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Sadothus suchte schon seit längerem nach einem bedeutsamen Artefakt, das sich im Gebiet der Steppengeister befinden und die kosmische Magie direkt an den Anwender weiterleiten sollte. Es wurde „kosmische Energiepylone“ genannt und sollte Gerüchten zufolge ein überaus mächtiges magisches Artefakt sein. Jedoch war seine Suche bisher erfolglos geblieben.
Beim letzten Besuch im Steppengeister-Gebiet war er allerdings auf ein anderes magisches Artefakt gestoßen, von dem er sich jedoch noch nicht sicher war, ob es überhaupt von Bedeutung war.
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Sadothus war auf der Suche nach der kosmischen Energiepylone.
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Es war aus einem Obisidian gefertigt, auf dem einige Zeichen prangten, und der von einem Goldring mit Runen eingefasst worden war. In der Mitte besaß der Stein ein kreisrundes Loch, um das herum ebenfalls Runen eingraviert waren, die von einem Strahlenkranz begrenzt wurden.
Das Artefakt sah makellos und neu aus, so als hätte es erst gestern jemand verloren. Allerdings konnte sich Sadothus nicht vorstellen, dass die Steppengeister ein solch handwerkliches Geschick besaßen, um ein so wunderschönes, magisches Artefakt anzufertigen. Insofern hatte er es vorsorglich eingesteckt und mitgenommen.
Da er ungeduldig auf Tarodastrus’ Rückkehr aus dem Silberwindhain wartete, die er erst in einigen Tagen erwartete, und gespannt war, welche Ergebnisse dessen Kartographie zutage fördern würde, versuchte er sich vorerst mit der Analyse dieses merkwürdigen Artefakts abzulenken.
Er hatte sich schon Notizen zum Fundort gemacht, allerdings fiel es ihm schwer, diesen genau einzugrenzen. Für Sadothus sah die Steppe überall gleich aus: braungrünes Gras, wohin man schaute. Er erinnerte sich jedoch an eine Hügellandschaft, die in rund zwei Stunden Fußentfernung am nördlichen Horizont aufragte. Doch auch diese half ihm bei der Eingrenzung nicht großartig weiter, da sich Vanavistarias Nordgrenze an der gesamten Grenzlinie entlang durch Gebirge und Hügel auszeichnete. Immehin konnte er das Gebiet schon einmal auf ein ziemlich weit im Norden gelegenes beschränken − und dass es näher an dem Gebiet der Vykati lag als an dem der Berggeister. Aber ansonsten? Er hob frustriert die Schultern.
Diese Naturgebiete überforderten ihn oft, wenn er sich an die Fundstelle erinnern wollte, die sahen einfach immer gleich aus: Waldgebiete wimmelten von Bäumen, Moorgebiete von Sumpfpflanzen und Steppengebiete eben von diesem braungrünen Gras. Sadothus seufzte.
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Sadothus hatte die Hügellandschaft aus dem Gedächtnis gezeichnet.
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Er versuchte, die Hügellandschaft aus dem Gedächtnis heraus zu zeichnen. Als magischer Archäologe hatte er einen geschulten Blick für Architektonik und Formen, insofern gelang ihm dies recht zufriedenstellend. Das musste für die Einordnung der Fundstelle ausreichen, dachte er, weitere Informationen fehlten ihm schlicht und ergreifend.
Sadothus ärgerte sich im Nachhinein zwar schon sehr darüber, dass er sich nach dem Fund dieses handtellergroßen Artefakts nicht die Zeit genommen hatte, die Stelle genauer zu verorten, aber damals war sein Bestreben eben der Fund der kosmischen Energiepylone gewesen − und da er sich auf fremdem Gebiet aufgehalten hatte, wollte er seine kostbare Zeit nicht verschwenden.
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Immerhin hätten ihn die Steppengeister entdecken können und dann hätten sie wieder eine Beschwerde bei den Elfen eingereicht, die ihm dann vermutlich mit einem neuen Ortsbann belegt hätten. Kein magisches Volk stellte sich so zimperlich an wie die Steppengeister, wenn sie ihn auf ihrem Gebiet entdeckten, dachte er gereizt.
Nachdem er also nun den Fundort so gut, wie es ihm möglich war, eingegrenzt hatte, nahm er seinen Längenmesser zur Hand und maß die Scheibe aus: Die Größe des Steins, die Größe der Gravuren (die er auf einem Blatt skizzierte, um die Größenangaben festzuhalten), die Abstände der Runen voneinander und so weiter.
Als er alle wichtigen Daten notiert hatte, holte er eine kleine Phiole aus seinem Schreibtisch heraus, die mit blauem Puder gefüllt war. Dieses Puder würde die Art des Schutzmechanismus anzeigen, mit dem er es zu tun hatte. Erst, wenn es ihm gelänge, den Schutzmechanismus zu umgehen, würde er die Magie des Artefaktes studieren können. Bislang hatte er noch jeden Schutzmechanismus knacken können − und so war er ganz zuversichtlich, dass ihm das auch bei diesem gelingen würde.
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Er streute ein wenig Puder auf das Artefakt und wartete auf eine Reaktion. Doch es erfolgte keine.
Sadothus betrachtete den Obsidian stirnrunzelnd von allen Seiten. Er konnte die magische Resonanz spüren, die von diesem Stein ausging − aber warum reagierte er nicht auf das Pulver?
Warum besaß er keinen Schutzmechanismus? Sollte dieser Stein etwa älter sein, als er vermutet hatte, und möglicherweise schon mehr als einmal der Magie des Kometen Dhumak ausgesetzt gewesen? Sein Herz begann schneller zu schlagen. War dieses Artefakt, das er schon als möglicherweise unbedeutend eingestuft hatte, womöglich älter als er gedacht hatte − viel älter? Er betrachtete das Artefakt mit ganz neuen Augen, als er plötzlich von der Tür her ein Räuspern vernahm.
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Sadothus wartete auf eine Reaktion – doch sie kam nicht.
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Sadothus wunderte sich, dass Tarodastrus schon zurück war.
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Er schreckte auf. Er war so in seiner Arbeit vertieft gewesen, dass er gar nicht mitbekommen hatte, dass jemand in sein Studierzimmer getreten war. Für einen Moment war er etwas verwirrt, doch dann erkannte er Tarodastrus, der ohne erkennbare Regung, im Türrahmen stand − ganz der Vykati, als den ihn die Welt kannte.
Sadothus schaute ihn überrascht an. „Nanu, du bist schon zurück? Ich habe dich frühestens in drei Tagen erwartet“, sagte er verwundert.
„MITF“, entgegnete Tarodastrus knapp.
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„MITF?“, wiederholte Sadothus ungläubig. Er konnte es nicht fassen!
Tarodastrus nickte.
Magisch-Induzierte Topgraphische Fluktuationen waren überaus selten. Sadothus selbst war noch nie auf solche gestoßen und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass diese die Ursachen für sein Unbehagen an jenem Ort gewesen sein könnten. Aber möglich wäre es, ging es ihm durch den Kopf.
Er hatte einst in den vielen Schriften, die er zu den Zeiten durchblätterte, in denen er die Reichsglorie nicht verlassen konnte, gelesen, dass besonders sensible Wesen auf das sich ständig in Bewegung befindliche Gelände mit körperlicher Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen reagierten, sich diese jedoch sofort wieder legten, sollten sie wieder ruhigen Boden unter den Füßen haben.
Es überraschte ihn, dass er zu dieser Gruppe zählte. So empfindsam hätte er sich selbst gar nicht eingeschätzt. Er zuckte mit den Schultern.
Doch dann traf ihn die Erkenntnis, die mit Tarodastrus’ Nachricht einherging, wie einen Donnerschlag: Das Artefakt entzog sich jeglicher Kontrolle! Es konnte nicht geborgen werden, es war magisch zu mächtig.
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„Verfluchte Sterne!“, grummelte er enttäuscht. „So etwas Ärgerliches!“ Er seufzte tief auf. „Dann werde ich wohl auf das Artefakt verzichten müssen. Es schien so vielversprechend zu sein!“
Dabei hätte er eigentlich schon eine Ahnung haben müssen, noch bevor sein Freund den Ort untersuchte, ging es ihm durch den Kopf. Sowohl die Aufzeichnungen, die er in der Bibliothek gefunden hatte, als auch seine Instrumente, die mehrere Magieumbrüche anzeigten, wiesen darauf hin, dass das Artefakt schon mehr als eintausend Jahre im Boden lag.
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Sadothus hatte mehrere Mageiumbrüche beim magischen Artefakt ermittelt.
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Er war einfach nicht auf die Idee gekommen, dass die Magieumbrüche nicht vollständig gewesen sein könnten und das Artefakt die Magie von der kompletten Zeitspanne, die es dort schon begraben lag, absorbiert hatte.
Plötzlich bemerkte er, dass Tarodastrus ihn fragend anblickte. Sein Freund war nie ein Mann der großen Worte gewesen, erinnerte sich Sadothus. Aber im Laufe ihrer gemeinsamen Geschichte waren seine Äußerungen immer knapper und wortkarger geworden. Er hatte sich zu einem vorbildlichen Vykati entwickelt − zumindest äußerlich: Er zeigte keine Gefühle, sprach stets knapp und distanziert und akzeptierte bei sich selbst keinerlei Schwächen und Fehler. Aber Sadothus wusste, wie Tarodastrus wirklich war und dass dieser nur einen Umhang trug, einen harten Panzer, der sein Innerstes vor Verletzungen schützte. Er hatte ihn einst ganz anders erlebt − bevor er von den Vykatifrauen zu dem gemacht worden war, der er heute vorgab zu sein.
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Sadothus erklärte, dass das Artefakt eine einzigartige Magiesignatur aufweisen würde.
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Da Tarodastrus in seiner Rolle als Vykati seiner Neugier nie mit Worten Ausdruck verleihen würde, erklärte Sadothus von sich aus: „Es besitzt eine ganz außergewöhnliche Magiesignatur. Möglicherweise ist es einzigartig, und ich hatte gehofft, dass es sich durch verschiedene Arten von Magie auszeichnet, die uns dabei helfen könnten, andere magische Artefakte zu kontrollieren, die sich sonst unserem Einfluss entziehen. Aber wenn es Magisch-Induzierte Topographische Fluktuationen hervorruft, wird es wohl selbst kaum beherrschbar sein.“ Erneut seufzte er tief auf. „Bist du dir wirklich sicher?“
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Der tadelnde Blick seines Freundes war erwartbar gewesen. Tarodastrus war gründlich, das war Sadothus durchaus bewusst. Daher bedurfte es eigentlich auch nicht der Bekräftigung, die Tarodastrus in seinen knappen Wort gab: „Das Magioskop war eindeutig.“
„Dann kann man nichts machen“, meinte Sadothus niedergeschlagen. Das war wirklich ein Rückschritt! Aber wenn Tarodastrus dort MITF festgestellt hatte − und auf seine Expertise konnte man sich hundertprozentig verlassen − dann war das Artefakt nicht zu bezwingen und somit für seine Zwecke unbrauchbar.
Er strich sich über die Stirn und versuchte Herr über seine Enttäuschung zu werden, obwohl er wusste, dass sein Freund − anders als die anderen Vykati − ihn nie dafür verurteilen würde, wenn er sie offen zeigte. Von Anfang an hatte Tarodastrus sich nicht von Sadothus' eigenwilliger Art abschrecken lassen.
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In ihren Kindertagen war Tarodastrus sehr schüchtern gewesen, und Sadothus hatte ihn oft vor den anderen Kindern verteidigen müssen, die ihm zusetzten. Dafür war Tarodastrus ihm stets ein loyaler Freund geblieben und hatte sich von der Meinung anderer Vykatikinder niemals abschrecken lassen. Mit ihm hatte er jedes seiner Abenteuer teilen können − selbst dann, wenn die Geschichten von ihm kräftig ausgeschmückt worden waren. Während die anderen Kinder genervt die Augen verdrehten, hatte Tarodastrus ihm immer aufmerksam zugehört, und das begründete eine Verbundeheit, die in all den Jahren, die sie sich jetzt schon kannten, nicht nachgelassen hatte. Auch als Erwachsener hatte Tarodastrus ihm immer treu als Freund zur Seite gestanden.
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Sadothus erinnerte sich daran, wie seine Freundschaft zu Tarodastrus gewachsen war.
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Die Freundschaft, die die beiden verband, war stark und mit den Jahren immer tiefer geworden. Sie vertrauten einander blind − und das bedeutete Sadothus alles.
Selbst die Gefährtinnen, die Tarodastrus im Laufe der Zeit gehabt hatte, konnten ihrer Freundschaft niemals etwas anhaben, so sehr sie auch versucht hatten, Einfluss auf den Hüter des Lichtes zu nehmen und diesen von ihm zu entfremden. Sadothus war dankbar dafür, dass er sich auf diese Freundschaft so sehr verlassen konnte.
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Sadothus sinnierte über Tarodastrus' Hadern mit seinem Schicksal als Hüter des Lichtes.
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Oft spürte Sadothus, dass Tarodastrus unter der Last seines Amtes als Hüter des Lichtes litt. Für seinen Freund war dieses Amt nicht die Ehre, die es sein sollte, sondern eine Bürde, die ihn ausgrenzte. Tarodastrus sah oft nur die Nachteile: die hohen Erwartungen, die Vykati, die ihn als Trophäe wahrnahmen, und die ständige Aufmerksamkeit, die er nie gesucht hatte.
Doch Sadothus glaubte in ihm etwas zu erkennen, was dieser nicht bemerkte, nämlich, dass die in ihm wohnende Lichtmagie ihn außergewöhnlich machte. Tarodastrus war nicht nur ein Schutzschild gegen dunkle Flüche, sondern auch ein Wesen, das durch seine inneren Kräfte gerechter und weitsichtiger handelte als die meisten Vykati, ohne dass es ihm bewusst war.
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Sadothus sah das. Er glaubte, dass sein Freund von einem inneren Kompass geleitet wurde, der ihn stets die richtigen Entscheidungen treffen ließ. In schwierigen Momenten half ihm die Lichtmagie, auch wenn Tarodastrus dies selbst nicht wahrnahm. Insbesondere in der Art, wie er mit anderen umging, zeigte sich seine besondere Natur − ein tieferes Mitgefühl, eine leise, aber beständige Stärke, die seine Handlungen prägte − selbst, wenn Tarodastrus dies nie zugeben und bei sich selbst auch nicht dulden würde. Dennoch blitzte es immer wieder bei ihm durch.
Doch Sadothus wusste auch, wie empfindlich Tarodastrus auf das Thema seiner Einzigartigkeit reagierte. Sein Freund verabscheute den Gedanken, anders zu sein, und lehnte die Idee, besonders zu sein, ab. Deshalb hatte Sadothus ihn nie darauf angesprochen. Stattdessen genoss er das Privileg, diesen außergewöhnlichen Vykati als Freund zu haben. Er wusste, dass er ihm die Last seines Amtes nicht abnehmen konnte, aber er konnte ihm auf seine Weise helfen − mit einer scherzhaften Geschichte, einem frechen Kommentar oder einfach durch seine Freundschaft, immer dann, wenn Tarodastrus sich einsam fühlte.
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„Über dem Ort mit dem magischen Artefakt liegt ein Schutzschild“, meinte Tarodastrus beiläufig und riss Sadothus aus seinen tiefen Gedanken heraus zurück in die Realität.
„Schutzschirm?“ Sadothus war irritiert. Von einem Schutzzauber hatte er nichts bemerkt, als er den Ort aufgesucht hatte.
„Wie kommst du darauf?“, fragte er daher vollkommen ratlos.
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Tarodastrus erzählte, dass über der Lichtung ein Schutzschrim läge.
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„Die Waldgeistfrau hat mich hindurchgezogen“, erklärte Tarodastrus mit den üblich knappen Worten.
Sadothus erschrak. Tarodastrus hatte Kontakt zu Waldgeistern gehabt? Er hat sich von einer Waldgeistfrau „hindurchziehen“ lassen? Was sollte das heißen?
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Sadothus stellte sich furchtbare Dinge vor, als er hörte, dass Tarodastrus Kontakt mit einer Waldgeistfrau hatte.
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Sadothus musste sich bremsen, dass seine Phantasie nicht mit ihm durchging. Ihm fielen die wilden Geschichten über die nackten Waldgeister, den Mangel an Kommunikation und die gierige Partnersuche ein, die diesen Wesen nachgesagt wurde. Allerdings konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Tarodastrus freiwillig darauf eingegangen wäre. Und dass sein Freund dies so emotionslos wie immer berichtete, sprach auch nicht für einen Übergriff, der gegen seinen Willen stattgefunden haben sollte. Aber konnte er sich dessen wirklich sicher sein? Was genau war auf dem Waldgeistergebiet geschehen?
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Um sich Zeit zu verschaffen, damit er seine rasenden Gedanken wieder in den Griff bekam, räusperte er sich mehrmals und fragte dann mit erzwungenem ruhigen Ton: „Wie hast du dich mit den Waldgeistern verständigt?“
In der typisch vykatianischen unaufgeregten Stimme erläuterte Tarodastrus: „Sie sprechen unsere Sprache.“
Sadothus war perplex. „Sie sprechen unsere Sprache?“, wiederholte er fassungslos. Tarodastrus nickte kurz.
„Und… wie sahen sie aus?“, fragte er stammelnd.
„Grün“, war Tarodastrus kurze Antwort.
„Ich meinte: Trugen sie Kleidung?“, wollte Sadothus wissen. Tarodastrus nickte bestätigend.
„Und wie sieht es mit dem… ähm… du weißt schon… mit der Jagd auf potentielle… Partner aus?“ Er hielt den Atem an.
„Ein falsches Gerücht“, erklärte Tarodastrus sachlich.
„Also keine wilden Annäherungsversuche?“, fragte Sadothus sicherheitshalber noch einmal nach.
Tarodastrus schüttelte verneinend den Kopf.
„Gar keine?“ Sadothus konnte es kaum glauben. Erneut schüttelte Tarodastrus kurz den Kopf.
„Aber“, begann Sadothus hilflos, „du hast doch gesagt, sie hat dich hindurchgezogen! Das klingt nach einem deutlichen Körperkontakt.“
Tarodastrus bestätigte: „War erforderlich.“
Sadothus geriet ins Schwitzen. Manchmal war Tarodastrus’ vykatianische Art zum Haare ausraufen! Er rief: „Erforderlich? Wofür denn genau und wie?“
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Ruhig entgegnete Tarodastrus: „An der Hand, um den Schutzschirm zu passieren.“
Sadothus spürte, wie die Anspannung nachließ. Er atmete tief ein, um sein wild klopfendes Herz zu beruhigen.
Schließlich, als er wieder klar denken konnte fragte er immer noch irritiert: „Warum musste sie dich durch den Schutzschirm ziehen. Hast du den nicht selbst überwinden können?“
Tarodastrus zuckte kurz mit den Schultern. „Ich habe ihn nicht wahrgenommen.“
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Endlich verstand Sadothus, was Tarodastrus gemeint hatte.
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Sadothus halfen diese Kurzantworten nicht weiter. Wenn Tarodastrus den Schutzschirm nicht bemerkt hatte, wieso musste die Waldgeistfrau ihn dann hindurchziehen? Sadothus hatte diesen auch nicht erkannt und war einfach so auf die Lichtung spaziert. Wo genau lag das Problem?
„Ich verstehe es immer noch nicht“, musste Sadothus eingestehen. „Vielleicht könntest du mir mal etwas ausführlicher erklären, was genau es mit dem Schutzschirm auf sich hat. Was bewirkt er?“
Tarodastrus erkärte: „Der Schutzschirm verbirgt die Jada-Eichen und den Rubinmoos-Quader. Ich sah eine leere Lichtung.“
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Sadothus wunderte sich, dass Tarodastrus die intensiven Geräusche und Gerüche nicht außerhalb des Jada-Schreins wahrgenommen hatte.
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„Aber die Geräusche und die intensiven Gerüche musst du doch registriert haben“, meinte Sadothus irritiert und erinnerte sich deutlich an die extremen Sinneseindrücke, die er schon weit vor der Lichtung wahrgenommen hatten.
Tarodastrus schüttelte den Kopf und ergänzte. „Erst als ich durch den Schutzschirm getreten war.“
Sadothus hob erstaunt die Augenbrauen. Wieso hatte sein Freund diese nicht früher bemerkt? Sollte tatsächlich ein Schutzschirm über der Lichtung liegen? Sollte dieser von den Waldgeistern stammen, würde es zumindest erklären, warum Sadothus der Zutritt gelungen war. Aber wieso hatte er Tarodastrus dann dort fernhalten können?
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„Wir sprechen aber schon von der gleichen Lichtung?“, fragte er vorsichtshalber noch einmal nach.
Wie zu erwarten gewesen, hob Tarodastrus lediglich tadelnd eine Augenbraue.
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„Ja, ja, ist ja schon gut“, entgegnete Sadothus mit einem resignierenden Schulterzucken. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei solch mächtige Artefakte im Silberwindhein begraben liegen, tendiert gegen Null. Ich werde wohl akzeptieren müssen, dass diese Trophäe mir auf Dauer verwehrt bleiben wird.“ Er ließ einen tiefen Seufzer hören.
Allerdings, dachte Sadothus, blieb dennoch die Frage offen, warum der Schutzschirm bei seinem Freund seine volle Wirkung entfaltete, während er bei Sadothus gar keinen Effekt zeigte? Es blieb ihm ein Rätsel und er schaute seinen Freund ratlos an.
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Sadothus sah ein, dass er auf das Artefakt verzichten musste.
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Nachdem sich Tarodastrus verabschiedet hatte, sann Sadothus noch einige Zeit über das magische Artefakt nach. Es fiel ihm schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass es zu mächtig war, um geborgen werden zu können. Er hatte so große Hoffnungen in dieses Artefakt gesetzt! Dennoch kam er nicht auf Idee, Tarodastrus' Expertise anzuzweifeln.
Erneut überlegte er, warum er nicht schon bei der Ermittlung der Magieumbrüche auf die Idee gekommen war, dass dieses Artefakt magisch zu mächtig war, um kontrolliert werden zu können.
Er konnte es sich nur so erklären, dass er sich durch die Angaben des Magieresonanzmessers hatte blenden lassen. Denn dieser hatte drei Magieumbrüche angezeigt − so viele wie seit der Entdeckung durch Vadid, den Reiseberichtserstatter, vor 988 Jahren erwartbar gewesen wären.
Alle 333 Jahre zog der Komet Dhumak über Vanavistaria hinweg, und jedes Mal schwächte sich im Vorfeld dieses Ereignisses die Magie zunächst allmählich ab, bis sie für zwölf Stunden schließlich fast völlig erlosch. Danach kehrte sie zwar zurück, allerdings stets in neuer Form.
Natürlich wusste Sadothus, dass es auch immer wieder Artefakte oder natürliche Formationen gab, die ihre vorherige Magie während des Überflugs von Dhumak behielten, aber diese galten als äußerst selten.
Wenn das Artefakt im Silberwindhain, so überlegte Sadothus weiter, trotz der Magieumbrüche, die während des Überflugs von Dhumak stattfanden, noch so viel Magie besaß, dass es Magisch-Induzierte Topographische Fluktuationen hervorrief, dann musste dieses Artefakt mehr als nur eine Art von Magie besitzen. Und mindestens eine dieser Magiearten war so beständig, dass selbst Dhumak diese nicht abschwächen konnte. Es musste sich bei dem Artefakt im Silberwindhain somit in der der Tat um einen außergewöhnlich mächtigen Gegenstand handeln.
Erneut seufzte Sadothus auf. Das Artefakt war unerreichbar für ihn.
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Sadothus musste erkennen, dass selbst der Komet Dhumak wohl keinen Einfluss auf das magische Artefakt hatte.
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Tarodastrus' Perspektive
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Sadothus' Perspektive
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