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Der Vykati reagierte nicht. Weder der Felsen noch ihre Worte schienen ihn zu interessieren. Aber so schnell gab Vanakara nicht auf.
„Das ist Rubinmoos, eine dezent wirkende magische Pflanze. Sie beruhigt das Gemüt, wenn man sie berührt“, erklärte sie.
Der Vykati zeigte wiederum keine Reaktionen. Anscheinend wollte er sie loswerden, dachte sie, tat aber so, als bemerke sie nichts. Sie war zu weit gegangen, um jetzt zu scheitern.
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Der Vykati reagierte nicht auf ihre Worte.
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Das Rubinmoos hinterließ bei ihm jedenfalls nicht den geringsten Eindruck. Nicht einmal ein flüchtiger Blick galt ihm.
Doch es gab eine noch weitaus kostbarere magische Pflanze hier im Jada-Schrein, die zudem noch viel seltener auftrat als das Rubinmoos – und mit dieser wollte sie den Vykati imponieren und umstimmen.
Daher sprach sie im munteren Ton weiter: „Ich muss Euch allerdings noch warnen. Wenn Ihr die Kartographie hier durchführt, seid auf der Hut vor den Sternenblumen.“
Vanakara achtete sorgsam auf jede noch so kleine, unbewusste Reaktion, die die Gedanken des Vykati verraten könnten. Und sie meinte gerade, einen Anflug von Ungeduld in seinen Augen gesehen zu haben.
Warum reagierte der Vykati gereizt auf diese Aussage?, dachte sie irritiert. War er als Kartograph schon so häufig auf diese Gewächse gestoßen, dass er sie nicht mehr für etwas Besonderes hielt? Sie wurde unsicher.
Wenn das Rubinmoos und die Sternenblumen nicht ausreichten, den Vykati von der Bedeutung des Artefaktes für den Jada-Schrein zu überzeugen, dann war jeder Rettungsversuch vergebens.
„Im Waldgeistergebiet wachsen die Sternenblumen nur hier an diesem Ort“, ergänzte sie mit unsicherer Stimme. Für einen Augenblick fürchtete sie, dass selbst dieses Geheimnis ihn kalt lassen würde.
Doch dann bemerkte sie verwirrt, wie seine Augen kurz den Jada-Schrein absuchten, so, als erwarte er, die Sternenblumen vor dem Felsen zu finden. Kannte er diese Pflanzen gar nicht? Ihm müsste doch bewusst sein, dass er die mächtige betörende, bewusstseinsverändernde Magie dieser Gewächse spüren würde, sobald sie sich in seiner Nähe befänden.
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Vanakara dachte darüber nach, ob die Vykati das Wissen über die magischen Pflanzen in ihrer Heimet, einer kargen Felslandschaft, verloren haben könnten.
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Und mit einem Mal ging ihr ein Licht auf: Die Vykati lebten seit nunmehr fast eintausend Jahren in den kargen Felslandschaften Vanavistarias. War es möglich, dass ihnen während dieser langen Zeit das Wissen um die magischen Sternenblumen verloren gegangen war? Dies würde zumindest erklären, warum der Vykati auf ihre Äußerungen über die Sternenblumen so seltsam reagierte.
Umso wichtiger war es, wurde ihr bewusst, den Vykati auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die von diesen Pflanzen ausging. Sollte er sich ohne Vorwarnung ihrer Magie aussetzen, könnte es zu unvorhersehbaren Folgen für seinen Geist kommen. Das konnte sie mit ihrem Gewissen als Heilerin nicht vereinbaren.
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„„Auf dieser Seite der Jada-Eichen ist die Wirkung der Sternenblumen noch kaum spürbar“, erklärte sie eindringlich, „aber je mehr Ihr in den hinteren Bereich des Jada-Schreins vordringt, umso größer wird die Gefahr, sich in ihrer Magie zu verlieren. Daher meine Warnung. Nicht wenige sind den Sternenblumen durch Unachtsamkeit verfallen.“
Das Gesicht des Vykati ließ nach wie vor keine Gefühlsregung erkennen, doch antwortete er nach einem kurzen Zögern: „Zeig mir diese Blumen.“
Vanakara wandte sich erleichtert um und schritt langsam auf die Jada-Eichen zu. Sie hatte ihr Ziel erreicht.
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Doch nun kam eine neue Herausforderung auf sie zu. Je mehr sie sich dem hinteren Teil des Jada-Schreins näherte, desto deutlicher vernahm sie die betörende Wirkung der Sternenblumen. In ihr breitete sich das vertraute Gefühl tiefster Harmonie aus, doch dieses Mal versuchte sie, sich dagegen zu stemmen. Sie benötigte all ihre Sinne, um auf den Vykati zu reagieren. Sie durfte sich dem Gefühl nicht hingeben, dass sie zu umfangen schien, sie gefangen nehmen wollte.
Manomar, hilf mir!, dachte sie inständig.
Vanakara blickte zu dem ihr folgenden Vykati zurück, dessen undurchdringliche Maske endlich gefallen war und der nun offen Verwirrung zeigte.
Sie musste unwillkürlich schmunzeln, doch spürte sie mit jedem Schritt, dass ihr der Kampf gegen die betörende Wirkung der Pflanzen immer schwerer fiel.
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Je näher Vanakara dem hinteren Teil des Jada-Schreins kam, desto mehr spürte sie die betörende Wirkung der Sternenblumen.
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Manomar, steh mir bei, dass ich meine Sinne nicht verliere, flehte sie erneut.
Als sie den hinteren Teil des Jada-Schreins erreicht hatte, lag vor ihr das kleine Feld voll mit dunkelblauen, sternenförmigen Blumen, in deren Mitte ein weiß leuchtender Blütenstempel saß. Die Blütenblätter glitzerten, als wollten sie den Sternenhimmel widerspiegeln.
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Als Vanakara unter den Einfluss der Sternenblumen geriet, begann sie glückselig zu lächeln.
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Der Anblick war ihr vertraut; ebenso das Gefühl der vollkommenen Harmonie, das sie nun durchlebte. Es nahm ihr jegliche Sorge vor der Bedrohung des Jada-Schreins und vor der Zukunft. Es war alles gut. Glückselig lächelte sie und blickte zu dem Vykati hinüber.
Seine großen aufgerissenen Augen weckten wieder ihre Sinne. Sie atmete tief durch und versuchte sich zu fokussieren. Sie musste ihre Aufgabe im Blick behalten!
„,Dieses“, erklärte sie leise, „sind Sternenblumen. Spürt Ihr die betörende Magie, die sie besitzen?“
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Vanakara spürte, wie sie wieder in den Sog der Blumen geriet, doch sie wehrte sich dagegen.
Manomar, hilf mir!, dachte sie erneut, noch inständiger.
Der Blick des Vykati ruhte für einen Moment auf ihr, ein unruhiger, besorgter und nachdenklicher Blick, bevor er wieder zu den Blumen glitt.
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Plötzlich trat er erschrocken einige Schritte zurück und erklärte stammelnd: „Das ist… interessant! In unserem Volk existieren die Sternenblumen nur in Märchen. Aber…“, er schluckte schwer, „laut unserer Märchen geht von den Blumen eine große Gefahr aus: sie können den Geist eines Wesens verwirren.“
Dann kehrte sein Blick zu ihr zurück und sie spürte die Anstrengung, die es ihn kostete, den Blick bei ihr zu belassen. Sie selbst musste ebenfalls alle Kraft aufbieten, mit den Gedanken beim Vykati zu bleiben, denn die Blumen taten auch bei ihr ihre Wirkung.
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Plötzlich trat der Vykati erschrocken einige Schritte zurück.
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Sie nickte und erläuterte ruhig: „Bleibt man zu lange in ihrer Nähe, entfalten die Sternenblumen in der Tat eine gefährliche Seite. Ihr magischer Einfluss kann den Geist langsam zersetzen, die Realität verzerren und eine Abhängigkeit erzeugen, die das Wesen dazu verleitet zu glauben, dass wahres Glück und Erfüllung nur in ihrer Gegenwart existieren. Es wäre, als ob die Seele nach und nach in der hypnotischen Schönheit dieser Blumen gefangen würde.
Allerdings müsste man sich dafür mehrere Tage ununterbrochen neben oder in einem solchen Feld mit Sternenblumen aufhalten. Unserer Heiler achten jedoch genau darauf, dass dies nicht geschieht. Sie nutzen dieses Feld zur Therapie bei Seelenstörungen oder zur Erholung nach einer intensiven Trauerphase.“
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Unwillkürlich schweifte der Blick des Vykati erneut zu den Blumen.
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Unwillkürlich schweifte der Blick des Vykati erneut zu den Blumen, und er starrte diese an. Kurz legte sich ein seliges Lächeln auf sein Gesicht, bevor er angestrengt hervorstieß: „Gehen wir wieder auf die andere Seite des Jada-Schreins. Hier bin ich unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen.“
Vanakara folgte dieser Bitte nur zu gern. Auch ihr fiel es zunehmend schwer, ihre Konzentration zu behalten und sich nicht der betörenden Magie hinzugeben.
Als sie den Wirkungskreis der Sternenblumen verlassen hatte, bemerkte sie, wie der Vykati mit sichtbar erleichtertem Gesicht tief durchatmete.
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Auch Vanakara war froh, wieder ihren Geist unter Kontrolle zu haben. Dennoch irritierte sie die Reaktion des Vykati auf dieses eigentlich recht einschneidende Erlebnis.
Erstaunlich, dachte sie ein wenig verwundert, wie schnell er sich von der Wirkung der Sternenblumen erholte.
Sie hatte aber keine Zeit darüber nachzugrübeln. Ihr Anliegen war zu wichtig und sie hoffte, dass der Vykati trotz der schnellen Erholungsphase ihren Worten nach diesem Erlebnis nun etwas offener gegenüberstand. So setzte sie erneut zu einer Erklärung an: „Diese magischen Blumen wachsen nur an einem Ort, an dem ein mächtiges magisches Artefakt mit Naturmagie im Boden ruht.“
Für einen Augenblick ließ sie ihre Worte wirken und ergänzte dann eindringlich: „Wenn ihr Vykati uns dieses Artefakt nehmt, dann werden die Sternenblumen und das Rubinmoos verenden. Es ist die Magie des Artefaktes, das diese Pflanzen am Leben erhält. Diese Magie meinen wir, wenn wir von Naturmagie sprechen.“
Erwartungsvoll blickte sie den Vykati an. Doch dieser antwortete nichts.
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Sie beobachtete, wie sein Blick sich nachdenklich zum Felsen und dem sich darauf befindlichen Rubinmoos wandte. Dann lenkte er zögernd seine Schritte darauf zu und senkte seine Hand.
Hatte er verstanden, was sie ihm versuchte zu erklären? Hatte sie ihn überzeugen können?
Vanakara betrachtete, wie er sanft mit der Hand über das Moos strich und sein Blick die Aufgewühltheit verlor. In ihr wuchs die Hoffnung, dass dieser Vykati endlich begriffen hatte, wie wichtig das magische Artefakt für den Jada-Schrein war. Sie atmete erleichtert auf und ließ ihm die Zeit, die er benötigte, um seine Gedanken zu ordnen.
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Vanakara beobachtete, wie der Vykati mit der Hand vorsichtig das Rubinmoos berührte.
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Als er schließlich aufsah und tief Luft holte, zerschlug sich jedoch jegliche Hoffnung mit einem Donnerschlag. „Ich bin hier, um Karten zu zeichnen, nicht um mich mit Spekulationen über ein Artefakt aufzuhalten“, entgegnete er ein wenig schroff. „Das sollen andere beurteilen.“
Vanakara starrte den Vykati an, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Sie hatte alles gewagt und doch nichts gewonnen. Der Vykati rückte nicht von seinem Vorhaben ab. Er würde die Gegend um den Jada-Schrein kartographieren − und die Vykati würden sich das Artefakt holen. Eine unglaubliche, hoffnungslose Leere breitete sich in ihr aus.
Manomar, Manosom!, begann sie still zu beten, Es kann doch nicht in eurem Sinne sein, dass dieses Heiligtum geschändet wird. Nun ist es an euch, dies zu verhindern!
Sie dachte an die Kartographen ihres eigenen Volkes, die an der Vermessung dieser Gegend bislang stets gescheitert waren. Den genauen Grund kannte sie nicht, nur dass immer wieder gesagt wurde, dass eine Vermessung nicht möglich sei.
Vielleicht, so keimte ein kleiner Funke Hoffnung in ihr wieder auf, würde es dem Vykati ähnlich ergehen. Allerdings war sie sich angesichts der wesentlich größeren Magie, über die die Angehörigen seines Volk verfügten, nicht sicher, ob er nicht doch einen Weg finden würde, die Kartographie zu meistern.
Aber was konnte sie noch tun? Sie hatte all ihren Mut zusammengenommen und war gescheitert. Es lag nicht mehr in ihrer Hand.
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Vankara hoffte, dass Hariphor, der Waldhüter des Silberwindhains noch etwas bewirken konnte.
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Vielleicht, ging es ihr durch den Kopf, konnte Hariphor noch etwas unternehmen. Immerhin war er der Waldhüter des Silberwindhains. Möglicherweise hatte er noch eine Idee.
Vanakara straffte die Schultern, holte tief Atem und meinte mit einer Stimme, die ihre Frustration nicht ganz verbergen konnte: „Nun denn, dann gibt es wohl nichts weiter zu sagen.“
Ein wenig steif verließ sie den Jada-Schrein mit dunklen Vorahnungen in Richtung des Merigold-Feldes, das sie heute Morgen in aufgeheiterter Stimmung aufgesucht hatte.
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Unterwegs ging sie alle Optionen durch, die ihr noch zur Verfügung standen, um den Vykati vom Vermessen der Gegend um den Jada-Schrein abzuhalten. Aber außer Hariphor zu involvieren, fiel ihr keine weitere ein.
Sie hielt Ausschau nach einem Eulenbärchen, einem kleinen, vierbeinigen, gefiederten Tier mit abstehenden Ohren. Diese putzigen Tierchen waren recht zutraulich und wurden von ihr schon häufiger eingesetzt, wenn sie jemandem eine Botschaft überbringen wollte oder musste.
Natürlich hätte sie auch, wie Hariphor es immer tat, einen Korvum-Raben bitten können, den Hüter des Silberwindhains zu ihr zu bringen, zumal diese Vögel immer instinktiv wussten, wo sich der Adressat einer Botschaft befand. Allerdings hatte sie zu diesen großen, lautlos fliegenden, schnellen Boten trotz ihres Berufes als Tierheilerin noch nie einen sonderlich guten Draht gehabt.
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Dies hatte mit ihrer Kindheit zu tun, als eines späten Abends ein Korvum-Rabe zu ihnen gekommen war, um ihren Vater, einem angesehenen Heiler, hektisch davon zu unterrichten, dass ein seelisch angeschlagener Waldgeist begonnen hatte, die Sternenblumen im Silberwindhain zu zerstören.
Das war ihre erste Begegnung mit diesen großen schwarzen Vögeln gewesen, und so hatte sich dieses Bild eines flatternden, krächzenden Dämons (so hatte sie ihn als Kind wahrgenommen), der ihren Vater mitten in der Nacht aus dem Haus getrieben hat, in ihre Erinnerung eingebrannt.
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Als Kind hatte ein Korvum-Rabe Vanakara erschreckt, der ihren Vater zu einem Notfall rief.
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Später hatte sie natürlich die Zusammenhänge verstanden, doch noch immer verband sie mit diesen Vögeln einen unheilvollen Zustand, obwohl sie − nüchtern betrachtet − weder dessen Ursache waren noch ihn verstärkten, sondern vielmehr zu seiner Auflösung beitragen wollten.
Schließlich entdeckte sie ein Eulenbärchen auf einer Akharota-Esche, wie es sich die nahrhaften Nüssen mit seiner Pfote zu angeln versuchte. Sie rief es zu sich und reichte ihm eine Handvoll geschälter Nüsse, die sie stets bei sich trug.
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Vankara rief ein Eulenbärchen zu sich.
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„Naghuda, kannst du mir einen Gefallen tun?“, fragte sie in der Sprache der Eulenbärchen, als sie es erkannte. Dieses nickte sofort. Vanakara wusste, dass ihr die Tiere des Waldes unendlich dankbar waren, weil sie stets für sie da war, wenn sie Hilfe benötigten.
„Kannst du Hariphor, den Waldhüter, zu meiner Waldhütte bringen? Mach ihm deutlich, dass es wichtig ist“, bat sie das Tier eindringlich.
Naghuda nickte und hoppelte so schnell es konnte von dannen.
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Vanakara schmunzelte. Auch wenn Hariphor nicht wie sie die Fähigkeit besaß, mit den Tieren des Waldes kommunizieren zu können, war sie sich sicher, dass das Eulenbärchen Hariphor so lange auf die Nerven gehen würde, bis er verstand, dass er ihm folgen sollte.
Nachdem das Tierchen zu seinem Botengang aufgebrochen war, um Hariphor zu finden, trat Vanakara den Heimweg an.
Ihre Gedanken kreisten um das frustrierende Aufeinandertreffen mit dem Vykati. War wirklich schon alles verloren? Konnte niemand mehr verhindern, dass die Vykati nach dem Artefakt griffen, das im Jada-Schrein verborgen lag? Hoffentlich würde Hariphor einen Weg finden, denn ohne ihn bliebe dem Jada-Schrein wohl nur noch der Schutz der Götter.
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Während sie auf Hariphor wartete, wanderte sie unruhig in ihrer Waldhüte hin und her. Wie würden die Waldgeister reagieren, würde sich herumsprechen, dass Vanakara − und zwar sie allein − für die Vernichtung des Jada-Schreins verantwortlich war? Würde sie aus dem Silberwindhain vertrieben?
Und wie würde es Hariphor aufnehmen? Sie mochte den Waldhüter und hatte den Eindruck, dass er sie ebenfalls schätzte. Würde sich seine Wertschätzung in Verachtung verwandeln, sollte er erfahren, dass sie den Vykati überhaupt erst zum Jada-Schrein geführt hatte?
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In ihrer Hütte lief Vanakara unruhig hin und her.
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Für einen Moment war sie versucht, sich aus der Verantwortung zu stehlen und ihm nur die halbe Wahrheit zu erzählen. Doch sie wusste, es würde die Sache nicht besser machen. Hariphor konnte nur richtig handeln, wenn er die ganze Geschichte kannte, ungeschönt, ihr Versagen im vollen Ausmaß erkennend.
Niedergeschlagen ließ sie sich auf eine Holzbank fallen und starrte aus dem Fenster, durch das sie die grünen Blätter des Silberwindhains erkennen konnte, die in der Sonne leuchteten. Wie würde Hariphor auf ihr Verhalten reagieren?
Als Naghuda endlich Hariphor zu ihr geführt hatte, erzählte Vanakara ihm von dem Vykati, der den Jada-Schrein kartographieren sollte, weil sein Volk das magische Artefakt ausgraben wollten. Wie Vanakara zeigte auch Hariphor großes Ensetzen, als er die Nachricht erhielt. Er starrte sie erschüttert an.
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Vanakara erzählte Hariphor von ihrer Begegnung mit dem Vykati.
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Schließlich fragte er: „Wie haben die Vykati von dem Artefakt erfahren?“
Vanakara zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht“, gestand sie und fühlte sich angesichts ihrer Rolle dabei nicht wohl, „aber er konnte den Jada-Schrein ziemlich genau beschreiben einschließlich der − wie er sich ausdrückte − ‚geheimnisvollen Atmosphäre‘.“
Hariphor rümpfte die Nase. „Wie bist du denn mit ihm ins Gespräch gekommen?“, wollte er wissen, und Sorge lag in seinem Blick.
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Am liebsten hätte Vanakara ihm erneut diese Aussage verweigert, wusste sie doch, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hatte. Doch sie rang sich seufzend zur Wahrheit durch: „Er hat mich nach dem Weg zum Jada-Schrein gefragt.“
Wie sie vermutet hatte, erschien in Hariphors Blick Verwirrung. „Also kannte er den Schrein nicht wirklich?“, fragte er irritiert und schickte mit einem intensiven Blick auf sie die Frage hinterher: „Hat er dich gezwungen, ihn dorthin zu führen?“
Sie musste ihm die Wahrheit sagen, auch wenn es ihr noch so schwer fiel. Sie musste mit den Konsequenzen leben − nur so konnte der Jada-Schrein vielleicht noch gerettet werden. Also schüttelte sie traurig den Kopf und zuckte mit den Schultern, als sie niedergeschlagen erklärte: „Da er in der Lage war, ihn so genau zu beschreiben, bin ich davon ausgegangen, dass die Vykati ohnehin Kenntnis davon hatten.“
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Wie sie erwartet hatte, starrte Hariphor sie ungläubig an und ergänzte mit bebender Stimme: „Und so hast du ihn in das Heiligtum geführt?“ Seine Augen waren vor Schreck geweitet.
Vanakara nickte. Es tat ihr so unendlich leid, dass sie den Jada-Schrein in eine solche Gefahr gebracht hatte. Zögernd meinte sie: „Ja, leider. Allerdings bin ich mir sicher, dass der Vykati später ohnehin hingefunden hätte − vermutlich mithilfe des anderen Vykati, der ihm den Auftrag zur Vermessung gegeben hatte.“ Unsicher wartete sie auf seine Reaktion.
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Harphor war über Vanakaras Entscheidung entsetzt.
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Eine Zornesfalte erschien auf seiner Stirn, und Vanakara konnte seine Wut nachempfinden. Sie hatte unverantwortlich gehandelt, das wusste sie. Doch dann glättete sich seine Stirn überraschend wieder und sanft fragte er: „Was hast du dir erhofft, als du ihn zum Jada-Schrein führtest?“
Vanakara seufzte erneut und erklärte: „Ich dachte, wenn ich ihm die Sternenblumen zeige, dann würde er die Wichtigkeit des Artefaktes für den Jada-Schrein verstehen. Und für einen Moment hatte ich sogar den Eindruck, dass es geklappt hatte. Aber letztendlich ließ er sich doch nicht von seinem Vorhaben abbringen und die Kartographierung vornehmen.“
Auf Hariphors Gesicht erschien ein grüblerischer Ausdruck. Gerne hätte Vanakara erfahren, was ihm durch den Kopf ging. Aber sie traute sich nicht nachzufragen.
Schließlich erkundigte er sich nachdenklich: „Was machte der Vykati auf dich für einen Eindruck? Wirkte er aggressiv und gewalttätig?“
Vanakara ließ sich die Zeit mit dem Vykati noch einmal durch den Kopf gehen. Dann schüttelte sie langsam den Kopf. „Nein, Aggressionen zeigte er nicht. Er war viel mehr“, sie rang nach einem treffenden Begriff, „gefühlskalt, so ganz ohne innere Regung. Warum fragst du?“
„Ich will mit ihm reden“, erklärte Hariphor mit ernstem Blick, „und ihm deutlich machen, dass wir Waldgeister es nicht zulassen werden, dass sich die Vykati an unseren Artefakten vergreifen. Er soll wissen, dass es sehr ernste Konsequenzen haben wird, sollten sie sich nicht an die Regeln halten.“
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Vanakara bezweifelte, dass sich der magisch mächtige Vykati von einem unbedeutenden Waldgeist beeindrucken ließ.
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„Konsequenzen?“, fragte Vanakara skeptisch. „Als ob sich die mächtigen Vykati um Konsequenzen scheren würden, die sie von uns Waldgeistern zu befürchten hätten!“
Was konnte ihr Volk schon gegen die mächtigen Vykati ausrichten?
Doch Hariphor antwortete mit einem geheimnisvollen Lächeln: „Wir werden sehen…“
Das machte Vanakara neugierig. Hariphor schien etwas in der Hand zu haben, von dem sie nichts wusste. Konnte er dem Vykati tatsächlich Einhalt gebieten?
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Als Hariphor sich von ihr verabschieden wollte, erklärte Vanakara rigoros: „Ich komme mit!“
Es war ihr ernst, und Hariphor würde sie nicht daran hindern können. Schon setzte er zu einer Antwort an, doch dann zuckte er nur mit den Schultern. Er schien zu wissen, dass es keinen Zweck hatte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen.
Also machten sie sich gemeinsam auf zum Jada-Schrein, wo sie den Vykati noch immer in seiner Arbeit vertieft, vermuteten.
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Gemeinsam machten sich Hariphor und Vanakara auf den Weg zum Jada-Schrein.
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Tarodastrus' Perspektive
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Vanakaras Perspektive
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Hariphors Perspektive
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