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Auf dem Weg zu dem Ort des magischen Artefaktes gingen die Waldgeistfrau und Tarodastrus schweigend nebeneinander her.
Endlich hat sie mit diesen unproduktiven und endlosen Fragen aufgehört, dachte er mit stiller Genugtuung und richtete seine Gedanken bereits auf die bevorstehende Aufgabe.
Trotz seiner Bemühungen kehrten sie jedoch immer wieder zu der Waldgeistfrau zurück. Was hatte sie dazu bewogen, ihn nun doch zu dem gesuchten Ort zu führen? Dieser Platz musste für die Waldgeister eine besondere Bedeutung besitzen. Zumindest hatte sie zu Beginn den Eindruck erweckt, als würde allein der Gedanke an eine Bergung des Artefaktes eine Katastrophe für sie darstellen. Irgendetwas musste ihre Meinung geändert haben. Doch was?
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Schweigend liefen Tarodastrus und die Waldgeistfrau nebeneinander her.
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Tarodastrus rügte sich innerlich für diese Überlegungen. Es ging ihn nichts an, welche Beweggründe die Waldgeistfrau hatte. Für ihn zählte allein die Tatsache, dass er seinem Ziel nun endlich näherkam.
Und dennoch ließ ihn ihr plötzlicher Sinneswandel nicht los. Er war zu abrupt erfolgt, zu unerwartet. Konnte er ihr tatsächlich vertrauen? Oder führte sie ihn absichtlich in die Irre? Wollte sie ihn vielleicht sogar in eine Falle locken?
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Tarodastrus war diesen Weg schon gegangen und musste ihn sich daher nicht merken.
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Bisher hatte er sich über den Weg keine Gedanken machen müssen. Sie folgten genau demselben Pfad, den er bei seiner Suche bereits genommen hatte.
Schließlich blieb die Waldgeistfrau stehen. Sie wandte sich zu ihm um und betrachtete ihn nachdenklich.
Tarodastrus ließ den Blick über die Umgebung schweifen. Diese große Lichtung kannte er. Er war auf seiner Suche bereits hier vorbeigekommen. Doch warum hielt sie ausgerechnet an diesem Ort an?
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Er hob lediglich eine Augenbraue, um ihr zu zeigen, dass er ihren Halt nicht nachvollziehen konnte.
„Wisst Ihr, wie Euer Auftraggeber zum Jada-Schrein gelangen konnte?“, fragte sie schließlich.
Tarodastrus spürte Irritation in sich aufsteigen. Statt ihn endlich zu dem Artefakt zu führen, begann dieses Wesen erneut mit seinen zeitraubenden Fragen.
Allerdings verstand er den Sinn der Frage nicht vollständig.
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Tarodastrus verstand nicht, warum die Waldgeistfrau an der leeren Lichtung stoppte.
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Wollte sie wissen, wie Sadothus in den Silberwindhain gelangt war? Oder wie er den genauen Weg zum Jada-Schrein gefunden hatte?
Die zweite Frage hätte er nicht einmal mit Sicherheit beantworten können. Er hatte Sadothus nie danach gefragt, wie dieser seine Fundorte erreichte.
Noch bevor er antworten konnte, fuhr die Waldgeistfrau fort: „Ich frage nur, weil über dem Jada-Schrein ein magischer Schutzschirm liegt, der verhindert, dass Fremde diesen Ort finden können.“
Nun verstand Tarodastrus den Zusammenhang.
Sie glaubte tatsächlich, ein von den Waldgeistern errichteter Schutzschirm könne einen Vykati daran hindern, einen bestimmten Ort zu erreichen. Ein erstaunlich naiver Glaube.
„Der Schutzschirm scheint nicht wirkungsvoll genug zu sein“, antwortete er sachlich.
Die Waldgeistfrau schwieg einen Moment und fragte dann: „Könnt Ihr ihn auch überwinden?“
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Tarodastrus würde der Waldgeistfrau schon zeigen, dass er diesen Waldgeisterschutzschirm problemlos überwinden könnte.
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Tarodastrus betrachtete sie kurz. Dann wandte er den Blick wieder nach vorn. „Führe mich zu dem Ort.“
Dort würde er ihr zeigen, dass ein von Waldgeistern errichteter Schutzschirm keinen Vykati aufhalten konnte.
Zu seiner Irritation schmunzelte sie.
Nach einem kurzen Zögern und einem tiefen Atemzug sagte sie: „Gebt mir Eure Hand.“
Eine solche Geste war Tarodastrus völlig fremd. Bei den Vykati hätte niemand einer fremden Person derart selbstverständlich die Hand gereicht und schon gar nicht eine solche Nähe zugelassen.
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Er zögerte. Seine Gedanken überschlugen sich. Warum wollte sie seine Hand halten? War dies der Moment, in dem sie ihn endgültig in eine Falle lockte? Was bezweckte sie damit?
Die Waldgeistfrau hielt ihm weiterhin auffordernd die Hand entgegen.
Tarodastrus suchte in ihrem Blick nach Anzeichen von Hinterlist oder Bosheit. Doch er fand nichts dergleichen.
Schließlich legte er, wenn auch zögernd, seine Hand in ihre.
Die Waldgeistfrau schloss ihre Finger darum. „Kommt mit.“
Sie zog ihn auf die freie Fläche der Lichtung.
Kaum hatte Tarodastrus den Bereich betreten, spürte er einen kalten Luftzug über seine Haut streichen. Für einen Augenblick verschwamm seine Sicht. Dann klärte sich sein Blick wieder. Und vor ihm standen vier gewaltige Jada-Eichen.
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Ihre mächtigen Stämme standen so dicht beieinander, als wären sie aus einem einzigen Wurzelwerk entstanden. Über ihnen bildete das dichte Blätterdach eine gewaltige grüne Krone, durch die das Licht des Waldes nur gedämpft hindurchdrang. Zu ihren Füßen lag ein großer grauer Felsbrocken, dessen Oberfläche teilweise von rotem Moos überwachsen war.
Tarodastrus erstarrte. Der plötzliche Anblick war so unerwartet, dass er für einen Moment vergaß zu atmen.
Zunächst nahm er nichts wahr. Keinen Gedanken. Kein Gefühl. Nur dieses Bild vor seinen Augen.
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Tarodastrus wurde von den Sinneseindrücken am Jada-Schrein fast überwältigt.
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Doch dann kehrten seine Sinne zurück. Er hörte das leise Knacken und Knarren der Bäume. Das melodische Singen der Vögel hoch oben in den Ästen der majestätischen Eichen. Das kaum wahrnehmbare Rascheln zwischen den gewaltigen Wurzeln.
Und plötzlich waren auch die Gerüche da. Der süße Duft frischen Mooses. Die erdige, feuchte Ausdünstung verrottenden Laubes. Das würzig-grüne Aroma junger Kräuter. Ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Blüten.
Tarodastrus spürte, wie sich die Haare in seinem Nacken aufstellten. Unwillkürlich beschlich ihn das Gefühl, dass dieser Ort von Magie erfüllt war.
Sofort wies er diesen Gedanken zurück. Ein Gefühl war kein Beweis.
Doch seine Instinkte widersprachen ihm. Etwas war hier anders. Eine Anomalie lag vor. Nur konnte er sie nicht erfassen.
Es musste damit zusammenhängen, dass er außerhalb dieser Lichtung nichts von all diesen Eindrücken wahrgenommen hatte, die nun beinahe überwältigend auf ihn einströmten.
Erst als seine Gedanken sich wieder ordneten, bemerkte er, dass die Waldgeistfrau ihn beobachtete.
Und plötzlich erinnerte er sich an ihr Schmunzeln von vorhin. Er hatte es nicht verstanden. Jetzt wusste er, warum sie gelächelt hatte.
Scham stieg in ihm auf. Nicht nur, dass er den Schutzschirm nicht selbst überwunden hatte. Er hatte ihn nicht einmal bemerkt!
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Tarodastrus fühlte Versagen, als ihm bewusst wurde, dass er den Schutzschirm nicht einmal wahrgenommen hatte.
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Ein solches Versagen durfte einem Vykati nicht unterlaufen. Die magische Macht seines Volkes stand weit über der der Waldgeister. Und dennoch hatte er versagt. Es war nicht zu entschuldigen.
Vor allem nicht, weil Sadothus den Schutzschirm offenbar problemlos überwunden hatte. Sein Freund hatte ihn ihm gegenüber nicht einmal erwähnt.
Tarodastrus spürte, wie Zweifel an sich selbst in ihm aufstiegen.
Was stimmte nicht mit ihm? Warum funktionierte er nicht so, wie er sollte?
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Unwillkürlich begann sein Verstand, nach Erklärungen zu suchen. Er war durch die lange Suche erschöpft. Er war durch die unerwartete Begegnung mit der Waldgeistfrau irritiert gewesen. Die endlosen Fragen hatten seine Konzentration beeinträchtigt.
Doch während diese Gedanken in ihm aufstiegen, wusste er bereits, dass sie keine Entschuldigung darstellten.
Ein Vykati ließ sich nicht von äußeren Umständen beeinflussen. Ein Vykati funktionierte!
Er zwang sich, die Zweifel beiseitezuschieben und sie tief in seinem Inneren zu verbergen. Dann wandte er sich der Waldgeistfrau zu und nickte ihr knapp, aber anerkennend zu.
Sie hatte ihre Aufgabe erfüllt. Sie hatte ihn zu dem Ort geführt. Nun konnte sie gehen. Ihre Hilfe wurde nicht länger benötigt.
Doch offenbar verstand sie seine Geste nicht. Denn anstatt sich zu entfernen, deutete sie auf den großen Felsen und begann erneut mit ihren ineffizienten Fragen: „Habt Ihr jemals ein solches rotes Moos gesehen?“
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Die Waldgeistfrau wies Tarodastrus auf das rote Moos hin.
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