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Nachdem sich Tarodastrus von den beiden sehr erleichtert wirkenden Waldgeistern mit einem kurzen Nicken verabschiedet hatte, war er zum magischen Knollenpunkt zurückgekehrt.
Zwar wäre es zeitsparender gewesen, direkt vom Jada-Schrein aus die Heimreise anzutreten, doch hätte er so den Waldgeistern gegenüber offenbaren müssen, wie die Vykati die weiten Entfernungen überwanden, und das ließen die Prinzipien der Vykati nicht zu.
Vykati verkehrten nicht mit den Wesen anderer Völker − außer, wenn es sich nicht umgehen ließ. Magische Errungenschaften wurden aber dennoch gehütet wie ein Schatz.
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Vom magischen Knollenpunkt aus war er dann mithilfe seines Zeitdurchbrechungs-Amuletts zurück in die Reichsglorie gereist, wo er sich − wie schon am Morgen im Silberwindhain − mehrfach aufgrund von heftigen Schwindelattacken übergeben musste und von einem schmerzhaften Ohrensausen geplagt wurde.
Das Reisen mit diesem Amulett empfand er jedes Mal als unerträglich, aber die Entfernungen zufuß zurückzulegen, hätte Tage beansprucht – eine Zeit, die unsinnigerweise vergeudet wäre.
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Tarodastrus war in der Reichsglorie angekommen.
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Nachdem sich sein Magen etwas beruhigt hatte und das Ohrensausen ein wenig abgeebbt war, sprach er „Vighatana!“ und läutete damit einen schnellen Zersetzungsprozess ein, der das Erbrochene innerhalb von wenigen Sekunden verschwinden ließ. Dann machte er sich auf den Weg zu Sadothus' archäologische Studierstube.
Es war später Nachmittag und auf den Straßen der Vykati-Hauptstadt war nicht mehr allzu viel los. Die meisten Besorgungen wurden am Vormittag erledigt. Nachmittags arbeiteten die meisten Vykati in ihren Schreibstuben oder Werkstätten und trieben sich nur noch in Ausnahmefällen auf den Straßen herum.
Somit traf Tarodastrus auf seinem Weg zu Sadothus nur vereinzelt auf eine Person. Man grüßte sich mit einem Kopfnicken, hielt sich aber nicht zu einem Plausch auf. Das wäre unproduktiv gewesen und hätte den Anschein erweckt, man gebe sich dem Nichtstun hin. Private Gespräche wurden am Tag immer nur in geschlossenen Räumen geführt, abseits der Öffentlichkeit. Erst abends im Park, nach der Arbeit, traf man sich zur entspannten Konversation.
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Tarodastrus erinnerte sich an Sadothus' Besuch in der Kartographie-Werkstatt.
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Auf dem Weg zu Sadothus' Studierstube kam Tarodastrus der Besuch seines Freund von vor zwei Tagen wieder in den Sinn, als ihm dieser den Auftrag gab, die Kartographierung im Silberwindhain durchzuführen.
Sadothus hatte Tarodastrus in dessen Kartographie-Werkstatt aufgesucht, von seiner Kollegin Rakhata wie schon seit Jahren ignoriert, und war zielstrebig zu ihm an das Schreibpult getreten. Ohne Umschweife kam er direkt auf das zu sprechen, weshalb er gekommen war. Das war charakteristisch für ihn.
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„Ich habe ein magisches Artefakt auf Waldgeistergebiet entdeckt“, hatte er begeistert mitgeteilt und sorgfältig darauf geachtet, dass Rakhata auch aufmerksam wurde. Es war eines dieser Spiele, die dieser stets mit den Vykatifrauen spielte.
Sadothus genoss kein großes Ansehen innerhalb der Vykatigesellschaft. Somit konnte er nicht darauf hoffen, dass sich eines Tages eine Vykatifrau wirklich für ihn interessieren würde. Also gab er sich alle Mühe, die Vykatifrauen anders auf sich aufmerksam zu machen.
Tarodastrus spürte, dass Sadothus unter der Verachtung der Frauen litt, auch wenn dieser nie darüber sprach.
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Jedenfalls hatte Rakhata, wie von Sadothus beabsichtigt, ihre Schreibarbeiten unterbrochen. Mehr Aufmerksamkeit war von einer Vykati, die nicht Teilnehmerin eines Gespräches war, nicht zu erwarten. Offene Neugier war für eine Vykati indiskutabel.
Sadothus, mit seiner Wirkung zufrieden, war in seinen Ausführungen weiter fortgefahren: „Ich habe mir die Stelle angesehen, bin mir aber nicht ganz schlüssig, ob dort Giftpflanzen vorkommen. Auf einem großen Felsen wächst ein sehr merkwürdiges rotes Moos. So etwas habe ich noch nie gesehen. Außerdem herrscht dort eine sehr seltsame Atmosphäre vor. Ich kann es gar nicht so genau beschreiben, aber ich wurde in der Nähe des Artefaktes irgendwie nervös.“
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Auf dem Weg zu Sadothus' Studierstube erinnerte sich Tarodastrus daran, wie Rakhata bei Sadothus' Bericht ihre Schreibarbeiten unterbrochen hatte.
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Inzwischen kannte Tarodastrus die Begründung für Sadothus' Unbehagen, aber zum damaligen Zeitpunkt klang es in seinen Ohren sehr mysteriös. Es war somit einleuchtend, dass Tarodastrus die Kartographierung übernahm, denn Sadothus vertraute in einer so undurchsichtigen Situation nur seinem Freund.
Als er sich nun an den Jada-Schrein zurückerinnerte, fiel ihm wieder ein, dass er selbst den Platz ohne die Hilfe der Waldgeistfrau gar nicht hätte finden können. Er hatte nur eine leere Lichtung wahrgenommen. Weshalb hatte Sadothus so ohne weiteres den Ort betreten können?
Es war ihm unerklärlich. Doch darüber nachzugrübeln, war ineffizient. Die Antwort konnte ihm nur Sadothus selbst geben.
Er trat in die archäologische Studierstube ein. Wie immer, fiel ihm sofort das mysteriöse Halbrelief aus Alabaster auf, das auf der rechten Seite über dem Schreibtisch des länglichen Raums hing.
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Tarodastrus trat unbemerkt in Sadothus' Studierstube ein.
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Sadothus hatte Tarodastrus einst erzählt, dass einer der früheren magischen Vykati-Archäologen dieses auf dem Gebiet der Elfen entdeckt und heimlich entwendet hatte.
Es würde jedoch keine magischen Qualitäten ausweisen, sondern wäre nur wegen seiner Ästhetik hier angebracht worden.
Die Wände des Studierzimmers zeichneten sich durch hohe Regalwände aus, die mit Büchern, Schriftrollen und Artefakten gefüllt waren.
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Sadothus saß an seinem Schreibtisch, die schulterlangen schwarzen glatten Haare ins Gesicht gefallen. Er war so sehr in das Studium eines handtellergroßen Artefaktes vertieft, dass er Tarodastrus nicht bemerkte.
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Bei jedem anderen hätte Tarodastrus sich durch ein Räuspern angekündigt. Doch hier, bei seinem Freund, verzichtete er darauf.
Ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht.
In Sadothu' Studierstube trat die Effizienz, die sonst sein Denken bestimmte, zurück. Dieser Raum war eine kleine Oase, fernab von den Zwängen und Erwartungen der vykatianischen Gesellschaft, zumal Sadothus dem ohnehin keinen großen Wert beimaß.
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Ein kaum wahrnehmbares Lächeln legte sich auf Tarodastrus’ Gesicht.
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Eine Zeit lang beobachtete Tarodastrus interessiert, wie Sadothus das Artefakt vermaß, sich auf einem Pergament Notizen machte, aus seinem Schreibtisch eine Phiole mit einem blauen Puder herausholte und dieses über das Artefakt streute, während er es intensiv betrachtete. Vermutlich, dachte Tarodastrus, wartete Sadothus auf eine Reaktion. Allerdings blieb diese aus, was Sadothus mit einem Stirnrunzeln quittierte.
Schließlich räusperte sich Tarodastrus. Sadothus schreckte aus seiner konzentrierten Arbeit auf, blickte seinen Freund mit seinen blauen Augen im ersten Augenblick verwirrt an und fragte dann verwundert: „Nanu, du bist schon zurück? Ich habe dich frühestens in drei Tagen erwartet.“
„MITF“, entgegnete Tarodastrus in seiner typisch knappen Art und Weise.
Sadothus starrte ihn für einen Moment ungläubig an und wiederholte fragend: „MITF?“ Tarodastrus nickte.
Zunächst schien sich Sadothus nur zu wundern, doch dann verfinsterte sich sein Gesicht, und mit Enttäuschung in der Stimme grummelte er: „Verfluchte Sterne! So etwas Ärgerliches!“ Er seufzte tief auf. „Dann werde ich wohl auf das Artefakt verzichten müssen. Es schien so vielversprechend zu sein!“
Tarodastrus blickte ihn fragend an.
Sadothus, der die wortkarge Art seines Freundes kannte, erklärte von sich aus: „Es besitzt eine ganz außergewöhnliche Magiesignatur. Möglicherweise ist es einzigartig, und ich hatte gehofft, dass es sich durch verschiedene Arten von Magie auszeichnet, die uns dabei helfen könnten, andere magische Artefakte zu kontrollieren, die sich sonst unserem Einfluss entziehen. Aber wenn es Magisch-Induzierte Topographische Fluktuationen hervorruft, wird es wohl selbst kaum kontrollierbar sein.“ Erneut seufzte er tief auf. „Bist du dir wirklich sicher?“
Tarodastrus hob tadelnd eine Augenbraue. „Das Magioskop war eindeutig“, erklärte er schlicht.
„Dann kann man nichts machen“, meinte Sadothus niedergeschlagen.
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Tarodastrus dachte über den magischen Schutzschirm nach, mit dem der Jada-Schrein geschützt wurde.
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Eine Zeitlang herrschte Stille zwischen den Freunden. Tarodastrus dachte wieder an den Schutzschild, der verhindert hatte, dass er den Jada-Schrein überhaupt wahrnehmen konnte. Er fragte sich nach wie vor, wie es Sadothus ohne die Hilfe der Waldgeister gelungen war, diesen zu umgehen.
Lag der Fehler bei Tarodastrus selbst? Bei seiner Frustration, die er während der Suche gespürt hatte, obwohl er versucht hatte, diese zu unterdrücken? Bei seiner Unachtsamkeit, als er die Erinnernungen an seine Kindheit zugelassen hatte? Oder gab es dafür eine andere Erklärung?
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Schließlich sagte er im beiläufigen Tonfall: „Über dem Ort mit dem magischen Artefakt liegt ein Schutzschild.“
Sadothus wurde aus seinen Gedanken gerissen und blickte Tarodastrus irritiert an.
„Schutzschirm?“, fragte er verwirrt. „Wie kommst du darauf?“
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„Die Waldgeistfrau hat mich hindurchgezogen“, erläuterte Tarodastrus ruhig und überlegte, warum Sadothus so verwundert reagierte. Hatte er kein Hindernis bemerkt?
Sadothus riss die Augen auf, schieres Entsetzen in seinem Blick. Tarodastrus bemerkte den plötzlichen Stimmungsumschwung, konnte ihn jedoch nicht einordnen. Daher wartete er auf eine Erklärung.
Endlich räusperte sich sein Freund wiederholt, offenbar um sich zu sammeln, und fragte dann mit gezwungener Ruhe: „Wie hast du dich mit den Waldgeistern verständigt?“
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Tarodastrus erklärte, dass ihn die Waldgeistfrau durch den Schutzschirm ziehen musste.
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„Sie sprechen unsere Sprache“, erklärte Tarodastrus kurz und erinnert sich an seine eigene Irritation, als er die Waldgeistfrau am Morgen sprechen hörte.
Doch bevor er weiter in seine Erinnerungen eintauchen konnte, fragte Sadothus ungläubig: „Sie sprechen unsere Sprache?“ Tarodastrus bestätigte dies mit einem kurzen Nicken.
„Und… wie sahen sie aus?“, fragte Sadothus stammelnd weiter.
„Grün“, antwortete Tarodastrus ohne Umschweife.
Sadothus erklärte: „Ich meinte: Trugen sie Kleidung?“ Tarodastrus nickte.
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Tarodastrus hatte erfahren, dass die Gerüchte über die Waldgeister nicht mit der Realität übereinstimmten.
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Natürlich!, ging es ihm durch den Kopf. Sadothus bezog sich auf die Geschichten, die unter den Vykati über das Waldvolk kursierten. Mit der gleichen Vorstellung war er am Morgen auch aufgebrochen − nur hatte ihn seine Erfahrung jetzt gelehrt, dass die Gerüchte nicht der Realität entsprachen.
Und schon kam die nächste Frage, zögerlich hervorgebracht: „Und wie sieht es mit dem… ähm… du weißt schon… mit der Jagd auf potentielle… Partner aus?“
„Ein falsches Gerücht“, erklärte Tarodastrus sachlich. Seine Erfahrungen mit den Waldgeistern widersprach diesen Behauptungen entschieden.
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„Also keine wilden Annäherungsversuche?“, fragte Sadothus noch einmal.
Tarodastrus schüttelte den Kopf.
„Gar keine?“ , hakte Sadothus erneut nach. Wieder schüttelte Tarodastrus den Kopf.
„Aber“, stammelte Sadothus, „du hast doch gesagt, sie hat dich hindurchgezogen! Das klingt nach einem deutlichen Körperkontakt.“
Tarodastrus bestätigte: „War erforderlich.“
Er spürte Sadothus' Anspannung, doch fiel es ihm schwer, diese richtig zu deuten.
„Erforderlich? Wofür denn genau?“, rief Sadothus nun aufgebracht.
„Um den Schutzschirm zu passieren“, erklärte Tarodastrus.
Er bemerkte, wie Sadothus' Nervosität einer erneuten Irritation Platz machte. Tarodastrus fiel es schwer, Sadothus' Gefühlslage nachzuempfinden.
Nach einer kleinen Weile fragte Sadothus: „Warum musste sie dich durch den Schutzschirm ziehen. Hast du den nicht selbst überwinden können?“
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Tarodastrus zuckte kurz mit den Schultern. „Ich habe ihn nicht wahrgenommen.“
Obwohl er wusste, dass sein Freund ihn dafür nicht rügen würde, versetzte ihm dieses Eingeständnis des Scheiterns einen Stich. Schließlich hatte Sadothus diesen Schutzschirm auch ohne fremde Hilfe überwunden. Es kam einer Demütigung gleich, zugeben zu müssen, dass er einen Waldgeist zur Überwindung desselben benötigt hatte − dass er ohne das Zutun des magisch minderbemittelten Wesens nicht in der Lage gewesen wäre, diesen Ort zu betreten.
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Tarodastrus fühlte sich nach wie vor beschämt, dass er den Schutzschirm nicht so, wie Sadothus, eigenständig überwinden konnte.
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Doch Sadothus konzentrierte sich auf einen ganz anderen Aspekt. „Ich verstehe es immer noch nicht“, sagte er. „Vielleicht könntest du mir mal etwas ausführlicher erklären, was genau es mit dem Schutzschirm auf sich hat. Was bewirkt er?“
Tarodastrus erinnerte sich an den plötzlichen Stopp der Waldgeistfrau und wie er so überheblich erklärt hatte, dass der Schutzschirm wohl nicht effektiv genug sei. Dabei hatte er direkt daneben gestanden und nicht einmal bemerkt, dass einer vorhanden war. Als Vykati hätte er diese ganze Episode am liebsten verschwiegen, aber er konnte sich darauf verlassen, dass Sadothus ihn nicht verurteilen würde.
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Tarodastrus erklärte, dass er bedingt durch den Schutzschirm nur eine leere Lichtung gesehen hatte.
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Daher gab er unumwunden zu: „Der Schutzschirm verbirgt die Jada-Eichen und den Rubinmoos-Quader. Ich sah eine leere Lichtung.“
Sadothus runzelte verwirrt die Stirn. „Aber die Geräusche und die intensiven Gerüche musst du doch registriert haben“, meinte er.
Tarodastrus kamen die tiefen Eindrücke, die er nach dem Durchschreiten des Schutzschirmes erlebt hatte, wieder in den Sinn, und wie irritiert er darüber gewesen war, dass er diese nicht schon neben der Lichtung wahrgenommen hatte. So schüttelte er den Kopf und erklärte: „Erst als ich durch den Schutzschirm getreten war.“
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„Wir sprechen aber schon von der gleichen Lichtung?“, fragte Sadothus und neigte leicht den Kopf.
Tarodastrus hob lediglich tadelnd eine Augenbraue.
„Ja, ja, ist ja schon gut“, entgegnete Sadothus mit einem resignierenden Schulterzucken. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei solch mächtige Artefakte im Silberwindhein begraben liegen, tendiert gegen Null. Ich werde wohl akzeptieren müssen, dass diese Trophäe mir auf Dauer verwehrt bleiben wird.“ Er ließ einen tiefen Seufzer hören.
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Kurze Zeit später befand sich Tarodastrus auf dem Heimweg und lief zügigen Schrittes durch die abendlichen Straßen der Reichsglorie. Er musste sich beeilen, wollte er sein Häuschen erreichen, bevor die Sonne den Horizont berührte. Von den Ereignissen des Tages war er wie erschlagen, doch durfte er dies noch nicht nach außen dringen lassen.
Ehe er sich von Sadothus verabschiedet hatte, war ihm kurzfristig der Gedanke gekommen, seinem Freund von den Sternenblumen zu erzählen. Doch kaum war die Überlegung aufgekeimt, schon hatte er sie wieder verworfen.
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Tarodastrus eilte durch die abendlichen Straßen der Reichsglorie.
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Erstens, sagte er sich, war Sadothus bislang noch nie auf diese Gewächse gestoßen, weshalb es wenig wahrscheinlich war, dass dies in absehbarer Zeit noch einmal geschehen würde.
Zweitens − und dieses Argument wog wesentlich schwerer − konnte Tarodastrus nicht abschätzen, wie sein Freund auf die Nachricht über die real existierenden Sternenblumen reagieren würde. Er musste damit rechnen, dass Sadothus sofort losstürmen würde, um ihre Wirkung zu erforschen. Dieses Risiko wollte er nicht eingehen. Darum war er ohne ein weiteres Wort gegangen.
Als sich Tarodastrus nun der Grauklippe näherte, einer überstehenden Felswand, unter der sein kleines Häuschen stand, das zwischen den größeren Nachbarhäusern wie eingezwängt wirkte, vernahm er plötzlich eine sanfte Stimme in seinen Gedanken: Guten Abend, Tarodastrus. Hast du Zeit für mich?
Resogurion, das Geisterwesen, war also wieder einmal von seiner Heimatwelt Valivisia nach Vanavistaria gereist.
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Als sich Tarodastrus seinem Heim näherte, meldete sich plötzlich Resogurion in Gedanken bei ihm.
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Heute Abend nicht, antwortete Tarodastrus müde in Gedanken. Er dachte zurück an seinen Tag, an sein aufrüttelndes Erlebnis mit der Waldgeistfrau, an seine erschütternde Erfahrung mit den Sternenblumen im Jada-Schrein, an die frustrierende Erkenntnis der MITF beim Vermessen der Gegend und das zweimalige verheerende Reisen mit dem Zeitdurchbrechnungs-Amulett.
Ich verstehe, klang es erneut in seinen Gedanken. Da ich einige Tage auf Agibarania bleiben kann, melde dich einfach, wenn es dir passt.
Damit brach die gedanklich Verbindung ab.
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Die Admikajiva hatten also eine neue Prophezeiung ermittelt, ging es Tarodastrus durch den Kopf. Ansonsten hätte Resogurion die weite Strecke zwischen seiner Welt und der von Tarodastrus vermutlich nicht auf sich genommen.
Als Kind hatte Tarodastrus häufig in den Nachthimmel hinauf geschaut und sich gefragt, welches der vielen Lichter am Himmel wohl die Hüterwelt Valivisia war, auf der der Admikajivo seine Heimat hatte, das Geisterwesen, das ihn seit seiner Geburt regelmäßig in Gedanken besuchte. Er hatte Resogurion immer wieder danach befragt, doch dieser erklärte stets mit Nachdruck, dass die Antwort darauf besser im Dunklen blieb. Auch die Information darüber, wie er die große Entfernung zwischen den Welten überbrückte, wollte er dem damals neugierigen Tarodastrus nicht mitteilen. Also hatte der Junge irgendwann aufgehört zu fragen.
Seit er elf Jahre alt geworden war, hatten die Besuche des Admikajivo ohnehin allmählich abgenommen und beschränkten sich inzwischen nur noch auf jene Anlässe, an denen Tarodastrus eine Prophezeiung niederschreiben musste. Dies, so dachte er mit einem Hauch von Verbitterung, ohne dass er dieses Gefühl gänzlich unterdrücken konnte, war die einzige sinnvolle Aufgabe, der er als Hüter des Lichtes zu erledigen hatte. Aber das wog die Tatsache, dass sämtliche Wesen Vanavistarias seinen Namen kannten und ihn, sobald dieser fiel, mit Argusaugen beobachteten, in keinster Weise auf.
Daher hatte er sich hierher, in diese eher armselige Gegend zurückgezogen. Seine Nachbarn, sämtlich ältere Vykati, kannten zwar seine Identität, doch verhielten sie sich ihm gegenüber neutral − anders als viele andere Vykati, die ihn heimlich aus dem Augenwinkel beobachten und meinten, es würde ihm nicht auffallen. Oder wie diverse junge Vykatifrauen, die sich unauffällig in seine Nähe drängten, und hofften, dass er auf sie aufmerksam wurde.
Hier am Rande der Reichsglorie, in dem Viertel der nicht sonderlich hoch angesehenen Vykati, hatte er seine Ruhe. Hier vermutete ihn niemand vorzufinden, der in der Gesellschaft etwas galt. Hier konnte er ein ganz ungestörtes Dasein fristen, fernab von jeder Erwartung und jeder Bürde.
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Tarodastrus wohnte am Rande der Reichsglorie unter den nicht sonderlich hoch angesehenen Vykati.
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Tarodastrus' Perspektive
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Sadothus' Perspektive
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