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Murkhus hatte bei der Zusammenkunft der geheimen Bruderschaft der verschwundenen Magie vor vier Tagen mit großem Interesse dem Bericht der blonden verborgenen Hand gelauscht. Rakhata hieß sie, und sie war − wie man hörte − eine sehr renommierte Kartographin.
Sie musste sich als echter Vykati bewährt haben, sonst hätte sie nicht in den Rang der Verborgenen Hand aufsteigen können, als einer der sieben Plätze dort frei geworden war, ging es ihm beim Betrachten der blonden Schönheit durch den Kopf.
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Murkhus hatte bei der Versammlung der Bruderschaft von dem magischen Artefakt im Jada-Schrein erfahren.
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Murkhus selbst war mit seinen 19 Jahren einer der dreizehn Initiierten und wurde noch intensiv beobachtet. Um einen ständigen Platz im Zirkel der Auserwählten zu haben, musste er sich noch beweisen − und dazu kam ihm der Bericht über das mächtige magische Artefakt, das dieser Schwachkopf Sadothus entdeckt hatte, gerade recht.
Mit unbeweglichem Gesicht, wie es von ihm erwartet wurde, vernahm er, dass der Hüter des Lichtes bei dem Versuch, die Lagekarte eines magischen Artefaktes im Silberwindhain zu erstellen, gescheitert war. Angeblich wäre er dort auf Magisch-Induzierte Topographische Fluktuationen gestoßen, was eine Bergung unmöglich machen würde. Es wäre also anzunehmen, dass dieser Paria Sadothus auf das Artefakt verzichten würde.
Darin sah Murkhus seine Chance, sich endgültig einen Namen zu machen − als magischer Archäologe und als beständiges Mitglied im Kreis der Auserwählten.
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Murkhus hatte in der Akademie nach Aufzeichnungen über das Artefakt geforscht.
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Nachdem die Bruderschaft ihre Zusammenkunft beendet hatte, hatte er am nächsten Morgen direkt die akademische Bibliothek aufgesucht, um hier nach Aufzeichnungen über den Silberwindhain und das sich dort befindliche Artefakt zu suchen. Es war äußerst schwierig gewesen, überhaupt etwas darüber zu finden.
Aber Murkhus war ehrgeizig, und die Anhaltspunkte, die die blonde Schönheit in ihrem Bericht hatte mit einfließen lassen, hatten schlussendlich ausgereicht, damit er nach drei Tagen intensiver Recherche endlich wusste, wo genau sich dieses mächtige Artefakt befand.
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Er hatte gestern sogar noch ein Pergament mit einer Zeichnung gefunden, die ein gewisser Vadid vor fast eintausend Jahren angefertigt hatte und worauf der Platz skizziert worden war.
Somit war er an diesem Morgen recht früh aufgebrochen, im Gepäck den magischen Artefaktdetektor, einen Sternenkompass und seine wertvollen Langorod-Handschuhe, die ihn vor magischen Verbrennungen schützen sollten. Auch eine Schaufel hatte er mitgenommen, die ihm bei der Beseitigung der obersten Erdschicht helfen sollte.
Die Lichtung, an dem das Artefakt im Boden vergraben lag, hatte er recht schnell gefunden. Doch die genaue Lage des Artefakts blieb ihm trotz seines Artefaktdetektors verborgen. Zudem herrschte hier eine rätselhaft befremdliche Stimmung vor − intensive, beständige Geräusche und lästige Gerüche drangen unaufhörlich auf ihn ein, was ihn ein wenig ablenkte. Der Kompass drehte hier vollkommen durch, als sei er kaputt. Möglicherweise, so überlegte Murkhus, hatte er die Reise mit dem Zeitdurchbrechungs-Amulett nicht überstanden.
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Also setzte Murkhus an diversen Stellen mit der Schaufel an und hob Löcher aus. Sollte er den richtigen Ort finden, dann würde er es gewiss bemerken, überlegte er. Bisweilen war der Untergrund so hart, dass die Schaufel nicht eindringen konnte. Dann musste er mit Magie und Kraft den Boden erst auflockern, damit ihm das Graben gelang.
Wenn er auf eine solche Stelle traf, dachte er stets, er habe den entscheidenden Ort gefunden − doch immer wieder wurde er enttäuscht. Er spürte, wie mit der wachsenden Ungeduld auch der Zorn in ihm anfing zu brodeln.
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Murkhus grub an mehreren Stellen Löcher, um das Artefakt zu finden.
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Schließlich schmiss er die Schaufel frustriert von sich und trat von der mit Gras bewachsenen Lichtung hinaus auf den mit Laub überzogenen Waldboden. Dort atmete er tief ein und aus, um den in ihm wütenden Aufruhr zu beruhigen. Danach machte er mit seiner Suche weiter.
Jedes Mal, wenn er sich dem hinteren Teil der Lichtung näherte, intensivierten sich die Gerüche und eine gewisse Übelkeit breitete sich in ihm aus. Daher beschloss er, vorerst nur im vorderen Teil zu bleiben. Sollte er hier keinen Erfolg haben, könnte er sich noch immer dem hinteren Teil zuwenden. Aber noch hatte er nicht den kompletten vorderen Teil untersucht.
Plötzlich spürte er nach einem Schaufelaushub ein merkwürdiges Kribbeln auf seiner Haut, das sich mit jedem weiteren Aushub weiter ausweitete. Murkhus frohlockte innerlich − er hatte den Ort des Artefaktes gefunden.
Er streifte sich die Langorod-Handschuhe über und begann zielstrebig damit, die Erde in einem größeren Radius auszuheben. Je mehr Erde er bewegte, desto stärker wurde das Kribbeln auf der Haut. Zunächst fühlte er es nur auf seinen Armen, doch so langsam wanderte es seinen Körper entlang, erst in den Nacken, dann auf den Rücken.
Das muss die Vorfreude sein, dachte er, und bemerkte nicht, wie mit jedem weiteren Spatenstich sich die Umgebung minimal veränderte.
Er begann zu schwitzen. Große Schweißperlen rannen an seiner Wange entlang.
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Als Murkhus aufblickte, nahm er ein merkwürdiges Flimmern in der Leuft wahr.
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Zunächst ignorierte er sie, doch irgendwann tropften sie in seine Augen, so dass er sich die Stirn wischen musste. Dabei blickte er auf und nahm verwirrt ein seltsames Flimmern in der Luft wahr.
Ach was, dachte er, das ist nur die Aufregung und der Schweiß, die meine Sinne trüben. Meine Aufgabe liegt klar vor mir.
Energisch schaufelte er weiter. Wie groß musste er den Radius wohl machen?, überlegte er und weitete seine Erdarbeiten noch ein wenig aus.
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Die großen Jada-Eichen im Zentrum der Lichtung nickten ihm wohlwollend zu. Auch sie schienen seine Überlegungen zu teilen. Die Blumen vor dem Felsen sprangen sogar ein wenig zur Seite, um ihm zu zeigen, dass sie seine Entscheidung guthießen. Die ganze Lichtung schien sein Vorhaben zu unterstützen.
Auf einmal vernahm er ein Flüstern. Er verstand die Worte nicht, hielt inne und lauschte. Doch es war verschwunden. Kurz nachdem er seine Arbeit wieder aufgenommen hatte, hörte er es erneut, ein Wispern − oder war es eher ein sehnsüchtiges Seufzen?
Und mit einem Mal verstand er: Das Artefakt! Es verlangte nach ihm! Er war der Auserwählte, dem sich dieses Artefakt unterordnen würde. Daher hatten der Hüter des Lichtes und sein Gehilfe Sadothus es nicht bergen können. Es hatte nur auf ihn, auf Murkhus, gewartet!
Ja, er war dazu auserkoren, das magische Artefakt für die Vykati zu sichern! Seine Hände begannen zu zittern. Er fühlte sich erhaben − und schlagartig blitzte ein Bild vor seinem inneren Auge auf: Er, der Initiiierte, wurde von den anderen Mitgliedern der Bruderschaft getragen. Sie erhoben ihn direkt in den Stand der Dunklen Räte. Er würde der intime Ratgeber von Großmeister Visalus werden!
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Murkhus verdoppelte seine Anstrengungen. Das Artefakt wartete auf ihn. Es lechzte nach seiner Befreiung aus dem Erdreich.
Plötzlich rutschte der Artefaktdetektor vom Rand des Grabens in das Loch, als sei er an einem unsichtbaren Faden hineingezogen worden. Für einen Moment blinkte er wild auf − dann erlosch sein Licht, als wäre ihm der Wille entzogen worden.
Du hast recht, dachte Murkhus in Richtung Artefakt. Ich werde ihn nicht mehr benötigen! Wenn du bei mir bist, wird mir alles gelingen! Du wirst mir den Weg zu Ruhm und Ehre ebnen.
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Murkhus verdoppelte seine Anstrengungen, weil er glaubte, das Artefakt wartete auf ihn.
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Er wurde immer hektischer in seinen Bemühungen, das Loch zu schaufeln. Die Erde schien in Ekstase zu geraten, sich seinem Rhythmus anzugleichen. Es konnte nicht mehr allzu lange dauern, bis er sein Artefakt erblickte. Sein Herz begann zu rasen. Gleich war es soweit. Er stand kurz davor, es zu gewinnen!
Vor seinem geistigen Auge sah er, wie Großmeister Visalus ihm seinen Posten anbot. Er, Murkhus, sollte der Führer der Bruderschaft werden. Und mit ihm gelang es der Bruderschaft endlich, nach den tausenden Jahren ihres Bestehens, die Macht in Vanavistaria zu übernehmen und sich über die anderen Völker zu erheben. Er war Murkhus, der Herrscher des Artefaktes!
Nur noch wenige Aushübe trennten ihn von seinem Artefakt. Er sah es schon durch die Erde schimmern.
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Murkhus glaubte zu sehen, wie das Artefakt ihm seine Hände entgegenstreckte.
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Aber was war das? Streckte ihm das Artefakt seine Hände entgegen? Sein Blick trübte sich. Er wischte sich über die Augen. Als er wieder klar sehen konnte, waren die Hände verschwunden.
Zog sich das Artefakt in den Boden zurück, weil Murkhus nicht schnell genug arbeitete? Hatte er es enttäuscht? Nein, das durfte er nicht zulassen!
Wie ein Besessener hackte er mit der Schaufel in die Erde und holte eine Ladung nach der anderen heraus.
Bleib bei mir, dachte er in Panik. Verlass mich nicht!
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Unvermittelt sah er die Hände wieder − kleine Hände, wie von einem Kind, das auf den Arm genommen werden wollte.
Ja, mein Kleines, dachte er liebevoll, ich werde dich retten!
Er hörte auf, in die Erde zu hacken und setzte die Schaufel nun vorsichtig, ja geradezu sanft an, um das Artefakt nicht zu verletzen. Es wollte lieb gehabt werden. Er durfte ihm nicht mit der vykatianischen Distanziertheit begegnen. Er musste es behutsam behandeln. Es hatte eine empfindsame Seele, erkannte er.
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Nun endlich verstand er auch die Worte, die es ihm zuflüsterte: „Mit mir wirst du Herrscher über die Welten! Du wirst keine Grenzen mehr kennen. Dir wird alles gelingen. Und ein jeder wird sich dir zu Füßen werfen.“
Ja, dachte Murkhus glücklich, du und ich werden mächtiger als alles, was je existiert hat.
Er setzte noch einmal die Schaufel an, da knickten plötzlich seine Beine ein. Ob er fiel oder ob der Boden sich unter ihm erhob, wusste er nicht. Er rang nach Luft, lag flach auf der Erde. Ein scharfer Druck presste ihm die Brust zusammen. Was sollte das?
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Murkhus sah sich selbst schon als Herrscher über die Galaxie.
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Warum stellte sich das Artefakt so plötzlich gegen ihn? Wollte es ihn in den Boden hinabziehen, zu sich in die Tiefe?
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Murkhus meinte gierige Klauen am Artefakt zu erkennen, die ihn in die Tiefe ziehen wollten.
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Und da verstand er: Die Hände, die er fälschlich als Kinderhände interpretiert hatte, waren in Wirklichkeit gierige Klauen, die nach ihm griffen, die ihn festhalten wollten. Das Artefakt wollte ihn nicht. Es wollte ihn verschlingen, vernichten.
„Nein!“, schrie er in panischer Angst und versuchte mit den Armen zu rudern. Doch sie gehorchten ihm nicht. „Nein! Ich will da nicht runter! Nein!“
Er versuchte mit den Beinen zu strampeln, aber auch diese versagten ihm den Dienst. Er meinte ersticken zu müssen.
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Er spürte, wie die Erde sich über ihm schloss, wie feuchte Kälte seinen Rücken umhüllte, wie Erde in seinen Mund eindrang. Niemals wieder würde er die Sonne sehen. Er würde für immer hier liegen, einsam, vergessen, ausgelöscht!
Er sah das Artefakt vor sich. Es schimmerte grün, und für Murkhus formte sich sein Leuchten zu einem Lächeln. Nein, es wollte ihn gar nicht vernichten. Es wollte nur nicht allein in der Erde liegen. Es fühlte sich einsam hier unten. Daher hatte es ihn zu sich geholt!
Die gierigen Klauen, die er kurz zuvor noch wahrgenommen zu haben glaubte, verwandelten sich in zarte Hände, die ihn liebkosen wollten. Er musste sie nur ergreifen, dann wäre alles gut. Er versuchte seine Arme zu bewegen, doch sie waren wie gelähmt. Es gelang ihm nicht, die Hände zu ergreifen.
Murkhus musste mit ansehen, wie sich das Artefakt enttäuscht von ihm abwandte und sich wieder in das Erdreich zurückzog. In ihm blieb das Gefühl zurück, die Erwartungen, die das Artefakt in ihn gesetzt hatte, nicht erfüllt zu haben und deshalb von ihm verlassen worden zu sein.
Er stürzte in tiefste Verzweiflung und begann hemmungslos zu weinen.
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Murkhus stürtze in tiefste Verzweiflung und begann hemmungslos zu weinen.
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Tarodastrus' Perspektive
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Aus der Sicht der Waldgeistfrau
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Aus der Sicht des jungen Vykati
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Sadothus' Perspektive
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Aus der Sicht des Waldgeistmannes
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