachlich. „Das mache ich immer, wenn ich Steine mit dieser charakteristischen Maserung finde. Sind sie bereit zum Wachsen, reagieren sie. Befinden sie sich noch in ihrer Regenerationsphase, bleiben sie stumm. Warte, ich zeige es dir.“
Pranicara bemerkte das begeisterte Strahlen in seinen Augen.
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Demojon testete die Felsen, ob sie wachstumsbereit waren.
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Demojon trat auf die Felsen zu, legte eine Hand auf einen von ihnen und sprach: „Vadho Wuruhudi!“
Die weißen Adern auf dem Felsen begannen zu pulsieren.
Dann sprach er: „Bandha Wuruhudi!“
Daraufhin hörte das Pulsieren wieder auf.
Er trat zu einem anderen Felsen, berührte auch ihn und sprach erneut: „Vadho Wuruhudi!“
Doch dieses Mal tat sich nichts. Der Stein blieb leblos.
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„Siehst du?“, meinte er aufgeregt. „Einige Steine haben ihre Regenerationsphase abgeschlossen, andere noch nicht. Ich habe sie alle getestet, als ich sie entdeckt habe. Sieben von ihnen sind bereit zu wachsen, die übrigen befinden sich noch in ihrer Regenerationsphase.“
„Aber was ist der Sinn eines Wachstumssteins?“, fragte Pranicara stirnrunzelnd. In Erinnerung an Demojons rasch aufkommende Unsicherheit fügte sie jedoch schnell hinzu: „Das ist kein Zweifel an deiner Aussage. Mich interessiert nur, warum sich diese Steine so außergewöhnlich verhalten. Es muss ja einen Zweck haben.“
Der Vykati erkannte, dass Pranicara seine Leidenschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen, teilte, und erklärte bereitwillig: „Wuhurudi-Steine nehmen überschüssige Magie aus ihrer Umgebung auf. Sie dienen der Stabilisierung des magischen Flusses. Bei einem spontanen Magieanstieg vergrößern sie ihre Masse, um mehr Magie absorbieren zu können. Diese geben sie an alle Steine weiter, auch an jene, die sich gerade in der Regenerationsphase befinden. Ich vermute − aber das ist keine belegte Tatsache −, dass die Steine einander helfen, schneller aus der Regenerationsphase herauszukommen.“
„Die Steine helfen sich gegenseitig?“, fragte Pranicara verwirrt.
Sofort wurde Demojon wieder unsicher.
„Nun ja“, sagte er kleinlaut. „Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Regenerationsphase inaktiver Wuhurudi-Steine nach einem plötzlichen Magieanstieg verkürzt. Die Experten glauben, dass es daran liegt, dass auch die inaktiven Felsen in solchen Phasen Magie aufnehmen. Aber wie du gerade gesehen hast, reagieren sie nicht auf Ansprache. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass sie in diesem Zustand aktiv Magie aus ihrer Umgebung aufnehmen können.“
Demojon schien auf Pranicaras Urteil zu warten. Sie wusste nicht genau, was sie von dieser Theorie halten sollte, wollte ihn aber auch nicht verletzen.
Daher zuckte sie mit den Schultern und entgegnete: „Sowohl die eine als auch die andere Theorie klingt in meinen Ohren schlüssig. Man müsste vermutlich einmal an zwei Steinhaufen testen, von denen einer wachstumsbereite Steine aufweist und der andere nicht, ob sich nach einem Magieanstieg der eine Haufen schneller regeneriert als der andere. Aber vermutlich ist das schwierig, wenn man nicht vorhersagen kann, ob ein Magieanstieg zu erwarten ist. Richtig?“
Demojon bemerkte, dass Pranicara seiner Deutung zwar nicht vorbehaltlos glaubte, sie aber auch nicht als vollkommen abwegig ablehnte. Allein die Tatsache, dass sie sie für möglich hielt, machte ihn glücklich. Denn für gewöhnlich wurde er ausgelacht, wenn er solche unbewiesenen Theorien äußerte, die sich von den Meinungen der Experten unterschied. Er strahlte sie an.
Pranicara fühlte seltsamerweise, wie sie verlegen wurde, als er sie so stumm ansah und glücklich anlächelte.
Um ihre Verlegenheit zu überspielen, blickte sie zum Himmel hinauf und sagte: „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir zur Morgenglanzlichtung gehen. Sonst werden wir am Ende die Letzten sein, die dort ankommen.“
„Stimmt“, entgegnete Demojon, nahm sie überraschend an der Hand und rannte, sie hinter sich herziehend, zur Morgenglanzlichtung.
Ein wenig atemlos kamen sie beide auf der Lichtung an. Pranicara bemerkte, dass er ihre Hand noch immer festhielt.
„Wir hätten uns gar nicht so beeilen müssen“, sagte Demojon keuchend und mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Wir sind immer noch nicht die Letzten.“
„Ich war ja nicht diejenige, die rennen wollte“, entgegnete sie lachend.
Ein junger Elf ging an ihnen vorbei.
„Ist ja nicht wahr!“, sagte er grinsend zu Demojon. „Hast du dich nach Jahren des Schwärmens doch endlich dazu durchgerungen, sie anzusprechen?“
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Ein junger Elf bemerkte, dass Demojon endlich mit Pranicara zusammengekommen war.
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