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Tarodastrus war früh aufgestanden an diesem Morgen. Er wollte sich, bevor er zur Arbeit ging, bei Resogurion melden, um die Prophezeiung niederzuschreiben, weswegen das Geisterwesen hergekommen war.
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Nachdem er seine morgendliche Routine beendet hatte, legte er ein Pergament und eine Schreibfeder bereit und setzte sich an den großen Küchentisch seines Aufenthaltsraums. Dann bereitete er sich innerlich auf den Austausch mit dem Geisterwesen vor.
Guten Morgen Resogurion, dachte er still. Ich bin bereit.
Guten Morgen, Tarodastrus, erklang es sanft in seinen Gedanken. Ich muss dir eine Prophezeiung diktieren. Sie ist relativ kurz. Soll ich zu dir kommen? Oder ist dir ein Diktat aus der Ferne lieber?
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Tarodastrus machte sich für Resogurions Nachricht bereit.
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Ich gehe gleich zur Arbeit, antwortete Tarodastrus in Gedanken. Insofern reicht ein Diktat aus der Ferne.
Gut, entgegnete Resogurion und begann, den Text langsam zu diktieren, damit Tarodastrus mitschreiben konnte.
Die Prophezeiung handelte von einem mysteriösen Naturphänomen namens Hauchzauberdunst, dem ein magischer Wirbelsturm vorangehen sollte, ein Ereignis, das eine Aufgabe für die gesamte Zaubergemeinschaft mit sich bringen würde.
Tarodastrus erfasste den Inhalt nicht in allen Einzelheiten, doch das war auch nicht seine Aufgabe. Er sollte die Prophezeiung lediglich niederschreiben und anschließend dem Hohenmagier von Vanavistaria übergeben, damit dieser sicherstellte, dass sie zu jenem Zeitpunkt in der Zukunft, an dem sie Bedeutung erlangen würde, auch gefunden werden konnte.
Nachdem Tarodastrus die Botschaft notiert hatte, las er sie noch einmal leise durch, damit Resogurion kontrollieren konnte, ob er auch alles richtig niedergeschrieben hatte. Das Geisterwesen war mit dem Ergebnis einverstanden. Da es sonst nichts zu besprechen gab, verabschiedete sich Resogurion von Tarodastrus, und der geistige Kontakt brach ab. Der Admikajivo war auf seine Heimatwelt zurückgekehrt.
Da beim Notieren nach Diktat einige unsaubere Stellen entstanden waren, nahm Tarodastrus nun ein neues Pergament und übertrug die Prophezeiung noch einmal sorgfältig in schöner Schrift und etwas strukturierter. Dann unterschrieb er sie mit:
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Tarodastrus unterschrieb die Prophezeiungen immer mit „Tarodastrus, der Sternenseher“.
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„(Tarodastrus, der Sternenseher
während der Blütezeit im Äon des leuchtenden Himmels)“
Eigentlich war es ineffektiv, dachte er. Doch seit achtzehn Jahren setzte er diese Art von Unterschrift unter jede Prophezeiung, und inzwischen erschien es ihm falsch, daran noch etwas zu ändern.
Zum ersten Mal hatte er sie im Alter von vierzehn Jahren verwendet. Sadothus' unkonventioneller Einfluss hatte damals − sehr zum Missfallen seiner Eltern − voll auf ihn abgefärbt, sodass ihm jegliche Disziplin fehlte. Er war zu jenem Zeitpunkt längst nicht so abgeklärt wie heute.
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Als Resogurion ihn später einmal fragte, warum er eine derart ausschweifende Unterschrift daruntersetze − sein Name hätte doch völlig genügt −, hatte Tarodastrus nur gegrinst. Er habe inzwischen so viele Prophezeiungen von dem Geisterwesen erhalten, erklärte er, dass die zukünftigen Generationen ohnehin glauben würden, er habe sein Leben damit verbracht, in die Sterne zu starren. Außerdem habe er das Gefühl, dass zurzeit ungewöhnlich viele Prophezeiungen ermittelt würden; vermutlich würde der Himmel deshalb ohnehin übermäßig hell leuchten.
Resogurion hatte genickt und keine Einwände erhoben.
Nachdem Tarodastrus nun das Pergament mit der Prophezeiung entsprechend gekennzeichnet und mit einem Wachssiegel, das ein Sonnenemblem trug, verschlossen hatte, trat er vor die Haustür und sprach: „Maheravo Korvum-Rabe!“, womit er einen großen schwarzen Vogel zu sich rief.
Die Korvum-Raben galten als sehr intelligente Tiere, die der Sprache der Wesen Vanavistarias mächtig waren und sowohl lautlos als auch schnell fliegen konnten. Sie wurden gerne als Botenflieger eingesetzt, da sie ihre Aufgaben stets zuverlässig erfüllten.
Als Tarodastrus den großen Raben mit schwarzer Federkrone auf sich zukommen sah, bot er ihm seinen Unterarm als Landeplatz an und hielt ihm die Pergamentrolle hin. In seiner knappen Art und Weise erklärte er: „Zum Anwesen des Hohenmagiers.“
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Der Korvum-Rabe nahm das Pergament vorsichtig aus der Hand des Vykati in eine seiner Krallenfüße, hob ab und flog davon.
Tarodastrus wusste, dass dieser sich nun dem Elfengebiet zuwenden und das Zentrum der Hellen Magie anvisieren würde, in der der Hohenmagier Vanavistarias, Meister Banavastrus, seinen Wohnsitz hatte.
Endlich konnte sich Tarodastrus auf den Weg zur Kartographie-Werkstatt machen.
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Tarodastrus wusste, dass der Korvum-Rabe in die Hauptstadt Vanavistarias flog, ins Zentrum der Hellen Magie.
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Vor dem Gebäude traf er auf einen der Stammkunden seiner Mitarbeiterin Rakhata.
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Tarodastrus traf vor der Kartographie-Werkstatt auf Payelos, einem Kunden Rakhatas.
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Wenn Tarodastrus sich richtig erinnerte, hieß dieser Vykati mit den langen schwarzen Haaren und den grauen Augen Payelos. Er war einer dieser Elementarmagier, die ständig nach neuen Lichtungen in den wenigen Wäldern des Vykatigebiets suchten und dafür eine Kartographin engagierten.
Payelos, so meinte Tarodastrus den wenigen Gesprächsfetzen entnommen zu haben, die bei den leisen Kundengesprächen mit Rakhata immer mal wieder zu ihm durchgedrungen waren, schien ein Hang für Luftrituale zu haben. Aber da es sich um einen Kunden Rakhatas handelte, musste ihn dies auch nicht weiter interessieren.
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Als Payelos Tarodastrus erblickte, nickte er ihm kurz zu, was dieser erwiderte, und ging dann seiner Wege.
Ohne einen weiteren Gedanken an dieses Zusammentreffen betrat Tarodastrus die Kartographie-Werkstatt.
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Rakhata saß an ihrem Schreibpult und sah auf, als Tarodastrus die Tür öffnete. Sie zeigte keinerlei Überraschung, dass er so bald von dem Kartographierungsauftrag zurück war − aber damit hatte Tarodastrus auch nicht gerechnet. Schließlich war Rakhata eine Vykati und ließ ihre Emotionen nicht erkennen.
Er nickte ihr kurz zu, was sie erwiderte. Dann wandte sie sich wieder ihren Aufgaben zu und Tarodastrus setzte sich an sein eigenes Schreibpult. Dort ging er für einen Moment in sich, bevor er ein leeres Pergament aus einer Schublade herausholte und einen Bericht zu seinen Ergebnissen vom Jada-Schrein verfasste:
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Rakhata saß an ihrem Schreibpult, als Tarodastrus die Kartographiewerkstatt betrat.
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Kartographischer Bericht − „Jada-Schrein“
Verfasser: Tarodastrus
Datum: In der Blütezeit des Jahres 3819
Betreff: Vermessung der Umgebung des „Jada-Schreins“ im Südwesten des Silberwindhains (Waldgeistergebiet, zentral gelegen)
Die Vermessung des von den Waldgeistern als „Jada-Schrein“ benannte Gegend erwies sich als äußerst schwierig, da die gesamte Umgebung unter dem Einfluss starker magischer Fluktuationen steht. Mehrere Messungen desselben Geländepunkts ergaben widersprüchliche Werte. Die Instrumente wurden durch eine überwältigende Energiedichte gestört. Besonders auffällig waren die Magisch-Induzierten Topographischen Fluktuationen (MITF), die darauf hindeuten, dass sich die Beschaffenheit des Geländes in einem unaufhörlichen Wandel befindet.
Eine kartographische Erfassung ist unter diesen Bedingungen nicht möglich.
Besondere Vorsicht ist im Hinblick auf das mutmaßliche Artefakt geboten. Die durchgehenden Verzerrungen in der Landschaft lassen darauf schließen, dass seine magische Präsenz den gesamten Schrein destabilisiert. Eine Bergung wäre mit einem unkalkuilierbaren Risiko verbunden und könnte nicht nur die Balance des Ortes, sondern auch die umliegenden Regionen beeinflussen. Daher wird dringend von einer Bergung desselben abgeraten.
Tarodastrus, Vykatische Landvermessung & Magiekartographie, Reichsglorie
Er legte die Notiz auf einen Stapel weiterer beschriebener Pergamente.
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Tarodastrus trug seine Tasche zum Tischchen unter dem Kosmischen Referenzanker.
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Anschließend nahm er seine Tasche, trug sie zu einem kleinen Tischchen und stellte sie dort ab − direkt unter dem Kosmischen Referenzanker, der in etwa zwei Metern Höhe an der Wand montiert war.
Das aus golden schimmerndem Metall gefertigte Instrument zeigte mehrere konzentrische, ineinander verschachtelte Ringe, verziert mit feinen Gravuren, Symbolen und Linien, die alle auf einen zentralen Punkt zuliefen.
Behutsam entnahm er der Tasche sämtliche Messinstrumente, die er zum Jada-Schrein mitgenommen hatte, und legte sie vorsichtig auf das Tischchen.
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Es war anzunehmen, dass nicht nur sein Sternenkompass unter den massiven magischen Auswirkungen gelitten hatte, und dass sowohl bei ihm als auch bei den anderen Instrumenten eine Neukalibrierung nötig war.
Bevor er den Referenzanker aktivierte, richtete er jedes einzelne Instrument präzise an den eingelassenen Markierungen des Tischchens aus. Dann trat er einige Schritte zurück, sodass nichts Lebendiges mehr zwischen Gerät und Kosmos stand, und sprach: „Sandarbha enkara!“
Der Anker begann leise zu surren und unregelmäßige Lichtwellen auszusenden, die sich über die Instrumente ergossen. Innerhalb weniger Sekunden stabilisierten sich die Wellen, bis sich auf den meisten Instrumente ein gleichbleibender Strahl abzeichnete. Nur über dem Sternenkompass blieb das Flackern bestehen.
Schließlich sprach Tarodastrus: „Sandarbha bandha!“ und deaktivierte damit den Resonanzanker. Er trat wieder an das Tischchen und betrachtete den Sternenkompass. Wie schon im Jada-Schrein rotierte der Stern im Zentrum unablässig. Zu seinem Bedauern musste Tarodastrus erkennen, dass das Gerät wohl schwerer beschädigt war, als er gehofft hatte.
Dennoch nahm er es vorsichtig an sich und schob es heimlich zurück in das geschützte Fach seiner Tasche. Er hing zu sehr an diesem Stück, um es aufzugeben − auch wenn ihm klar war, dass kein Vykati dafür Verständnis aufbringen würde. Mit einer Ausnahme: Sadothus, der ihm den Sternenkompass einst geschenkt hatte.
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Nachdem er sämtliche Instrumente wieder eingepackt hatte und sich umdrehte, um zu seinem Schreibpult zurückzukehren, fiel ihm Rakhatas Blick auf, die an einem Regal stand, in dem sie wohl gerade nach Informationen gesucht hatte und ihn fragend mit einer hochgezogenen Augenbraue ansah. Tarodastrus konnte ihre Irritation nachvollziehen, hatte er doch bislang noch nie alle Geräte gleichzeitig einer Neukalibrierung unterzogen.
Mit ausdrucksloser Stimme erklärte er kühl: „MITF!“ und wandte sich seinem Schreibpult zu.
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Tarodastrus bemerkte Rakhatas irritierten Blick.
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Er registrierte ein kurzes Zögern bei Rakhata, bevor sie ebenfalls wieder ihre Arbeiten aufnahm. Den Grund dieses Zögerns konnte er sich sehr gut vorstellen, sah aber keine Veranlassung, sie zu belehren.
Tarodastrus waren die Mythen, die sich um die Magisch-Induzierten Topographischen Fluktuationen rankten, durchaus bewusst. Auch er hatte lange Zeit an die Richtigkeit dieser Legenden geglaubt, bis Sadothus ihn eines Tages aufgeklärt hatte.
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Den Legenden nach führten MITF zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen.
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Den Geschichten nach, verursachten MITF bei einem Wesen, das den Fluktuationen längere Zeit ausgesetzt war, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen. Einige Kartographen behaupteten sogar, dass sie nach dem Aufenthalt in einem MITF-Gebiet unter Wahrnehmungsstörungen und Gedächtnisverlust litten.
Letzteres hielt Tarodastrus jedoch für wenig seriös und vermutete darin, eine Möglichkeit, eigene Fehler als fremdverschuldet zu deklarieren.
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Sadothus, der viel Zeit in der Bibliothek verbrachte, weil er immer auf der Jagd nach bislang unentdeckten magischen Artefakten war, hatte diverse Berichte über das Phänomen der Magisch-Induzierten Topographischen Fluktuationen gelesen und ihm erklärt, dass sich die körperlichen Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen nur bei sehr sensiblen Personen einstellten, solange sie sich in einem MITF-Gebiet aufhielten.
Ihr Geist käme mit den nur unbewusst wahrnehmbaren Mikrosprüngen der Umgebung nicht zurecht, sodass ihr Körper entsprechend reagierte. Sobald diese Wesen das Gebiet verließen, würden auch die körperlichen Beeinträchtigungen schwinden. Bleibende Schäden wären daher vollkommen ausgeschlossen.
Tarodastrus ging davon aus, dass Rakhata nur die Legenden kannte und nicht die wahren Hintergründe. Vermutlich, schoss es ihm durch den Kopf, nahm sie nach seiner Erklärung jetzt an, dass er nicht mehr richtig funktionierte, und er musste sich wohl oder übel darauf einstellen, dass sie ihn einige Tage lang mit Argusaugen überwachte, um rechtzeitig einzuschreiten, sollte ihm ein Fehler unterlaufen.
Da er aber sein Potenzial durchaus richtig einschätzen konnte und auch wusste, dass er keine bleibenden Schäden davon getragen hatte, erwartete er keine Probleme, und machte sich über die Kontrolle wenig Sorgen. Durch seine ungewollte Position als Hüter des Lichtes stand er ohnehin ständig unter Beobachtung. Von daher war ihm dies Gefühl durchaus vertraut und beeinflusste sein Denken und Handeln nicht weiter.
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Tarodastrus vermutete, dass Rakhata ihn für einige Tage lang verstärkt beobachten würde.
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Tarodastrus' Perspektive
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Rakhatas Perspektive
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Payelos' Perspektive
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