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Vor einigen Tagen hatte Vanakara dieses riesige Merigold-Feld entdeckt. An diesem Morgen war sie mit einem Korb hierhergekommen, um Blüten für den Heilungsbalsam zu sammeln, den sie als Tierheilerin zur Behandlung von Wunden benötigte. Bereits einige makellose Blüten lagen in ihrem Korb, als sie plötzlich hinter sich ein Geräusch vernahm.
Sie drehte sich um − und erstarrte. Zu ihrem Entsetzen stand dort ein fremdes, männliches Wesen. Eines aus einem anderen magischen Volk. Die blasse Haut, das herbstfarbene Haar, der Bart in derselben Farbe.
Und dann traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag: Keine spitzen Ohren. Ein Vykati!
Sofort schossen ihr all die Schauergeschichten durch den Kopf, die man sich über dieses Volk erzählte.
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Vanakara wollte an diesem Morgen Merigold für einen Heilungsbalsam pflücken.
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Mit Entsetzen erkannte Vanakara, dass ein Vykati vor ihr stand.
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Vykati seien unbarmherzig. Brutal. Von ungeheurer magischer Macht. Sie zwängen allen anderen Völkern ihren Willen auf, ohne dass diese es überhaupt bemerkten. Niemand könne sich ihnen widersetzen.
Unkontrollierbare Angst erfasste Vanakara. Sie begann am ganzen Körper zu zittern.
Manomar und Manosom, ihr Schöpferwesen, steht mir bei!
Was sollte sie nur tun? Sie war ganz allein.
Der Vykati blieb abrupt stehen und hob langsam einen Arm. Die Bewegung wirkte auf sie bedrohlich.
Mit völlig ausdrucksloser Stimme sagte er: „Beruhige dich. Ich möchte nur nach dem Weg fragen.“
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Ängstlich horchte Vanakara in sich hinein. Spürte sie bereits einen fremden Willen? Doch da war nichts. Oder hatte der Vykati längst Besitz von ihrem Geist ergriffen, ohne dass sie es überhaupt bemerkte?
Voller Furcht starrte sie in sein Gesicht. Kein einziger Muskel regte sich. Fixierte er sie bereits mit seiner Magie? Würde er sie gleich zu einem willenlosen Geschöpf machen?
Seine völlige Emotionslosigkeit beruhigte sie kein bisschen. Im Gegenteil.
Manomar und Manosom, steht mir bei!
Vielleicht würde er sich auch einfach auf sie stürzen. Sie hätte ihm nichts entgegenzusetzen. Er wirkte kräftig. Sie wäre ihm vollkommen ausgeliefert.
Doch plötzlich geschah etwas völlig Unerwartetes.
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Der Vykati wandte sich einfach ab und ging. Keine Magie. Keine Drohung. Kein Angriff.
Er entfernte sich wortlos, als wäre nichts geschehen.
Langsam machte sich Erleichterung in Vanakara breit. Er hatte sie weder verhext noch mit einem Fluch belegt.
Doch durfte sie darauf vertrauen? Oder wollte er sie nur in Sicherheit wiegen? Würde er sich im nächsten Moment umdrehen und sie aus der Ferne mit seiner Magie angreifen?
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Plötzlich wandte sich der Vykati ab und ließ Vanakara fassungslos zurück.
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Sie beobachtete ihn aufmerksam. Doch der Vykati ging schweigend weiter. Mit jedem Schritt, den er sich entfernte, ließ ihre Panik ein wenig nach.
Da fielen ihr seine Worte wieder ein. Er hatte lediglich nach dem Weg fragen wollen.
Nach welchem Weg suchte ein Vykati im Gebiet der Waldgeister?
Verlaufen konnte er sich kaum haben. Das Land der Vykati lag viel zu weit entfernt. Also weshalb war er hier?
Vanakara zwang sich, ihre Angst beiseitezuschieben. Sie musste herausfinden, was den Fremden in den Silberwindhain geführt hatte.
Hariphor, der Waldhüter des Silberwindhains, würde erwarten, dass sie dieser Frage nachging. Und er hätte jedes Recht dazu. Er musste erfahren, was hier vor sich ging.
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Vanakara nahm all ihren Mut zusammen und rief dem Vykati eine Frage hinterher.
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Sie zwang sich, ihr Zittern unter Kontrolle zu bringen, sammelte all ihren Mut und rief dem Vykati vorsichtig hinterher: „Nach welchem Weg sucht Ihr denn?“
Der Vykati blieb stehen. Für einen kurzen Moment verharrte er reglos, dann wandte er sich langsam zu ihr um. Ein Schauder lief Vanakara über den Rücken.
So bewegte sich nur jemand, der seinen Zorn mühsam beherrschte, bevor er zuschlug.
Diese langsame Bewegung verhieß nichts Gutes.
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Sie hielt unwillkürlich den Atem an. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust.
Würde er sie nun doch mit seiner Magie angreifen?
Er kam erneut auf sie zu. Langsam. Bedächtig. Bedrohlich. Sein Gesicht blieb völlig regungslos.
Gerade diese Emotionslosigkeit jagte ihr mehr Angst ein, als sie sich selbst eingestehen wollte. Unwillkürlich wich sie einen Schritt zurück.
Der Vykati blieb stehen, hob erneut langsam eine Hand und sagte mit derselben ausdruckslosen Stimme: „Ich tue dir nichts. Ich suche einen Ort mit vier mächtigen Jada-Eichen. In ihrer Nähe soll ein großer Felsen liegen, der von rotem Moos überwachsen ist.“
Vanakara zwang sich zu einem tiefen Atemzug. Erst jetzt drangen seine Worte wirklich zu ihr durch. Wie ein Faustschlag traf sie die Erkenntnis.
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Der Vykati suchte den Jada-Schrein! Den heiligen Ort der Waldgeister!
Nein! Das durfte nicht sein!
Über dem Schrein lag ein mächtiger Schutzzauber, der ihn vor den Blicken fremder Völker verbarg. Es war unmöglich, dass ein Fremder überhaupt von seiner Existenz wusste.
Wie hatte dieser Vykati vom Jada-Schrein erfahren?
Für einen Moment glaubte Vanakara, ihr Herz bleibe stehen. Dann zwang sie sich erneut zur Ruhe.
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Vanakara begriff, dass der Vykati auf der Suche nach dem Jada-Schrein war.
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Du musst mehr herausfinden. Wenn der Schutzzauber versagt hat, muss Hariphor sofort davon erfahren.
Sie holte noch einmal tief Luft. Obwohl ihr Herz noch immer heftig schlug, begegnete sie dem Blick des Vykati so ruhig wie möglich. „Warum sucht Ihr diesen Ort?“
Mit unbewegter Miene deutete der Fremde auf seine große Tasche. „Ich werde die Gegend um diesen Ort kartographieren.“
Vanakara runzelte die Stirn.
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Vanakara überlegte, warum der Vykati den Jada-Schrein vermessen wollte.
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Warum, bei aller Magie, wollte ein Vykati den Jada-Schrein vermessen?
Bisher war sie davon ausgegangen, dass es ihm um die seltenen Heilpflanzen ging, die rund um den Schrein wuchsen. Doch dafür musste niemand das Gebiet kartographieren.
Mit welcher Absicht war er wirklich hier? Konnte sie es wagen, den Vykati nach dem wahren Grund seiner Anwesenheit zu fragen? Oder würde er dann doch seine mächtige Magie gegen sie richten?
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Bislang hatte er sich weit weniger bedrohlich verhalten, als die Geschichten über sein Volk vermuten ließen − auch wenn seine völlige Gefühllosigkeit ihr nach wie vor Angst einjagte.
Doch wie würde er reagieren, wenn er sie plötzlich als Hindernis betrachtete?
Trotz aller Furcht musste sie seine Absichten erfahren. Nur dann konnte Hariphor entscheiden, was zu tun war. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als das Wagnis einzugehen.
Sie holte noch einmal tief Luft, um ihr hämmerndes Herz zu beruhigen, und fragte mit einer Stimme, die ihr Zittern nur mühsam verbarg: „Warum wollt Ihr die Gegend vermessen? Sie liegt im Gebiet der Waldgeister. Das ist kein Ort, über den ihr Vykati verfügen dürft.“
Der Vykati sah sie schweigend an. Seine Augen wirkten beinahe wie aus Glas. Vanakaras Herz begann erneut schneller zu schlagen.
War sie zu weit gegangen?
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Schließlich antwortete er mit derselben kühlen, unbewegten Stimme: „Die Akademie hat mich entsandt. Unsere Karten des Silberwindhains sind unvollständig. Ich soll sie ergänzen.“
Vanakara runzelte die Stirn. Das ergab keinen Sinn. Natürlich waren die Aufzeichnungen anderer Völker über den Silberwindhain lückenhaft. Seit beinahe eintausend Jahren fand kaum noch ein Austausch zwischen den magischen Völkern statt.
Doch sie konnte sich nicht vorstellen, dass die Akademie der Vykati jemanden entsandte, um ohne jede Absprache fremdes Gebiet zu kartographieren. Und schon gar nicht ausgerechnet das Heiligtum der Waldgeister.
Er log.
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Vanakara bezweifelte, dass der Vykati von der Akademie hergeschickt worden war.
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Der Gedanke ließ Zorn in ihr aufsteigen. Sie hütete sich jedoch, ihn offen zu zeigen. Schließlich stand noch immer eines der magisch mächtigsten Wesen Vanavistarias vor ihr.
Dennoch hatte der Ärger etwas Unerwartetes bewirkt. Er drängte ihre Angst ein Stück zurück.
Skeptisch erwiderte sie den Blick des Vykati. „Wenn Ihr möchtet, dass ich Euch helfe, solltet Ihr ehrlich sein. Andernfalls werdet Ihr wohl noch tagelang hier umherirren, ohne den richtigen Weg zu finden.“
Erneut begegnete ihr der Vykati schweigend. Sein ohnehin kühler Blick schien sich noch weiter zu verhärten. Dann sagte er: „An den vier Jada-Eichen ist ein gefährliches Artefakt vergraben. Wir Vykati müssen es sichern. Nur wir verfügen über genügend magische Macht, um es zu beherrschen.“
Einen Augenblick lang verstand Vanakara die Tragweite seiner Worte nicht. Dann traf sie die Erkenntnis mit voller Wucht.
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Vanakara begriff, dass es um das Artefakt ging, durch das Manomar und Manosom ihr Wirken in der Welt offenbarten.
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Die Vykati wollten das magische Artefakt an sich reißen! Jenes Artefakt, durch das die beiden Schöpferwesen ihr Wirken in der Welt offenbarten.
Nein! Das durfte nicht sein!
Selbst wenn die Vykati längst aufgehört hatten, an Manomar und Manosom zu glauben − wie so viele andere Völker inzwischen ebenfalls −, durften sie sich nicht an diesem heiligen Ort vergreifen.
Manomar, Manosom, das dürft ihr nicht zulassen!
Vor Entsetzen brachte sie zunächst kein Wort hervor.
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Nur ein leises, erschüttertes Keuchen entrang sich ihrer Kehle. Erst nach einigen Atemzügen gelang es ihr, ihre Gedanken zu ordnen.
Mit kaum mehr als einem Flüstern sagte sie, ihre Stimme bebte vor Erschütterung: „Ihr wollt uns das magische Artefakt stehlen, das für die Natur rund um den Jada-Schrein unersetzlich ist!“
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Vanakara erkannte mit Entsetzen, dass die Vykati das magische Artefakt stehlen wollten.
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