zurück StartseiteDer Planet AgibaraniaWesen und OrteTitelseiteInhaltsverzeichnisA 4) Die Entscheidung


Die Entscheidung



Wie vom Blitz getroffen, setzte Tarodastrus' Denken für einen Moment aus.

Dann kam es mit voller Wucht zurück: Die Waldgeistfrau hatte seine Absicht voll und ganz erfasst. Wie konnte das geschehen? Und nicht nur das − die Geschöpfe des Waldes hatten Kenntnis von dem magischen Artefakt!

Alle Grundannahmen stellten sich als falsch heraus! Nichts war so, wie er es erwartet hatte! Die Situation war eine vollkommen andere!

Und hinzu kam dieser unkontrollierte Gefühlsausbruch der Waldgeistfrau. Dieses Entsetzen in der Stimme, in den Augen, in der Haltung des Körpers. So etwas hatte Tarodastrus noch nie erlebt.

Seine Gedanken liefen ins Leere. Die Kontrolle schien ihm endgültig zu entgleiten, ein inakzeptabler Zustand. Er musste handeln, er musste sie zurückgewinnen.



Tarodastrus ließ sich äußerlich nichts anmerken, doch innerlich war er vollkommen durcheinander.

Mit extrem beherrschter Stimme, damit nur kein Hauch der in ihm aufwallenden Konfusion nach außen drang, erklärte er sachlich: „Das Artefakt wird nicht beschädigt werden. Ich werde darauf achten.“

„Ihr versteht nicht!“, rief die Waldgeistfrau aus. „Das Artefakt bildet die Lebensgrundlage für die Natur des Jada-Schreins. Es ist für die Existenz der Pflanzen und Kleinstlebewesen dort verantwortlich. Würdet Ihr es ausgraben, würde ein Großteil der Pflanzen und Tiere dort verenden. Sie sind auf die Naturmagie des Artefaktes angewiesen!“

Die Waldgeistfrau wurde zunehmend unkontrolliert, stellte Tarodastrus fest. Und endlich gewann sein vykatianisches Denken wieder die Oberhand.

Waldgeister legten anscheinend keinen Wert auf emotionale Zurückhaltung, analysierte er nüchtern. Zudem schienen sie eine sehr merkwürdige Auffassung von Magie zu besitzen.



Tarodastrus wunderte sich über die seltsame Magie-Auffassung der Waldgeister.

Naturmagie! So eine Art von Magie gab es nicht. Diese kam in den Lehren der Vykati nicht vor, und somit konnte sie nicht existieren.

Die Vykati waren das magisch mächtigste Landvolk Vanavistarias. Es gab nichts, was diese nicht kannten. Denn die Vykati hatten die Magie tiefer durchdrungen als jedes andere Volk.

Aber es lag nicht an ihm, die Waldgeistfrau darüber aufzuklären. Seine Aufgabe war es, die Gegend rund um das magische Artefakt zu kartographieren, zu dem die Waldgeistfrau den Schlüssel zu haben schien. Nur erweckte sie nicht den Anschein, dass sie willens war, ihn auch dorthin zu führen.

„Hör zu“, sagte er schließlich in sachlichem Tonfall, „du scheinst den Ort zu kennen, den ich suche. Würdest du mich dorthin bringen?“

Der Blick der Waldgeistfrau wandelte sich von Aufregung in Empörung. Mit offenem Mund starrte sie ihn an.

Warum gaben sich Waldgeister keine Mühe, ihre Gefühle zu verbergen?, überlegte Tarodastrus. Welche Vorteile erhofften sie sich dadurch, wenn Fremde in ihnen lesen konnten, wie in einem offenen Buch?

Er wartete auf eine Antwort. Sollte sie ablehnen, würde er wohl oder übel noch einmal in die Reichsglorie zurückkehren und Sadothus um eine genauere Ortsangabe bitten müssen. Hier weiter seine Zeit zu vergeuden, wenn die Waldgeistfrau ihm ohnehin keine Hilfe gewähren wollte, wäre sinnlos.

Er war schon nahe daran, sich abzuwenden und die Waldgeistfrau zu verlassen, da wandelte sich ihr Blick erneut und aus der Empörung wurde Misstrauen.

„Wer hat Euch den Auftrag zur Kartographierung gegeben?“ fragte sie mit deutlichem Argwohn in der Stimme.

Tarodastrus spürte erneut eine gereizte Ungeduld in sich aufsteigen. Schon wieder stellte sie unnötige Fragen, die mit dem eigentlichen Ziel nicht in Verbindung standen. Doch er verdrängte auch dieses Gefühl wieder.

Wahrheitsgemäß, da er in dieser Auskunft keine Gefahr erkennen konnte, antwortete er sachlich: „Ein Vykati.“

„Und dieser hat Euch den Ort beschrieben?“, wollte sie wissen.

Tarodastrus nickte.



Tarodastrus erklärte, dass ihm ein Vykati den Auftrag zur Kartographierung gegeben hätte.

„War er selbst auch schon an jenem Ort? Oder hat er nur darüber gelesen?“, fragte die Waldgeistfrau weiter.

Tarodastrus musste sich zusammenreißen, um geduldig zu bleiben. So viele zeitraubende Fragen, dachte er, entgegnete aber sachlich: „Er hat den Ort gesehen und ihn als potenziell gefährlich eingestuft.“

Doch die Waldgeistfrau gab noch immer keine Ruhe und fragte weiter: „Wie kommt er darauf, dass der Jada-Schrein gefährlich sein könnte?“



Tarodastrus versuchte sich an die Worte von Sadothus zu erinnern.

Tarodastrus versuchte sich an den genauen Wortlaut zu erinnern, mit dem Sadothus ihn zu dem Ort mit dem magischen Artefakt geschickt hatte und antwortete: „Er sagte, er hätte noch nie ein solch rotes Moos auf einem Felsen gesehen, und es herrsche dort eine merkwürdige Atmosphäre vor. Es wirkte so, als würde ihn das rote Moos vor etwas warnen, das er nicht greifen konnte.“

Die Waldgeistfrau senkte den Blick und ließ die Schultern fallen. Es wirkte so, als wäre jede Kraft aus ihr gewichen. Längere Zeit sagte sie nichts und Tarodastrus spürte, wie erneut Ungeduld in ihm aufstieg. Konnte sie keine Entscheidung treffen?

Doch sie war halt nur ein Waldgeist, kein effizient arbeitender Vykati, ging es ihm durch den Kopf. Waldgeister benötigten vermutlich länger, um ein Urteil zu fällen.

Mit einem Mal straffte sich ihr Körper wieder, sie blickte ihm direkt ins Gesicht und sagte mit fester Stimme: „Nun gut, kommt mit, ich führe Euch zum Jada-Schrein.“



Die Waldgeistfrau forderte Tarodastrus
mit fester Stimme auf, mitzukommen.

Tarodastrus'
Perspektive
Aus der Sicht der
Waldgeistfrau

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