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Nach der Episode im Silberwindhain waren Tarodastrus und Sadothus in die Reichsglorie zurückgekehrt. Tarodastrus hatte Sadothus zu seiner Studierstube begleitet, bevor er selbst zur Kartographie-Werkstatt geeilt war. Er wollte sicher sein, dass Sadothus' Zustand stabil blieb und er nicht erneut in seine Schuldgefühle abrutschte. Für diesen Moment schien aber alles in Ordnung zu sein.
Die nächsten Tage achtete er genau auf Sadothus' Verhalten. Aber nichts wies mehr auf diese innere Zerissenheit hin, die er im Jada-Schrein gezeigt hatte. Der Nachweis der allumfassenden Magie schien seine Schuldgefühle zu überlagern, was Tarodastrus mit großer Erleichterung erfüllte. So nahm seine große Sorge um seinen Freund nach und nach ab und er konnte sich wieder mit voller Konzentration seinen Routinearbeiten widmen.
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An diesem Morgen − rund vierzehn Tage nach dem Vorfall der magischen Instabilität − betrat, kurz nachdem Tarodastrus die Kartographie-Werkstatt erreicht und mit seiner Arbeit begonnen hatte, ein Kunde den Raum und sah sich neugierig um.
Er trug einen braunen Kapuzenumhang, der ihn komplett bedeckte und nur einen Teil des Gesichts freiließ. Unhöflicherweise setzte der Kunde die Kapuze nicht ab, als er den Raum betrat. Das war recht merkwürdig, und so übernahm Tarodastrus die Bedienung.
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Kurz nachdem Tarodastrus die Kartographie-Werkstatt betreten hatte, kam ein Fremder durch die Tür.
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„Guten Tag, kann ich etwas für Euch tun?“, fragte er in einem reservierten Tonfall, um zu verdeutlichen, dass er von dem Benehmen des neuen Kunden nicht viel hielt.
„Guten Tag“, erwiderte der Fremde mit einer tiefen Bassstimme. „Ich bin auf der Suche nach Tarodastrus, dem Hüter des Lichtes, und mir wurde gesagt, dass er hier arbeitet.“
Tarodastrus war über diese Antwort irritiert. Es kam nicht oft vor, dass ein Vykati so offen seine Neugier zeigte. Dieser Fremde konnte nicht sonderlich seriös sein!
„Ich glaube, Ihr geht besser wieder“, antwortete er daher und drehte sich demonstrativ ab, um sich wieder an sein Schreibpult zu begeben.
Doch der Fremde ließ sich nicht so leicht vertreiben. „Es geht um seinen Aufenthalt im Silberwindhain vor zwei Wochen“, meinte er.
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Tarodastrus fragte sich, woher der Fremde seine Informationen hatte.
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Tarodastrus brauchte einen Moment, um seinen Schrecken zu verarbeiten. Woher wusste der Fremde von Sadothus' und seinem Aufenthalt dort? War er einer der Gesetzeswächter, die damals im Wächterturm anwesend waren, als er sie über Murkhus' Zustand informiert hatte? Dann müsste er nicht nach seiner Identität fragen, denn dann wüsste er, wer er war.
Wenn der Fremde aber keiner der damals anwesenden Gesetzeswächter war, wie kam er dann zu dieser Information − und vor allem, was wollte dieser von ihm persönlich?
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Seine Mimik eisern unter Kontrolle haltend, wandte er sich dem Fremden langsam wieder zu.
„Warum sucht ihr ihn?“, fragte er mit kühler Stimme.
Statt einer Erklärung fragte der Fremde ihn nun direkt: „Seid Ihr Tarodastrus?“
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Kein ehrhafter Vykati würde so direkt fragen, dachte Tarodastrus pikiert. Dies konnte kein Gesetzteswächter sein. Und dennoch hatte er Kenntnis von Dingen, die er eigentlich nicht hätte haben dürfen. Wer war er?
Nach einem kurzen Zögern nickte Tarodastrus knapp.
„Können wir irgendwo reden, wo niemand uns belauschen kann?“, fragte der Fremde leise.
Tarodastrus' Irritation nahm zu. Erst diese distanzlosen Fragen, jetzt diese Geheimniskrämerei.
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Tarodastrus war über die ganze Art des Fremden irritiert.
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Irgend etwas verbarg der Fremde eindeutig. Warum setzte er nicht seine Kapuze ab und zeigte offen sein Gesicht?
Tarodastrus spürte Nervosität in sich hochkriechen, doch er ignorierte sie. Mit eisiger Stimmer erklärte er: „Meine Kollegin ist verschwiegen. Ihr könnt offen vor ihr reden.“
„Nein, das geht nicht“, entgegnete der Fremde raunend nach einem kurzen Blick auf Rakhata. „Das, was ich Euch zu sagen habe, ist ausschließlich für Eure Ohren bestimmt.“
Tarodastrus' Unruhe nahm zu. Sie ließ sich nicht mehr so leicht unterdrücken. Es fiel ihm schwer, eine Entscheidung zu treffen. Sollte er der Bitte des Fremden nachkommen? Oder sollte er ihn bitten, zu gehen?
Allerdings durfte er nicht zu lange zögern. Seit seinem panischen Gedankenaustausch mit Resogurion und seinem für Rakhata plötzlichen und unerklärlichen Aufbruch, beobachtete sie ihn intensiver den je. Würde er mit einer Entscheidung zu lange warten, würde sie es sicherlich erneut mit den MITF in Verbindung bringen und annehmen, dass er unter Spätfolgen litt.
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Tarodastrus reagierte gereizt auf die Geheimniskrämerei des Fremden.
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Schließlich zuckte er innerlich mit den Schultern und schritt ohne ein weiteres Wort zur Tür. Vor dem Gebäude blieb er stehen und schaute den Fremden mit eisigen Augen an. Doch der Kapuzenumhangträger war noch immer nicht zufrieden.
„Hier könnte es immer noch Ohren geben, die heimlich lauschen“, meinte er leise, sich umschauend.
Tarodastrus schaute sich ebenfalls um. Der Platz lag da wie ausgestorben. Es war niemand zu sehen. So langsam verlor er die Geduld.
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„Was genau wollt Ihr von mir?“, fragte er mit kühler Stimme, seine Gereiztheit unterdrückend, obwohl die Nervosität, die in ihm inzwischen wütete, verhinderte, dass ihm dies vollständig gelang. Es widersprach zwar den Gepflogenheiten der Vykati, auf offener Straße miteinander zu sprechen, aber der Fremde wurde ihm immer unheimlicher.
Der Kapuzenmann raunte ihm zu: „Ich bin Niyamos, der Oberste Wächter der Gesetze von Vanavistaria, und ich habe eine Botschaft für Euch vom Hohenmagier, Meister Banavastrus.“
Tarodastrus war perplex. Ihm fehlten für einen Moment lang die Worte. Dann riss er sich zusammen und nickte kurz.
Er wandte sich um und schlug mit langen Schritten die Straße in Richtung seines Wohnortes ein, den Wächter der Gesetze an seiner Seite.
Jetzt wusste Tarodastrus, warum sein Gegenüber die Kapuze nicht absetzte: Seine langen, spitzen Ohren hätten ihn sofort als Elfen gekennzeichnet.
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Während sie nun zu zweit schweigend durch die Straßen der Reichsglorie liefen, gingen Tarodastrus eine Menge Gedanken durch den Kopf.
Natürlich kannte Meister Banavastrus seinen Namen − nicht nur, weil er der Hüter des Lichtes war, sondern auch, weil er dem Hohenmagier Vanavistarias seit einundzwanzig Jahren regelmäßig Prophezeiungen schickte, die ihm Resogurion diktierte. Aber was war der Anlass dafür, dass Meister Banavastrus nun plötzlich persönlich Kontakt zu ihm aufnehmen wollte?
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Während des Weges gingen Tarodastrus viele Gedanken durch den Sinn.
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Niyamos hatte erwähnt, dass es mit dem Silberwindhain zusammenhing. Wollte ihm der Hohenmagier eine Mahung zukommen lassen und ihm mitteilen, dass er auf dem Waldgeistgebiet nichts verloren hatte? Nun ja, Niyamos war der Oberste Wächter der Gesetze. Es wäre also möglich. Aber warum tat er dann so geheimnisvoll? Das hätte er ihm auch im Beisein von Rakhata sagen können.
Hatte es mit der magischen Instabilität zu tun? Resogurion hatte sie doch wieder zurückdrängen können, also waren keine Schäden entstanden. Außerdem trug Tarodastrus an dieser keine Schuld, sondern Murkhus, der unverantwortliche, junge, magische Archäologe. Warum schickte Meister Banavastrus seinen Obersten Wächter der Gesetze dann zu ihm?
Allmählich wurde die Bebauung lichter, die Häuser nahmen an Bedeutung ab. Tarodastrus war der Weg nur allzu vertraut, dennoch musste er dem Elfen seltsam erscheinen.
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Tarodastrus überlegte, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, den Elfen zu Sadothus Heim zu führen.
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Vielleicht hätte er statt seines unscheinbaren Häuschens besser das von Sadothus wählen sollen, ging es ihm plötzlich durch den Sinn.
Die ärmlichen Steinhütten, die hier standen, dürften dem Obersten Wächter der Gesetze vermutlich ein wenig suspekt vorkommen. Sadothus' Haus hingegen lag in einem Gebiet, in dem die angesehendsten Vykati wohnten.
Doch nun war es zu spät, um sich anders zu entscheiden. Er hatte sein Ziel fast erreicht. Also zuckte er innerlich mit den Schultern und ging zielstrebig auf seine Haustür zu.
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Tarodastrus öffnete die Tür, trat ein, ließ den Elfen an sich vorbeigehen und schloss hinter ihm die Tür. Dann entzündete er die Kerzen am Kronleuchter der Küche.
Nun endlich setzte der Elf seine Kapuze ab, so dass seine spitzen Ohren, ein kantiges, gegerbtes Gesicht, kurze, graue Haare, buschige Augenbrauen und ein kurzer Vollbart zum Vorschein kamen.
Tarodastrus war inzwischen sehr nervös geworden. Noch immer wusste er nicht, warum Vanavistarias Oberster Wächter der Gesetze ihn aufgesucht hatte und womit er nun zu rechnen hatte. Der kritische Blick, mit dem der Elf nun die Küche musterte, war überdies auch nicht angetan, ihn zu beruhigen.
Schließlich fragte der Oberste Wächter der Gesetze in strengem Tonfall: „Wo sind wir hier?“
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„In meinem Heim“, antwortete Tarodastrus, wobei er sorgsam darauf achtete, dass seine Nervosität seine Stimme nicht zittern ließ. Um seine Unsicherheit zu überspielen, fragte er daher kurz angebunden: „Tee?“
Der Elf nickte stumm.
Ein wenig nervös und fahrig setzte Tarodastrus den Kessel mit Wasser auf. Er tat dies bewusst von dem Elfen abgewandt, damit dieser nicht seine leicht vibrierenden Hände bemerkte.
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Niyamos wollte wissen, wo Tarodastrus ihn hingebracht hatte.
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Bei all seiner Disziplin und seinem ansonsten absolut beherrschten Verhalten, seine Hände hatte er nie wirklich unter Kontrolle bringen können. Es war eine Unzulänglichkeit, für die er sich oft selbst tadelte. Ein Vykati hatte sich in allem zu beherrschen − vor allem im Beisein von anderen!
Als er zwei Tassen Lavendeltee zubereitet hatte, brachte er sie zum Tisch und bemerkte, dass der Elf noch immer unschlüssig in der Küche stand.
„Setzt Euch“, meinte Tarodastrus in beiläufigem Ton. Er schalt sich dafür, dass er vergessen hatte, dem Obersten Gesetzeswächter einen Platz anzubieten. Das hätte ihm nicht passieren dürfen! Er ließ sich von seiner Unsicherheit beeinflussen. Das musste er unterbinden!
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Tarodastrus stellte zwei Tassen Lavendeltee auf den Tisch.
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Allerdings war er inzwischen so nervös, dass die Tassen ein wenig klirrten, als er sie auf dem Tisch absetzte. Ohne sich seine innere Unruhe anmerken zu lassen, setzte er sich dem Elfen gegenüber.
Zunächst saß ihm der Elf nur schweigend gegenüber. Schließlich ergiff er das Wort und erklärte: „Urusaja, die Hüterin der Natur und der Magie“, begann er, „hat von Eurem Einsatz im Silberwindhain bei der Eindämmung der magischen Instabilität erfahren.“
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Das erklärte, woher der Elf die sorgsam gehüteten Informationen hatte, ging es Tarodastrus durch den Kopf, und er stellte sich auf eine Frage ein, mit der sich der Elf erkundigen würde, wie ihm dies gelungen sei.
Fieberhaft suchte Tarodastrus nach einer möglichen Ausrede. Er durfte Resogurion nicht erwähnen, aber er konnte auch nicht so tun, als hätte er selbst die Macht zur Eindämmung gehabt. Das würde ihm der Elf wahrscheinlich ohnehin nicht abnehmen. Also was sollte er auf eine solche Frage antworten?
Nach einer kurzen Pause, in der ihn der Oberste Wächter der Gesetze genau zu beobachten schien, fuhr dieser schmunzelnd fort: „Ich glaube, wir können davon ausgehen, dass Resogurion vor Ort war, richtig?“
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Tarodastrus' Denken setzt für einen Augenblick aus.
Der Elf wusste von dem Geisterwesen?
Nach außen hin keine Regung zeigend, musste sich Tarodastrus erst einmal fangen, bevor er mit kontrollierter Stimme fragen konnte: „Ihr kennt Resogurion?“
„Nun ja“, antwortete Niyamos, „wir Zauberweisen wissen, dass es ihn gibt und dass Ihr von ihm die Prophezeiungen erhaltet. Kennen gelernt hat ihn nur Meister Banavastrus.“
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Tarodastrus war verwundert darüber, dass der Rat der Zauberweisen Resogurion kannte.
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Eigentlich macht das Sinn, überlegte Tarodastrus. Für den äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass eine dunkle Macht Vanavistaria angreifen würde, müsste Tarodastrus als Hüter des Lichtes mit Unterstützung durch das Geisterwesen die Führung des Landes übernehmen. Sämtliche Zauberweisen müssten sich dann hinter ihm und Resogurion versammeln.
Insofern war es vernünftig, dass die Zauberweisen von der Existenz des Geisterwesens wussten. Aber wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, das so ein Fall jemals eintreffen würde?
Niyamos fuhr fort: „Wir waren ein wenig überrascht darüber, dass Ihr euch überhaupt um die Stabilisierung der Magie gekümmert habt. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Vykati außerhalb des eigenen Gebietes um die Sicherheit anderer Wesen kümmert.“
„Die Instbilität war vorhanden. Es war irrelevant, ob sie im Vykatigebiet lag oder anderswo“, erklärte Tarodastrus ruhig.
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Niyamos wusste, dass Tarodastrus und Sadothus das Artefakt unrsprünglich stehlen wollten.
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Plötzlich wurde Niyamos' Gesicht ernst und er sagte mit strenger Stimme: „Urusaja hat auch erfahren, dass Ihr eigentlich darauf aus wart, das Artefakt zu stehlen. Euer Freund Sadothus ist ja dafür bekannt, sich Dinge anzueignen, die nicht ihm gehören.“
Erneut hatte Niyamos Tarodastrus auf dem falschen Fuß erwischt und es kostete ihn Anstrengung, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten.
Der Elf kannte Sadothus und wusste von seinen Aktionen?
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Was würde nun passieren? Mussten sich Sadothus und er für diese Aktion verantworten? Welche Strafe würde ihnen auferlegt werden?
Tarodastrus wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Allerdings sprach Niyamos auch nicht weiter und schaute ihn mit strenger Miene erwartungsvoll an.
Als die Stille zu drückend wurde, versuchte Tarodastrus eine Erklärung in ruhigem Tonfall: „Vykati halten Waldgeister für primitive Geschöpfe, die kein Interesse an magischen Artefakten haben können. Daher hätten wir das Artefakt ohne moralische Bedenken entwendet.“
Inzwischen hatte sich Tarodastrus' Meinung über dieses Volk grundlegend geändert. Sie besaßen eine andere Sicht auf die Welt und ihre Magie, aber keine, auf die man herabschauen sollte. Selbst Sadothus hatten sie mit ihrem magischen Sensor beeindruckt, und dieser war, was das Elitedenken anging, ein unnachgiebiger Vykati.
Tarodastrus sah jedoch nicht die Notwendigkeit, diese Gedanken dem Obersten Wächter der Gesetze mitzuteilen. Seine Einstellung hatten keinen Mehrwert für diesen. Insofern schwieg er.
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Schließlich räusperte sich der Elf und sagte in einem sehr ernsten Ton, der Tarodastrus zunehmend beunruhigte: „Dann will ich mal zu dem eigentlichen Grund kommen, der mich zu Euch geführt hat. Meister Banavastrus hat von Eurer außergewöhnlichen Aktion im Silberwindhain erfahren und möchte Euch ein Angebot unterbreiten. Er bittet euch, für einige Zeit in die Hauptstadt des Landes, in das Zentrum der Hellen Magie zu kommen. Mir obliegt es allerdings nicht, Euch weitere Einzelheiten anzuvertrauen. Ich habe lediglich die Aufgabe, Euch die Einladung auszusprechen und zu erklären, dass es sich dabei um das Wohl des Landes handelt.“
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Niyamos überbrachte Tarodastrus eine Einladung des Hohenmagiers von Vanavistaria.
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Niyamos legte eine kleine Pause ein, vermutlich, um Tarodastrus die Gelegenheit zu geben, die Worte vollumfänglich zu begreifen.
Dann fuhr er fort: „Sowohl die Einladung des Hohenmagiers als auch der Grund derselben müssen geheim bleiben − das ist existenziell. Selbst Euren Freunden dürft Ihr Euch nicht anvertrauen. Sollte etwas von diesem Gespräch durchsickern, dann könnte es sowohl für Euch und Eure Freunde als auch für den Rat der Zauberweisen einschließlich des Hohenmagiers höchst gefährlich werden.“
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Tarodastrus spürte innerlich die Bedrohung, auch wenn er sie nach außen hin nicht zeigte.
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Tarodastrus verbarg seine Gefühle erneut hinter einer ausdruckslosen Maske. Doch innerlich war er stark aufgewühlt.
Was genau wollte Meister Banavastrus von ihm? Warum klang das Ganze so entsetzlich bedrohlich? Er musste sich eingestehen, dass die Worte des Obersten Gesetzeshüter ihn in Furcht versetzt hatten.
„Habe ich die Möglichkeit, abzulehnen?“, fragte er trotz seiner inneren Unruhe in einem sehr sachlichen Ton.
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„Ja, jederzeit“, entgegnete Niyamos weiterhin sehr ernst. „Allerdings würde der Rat der Zauberweisen es begrüßen, wenn Ihr der Einladung Meister Banavastrus' Folge leisten und Euch das Angebot zumindest anhören würdet. Ihr bekommt genügend Bedenkzeit und könnt nach Kenntnis der kompletten Faktenlage entscheiden, ob Ihr das Angebot annehmen wollt oder nicht.“
„Wäre die Gefahr bei einer Ablehnung meinerseits für mich und meine Freunde gebannt? Oder bestünde sie weiterhin?“, wollte Tarodastrus wieder im äußerst ruhigen Tonfall wissen, obwohl er spürte, wie seine Hände erneut zu zittern begannen.
Warum nur, hatte er nie gelernt, seine Gefühlskontrolle auf die Hände zu übertragen?
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Er wollte sich vor dem Elfen nicht die Blöße geben und seine Angst, die in ihm aufgestiegen war, nach außen dringen lassen. So verbarg er seine Hände in seinem Schoß.
„Wenn Ihr ablehnt, wird die Gefahr für Euch und Eure Freunde vorbei sein“, antwortete Niyamos aufrichtig.
„Und wenn ich das Angebot annehme?“, fragte Tarodastrus ruhig weiter. Er spürte, wie die Furcht zunahm und er das Zittern seiner Hände kaum noch verheimlichen konnte.
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Tarodastrus verbarg seine bebenden Hände.
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„Dann werden wir jegliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, die Euch und Eure Freunde schützen werden“, erklärte der Elf mit Nachdruck. „Die Gefahr wird dann auch nur für eine gewisse Zeit weiter bestehen bleiben, später wird sie erlöschen.“
Tarodastrus war versucht, seiner Angst nachzugeben und die Einladung des Hohenmagiers umgehend abzulehnen. Doch er hatte gelernt, Entscheidungen nicht aufgrund von Emotionen zu treffen. Daher ließ er sich Zeit mit einer Äußerung, verdrängte die Angst aus seinen Gedanken und dachte über das Gehörte nach. Seine Hände kamen zur Ruhe.
Niyamos hatte gesagt, es ginge um das Wohl des Landes. Er, Tarodastrus, war der Hüter des Lichtes, insofern kam ihm ohnehin die Aufgabe zu, im Ernstfall das Land vor dunkler Gefahr zu schützen. Ob dieser Fall nun eingetreten war?, schoss es ihm durch den Kopf.
Nein, entschied er umgehend, sonst hätte Resogurion ihn im Vorfeld gewarnt. Es musste eine andere Bedrohungslage vorliegen. Aber wie sollte er, der einfache Kartograph, dabei aushelfen können?
„Würde es für mich und meine Freunde auch eine Bedrohung darstellen, wenn ich mir nur das Angebot anhöre?“, setzte Tarodastrus mit ruhiger Stimme die Fragerei fort.
„Grundsätzlich nicht“, antwortete Niyamos, „solange nicht bekannt wird, dass sich der Hüter des Lichtes in der Hauptstadt des Landes aufhält. Wärt ihr bereit, dort als ‚Dastarus‘ aufzutreten, damit Eure wahre Identität geheim bleibt?“
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Tarodastrus stellte sich vor, wie es sei, anonym unter den Elfen zu leben.
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Nichts lieber als das!, dachte Tarodastrus sofort.
Einmal aus dem Scheinwerferlicht, das ihn sein ganzes Leben umgab, hinaustreten in die unscheinbare Anonymität! Einmal als ganz normaler Vykati ohne jedwede an ihn gestellte Erwartungen leben zu dürfen, nur er selbst sein – er, der einfache Kartograph! Wesen kennen lernen ohne sofort bewundernde Blicke auf sich zu fühlen oder nach Nennung des Namens Distanziertheit wahrzunehmen!
Das wäre sicherlich eine Wohltat.
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Doch dann fiel ihm Sadothus ein. Würde dieser mit einer längeren Abwesenheit seines Freundes zurecht kommen? Er wusste nicht, wie stabil Sadothus inzwischen war, auch wenn Tarodastrus keine Anzeichen mehr von innerer Zerrissenheit wahrgenommen hatte.
Niyamos schien Tarodastrus' Schweigen falsch zu deuten, denn er ergänzte nach einer Weile: „Ich weiß, wir muten Euch viel zu, doch zu Eurer eigenen und unserer Sicherheit wäre die Verschleierung Eurer wahren Identität unumgänglich.“
Ohne auf die Bedenken des Elfen einzugehen, fragte Tarodastrus: „Was versteht ihr unter ‚einige Zeit‘?“
Der Elf antwortete: „Wir sehen vier Wochen als eine angemessene Zeitspanne.“
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Tarodastrus überlegte. Auch wenn vier Wochen lang erschienen, könnte Sadothus diese mit Ablenkungen in der Bibliothek und auf der Jagd nach weiteren magischen Artefakten sicherlich gut überbrücken können.
Allerdings kam Tarodastrus nun ein weiteres Problem in den Sinn: Wie nur sollte er seine eigene Abwesenheit in dieser langen Zeit aus der Reichsglorie erklären ohne einen offiziellen Auftrag zu bekommen? Wenn Geheimhaltung aus welchen Gründen auch immer so wichtig war, dann wäre eine sinnvolle Aufgabe im Zentrum der Hellen Magie sicherlich hilfreich. Doch dazu bedurfte es Sadothus' findiges Talent.
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Tarodastrus machte sich Sorgen darüber, wie Sadothus die Zeit ohne ihn verkraften würde.
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Also meinte er in Niyamos' Richtung: „Mein Freund wäre in der Lage, eine offizielle Begründung für mein Verlassen der Reichsglorie zu finden ohne etwas zu hinterfragen. Auf seine Diskretion ist Verlass.“
Der Elf schien nachzudenken. Schließlich nickte er langsam und entgegnete: „Wenn Ihr euch bei der Diskretion Eures Freundes sicher seid, wäre das Risiko einer Entdeckung vielleicht überschaubar. Wie lange würde Euer Freund benötigen?“
Tarodastrus dachte kurz nach. Sadothus war erfinderisch. Ihm würde mit Sicherheit rasch etwas einfallen, daran bestand für ihn kein Zweifel.
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Tarodastrus kündigte an, am übernächsten Tag am Knollenpunkt im Zentrum der Hellen Magie anzukommen.
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Somit erklärte er zuversichtlich: „Ihr könnt mich übermorgen am magischen Knollenpunkt der Hauptstadt erwarten.“
„Oh, schon so bald?“, entgegnete Niyamos und Tarodastrus erkannte die Erleichterung in dessen Stimme. „Einer der Zauberweisen wird Euch gegen Mittag am Knollenpunkt der Hauptstadt in Empfang nehmen. Ich selbst werde es nicht sein, das würde zu viel Aufsehen erregen. Passt Euch der Zeitpunkt?“
Tarodastrus nickte kurz.
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„Sehr gut“, schloss Niyamos das Gespräch. Doch dann schien ihm noch etwas einzufallen: „Noch eine Bitte: Sollte Eure Kollegin oder jemand anderer fragen, warum ich Euch aufgesucht habe, so gebt bitte als Grund Eure illegale Aktivität im Silberwindhain an. Erklärt einfach, ich hätte eine Warnung ausgesprochen, solche Operationen auf fremdem Gebiet in Zukunft zu unterlassen.“
Erneut nickte Tarodastrus. Er ging nicht davon aus, dass jemand so indiskret war, Fragen zu stellen. Das verbot die Mentalität der Vykati.
Mit einem Mal fiel ihm selbst auch noch etwas ein: „Was ist mit Sadothus?“
Schließlich war er ja Teil der Aktion gewesen, dachte Tarodastrus. Es würde mit Sicherheit auffallen, wenn nur er als ausführender Kartograph ermahnt würde und nicht auch der Urheber des ganzen.
Niyamos schien zu stutzen, doch dann schmunzelte er.
„Wenn ich auch zu Eurem Freund ginge, müsste ich ihm erneut einen Ortsbann auferlegen“, erklärte er. „Allerdings ist dieses Mal von seiner Seite ja kein Regelbruch vorgenommen worden. Glaubt mir, ihm wird es lieber sein, wenn nur Ihr die Warnung von mir hört, da Ihr noch bei keiner Gesetzesübertretung aufgegriffen wurdet.“
Tarodastrus nickte ein weiteres Mal kurz, als hätte er verstanden, doch die Worte des Elfen irritierten ihn.
Der Begriff des Ortsbanns war ihm zwar bekannt, aber er hatte sich nie großartig damit beschäftigt. Und was sollte es heißen: „erneut auferlegen“ und „dieses Mal kein Regelbruch“?
Tarodastrus hatte das Gefühl, dass Sadothus ihm etwas verheimlichte.
Er geleitete Niyamos, der seine Kapuze wieder aufgesetzt hatte, zur Tür und verabschiedete sich von ihm mit einem kurzen Nicken.
Ein heller Lichtschein erfüllte für einen Moment die Straße, dann war der Elf verschwunden − vermutlich mit einem Zeitdurchbrechungs-Amulett zurück in das Zentrum der Hellen Magie.
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Als Niyamos abreiste, erhellte ein Blitz für einen kurzen Moment die Straße.
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Tarodastrus' Perspektive
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Rakhatas Perspektive
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Payelos' Perspektive
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Niyamos' Perspektive
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