|
|
|
|
|
Tarodastrus war heilfroh darüber, dass Resogurion seinen Freund in seinem Studierzimmer erspüren konnte und es nicht dieser war, der die magische Instabilität heraufbeschworen hatte.
Denn er benötigte nun umgehend dessen Hilfe.
Als magischer Archäologe hatte Sadothus eine Menge Hintergrundwissen gesammelt, was magische Instabilitäten betraf. Er kannte die Theorien darüber, welche Zauber in einem solchen Gebiet noch richtig wirkten und welche zur Gefahr werden konnten. Auch konnte er die entsprechenden Archäologen viel besser einschätzen und hatte vielleicht eine Ahnung, welcher für eine solch aberwitzige Tat prädestiniert war.
|
|

Tarodastrus war froh darüber, dass Resogurion Sadothus in seinem Studierzimmer erpürt hatte.
|
So schnell es ihm möglich war, ohne böse Blicke auf sich zu ziehen, eilte er in Richtung Sadothus' Studierstube. Ein wenig lauter als beabsichtigt trat er ein.
Sadothus, der bis dahin entspannt am Schreibtisch über ausgebreiteten Karten gesessen und Notizen auf ein Pergament geschrieben hatte, schaute auf.
„Nanu?“, fragt er verwundert. „Du kommst ja reingestürmt, als sei eine Horde Frauen hinter dir her.“ Er lachte leise über seinen Scherz.
„Magische Instabilität“, erklärte Tarodastrus ohne Umschweife. „Im Silberwindhain.“
|

Als Tarodastrus von der magischen Instabilität berichtete, wurde Sadothus kreideweiß.
|
|
Sofort erstarb das leise Lächeln, und Sadothus wurde kreideweiß. Tarodastrus wusste, was er Sadothus zumutete, hatte dieser doch vor einigen Jahren viele Monate benötigt, um über den Anblick eines Kollegen hinwegzukommen, der mit der bloßen Hand ein mächtiges magisches Artefakt berührt hatte und dann in das Reich der Schatten geglitten war. Aber darauf konnte Tarodastrus in diesem Moment keine Rücksicht nehmen.
„Du musst mir sagen, welche Zauber ich anwenden kann, ohne die Instabilität noch zu verschärfen“, drängte er daher.
|
Sadothus blickte seinen Freund aus leeren Augen an.
„Sadothus, ich brauche dein Wissen!“, setzte Tarodastrus nach. „Ohne deine Einschätzung kann ich nicht handeln!“
Ob es die Worte waren oder der Tonfall, konnte Tarodastrus nicht sagen, aber der Blick seines Freundes begann sich zu klären.
Die Farbe kehrte zwar nicht in Sadothus' Gesicht zurück, aber die Augen begannen zu flackern.
„Es ist nicht so einfach, zu entscheiden, was man tun muss“, erklärte er mit bebender Stimme. „Es kommt auf die Umstände an.“
Dann schluckte er und fragte: „Weißt du, wodurch die Magische Instabilität ausgelöst wurde?“
|
„Möglicherweise versucht jemand, das Artefakt im Jada-Schrein auszugraben“, erklärte Tarodastrus und war froh, dass Sadothus wieder klar denken konnte.
„Wer?“, schnappt Sadothus mit weit aufgerissenen Augen.
„Das kann ich dir nicht sagen“, antwortete Tarodastrus. „Resogurion hat keinen Zugriff auf seinen Geist.“
Sadothus verstummte.
Es musste für seinen Freund außerordentlich aufwühlend sein, dachte Tarodastrus bedauernd, wieder an die Geschichte von damals erinnert zu werden.
|
|

Tarodastrus vermutete, dass jemand das Artefakt im Jada-Schrein bergen wollte.
|
Aber Sadothus hatte sich nach jenem Ereignis so intensiv mit magischen Instabilitäten beschäftigt, dass Tarodastrus in diesem Fall auf die Gefühle seines Freunde keine Rücksicht nehmen konnte. Er benötigte das Wissen, dass dieser sich angeeignet hatte. Und obwohl die Zeit drängte, versuchte er die Geduld aufzubringen, die Sadothus benötigte, um seine Gedanken zu ordnen.
Schließlich atmete dieser tief ein, griff unter seine Tunika und holte das Zeitdurchbrechungs-Amulett hervor.
„Ich komme mit dir“, sagte er mit zitternder Stimme.
Damit hatte Tarodastrus nicht gerechnet. Doch er konnte die Erleichterung und eine gewisse Wärme, die sich in ihm ausbreitete, nicht unterdrücken.
„Bist du dir sicher?“, fragte er dennoch. Er wollte nicht, dass Sadothus erneut in die Zweifel abrutschte, die ihn damals nach dem Ereignis so aus der Bahn geworfen hatten.
Sadothus lächelte schief und entgegnete mit etwas festerer Stimme: „Nein, aber das war ich damals auch nicht, als ich mich vor den schwarzen Biladi warf.“
|

Tarodastrus zog sein Zeitdurchbrechungs-Amulett unter seiner Tunika hervor.
|
|
Mit einem dankbaren Nicken zog Tarodastrus nun ebenfalls sein Zeitdruchbrechungs-Amulett unter seiner Tunika hervor und umschloss es fest mit der Faust.
Kaum hatte er die Augen zusammengekniffen und sich auf den magischen Knollenpunkt im Südwesten des Silberwindhains konzentriert, spürte er den Kontrollverlust.
Der Halt zum Boden löste sich, als hätte ihn jemand losgerissen. Er musste sich dem unendlichen, rasenden Wirbel magische Farben hingeben, während seine Ohren sich schmerzhaft zusammenzuziehen schienen.
|
Dieses Ohnmachtsgefühl dauerte nur einen Augenblick an, bis er den Silberwindhain erreichte − doch jedes Mal kostete es ihn Überwindung.
Kaum angekommen, sank er, vom Schwindel überwältigt, auf die Knie. Er stützte sich mit den Händen ab und erbrach sich.
Neben sich hörte er Sadothus, dem es nicht besser zu ergehen schien. Wie nur, dachte Tarodastrus resigniert, ertrug sein Freund diese Tortur, dass er bisweilen sogar mehrmals die Woche mit dem Zeitdurchbrechungs-Amulett in die entlegensten Winkel Vanavistarias reiste?
Als die Übelkeit bei beiden nachgelassen hatte, erhoben sie sich, ließen das Erbrochene mit dem Zauberwort „Vighatana!“ verschwinden und eilten, so gut es ihnen möglich war, in Richtung Jada-Schrein.
|
Kaum waren sie einige Schritte gelaufen, nahm Tarodastrus ein Flirren in der Luft wahr, das umso stärker wurde, je näher sie dem Jada-Schrein kamen.
Er schaute zu Sadothus hinüber, der seine Augen fest auf sein Ziel gerichtet hatte. Mit kreideweißem Gesicht und angespannter Miene bemühte er sich, mit ihm Schritt zu halten, nicht zurückzufallen.
Es musste ihn Mühe kosten, in die Gefahr hineinzulaufen, dachte Tarodastrus, sagte aber nichts.
|
|

Tarodastrus nahm ein Flirren in der Luft wahr.
|
Wenn er ihn jetzt ansprach, könnte er den eisernen Willen, den Sadothus mit größter Anstrengung aufrechterhielt, zunichte machen. Tarodastrus sah ihm an, wie viel Kraft es ihn kostete, weiterzulaufen − und dennoch tat er es.
Auf einmal bemerkte Tarodastrus, wie er sein Ziel aus dem Fokus verlor. Seine Gedanken schweiften in alle Richtungen, seine Gefühle wollten ihn übermannen.
Und ihm wurde bewusst, dass er diese Empfindung schon einmal erlebt hatte. Die Sternenblumen! Sie griffen nach ihm! Ihre Wirkung hatte sich vervielfacht und beschränkte sich nicht mehr auf den kleinen Bereich im hinteren Teil des Jada-Schreins!
|

Tarodastrus bat Resogurion, Sadothus' und seinen Geist zu stützen, da er die Wirkung der Sternenblumen spürte.
|
|
Resogurion, sandte er einen raschen Gedanken in Richtung des Geisterwesens, wir haben den Ort der magischen Instabilität gefunden. Aber du musst Sadothus' und meinen Geist stützen! Sonst verlieren wir uns in unseren Gefühlen!
Umgehend spürte Tarodastrus, wie sich seine Gedanken ordneten und er sich wieder auf sein Ziel konzentrieren konnte.
„Resogurion?“, hörte er neben sich Sadothus verwundert fragen.
|
Tarodastrus wusste, dass die Frage nicht an ihn gerichtet war, sondern an das Geisterwesen. Es fiel Sadothus vermutlich schwer, in Gedanken zu antworten.
Seit seiner Kindheit war Tarodastrus die gedankliche Kommunikation mit Resogurion vertraut. Damals hatte er jedoch ebenfalls oft laut geantwortet, was seine Eltern zu der Annahme verleitete, er habe einen imaginären Freund. Inzwischen war ihm der stumme Austausch mit dem Geisterwesen jedoch längst in Fleisch und Blut übergegangen.
„Danke“, hörte er Sadothus leise neben sich sagen und eine gewisse Erleichterung klang in diesem Wort mit durch.
Als sie sich dem Jada-Schrein auf Sichtweite genähert hatten, erblickte Tarodastrus den ihm schon bekannten Waldgeistmann, wie er sich über die ihm ebenfalls bekannte Waldgeistfrau beugte, die am Boden lag.
|
Er schien die rennenden Schritte hinter sich gehört zu haben und schaute sich um. Sein Mimik wandelte sich von erleichtert zu finster dreinblickend, dann verzweifelt.
Tarodastrus vermutete, dass der Waldgeistmann ebenfalls unter dem Einfluss der Sternenblumen litt. Und er bat Resogurion erneut, sich auch um die beiden Waldgeister zu kümmern.
Er hatte jedoch keine Zeit darauf zu achten, ob sich das Verhalten des Waldgeistmannes änderte. Sie mussten zur Lichtung − dort lag das Problem!
|
|

Tarodastrus erkannte die zwei Waldgeister, die sich in der Nähe des Jada-Schreins aufhielten.
|
Als sie die Lichtung erreichten, sah Tarodastrus einen jungen Vykati mit einer Schaufel und irisierenden Handschuhen. Er beugte sich über ein Loch, das er ausgehoben hatte.
Sadothus schien ihn direkt erkannt zu haben, denn er rief außer Atem: „Den werden wir nicht mit Argumenten stoppen können! Hier hilft nur ein brutales Mittel.“
|

Sadothus hielt Tarodastrus auf, etwas gegen den Vykati zu unternehmen.
|
|
Tarodastrus setzte schon an, „Stopp“ zu rufen, als er Sadothus Ergänzung vernahm: „Aber unternimm nichts − ich mach das schon.“
Tarodastrus' Blick glitt zwischen dem Vykati, der weiter schaufelte und Sadothus, der ein paar Mal tief Atem holte, hin und her. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor.
Schließlich streckte Sadothus den Arm in Richtung des jungen Vykati und sagte mit ruhiger, aber unnachgiebiger Stimme: „Gurut vakasana!“
|
Der junge Vykati brach zusammen und lag längs gestreckt auf dem Bauch. Da er sich kaum noch rühren konnte, begann er in Panik zu schreien: „Nein! Nein! Ich will da nicht runter! Nein!“
Tarodastrus blickte Sadothus mit einer hocherhobenen Augenbraue fragend an.
Sadothus erklärte, während er sich suchend umsah: „Ihm fehlt nichts. Ich habe einen starken Gravitationszauber verwendet, der ihn an den Boden fesselt. Seine Panik muss mit diesen merkwürdigen Schwingungen hier zusammenhängen.“
Mit einem Mal begann der junge Vykati hemmungslos zu weinen. Ohne auf ihn zu achten erklärte Tarodastrus ruhig: „Sternenblumen. Ihre Wirkung hat sich verstärkt.“
Sadothus blickte ihn an, als habe er den Verstand verloren.
„Es gibt sie tatsächlich“, erklärte Tarodastrus weiterhin mit ruhiger Stimme. „Sie wachsen auf der anderen Seite der Jada-Eichen. Du spürst ihre halluzinogene Wirkung.“
|

Tarodastrus erklärte, dass die seltsamen Schwingungen von den Sternenblumen ausgingen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Tarodastrus' Perspektive
|
|
Aus der Sicht der Waldgeistfrau
|
|
Aus der Sicht des jungen Vykati
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Sadothus' Perspektive
|
|
Aus der Sicht des Waldgeistmannes
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|