zurück StartseiteDer Planet AgibaraniaWesen und OrteTitelseiteInhaltsverzeichnisA 12) Der Plan


Der Plan





Nachdem eine weitere Intensivierung der magischen Instabilität nicht zu erwarten war, schaute sich Tarodastrus im Jada-Schrein um. Der junge Vykati hatte seine Schaufel an vielen Stellen angesetzt. Der Platz um die Jada-Eichen sah verheerend aus.

Während Tarodastrus überlegte, was als Nächstes zu tun sei, peitschte mit einem Mal ein ohrenbetäubender Knall über die Lichtung, der ihn erschreckt zusammenzucken ließ. Er sah sich suchend um und bemerkte in einem der riesigen Bäume im Zentrum des Jada-Schreins einen gigantischen Riss.

Hatte die Unbeständigkeit der magischen Resonanzen dies bewirkt, überlegte er besorgt − und musste vielleicht sogar noch mit weiteren dramatischen Schäden gerechnet werden? Da hörte er neben sich Sadothus fassungslos murmeln: „Es wurde ein Zauber gesprochen!“

Tarodastrus blickte ihn fragend an.

Sein Freund schaute jedoch irritiert zu dem noch immer weinenden jungen Vykati hinüber, der keinerlei Reaktion auf den Knall gezeigt hatte. Dann schien Sadothus eine Erkenntnis zu kommen, und seine Augen weiteten sich vor Schreck.



Tarodastrus erkannte einen gigantischen Riss in einer der dicken Jada-Eichen.

Sein Blick wanderte zu Tarodastrus und erschüttert sagte er: „Die Waldgeister! Möglicherweise hat der Waldgeistmann einen Zauber gewirkt, um der Waldgeistfrau zu helfen. Wenn er innerlich zerrissen war, könnte sich seine Gefühlslage in diesem Baum manifestiert haben! Er darf auf gar keinen Fall noch einen Zauber sprechen!“

Hektisch wandte er sich um und rannte von dannen.



Tarodastrus versuchte den Schaden am Baum einzuschätzen.

Tarodastrus betrachtete die Jada-Eiche genau und versuchte die Beschädigung einzuschätzen, was ihm aufgrund der flirrenden Luft nicht so leicht fiel.

Er meinte aber erkennen zu können, dass der Riss, obwohl tief in den Baumstamm hineinreichend, keine unmittelbare Einsturzgefahr bedeutete. Also musste er sich wegen des Baumes zunächst keine Sorgen machen.

Damit galt es, den Schaden, den der junge Vykati angerichtet hatte, wieder zu beseitigen.

Als er die Schaufel, die unter diesem begraben lag, hervorzerrte, wunderte er sich, dass dieser gar keine Reaktion zeigt. Er schien seine Anwesenheit und seine Handlung nicht einmal zu bemerken. Tarodastrus konnte weder eine Veränderung in der Frequenz der Weingeräusche noch ein Zucken der Mimik erkennen.

Ob Sadothus' Gravitationszauber − bedingt durch die magische Instabilität − mehr Schaden angerichtet hatte als beabsichtigt?

Da diese Überlegung aber gerade nicht von Nutzen war, verschob Tarodastrus sie auf später und begann, jenes Loch wieder zuzuschippen, das der junge Vykati als letztes ausgehoben hatte. Vielleicht half es, die instabile Lage wieder ein wenig zu stabilisieren.

Jedoch musste er, nachdem er die Grube vollständig mit Erde gefüllt und diese festgetreten hatte, feststellen, dass sich nichts geändert hatte. Die Luft flirrte in der gleichen Intensität wie vorher.

Resogurion, dachte er unruhig, ich weiß nicht, wie ich die Instabilität eindämmen kann.

Das liegt außerhalb deiner magischen Fähigkeiten, antwortete das Geisterwesen. Ich könnte dies durchführen, aber du bist nicht unbeobachtet. Wenn ich eingreife, würde ich mich offenbaren.



Tarodastrus schippte das Loch zu, das der junge Vykati als letztes ausgehoben hatte.

Tarodastrus blickte sich um. Am Rand der Lichtung standen Sadothus und der Waldgeist, die beide zu ihm hinüberblickten.

Wir können den Silberwindhain aber nicht so belassen, widersprach Tarodastrus. Ein gesprochener Zauber hat schon mächtigen Schaden angerichtet. Ich weiß nicht, was der nächste Zauber bewirken wird.

Plötzlich vernahm er Sadothus flüsternde Stimme neben sich: „Kann er nicht eingreifen? Oder will er nicht?“

Tarodastrus blickte seinen Freund überrascht an. Allerdings war es bezeichnend für ihn, dass er die Lage sofort erfasst hatte.

„Zu viele Zuschauer“, entgegnete Tarodastrus ebenso leise.

Sadothus blickte sich im Jada-Schrein um und meinte dann laut: „Wie ich sehe, hast du die entscheidende Mulde schon geschlossen.“



Tarodastrus wunderte sich, dass Sadothus etwas Offensichtliches mitteilte.

Tarodastrus nickte ein wenig verwundert. Normalerweise war Sadothus niemand, der etwas so Offensichtliches in den Mittelpunkt eines Gesprächs stellte.

Doch schon fuhr dieser in der gleichen Lautstärke fort: „Ich bin mir sicher, dass, wenn wir die anderen Löcher ebenfalls schließen, die Magie schrittweise wieder hergestellt wird.“

Tarodastrus wollte schon widersprechen, doch er bekam nicht die Gelegenheit, denn Sadothus sprach direkt weiter: „Nur so können wir dieses Gebiet wieder frei zugänglich machen. Ansonsten wäre hier jeder Aufenthalt eines Magiers höchst gefährlich.“

Jetzt ging Tarodastrus ein Licht auf. Sadothus wollte dem jungen Vykati und dem Waldgeist ein Szene vorführen, sodass Resogurion ungehindert eingreifen konnte, ohne dass sein Zutun offensichtlich wurde.

Aber wäre das nicht eine Lüge? Eine bewusste Täuschung, die ungeahnte Folgen nach sich ziehen könnte? Was würde geschehen, wenn sich herumspräche, dass Vykati (oder sogar er, der Hüter des Lichtes) in der Lage wären, magische Instabilitäten zu richten? Spätestens, wenn er zu einer gerufen würde, müsste er zugeben, dass dies − wie Resogurion ihm gerade erklärt hatte − außerhalb seiner magischen Fähigkeiten lag.

Doch Sadothus hatte nicht unrecht, musste Tarodastrus eingestehen. Es war die einzige Option, hier schnell für Ordnung zu sorgen. Entweder ging er auf den Vorschlag ein, oder diese Region müsste für unübersehbare Zeit für sämtliche magische Wesen gesperrt werden.

Schließlich nickte er kurz und gab Sadothus' Plan an Resogurion weiter. Auch dieser zögerte mit seiner Zustimmung, erkannte jedoch ebenfalls die Notwendigkeit, rasch zu handeln.

Somit drückte Tarodastrus Sadothus die Schippe in die Hand und erklärte: „In Ordnung.“

Sobald Sadothus zu schaufeln begann, schickte er an Resogurion den Gedanken: Du kannst beginnen.

Auch wenn das Geisterwesen von Sadothus' Plan nicht angetan war, so setzte es diesen geschickt um, musste Tarodastrus feststellen. Denn zunächst bemerkte er keine Veränderung, obwohl er genau darauf achtete. Erst allmählich konnte sich ein Abklingen des Flirrens in der Luft nicht mehr verleugnen lassen. Es wurde ruhiger, dennoch spürte er nach wie vor den übermächtigen Einfluss der Sternenblumen − wenn auch geschützt durch Resogurions geistige Unterstützung. Tarodastrus hoffte, dass mit der Stabilisierung der Magie, auch dies noch nachlassen würde.



Während Sdadothus schaufelte stabilisierte Resogurion im Hintergrund die Magie.

Er blickte zum Waldgeistmann hinüber. Bei seinem ersten Treffen mit ihm, war ihm dieser offen feindselig gegenüber aufgetreten. Diese Aggression hat nun jedoch einer unverhohlenen Bewunderung − oder war es sogar Ehrfurcht? − Platz gemacht.

Die Luft vibrierte nach wie vor, auch wenn bereits leichte Verbesserungen zu bemerken waren. Diese minimalen Veränderungen konnten doch noch keinen solch extremen Stimmungswandel bei dem Waldbewohner verursachen, ging es Tarodastrus durch den Sinn.

Dann aber fiel ihm ein, dass Sadothus mit dem Waldgeistmann gesprochen hatte. Hatte er diesem gegenüber − entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung − Tarodastrus' Namen erwähnt? Hing dieser ehrerbietige Blick gar nicht mit der Stabilisierung der Magie zusammen, sondern wieder einmal mit seinem Amt als Hüter des Lichtes? Innerlich seufzte Tarodastrus resigniert.



Tarodastrus hatte bemerkt, dass sich das Verhalten des Waldgeistmannes ihm gegenüber geändert hatte.

Er wandte sich Sadothus zu und meinte ruhig: „Der Blick des Waldgeistmannes hat sich gewandelt.“

Für einen winzigen Augenblick unterbrach Sadothus seine Arbeit, ausreichend lang, um Tarodastrus zu zeigen, dass seine Vermutung zutreffend war. Aber warum hatte Sadothus dies getan? Sein Freund kannte doch Tarodastrus' Einstellung dazu!

Er beobachtete eine Weile, wie Sadothus arbeitete, dann wandte er seine Aufmerksamkeit dem jungen Vykati zu, der noch immer vom Gravitationszauber gebunden am Boden lag. Allmählich ebbte das Weinen ab. Dennoch wirkte er lethargisch, nicht ansprechbar.

Sadothus hatte ihn, nachdem sie den Jada-Schrein erreicht hatten, anscheinend sofort erkannt, ging es Tarodastrus durch den Kopf. Zumindest war dies aus der Aussage zu schließen, die sein Freund getätigt hatte, bevor er den Gravitationszauber über ihn geworfen hatte: „Den werden wir nicht mit Argumenten stoppen können!“

Wer mochte dieser unverantwortlich handelnde junge Vykati sein? Und warum hätten überzeugende Worte ihn nicht von seinem Tun abgehalten?

Auf den Einfluss der Sternenblumen hatte sich Sadothus jedenfalls nicht bezogen, da er die Existenz dieser Pflanzen nach wie vor anzweifelte. Das hatte Tarodastrus deutlich an der Reaktion seines Freundes ablesen können. Somit musste dieser schon vorher gewusst haben, dass der junge Vykati ohne auf die Konsequenzen zu achten, sein Vorhaben weiter verfolgt hätte.



Tarodastrus überlegte, wer der junge Vykati sein mochte.

Während er den jungen, geistig abwesend wirkenden Übeltäter betrachtete, schoss ihm plötzlich eine schmerzliche Erkenntnis durch den Kopf: Auch dieser Vykati hatte den Weg zum Jada-Schrein anscheinend ohne Hilfe eines Waldgeistes finden können. Es war nicht anzunehmen, dass ein Angehöriger des hiesigen Volkes ihm beim Überwinden des Schutzschirms geholfen hatte. Dazu schien den Waldgeistern dieser Ort viel zu viel zu bedeuten.

Woran lag es, dass alle anderen Vykati den Schutzschirm überwinden konnten, den er selbst nicht einmal wahrgenommen hatte? War dies eine Auswirkung der Lichtmagie, die er in sich trug? Hinderte sie ihn daran, die Schutzschirme anderer Völker zu durchdringen, obwohl dies den übrigen Vykati keinerlei Schwierigkeiten bereitete? Wieder einmal musste er erkennen, dass die Rolle, die ihm bei seiner Geburt zugewiesen worden war, nicht nur sein Leben im sozialen Gefüge erschwerte, sondern ihn auch an Stellen einschränkte, an denen andere Wesen seines Volkes frei handeln konnten.

Plötzlich hörte er Sadothus hinter sich sagen: „Ich habe die Mulde geschlossen. Du bist wieder dran.“



Tarodastrus bekam von Sadothus die
Schaufel überreicht.

Tarodastrus'
Perspektive
Aus der Sicht des
jungen Vykati
Sadothus' Perspektive Aus der Sicht des
Waldgeistmannes

Impressum Sitemap Links Feedback