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Annäherungen

Pranicara bemerkte, wie Demojon leuchtend rot anlief. Einerseits freute es sie ungemein, dass der Vykati offenbar doch mehr in ihr sah als nur eine Seelenheilerin. Andererseits tat er ihr unendlich leid, weil er ohnehin schon mit Unsicherheiten zu kämpfen hatte und nun auch noch so bloßgestellt worden war.

Wie nur konnte sie ihm aus dieser für ihn höchst peinlichen Situation helfen, ohne sich selbst in eine unangenehme Lage zu bringen?

Sie drückte ihm die Hand und sagte leise: „Ich finde dich auch großartig!“

Pranicara spürte Demojons Verlegenheit.

Zaghaft lächelte sie ihn an.

Dennoch spürte sie, wie Demojon sich von ihr distanzierte. Ihre Worte hatten nicht die Wirkung, die sie sich erhofft hatte. Sie war sich nicht einmal sicher, ob er sie überhaupt gehört hatte. Er löste seine Hand aus der ihren und trat einen Schritt zur Seite.

Pranicara spürte, wie Panik in ihr aufstieg. Sie wollte nicht, dass Demojon sich nun zurückzog, nachdem sie endlich erfahren hatte, dass er offenbar ähnliche Gefühle für sie hegte wie sie für ihn. Nein, das durfte nicht passieren!

Nur wie sollte sie vorgehen? Ihr professionelles Denken setzte völlig aus. Sie war selbst viel zu sehr in diese Situation verstrickt.

Handle aus dem Bauch heraus!, sagte sie sich. Sei Pranicara, nicht die Seelenheilerin!

Es fiel ihr schwer, eine Entscheidung zu treffen. Dennoch war ihr klar, dass sie rasch reagieren musste. Sie durfte den Augenblick nicht verpassen, in dem sie überhaupt noch etwas bewirken konnte.

Also stellte sie sich wieder neben Demojon, berührte mit ihrem Handrücken seine Hand und vermied es bewusst, ihn anzusehen. Stattdessen richtete sie ihren Blick auf ihre sich berührenden Hände.

„Ich bin da, wenn du möchtest“, murmelte sie.

Seine Hand zuckte, doch er zog sie nicht zurück.

Ob das ein gutes Zeichen war?, überlegte sie.

Pranicara hätte ihm gern tröstende Worte zugesprochen. Sie wollte ihm sagen, dass ihr die Worte des Elfen gefallen hatten, dass es sie nicht im Geringsten gestört hatte und dass es Demojon nicht peinlich sein musste. Auch hätte sie ihm gern versichert, dass es dem Elfen nicht zugestanden hatte, sich über die Gefühle des Vykati zu äußern. Doch sie spürte, dass jedes weitere Wort die Distanz zwischen ihnen nur noch vergrößert hätte. Also schwieg sie und blieb einfach neben ihm stehen.



Demojon wurde unsicher.

Demojon war sich nicht sicher, wie er reagieren sollte.

Als Ratapus seine Bemerkung fallen gelassen hatte, wäre er am liebsten im Erdboden versunken. Warum musste er alles kaputt machen? Was sollte Pranicara jetzt von ihm denken? Sie konnte ihn nun nur noch für einen Feigling halten.

Dabei hatte sich Demojon so sehr bemüht, es dieses Mal richtig zu machen: sich zurückzuhalten und seine Impulsivität zu kontrollieren. Und dann war Ratapus mit dieser einen Bemerkung gekommen, und alles war umsonst gewesen!

Demojon hatte das Gefühl, die Welt würde aus den Angeln gehoben. Sein Glücksgefühl, das ihn seit drei Tagen durchströmte, zerbarst wie das Evakara-Amulett, das Gamdhod damals benutzt haben musste. Doch diese Magie bewirkte keine mächtige Tat. Sie nahm ihm vielmehr alles, was er sich je erträumt hatte.

Die Frau, bei der er zum ersten Mal gewagt hatte zu hoffen, dass seine Begeisterung, seine Gedanken und seine ungewöhnliche Art für sie nicht nur erträglich, sondern vielleicht sogar liebenswert waren. Das einzige Wesen, bei dem er jemals das Gefühl gehabt hatte, verstanden zu werden.

Alles war dahin.

Auch ihre leise ausgesprochenen Worte „Ich finde dich auch großartig!“ änderten nichts an der Tatsache, dass er sie nun verloren hatte. Sie wusste jetzt von seinem jahrelangen Schwärmen für sie.

Warum nur hatte Ratapus nicht einfach geschwiegen?

Plötzlich spürte er eine zaghafte Berührung seiner Hand und hörte Pranicaras vorsichtig gesprochene Worte: „Ich bin da, wenn du möchtest.“

Sie lachte ihn nicht aus. Sie zog sich auch nicht zurück. Sie drängte ihn aber ebenso wenig. Sie war einfach nur da. Und sie blieb.

Mit ihrer sanften Berührung.

Und sie sah ihn nicht an.

Auf Demojon wirkte es beinahe so, als sei sie − die sonst immer so selbstsicher auftrat − gerade selbst zutiefst verunsichert. Warum? Ihre Gefühle waren doch nicht verletzt worden. Weshalb wirkte sie dann so, als wüsste sie selbst nicht, wie sie auf diese Situation reagieren sollte?

Eher scheu strich er mit seinem kleinen Finger über ihre Hand.

Blieb sie wirklich?

Zu seiner Freude erwiderte sie das Fingerspiel. Vorsichtig hakte er seinen Finger in ihren ein. Auch diese Geste erwiderte sie. Daraufhin schob er behutsam die übrigen Finger zwischen ihre und spürte glücklich, wie sie seine Hand ergriff.

Sie wollte tatsächlich an seiner Seite bleiben. Er hatte sie nicht verloren!

Pranicara nahm sein vorsichtiges Fingerspiel mit großer Erleichterung wahr und erwiderte es glücklich. Als ihre Hände schließlich ineinander verschränkt waren, wagte sie es endlich, aufzuschauen und ihm ins Gesicht zu sehen.



Zu Demojons Freude erwiderte Pranica das Fingerspiel.

Das Strahlen war in seine leuchtend blauen Augen zurückgekehrt. Und dieses Mal strahlte sie ebenso zurück.

Demojon würde bleiben.

Ein großer Stein fiel ihr vom Herzen.

In diesem Augenblick eröffnete Lililja die Versammlung. Doch bevor sie die Anwesenden begrüßte, hob sie die Arme und sprach mit lauter Stimme: „Mit dem Segen des Sonnenlichts, das in mir strahlt, möge das finstere Amulett seine Macht verlieren. Für dieses Treffen der Zaubergemeinschaft sei es taub und mit Blindheit geschlagen.“

Erst danach begrüßte sie die Anwesenden und berichtete, dass Skukius erfolgreich von seinem Suchauftrag zurückgekehrt sei und wichtige Informationen über den dunklen Magier mitgebracht habe. (Sie wollte nicht, dass Skukius seine Flucht rechtfertigen musste, da niemand außer seinen Freunden über seine Vergangenheit Bescheid wusste.) Da der dunkle Magier ein Amulett besäße, mit dem er all ihre Schritte verfolgen könne, habe sie diesen Bann gesprochen. Auf diese Weise seien sie während des Treffens vor seinen neugierigen Blicken geschützt.

Anschließend berichtete Skukius von seinen Entdeckungen.



Pranicara bemerkte Skukius' zerfledderten Zustand.

Als Pranicara Skukius' zerfledderten Zustand erkannte, erstarrte sie. Demojon schien dies zu spüren, denn er sah sie besorgt an und fragte unsicher: „Was ist los?“

„Skukius!“, flüsterte sie entsetzt. „Er sieht grässlich aus. Entschuldige, ich muss sofort zu ihm!“

Mit einem sehnsüchtigen Blick in Demojons Gesicht löste sie ihre Hand aus der seinen und eilte nach vorn zum Podium.

Demojon, der gerade noch glücklich Pranicaras Nähe genossen hatte, war zunächst vollkommen verwirrt. Sie hatte ihn nun doch allein gelassen.

Niedergeschlagen verfolgte er sie mit den Augen. Er beobachtete, wie sie am Podium stehen blieb, eine Hand an die Stirn legte und die andere in Richtung des Korvum-Raben ausstreckte. Da wurde ihm bewusst, dass sie ihn nicht ohne Grund verlassen hatte, sondern in ihrer Funktion als Tierheilerin handelte.

Das Glück kehrte schlagartig zurück. Erleichtert schlenderte er ihr hinterher, blieb jedoch in einiger Entfernung stehen, um sie nicht in ihrer Konzentration zu stören. Interessiert beobachtete er, wie sie dem Vogel mithilfe ihrer Magie half.

Mit einem Ohr verfolgte er weiterhin den Verlauf der Versammlung.

Angesichts der Schattenkrieger, von denen Skukius erzählt hatte, schlug Meister Vatanos vor, die Blauschnäuzchen auf die Morgenglanzlichtung zu führen. Vielleicht waren sie in der Lage, die dunklen Flüche zumindest teilweise zu blockieren.

Demojon wurde plötzlich der Ernst der Lage bewusst. Er war zu sehr in seinen Glücksgefühlen gefangen gewesen, um dies sofort zu erkennen. Doch als Meister Vatanos von den dunklen Flüchen sprach, wurde ihm klar, dass sie auf der Morgenglanzlichtung vollkommen ungeschützt waren. Da würde eine Handvoll Blauschnäuzchen vermutlich keinen ausreichenden Schutz bieten.

Augenblicklich und unwillkürlich setzte sein strategisches Denken ein. Hier gab es keinerlei Deckungsmöglichkeiten, während die Schattenarmee, die vermutlich aus dem Wald heraus angreifen würde, jede Deckung nutzen konnte, die sie benötigte. Die Zaubergemeinschaft saß hier in der Falle!

Ihr Vorteil bestand allerdings darin, dass hier jeder klar denken konnte. An jedem anderen öffentlich zugänglichen Ort würden die Gedanken hingegen vom schwarzen Nebel beeinflusst werden. Somit war es unumgänglich, hier für Deckungsmöglichkeiten zu sorgen.

Sofort hob er die Hand. Lililja forderte ihn auf zu sprechen.



Demojons strategisches Denken setzte ein.

„Die Lichtung ist zu offen, als dass sie uns Schutz bieten könnte“, erklärte er. „Allerdings gibt es unweit von hier einige Felsen, sogenannte Wuhurudi-Steine, die wir hierherbringen könnten. Sie sind wachstumsbereit. Wenn wir sie strategisch verteilen und wachsen lassen, hätten wir einige geschützte Bereiche, hinter denen wir uns verstecken können. Sobald die Gefahr vorüber ist, können wir sie wieder schrumpfen lassen und an ihren ursprünglichen Ort zurückbringen, sodass die Morgenglanzlichtung wieder frei wird.“

Die Zauberwesen starrten Demojon verständnislos an.

„Kannst du uns die Wuhurudi-Steine etwas genauer erklären?“, fragte Lililja, die die Blicke der Zauberwesen richtig deutete.

Demojon wiederholte die Erklärung, die er bereits Pranicara gegeben hatte.

„Das klingt wunderbar!“, meinte Lililja begeistert. „Würdest du Rafyndor die Stelle zeigen, damit er einschätzen kann, ob die Felsen problemlos für kurze Zeit von dort entfernt werden können?“



Demojon machte sich mit Rafyndor auf den Weg, um ihm die Wuruhudi-Steine zu zeigen.

Demojon nickte. Der Waldhüter kam zu ihm hinüber, und gemeinsam machten sie sich auf den Weg.

Schweigend liefen sie nebeneinanderher. Hin und wieder warfen sie sich neugierige Blicke zu und versuchten, den jeweils anderen einzuschätzen.

Rafyndor hatte diesen Vykati erst am Vortag kennengelernt.

Demojon war Pranicara gegenüber sehr übergriffig aufgetreten, doch schien sie damit kein Problem gehabt zu haben.

Sie hatte eindeutig Anzeichen von Verliebtheit gezeigt. Ob das auf Gegenseitigkeit beruhte? Allerdings machte der Vykati bislang nicht den Eindruck, als hätte er Pranicaras starkem Charakter etwas entgegenzusetzen.

Demojon hingegen fühlte sich von dem kräftigen, wild wirkenden Waldgeist ein wenig eingeschüchtert. Inzwischen wusste er zwar, dass Rafyndor nicht Pranicaras Partner war, aber immerhin war er ihr Cousin. Als solcher hatte er vermutlich einen gewissen Beschützerinstinkt für sie entwickelt.

Ob er ihre Verbindung zu dem Vykati guthieß? Oder sah er eine engere Beziehung zwischen ihnen eher kritisch?

Die Blicke, die der Waldhüter ihm zuwarf, wirkten zumindest aus seiner Perspektive eher misstrauisch.

„Ist es noch weit bis zu den Steinen?“, fragte Rafyndor schließlich.

„Nein“, antwortete Demojon. „Wir sind gleich da.“ Zögernd fügte er hinzu: „Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob wir sie problemlos von dort entfernen können.“

„Glaubst du, sie sind zu tief in der Erde verankert?“, fragte Rafyndor und begann zu überlegen, wen er wegen eines solchen Problems am besten ansprechen könnte.

„Nein“, erwiderte Demojon. „Wuhurudi-Steine verankern sich nicht im Boden. Wir müssen vielmehr überprüfen, ob sie sich problemlos aus dem Steinhaufen entfernen lassen oder ob wir dadurch ihre Beziehungen zu den anderen Steinen zerstören würden.“

Rafyndor blickte ihn irritiert an.

„Die Beziehungen zu den anderen Steinen zerstören“? Der Vykati bediente sich einer äußerst seltsamen Wortwahl, dachte er.

Als sie den Steinhaufen kurz darauf erreichten, stellte Rafyndor überrascht fest, dass Demojon ihn zu den Aderfelsen geführt hatte. Diese Steine kannte der Waldhüter gut. Bislang war er jedoch davon ausgegangen, dass sie lediglich eine besondere Maserung aufwiesen. Dass sie darüber hinaus besondere Eigenschaften besaßen, war ihm völlig unbekannt. Allerdings schien der schwarze Nebel, der es konsequent vermied, die Steine zu berühren, Demojons Aussage zu bestätigen.

„Und diese Felsen kann man wachsen lassen?“, fragte der Waldhüter ein wenig skeptisch.



Rafyndor kannte diese Felsen, doch wusste er bislang nicht, dass sie magisch waren.

Demojon nickte. Er trat auf einen der Felsen zu, legte die Hand darauf und sprach − wie schon zuvor bei seiner Demonstration für Pranicara: „Vadho Wuruhudi!“

Verblüfft starrte Rafyndor auf die weißen Adern des Steins, die zu pulsieren begannen.

„Beeindruckend!“, staunte er. „Machen das alle Steine hier?“

„Nein“, entgegnete Demojon. „Einige befinden sich in der Regenerationsphase. Ich konnte lediglich sieben Steine entdecken, die zum Wachsen bereit sind.“

Dann legte er erneut die Hand auf den Stein und brachte ihn mit den Worten „Bandha Wuruhudi!“ wieder zur Ruhe.

„Kannst du einmal zeigen, wie sie wachsen?“, fragte Rafyndor, der nun neugierig geworden war. Doch der Vykati schüttelte den Kopf.



Demojon erklärte, dass er die Steine erst auf der Morgenglanzlichtung wachsen lassen könne.

„Nein, nicht hier“, erklärte er. „Wenn sie einmal gewachsen sind, benötigt man mindestens zehn Männer, um sie zu transportieren. Und wenn man sie anschließend wieder schrumpfen lässt, brauchen sie ungefähr einhundert Jahre zur Regeneration, bevor sie erneut zum Wachsen bereit sind. Daher wirke ich den Zauber erst, wenn sie an der richtigen Stelle auf der Morgenglanzlichtung stehen.“

Rafyndor nickte beeindruckt.

Demojon begann, den Steinhaufen eingehend zu untersuchen, während Rafyndor ihn interessiert dabei beobachtete. Zwischendurch runzelte der Vykati immer wieder die Stirn und murmelte unverständliche Worte vor sich hin. Schließlich drehte er sich lächelnd zu Rafyndor um.

„Ich glaube, wir können fünf Steine problemlos entfernen“, erklärte er sachlich. „Bei zweien bin ich mir nicht sicher und würde sie vorsichtshalber lieber im Verbund belassen. Ich weiß nicht, ob wir dem Steinhaufen Schaden zufügen würden, wenn wir sie mit Gewalt aus ihrer Verankerung lösen.“

Erneut wunderte sich Rafyndor über die seltsame Wortwahl des Vykati. „Verbund“ und „dem Steinhaufen Schaden zufügen“ − aus Demojons Mund klang es beinahe so, als würde er in diesen Felsen lebendige Wesen erkennen.

„Würden die fünf Steine denn einen ausreichenden Schutz bieten?“, fragte Rafyndor vorsichtshalber nach. Ihm kam es so vor, als wären sie mit sieben Steinen wesentlich besser auf die Angriffe vorbereitet.

„Wenn wir sie strategisch sinnvoll aufstellen, reichen fünf Steine“, antwortete Demojon entschieden.

Nun gut, dachte Rafyndor. Demojon war der Stratege. Ihm blieb nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen.

„Wenn möglich, sollten wir die Steine noch heute auf die Morgenglanzlichtung bringen“, überlegte Demojon laut. „Die Frage ist nur, ob sich genügend Vykati finden, die bereit sind, mir zu helfen.“ Er lächelte schief.

Rafyndor musste nicht fragen, warum Demojon ausdrücklich Mitglieder seines Volkes genannt hatte. Schließlich besaßen nur die Vykati die Fähigkeit, mithilfe von Gravitationszaubern solch schwere Steine transportierbar zu machen.

Was den Waldhüter allerdings wunderte, war der geäußerte Zweifel, ob ihm genügend Vykati helfen würden. Es gab genügend Mitglieder dieses arroganten Volkes in der Zaubergemeinschaft, und diese hielten für gewöhnlich zusammen.

Wenn Rafyndor als Waldgeist sie auffordern würde, ihnen zu helfen, wäre unweigerlich damit zu rechnen, dass sich keiner dazu bereitfände. Aber Demojon war doch einer von ihnen. Warum sollten sie ausgerechnet ihm, einem Vykati, ihre Mitarbeit verweigern?

Pranicara schien sich wirklich einen recht merkwürdigen Kauz für eine neue Liebelei ausgesucht zu haben, dachte Rafyndor verwundert. Einerseits schien Demojon genau zu wissen, was er tat. Andererseits gab er immer wieder merkwürdige Kommentare von sich.

Innerlich zuckte Rafyndor mit den Schultern. Pranicara würde schon wissen, was sie tat. Um sie musste er sich gewiss nicht sorgen.

Während der Vykati und der Waldgeist die Wuhurudi-Steine untersuchten, machte sich Pranicara allerdings schwere Vorwürfe, Demojon ohne eine ausreichende Erklärung allein zurückgelassen zu haben.

Sie hatte die Heilungszeremonie, die all ihre Konzentration bedurft hatte, beendet und sich nach dem jungen Vykati umgesehen, doch sie konnte ihn nirgends entdecken.

Erschüttert überlegte sie, ob sie ihn mit ihrem plötzlichen Fortlaufen erneut verletzt hatte. Ihr war doch bekannt, wie sensibel er reagierte. Gerade erst hatte sie sein Vertrauen in sie wiederhergestellt, und schon war sie Hals über Kopf davongerannt.



Pranicara machte sich große Vorwürfe, dass sie sich so heftig von Demojon losgerissen hatte und sorgte sich darum, ihn damit fortgetrieben zu haben.

Pranicara hätte sich selbst ohrfeigen mögen! Was war sie nur für eine entsetzliche Seelenheilerin, die es nicht einmal schaffte, einen Mann, der ihr etwas bedeutete, so zu behandeln, wie es angemessen gewesen wäre? Hätte es wirklich so viel Zeit gekostet, Demojon zu erklären, was ihre Aufgabe als Tierheilerin war?

Wie konnte sie sich nur bei ihm entschuldigen? Sie wusste ja nicht einmal, wo er wohnte! Würde er sie bei der nächsten Versammlung ignorieren oder ihr die kalte Schulter zeigen?

Plötzlich sah sie in der Ferne Demojon zusammen mit Rafyndor auf die Morgenglanzlichtung zulaufen. Im ersten Moment schoss ihr der absurde Gedanke durch den Kopf, ihr Cousin hätte Demojon zurückgeholt. Doch sogleich erkannte sie, wie unsinnig diese Vorstellung war. Woher hätte Rafyndor etwas von ihrer Beziehung zu dem Vykati wissen sollen?

Überglücklich, Demojon wiederzusehen, lief sie den beiden entgegen.

Bevor einer der beiden Männer auch nur zu einer Erklärung ansetzen konnte, ergriff Pranicara Demojons Hand und sprudelte los: „Es tut mir leid, Demojon, dass ich dich vorhin so schnell verlassen habe. Aber Skukius brauchte dringend meine Hilfe! Er sah so gerupft aus, da musste ich mich sofort um ihn kümmern. Ich hatte nicht die Zeit, dir das ausführlich zu erklären. Es tut mir wirklich von Herzen leid, wenn ich dich verletzt haben sollte.“

Demojon musste breit grinsen.

„Sonst bin eigentlich immer ich derjenige, der so überschwänglich reagiert. Es ist eine neue Erfahrung, das einmal bei jemand anderem zu erleben.“

Damit zog er die Waldgeistfrau in eine Umarmung und genoss es, dass Pranicara diese Geste sofort erwiderte.



Rafyndor brachte Demojon zu Pranicara zurück.

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