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Seit Tarodastrus' Rückkehr aus dem Silberwindhain war ein guter Monat vergangen. Anfangs hatte Rakhata bei Tarodastrus intensiv nach kleinen, unscheinbaren Verhaltensauffälligkeiten gesucht, nach Rissen in seinem perfekten vykatianischen Auftreten, die darauf schließen ließen, das die Magisch-Induzierten Topographischen Fluktuationen ihn beeinträchtigten.
Doch zeigte er ihr und allen anderen Vykati gegenüber stets seine einwandfreie vykatianische Grundhaltung − distanziert, sachlich, emotionslos. Er funktionierte fehlerfrei und mit der Zeit hatte ihre Sorge nachgelassen. Sie hatte die lückenlose Beobachtung auf ein Mindestmaß reduziert.
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Anfangs hatte Rakhata Tarodastrus intensiv beobachtet.
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Vor vier Nächten war wieder Vollmond gewesen und die Bruderschaft hatte sich erneut in den Dunklen Klüften zu ihrer allmonatlichen Beratung getroffen. Auch dieses Mal hatte Großmeister Visalus wieder darauf gedrängt, dass sie endlich für mehr Erfolge bei ihren Bemühungen um Tarodastrus sorgen solle. Doch der Hüter des Lichtes schien sich vor jeder Nähe ihrerseits zu fürchten. Sie hatte langsam keine Ideen mehr, wie sie ihn von sich überzeugen konnte. Aber das verschwieg sie selbstverständlich.
Immerhin hatte sie einen ordentlichen Bericht über Tarodastrus' Erkenntnisse im Silberwindhain abliefern können, über die von ihm dort festgestellten Magisch-Induzierten Topographischen Fluktuationen und die damit einhergehende Konsequenz, dass das dort liegende Artefakt nicht geborgen werden könne. Auch ihrer Einschätzung, dass der Hüter des Lichtes keine Schäden vom Aufenthalt in diesem Gebiet davongetragen hatte, hatte sie Ausdruck verliehen.
Großmeister Visalus hatte ihren Bericht mit stoischer Miene, aber nickend zur Kenntnis genommen − ein Zeichen dafür, dass er zumindest in dieser Hinsicht mit ihrer Arbeit zufrieden war.
An diesem Morgen hatte sie gerade damit begonnen, eine Karte für eine Kundin zu erstellen, als die Geräusche von raschelndem Pergament, die Tarodastrus an seinem Platz machte, mit einem Mal plötzlich verstummten. Das wäre nicht so außergewöhnlich gewesen, wenn an deren Stelle andere Töne an ihr Ohr gedrungen wären, das Hantieren mit Feder und Tintenfässchen, das Kramen in einer Schublade, das Zurückschieben des Stuhls… Aber es blieb mit einem Mal still.
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Rakhata bemerkte, dass Tarodastrus unbeweglich auf seinem Stuhl saß.
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Verwundert drehte sie sich zu ihm um und erkannte, dass ihr Kollege erstarrt war. Kerzengerade saß er auf seinem Stuhl, die Pergamente noch in der Hand, die er vorher gesichtet hatte, und war wie in Trance verfallen.
Seine Miene versteinert, seine Bewegung wie eingefroren.
Die Nachwirkungen der MITF!, schoss es ihr durch den Kopf. Er hatte doch einen Schaden davon getragen!
„Tarodastrus?“, fragte sie vorsichtig. Doch er reagierte nicht. Saß weiterhin unbeweglich da, seinen Blick in die Ferne gerichtet.
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„Tarodastrus?“, wiederholte sie ein wenig lauter, doch statt ihre Frage zu beantworten, schien er zu verkrampfen.
Sie spürte Panik in sich aufsteigen, bemühte sich allerdings, diese sofort zu unterdrücken.
Mit einem Mal holte Tarodastrus tief Luft, wie jemand, der ins Wasser gefallen war und endlich wieder an die Oberfläche gefunden hatte. Diese Bewegung kam so unerwartet, nachdem er sekundenlang unbeweglich dagesessen hatte, dass sie ohne es unterdrücken zu können, einen leisen Schreckensschrei von sich gab.
Danach fror er wieder ein.
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„Tarodastrus, was ist mit dir los?“, rief Rakhata. „Soll ich Heiler Arjatus holen?“
Keine Reaktion, kein Erkennen. Er saß da, starrte in die Luft und bewegte sich nicht. Seine Miene regungslos.
Rakhata bekam Angst. So ein Verhalten hatte sie in all den Jahren, seit sie zusammenarbeiteten, noch nie bei ihm erlebt. Das mussten die Spätfolgen der MITF sein, dachte sie erneut, eine andere Erklärung konnte es nicht geben! Doch wie sollte sie nun vorgehen?
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Rakhata fragte, ob sie Heiler Arjatus holen sollte.
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Sie überlegte ernsthaft, ob sie ihn an den Schultern rütteln sollte, aber das wäre eine solch extreme Überschreitung der vykatianischen Distanz, dass sie davor zurückschreckte. Nein, das wäre zu anmaßend!
Aber was konnte sie tun? Tarodastrus war nicht ansprechbar. Gab er ihr nicht die Aufforderung, Heiler Arjatus zu holen, würde sie auch hier bei eigenständigem Handeln ein unanständiges Benehmen zeigen. Sie war ratlos.
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Rakhata wurde davon überrascht, dass Tarodastrus plötzlich zur Tür hinaus stürmte.
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Doch bevor sie ihn erneut ansprechen konnte, erhob er sich plötzlich und stürmte aus der Tür hinaus.
„Wo gehst du hin? Was ist mit dir los?“, rief sie ihm besorgt hinterher, doch wieder antwortete er nicht. Mit raschen Schritten verschwand er aus ihrem Blickfeld.
Eine Weile stand sie verwirrt und erschüttert an ihrem Platz und starrte auf die Tür. Dann rief sie sich ihre Verantwortung wieder ins Bewusstsein. Sie setzte sich an ihr Schreibpult, zog ein leeres Blatt Pergament aus der Schublade und setzte zum Schreiben an: „Vorsicht, das Luftritual könnte außer Kontrolle geraten. Der Wind an jenem Platz weht aus unberechenbaren Richtungen!“
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Sie rollte das Pergament zusammen und versiegelte es. Voller Unruhe trat sie vor die Tür und rief einen Korvum-Raben herbei, dem sie das Pergamen mit den Worten überreichte: „Zu Payelos, dem Elementarmagier. Es ist dringend!“
Sie hoffte, dass Payelos die richtigen Schlüsse aus ihren Zeilen ziehen würde: Der Hüter des Lichtes zeigte Auffälligkeiten und sie hatte keine Vorstellung davon, wo er sich gerade aufhielt.
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Rakhata schickte einen Korvum-Raben mit einer dringenden Nachricht zu Payelos.
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Tarodastrus' Perspektive
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Rakhatas Perspektive
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