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Rakhata wunderte sich, dass Tarodastrus so lange fort blieb.
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Wer war der Fremde gewesen, der mit dieser tiefen Stimme nach dem Hüter des Lichtes gefragt hatte und nicht vor ihr mit der Sprache herausrücken wollte? Wohin waren er und Tarodastrus verschwunden?
Sorgen machte sie sich nicht um ihren Kollegen. Sollte der Fremde etwas Böses im Schilde führen, würde die Bruderschaft rechtzeitig eingreifen, und dafür sorgen, dass der Fremde einen „zufälligen“ Unfall erlitt.
Aber was hatte es mit den Aktivitäten im Silberwindhain auf sich? Woher wusste er überhaupt davon?
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Rakhata hätte gerne gewusst, wer der Fremde an Tarodastrus' Seite gewesen war.
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Rakhata arbeitet zwar aufgrund ihrer vykatischen Disziplin konzentriert weiter, doch ließ sie ab und zu ihren Blick in Richtung der Tür wandern. Wo blieb Tarodastrus nur?
Als sie schließlich jemanden die Kartographiewerkstatt betreten hörte, war sie erleichtert, als sie ihren Kollegen erkannte.
Wie gewohnt nickte ihr dieser nur zu und setzte sich umgehend an sein Schreibpult.
Rakhata konnte nicht erwarten, dass er ihr erklärte, wer der Fremde gewesen war, und sie durfte auch nicht direkt fragen. Sie konnte nur hoffen, dass die Bruderschaft aufgrund ihrer Nachricht zu näheren Informationen gelangen konnte, die das Auftauchen dieses mysteriösen Fremden erklärten. Allerdings würde sie diese erst bei dem nächsten Treffen in den Klüften erfahren, das in knapp zwei Wochen beim nächsten Vollmond stattfand.
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Rakhata empfand den emotionalen Sadothus als Störfaktor.
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Am Morgen des nächsten Tages erschien unvermittelt Tarodastrus' entsetzliches Anhängsel Sadothus in der Kartographie-Werkstatt. Für gewöhnlich kam er stets dann, wenn er Tarodastrus um einen Gefallen bitten wollte.
Rakhata stöhnte innerlich auf. Sie mochte dieses emotionale Subjekt nicht, zumal er den Hauptanteil daran trug, dass sie keinen Zugang zu ihrem Kollegen fand und den Auftrag der Bruderschaft nicht erfolgreich umsetzen konnte.
Daher ignorierte sie ihn und tat so, als würde sie ihn nicht wahrnehmen.
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Wie vermutet, sprach er in seiner extrem lauten Art und Weise, die ihr gehörig auf die Nerven ging, auch wenn sie dies nie zeigen würde: „Ich habe einen ganz besonderen Auftrag für dich.“
Rakhata lauschte allerdings, ob sich daraus eine wichtige Information für die Bruderschaft ableiten ließ.
„Neue Hinweise lassen mich vermuten, dass unter dem ehemaligen Dualitätstempel in der Nähe des Zentrums der Hellen Magie auf Elfengebiet versiegelte Unterkammern liegen könnten, in denen alte vergessene magische Artefakte aufgehoben werden“, hörte sie ihn in seiner wortreichen Weise sagen.
Natürlich!, dachte Rakhata abfällig, bei diesem Paria ging es immer um vergrabene Artefakte! Etwas anderes interessierte ihn nicht.
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Ohne Unterbrechung fuhr Sadothus fort: „Ich wäre dir dankbar, wenn du einfach mal unverfänglich die Umgebung dort kartographieren könntest. Vielleicht finde ich auf den von dir erstellten Karten die geheimen Zugänge, die auf unseren Karten nicht verzeichnet sind. Ich befürchte jedoch, dass die Arbeit etwas länger dauert, Möglicherweise kannst du auch noch in der Elfenbibliothek nach neuen Informationen forschen, da unsere doch ein wenig veraltet sind. Mit sechs Wochen wirst du allerdings rechnen müssen. Wäre das in Ordnung für dich?“
Rakhata bekam einen Schrecken. Sechs Wochen lang sollte Tarodastrus fort bleiben, ihrer Kontrolle entzogen werden? Das würde die Bruderschaft nicht begeistern.
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Rakhata erschrak, als sie hörte, dass Tarodastrus sechs Wochen lang die Umgebung um den ehemaligen Dualitätstempel kartographieren sollte.
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Vermutlich würde diese aber irgendwelche Spione hinter dem Hüter des Lichtes herschicken, die ihn weiterhin heimlich im Auge behielten. Die Bruderschaft war gut vernetzt, auch wenn die meisten Spitzel keine Ahnung hatten, für wen genau sie arbeiteten.
Doch zunächst stellte sich die Frage: Würde sich ihr Kollege überhaupt darauf einlassen? Anscheinend zeigte er keine große Begeisterung, schloss sie, als Sdothus ergänzte: „Falls du dir Sorgen machen solltest, dass die Elfen dich dort vertreiben, kannst du ihnen sagen, dass der alte Dualitätstempel auch für uns Vykati wichtig ist. Schließlich haben unsere Vorfahren dort ebenfalls die beiden Schöpferwesen Manomar und Manosom angebetet. Das müssten die Elfen eigentlich verstehen, zumal sie wesentlich traditionsbewusster sind als wir Vykati. Also? Übernimmst du den Auftrag?“
Sie wusste nicht, wie Tarodastrus auf diese Frage reagierte, durfte sie doch nicht neugierig hinübersehen. Allerdings lauschte sie nun umso interessierter.
Die Stimme dieses Paria veränderte sich plötzlich und ließ vermuten, dass dieser Auftrag nicht ganz unproblematisch war. Er erklärte ein wenig zögernd: „Es gibt allerdings ein kleines Hindernis. Unsere Aufzeichnungen berichten, dass sich im Gemäuer der Ruine halluzinogene Magie erhalten hat. Insofern wirst du den Hohenmagier oder den Wächter der Gesetze wohl um Erlaubnis bitten müssen, an diesem sensiblen Ort arbeiten zu dürfen.“
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Rakhata wunderte sich darüber, dass Sadothus Tarodastrus aufforderte, mit den Elfen in Kontakt zu treten.
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Tarodastrus sollte Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung aufnehmen? Das war neu, dachte Rakhata verwundert. Gut, es handelte sich dieses Mal um Elfen, also nicht um eines der niedrigeren Völker. Mit Elfen konnte man anständig kommunizieren, was bei den anderen Völkern nicht unbedingt vorausgesetzt werden konnte. Dennoch wunderte sie sich, dass Sadothus ihren Kollegen so offen aufforderte, mit den Elfen in Kontakt zu treten.
Aber das schien nicht das einzige Problem zu sein, nach dem zu schließen, wie dieser Sadothus nun reagierte. Er druckste herum − völlig inakzeptabel für einen echten Vykati, dachte Rakhata missbilligend.
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„Hmm…“, hörte sie ihn sagen. „Und da wäre noch was“, meinte er dann. Schließlich seufzte er tief auf und erklärte eher schleppend: „Wenn eben möglich, solltest du jeglichen Kontakt zu uns unterlassen. Ein Vykati in der Nähe der Elfenstadt wird vermutlich ohnehin schon verdächtig wirken. Wenn du dann noch von uns Nachrichten erhältst oder selbst welche schickst, könnten die Elfen vermuten, dass du für die Vykati spionierst. Ich weiß nicht, wie sie das aufnehmen würden. Meinst du, du kämst mit dieser Abschottung klar?“
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Rakhata stockte der Atem. In welch eine gefährliche Situation schickte dieser Paria ihren Kollegen?
Nicht nur, dass er sechs Wochen nicht mehr unter ihrer Kontrolle stand. Es bestand sogar zu befürchten, dass die Elfen den Hüter des Lichtes bei Verdacht auf Spionage längerfristig einsperrten. Sie hoffte, Tarodastrus würde ablehnen.
Doch zu ihrem Entsetzen schien er zuzustimmen und antwortete in seiner emotionslosen Art: „Ich denke schon. Es wäre ja nur für sechs Wochen.“
Was sollte sie nur der Bruderschaft mitteilen?
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Rakhata sah vor ihrem geistigen Auge schon, wie Tarodastrus in eine Gitterzelle gesperrt wurde, weil die Elfen ihn für einen Spion hielten.
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Es war ausgeschlossen, dass die Bruderschaft Tarodastrus auf Elfengebiet weiter verfolgte. Das durfte auf keinen Fall geschehen − zum Wohle ihres Kollegen! Die Bruderschaft musste akzeptieren, dass der Hüter des Lichtes nun unerreichbar war, da jegliche Verbindung zu anderen Vykati für Tarodastrus höchst bedrohlich werden konnte.
Sechs Wochen, in denen keine Überwachung stattfinden konnte. Ein inakzeptabler Zustand! Sie musste die Bruderschaft informieren!
Kurz, nachdem Sadothus gegangen war, ordnete Tarodastrus seine Unterlagen auf dem Schreibpult und schob sie in eine Schublade. Dann stand er auf und packte seine Tasche, wie er es immer tat, wenn er zu einem Kartographierungsauftraug aufbrach.
Ungeduldig wartete Rakhata darauf, dass er die Werkstatt verließ, denn dann konnte sie ohne Verdacht zu erregen, an Payelos eine Botschaft senden.
Endlich schloss Tarodastrus seine Tasche, nickte ihr zu und ging. Hastig setzte sie sich an ihren Schreibtisch, zog ein neues Pergament aus der Schublade und ging in sich, um sich die richtigen Wote zu überlegen. Kaum hatte sie die Feder angesetzt, als jemand die Kartographie-Werkstatt betrat.
Payelos war gekommen.
Rakhata stand auf und ging ihm erleichtert entgegen. „Gut, dass Ihr kommt, Payelos“, begrüßte sie ihn, „ich hätte Euch sonst eine Nachricht gesandt. Ich habe Euch eine wichtige Einschränkung zu Eurem Luftritual mitzuteilen.“
Sie führte ihn zu ihrem Schreibpult und zog eine Karte Vanavistarias unter einem Stapel mit Pergamenten hervor. Da sie sich schon Gedanken über die Formulierung gemacht hatte, fiel es ihr nun nicht mehr schwer, die Nachricht verschlüsselt mitzuteilen, die sie loswerden musste.
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Rakhata zeigte auf das Zentrum der Hellen Magie.
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Sie sagte: „Der beste Zeitpunkt zur Durchführung Eures Luftrituals wird in ungefähr 42 Tagen sein. Der geeignetste Ort ist hier.“ Dabei zeigte sie auf das Zentrum der Hellen Magie.
Nicht ohne Absicht hatte sie die von Sadothus genannten sechs Wochen gegen „42 Tage“ ausgetauscht. So wollte sie einen direkten Zusammenhang zwischen den von Sadothus genannten sechs Wochen und den an Payelos weitergegebenen Zeitraum umgehen.
Payelos blickte ihr direkt in die Augen. Hatte er verstanden was sie ihm sagen wollte?
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Ohne auf ihre Mitteilung einzugehen, fragte er jedoch: „Habt Ihr zu der Störung, vor der Ihr mich gestern gewarnt habt, noch mehr Informationen sammeln können? Mir sind keine Störungen aufgefallen.“
Er wollte also wissen, ob sie ihm noch weitere Informationen zu dem merkwürdigen Fremden geben konnte, da die Spione offenbar zu wenig Anhaltspunkte liefern konnten. Aber sie hatte ihn ja selbst kaum zu Gesicht bekommen, so eingehüllt wie dieser in seinem Kapuzenmantel gewesen war. Daher schüttelte sie den Kopf und entgegnete: „Es war alles sehr unklar. Es gab lediglich Hinweise darauf, dass eine Störung vorlag.“
Payelos schien mit dieser Antwort nicht zufrieden zu sein. Allerdings ließ er es sich nicht anmerken, sondern kehrte zur heutigen Mitteilung zurück: „Aber Ihr seid der Meinung, dass ich das nächste Luftritual erst in 42 Tagen an diesem Platz durchführen sollte?“
„Nein!“ Rakhata schüttelte heftig den Kopf. Die Bruderschaft sollte um gar nichts in der Welt Tarodastrus auf dem Elfengebiet verfolgen. Sadothus, so verachtenswert er auch war, hatte sich unmissverständlich ausgedrückt, dass es für ihren Kollegen äußerst gefährlich werden könnte, sollte er Kontakt zu anderen Vykati haben.
Daher sagte sie mit deutlicher Bestimmtheit: „Ich hatte gesagt, der Platz sei am geeignetsten. Aber der Weg dorthin ist so gefährlich, dass ich nicht garantieren kann, dass Ihr dort heil ankommt. Die Gefahr eines Absturzes ist viel zu hoch. Am besten bleibt ihr hier und ich suche nach einem neuen Platz, an dem Ihr dann später das Luftritual durchführen könnt.“
Sie hoffte, Payelos hatte die Dringlichkeit verstanden, Tarodastrus auf dem Elfengebiet unbehelligt zu lassen.
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Rakhata machte sehr deutlich klar, dass die Bruderschaft Tarodastrus auf keinen Fall ins Elfengebiet folgen durfte.
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Tarodastrus' Perspektive
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Rakhatas Perspektive
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Payelos' Perspektive
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Sadothus' Perspektive
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