zurück StartseiteDer Planet AgibaraniaWesen und OrteTitelseiteInhaltsverzeichnisA 17) Der Fremde


Der Fremde
(Payelos' Perspektive)





„Payelos“, krächzte es von oben, als der Magier gerade auf dem Weg zum Elementartempel war, um dort ein Ruheritual abzuhalten. Es war rund eineinhalb Monate nach der überraschend frühen Rückkehr des Lichthüters aus dem Silberwindhain und der Erkenntnis, dass dort irgendwelche merkwürdigen Fluktuationen eine Kartographie verhinderten.

Payelos wandte sich um und sah einen Korvum-Raben mit einem Brief in der Kralle auf sich zukommen.

Automatisch hob er den Arm, um dem Raben einen Landeplatz zu bieten.

Der Vogel streckte ihm den Brief entgegen und erklärte: „Es ist von höchster Wichtigkeit.“ Dann hob er wieder ab und flog von dannen.

Payelos brach das Siegel und entfaltete das Pergament. „Ich habe Hinweise auf eine unerwartete und gefährliche Störung bei Eurem Luftritual festgestellt. Bitte unbedingt Vorsicht walten lassen!“ stand dort in Rakhatas Handschrift geschrieben.

Payelos' Aufmerksamkeit schärfte sich augenblicklich. Eine unvorhergesehene Situation verlangte nach sofortigem Eingreifen!

Anders als beim letzten Mal vor rund zwei Wochen, als Rakhata von dem „außer Kontrolle geratenen Luftritual“ geschrieben hatte und sich den unerwarteten Fortgang ihres Kollegen nicht erklären konnte, deutete diese Nachricht auf eine äußere Einflussnahme hin.



Payelos erkannte Rakhatas Handschrift und wusste sofort, dass er handeln musste.

Irgendjemand hatte den Hüter des Lichtes aus Rakhatas Überwachungsbereich entfernt. Sie hatte keine Möglichkeit mehr, sein Vorgehen zu beobachten. Er war ihrem Zugriff entzogen.

Payelos zog ein kleines Stück Pergament aus seiner Umhängetasche, auf das er mit einer kleinen Feder das Wort „MAGIEABSTURZ“ notierte, und rief einen Korvum-Raben herbei.

„Bringe den Zettel zu Ejantos“, wies er ihn an und eilte dann weiter zum Tempel.



Während der Korvum-Rabe davon flog, eilte Payelos zum Elementartempel und erwartete, dort die ersten Berichte vorzufinden.

Ejantos würde alles weitere in die Wege leiten. Er verfügte über ein fein verzweigtes Netzwerk an Spionen, die den Hüter des Lichtes auf Schritt und Tritt beobachteten. Das Pergament wies ihn nun an, sämtliche Berichte ungefiltert und unverzüglich zu übermitteln − ohne Auswahl und ohne Bewertung. Payelos wusste: Wenn er den Tempel erreichte, würden die ersten Berichte bereits auf ihn warten.

Als vor zwei Wochen Rakhatas Warnung plötzlich bei ihm eintraf, hatte er genauso reagiert. Da hatte sie jedoch geschrieben: „Vorsicht, das Luftritual könnte außer Kontrolle geraten. Der Wind an jenem Platz weht aus unberechenbaren Richtungen!“

Zu jenem Zeitpunkt hatte Payelos noch nicht ganz klar gesehen, was Rakhata ihm hatte mitteilen wollen, doch allein die Tatsache, dass sie einen Korvum-Raben mit einer Nachricht zu ihm geschickt hatte, verhieß nichts Gutes. Somit hatte er die Handlungskette augenblicklich in Gang gesetzt.

Die Berichte, die daraufhin bei ihm eingetroffen waren, waren sehr unbefriedigend gewesen, erinnerte er sich: Der Hüter des Lichts war lediglich zu diesem Paria Sadothus geeilt und wurde dann einige Stunden lang nicht mehr gesichtet. Später war er am magischen Knollenpunkt wieder aufgetaucht, was darauf schließen ließ, dass er aus dessen Studierzimmer heraus zu seinem Ziel aufgebrochen war.

Immerhin hatte der Wächterspitzel später dann genauere Informationen liefern können, da er das Protokoll einsehen konnte, in dem der Hüter des Lichtes seinen Zielort und die besonderen Umstände nannte, die er dort vorgefunden hatte. Demnach wären er und sein Anhängsel zum Silberwindhain aufgebrochen und hätten dort angeblich den geistig zerrütteten jungen Archäologen Murkhus angetroffen.

Es blieben jedoch weiterhin viele Fragen offen, die die Bruderschaft nervös machten, da sie bis jetzt keine Antworten darauf hatte ermitteln können: Was genau hatte den Hüter des Lichtes und der emotionale Überflüssige genau zu jenem Zeitpunkt in den Silberwindhain geführt, als sich der Initiierte Murkhus dort aufhielt? Was genau war mit dem Initiierten dort geschehen, dass sein Geist nachhaltig geschädigt wurde? Waren der Hüter des Lichtes und dieser unkontrollierbare Störfaktor daran beteiligt? Oder war es wirklich nur Zufall, dass sie genau zu jenem Zeitpunkt dort erschienen waren, als Murkhus seinen Geist verlor?

Immerhin hatte die Recherche der Bruderschaft ergeben, dass der Initiierte sich zuvor mehrere Tage in der Bibliothek aufgehalten und nach Informationen über den Silberwindhain gesucht hatte. Die Vermutung lag nahe, dass er damit den Ort jenes Artefakts aufspüren wollte, von dem Rakhata bei ihrem Treffen in den Klüften berichtet hatte.

Doch wieso hatte er sich so intensiv danach erkundigt? Was war dessen Ziel gewesen?

Zum Leidwesen der Bruderschaft, hatte der Initiierte keinen Bericht mehr abgeben können.



Die Recherchen der Bruderschaft hatten ergeben, dass Murkhus einige Tage lang in der Bibliothek nach Informationen über den Silberwindhain gesucht hatte.

Schließlich hatte die Dunkle Rätin Atmaka den Schlüssel des Vergessens über dessen Stirn ziehen müssen, damit dieser die Erinnerung an die Bruderschaft für immer verlor. Die Gefahr einer Aufdeckung wäre zu groß gewesen, hätte Murkhus in seinem Wahn eine Andeutung hinausgeschrien oder zu einem nicht kontrollierbaren Zeitpunkt einen lichten Moment gehabt.

Und jetzt tauchte plötzlich wieder eine Störung im Gefüge auf!

Stand dieses Ereignis mit dem vorherigen in direktem Zusammenhang? Oder häuften sich die Störungen nur scheinbar zufällig? Letzteres hielt Payelos jedoch für äußerst unwahrscheinlich. Daher hoffte er, dass die aktuellen Berichte ein wenig aufschlussreicher waren als die von vor zwei Wochen.



Payelos hoffte, dass die aktuellen Bericht
aussagekräftiger waren als die vom letzten Mal.

Tarodastrus'
Perspektive
Rakhatas
Perspektive
Payelos'
Perspektive
Niyamos'
Perspektive

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