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Der Auftrag





Gleich, nachdem Niyamos verschwunden war, machte sich Tarodastrus umgehend auf den Weg. Doch führte ihn dieser nicht direkt zurück zur Kartographiewerkstatt, sondern zunächst zu Sadtohus’ Studierzimmer.

Sein Freund stand über einige Karten gebeugt an seinem Schreibtisch.

Als er Tarodastrus ins Zimmer treten hörte, schaute er auf und rief begeistert: „Ah, gut dass du kommst! Ich habe möglicherweise ein magisches Artefakt auf dem Gebiet der Moorgeister entdeckt. Ich muss mir die Gegend erst noch ansehen, bevor ich sie kartographieren lasse. Hast du Lust mitzukommen?“

Tarodastrus schüttelte den Kopf: „Nein. Du hast dazu ohnehin keine Zeit.“



Tarodastrus fand Sasdothus stehend über einige Karten gebeugt vor.

Mit erhobenen Augenbrauen schaute Sadothus seinen Freund irritiert an. Noch nie hatte Tarodastrus ihn von der Suche abgehalten. Vermutlich war er über die Antwort mehr als überrascht, dachte Tarodastrus.

„Zum einen soll dir kein weiterer Ortsbann aufgebrummt werden“, erklärte er und beobachtete die Reaktion seines Freundes genau.

Sadothus erstarrte. Er wurde sogar ein wenig blasser, meinte Tarodastrus zu erkennen. Mit diesen Ortsbannen musste es wahrlich eine besondere Bewandtnis haben, ging es Tarodastrus durch den Kopf, wenn sein Freund so extrem darauf reagierte.

Um ihn aber nicht länger zu quälen als unbedingt nötig, fuhr er schnell fort: „Zum anderen brauche ich umgehend deine Hilfe, ohne dass ich dir erklären kann, worum es genau geht.“

Diese mysteriöse Ansage lenkte Sadothus wie beabsichtig von seinem Schrecken ab. Er setzte sich aufrecht hin und hob, diesmal neugierig, erneut die Augenbrauen.



Tarodastrus erklärte, dass er ins Zentrum der Hellen Magie reisen musste, ohne dass jemand davon erfahren durfte.

„Ich muss übermorgen ins Zentrum der Hellen Magie reisen und dort für einige Wochen bleiben“, erklärte Tarodastrus weiter. „Niyamos, der Oberste Wächter der Gesetze, hat mich heute dorthin beordert. Es darf niemand davon erfahren. Ich benötige von dir einen Scheinauftrag.“

Tarodastrus wartete auf eine Reaktion.

Sadothus ließ sich in seinem Sitz zurückfallen und verzog das Gesicht. „So so, Niyamos war bei dir“, sagte er resigniert. „Und der hat dir vermutlich von den Ortsbannen erzählt, oder?“

Tarodastrus nickte. „Offiziell hat er mich wegen der Aktion im Silberwindhain abgestraft. Inoffiziell war er wegen der Einladung ins Zentrum der Hellen Magie bei mir. Er wollte allerdings nicht auch zu dir gehen, sonst hätte er dir einen neuen Ortsbann auflegen müssen. Du scheinst kein unbeschriebenes Blatt bei den Elfen zu sein.“

Interessiert hob Tarodastrus eine Augenbrauen hoch und hoffte, dass Sadothus ihm eine weitere Erklärung liefern würde.

Dieser druckste ein wenig herum und meinte dann: „Nun ja, das eine oder andere Mal bin ich bei meinen Aktivitäten auf fremdem Gebiet schon erwischt worden und saß dann zur Strafe eine Zeitlang hier in der Reichsglorie fest, ohne weiter auf die Jagd gehen zu können.“

Tarodastrus spürte, dass Sadothus dieses Thema äußerst unangenehm war und so lenkte er dessen Aufmerksamkeit wieder auf den eigentlichen Grund seines Besuches.

„Du hättest jetzt die Chance, offiziell ein Gebiet im Zentrum der Hellen Magie erforschen zu lassen. Fällt dir eines ein?“, fragte er sachlich.



Sadothus gab zu, dass er schon hin und wieder mit einem Ortbann belegt worden war.

Die Ablenkung gelang erneut. Sadothus setzte eine nachdenkliche Miene auf und entgegnete: „Es gibt da tatsächlich etwas, was mich schon längere Zeit interessiert. Aber bevor ich dir nähere Informationen dazu gebe, lass mich noch mal ein wenig recherchieren. Ich werde dich morgen früh in deiner Werkstatt aufsuchen und dir im Beisein von Rakhata den offiziellen Auftrag zur Kartographie geben. Wenn ich richtig liege, wird dich die Arbeit dort einige Wochen lang beschäftigen. Falls sich also ein Kunde wundert, warum du so lange aus der Reichsglorie verschwunden bist, kann Rakhata ihn aufklären, ohne dass es zu Irritationen kommt.“

Tarodastrus fühlte sich in seiner Einschätzung bestätigt. Auf seinen Freund konnte er sich stets verlassen. Und wie er Niyamos angedeutet hatte, stellte Sadothus auch keine Fragen. Ihm reichte seine Mitteilung, dass er nicht befugt war, weitere Informationen zu liefern.

Dankbar neigte Tarodastrus kurz den Kopf. Dann fiel ihm noch etwas ein: „Niemand darf erfahren, dass ich mich dort aufhalte. Du und Rakhata dürft auf keinen Fall mit mir in Kontakt treten. Fällt du dir dazu auch etwas ein?“

Sadothus schaute ein wenig überrascht, nickte aber dann.

„Bestimmt“, sagte er zuversichtlich.

Tarodastrus senkte erneut einmal kurz den Kopf, um sich zu verabschieden. Dann trat er endlich den Weg zurück zur Kartographie-Werkstatt an.



Tarodastrus dachte über die Bedrohung nach, die ihn im Zentrum der Hellen Magie erwarten würde.

Tief in Gedanken versunken kam er an seinem Ziel an. Was war so bedrohlich, dass weder die Vykati in der Reichsglorie noch die Elfen in der Hauptstadt Vanavistarias erfahren durften, dass sich der Hüter des Lichtes dort aufhalten würde?

Als Tarodstrus die Werkstatt betrat, saß Rakhata an ihrem Schreibtisch, blickte aber auf und nickte ihm grüßend zu.

Vermutlich fragte sie sich, wer der Fremde gewesen und warum ihr Kollege so lange fortgeblieben war. Aber die vykatianische Zurückhaltung gebot ihr, sich das nicht anmerken zu lassen.

Bisweilen hatten die Prinzipen seines Volkes wirklich ihre guten Seiten, dachte Tarodastrus.

Somit setzte er sich nach Erwiderung ihres Nicken an seinen Schreibtisch und nahm ohne ein weiteres Wort der Erklärung seine Arbeit wieder auf. Er war gespannt, mit welchem Auftrag Sadothus ihn in das Zentrum der Hellen Magie schicken würde.

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Am nächsten Morgen erschien, wie angekündigt, Sadothus in der Kartographie-Werkstatt und trat mit einem breiten Lächeln zu ihm an das Schreibpult.

„Ich habe einen ganz besonderen Auftrag für dich“, sagte er laut, damit Rakhata auch wirklich alles mitbekam. „Neue Hinweise lassen mich vermuten, dass unter dem ehemaligen Dualitätstempel in der Nähe des Zentrums der Hellen Magie auf Elfengebiet versiegelte Unterkammern liegen könnten, in denen alte vergessene magische Artefakte aufgehoben werden. Ich wäre dir dankbar, wenn du einfach mal unverfänglich die Umgebung dort kartographieren könntest. Vielleicht finde ich auf den von dir erstellten Karten die geheimen Zugänge, die auf unseren Karten nicht verzeichnet sind. Ich befürchte jedoch, dass die Arbeit etwas länger dauert, Möglicherweise kannst du auch noch in der Elfenbibliothek nach neuen Informationen forschen, da unsere doch ein wenig veraltet sind. Mit sechs Wochen wirst du allerdings rechnen müssen. Wäre das in Ordnung für dich?“



Sadothus forderte Tarodastrus auf, die Gegend rund um den ehemaligen Dualitätstempel nahe des Zentrums der Hellen Magie zu kartographieren.

Tarodastrus war beeindruckt, wie schnell Sadothus einen Auftrag finden konnte, der zum einen eine solch lange Zeitspanne umfasste und zum anderen auch noch so gestaltet war, dass Rakhata keinen Verdacht schöpfen würde. Sadothus hatte magische Artefakte in den Vordergrund gestellt, hinter denen er in der Regel herjagte.

Bevor er jedoch antworten konnte, fuhr Sadothus schon fort: „Falls du dir Sorgen machen solltest, dass die Elfen dich dort vertreiben, kannst du ihnen sagen, dass der alte Dualitätstempel auch für uns Vykati wichtig ist. Schließlich haben unsere Vorfahren dort ebenfalls die beiden Schöpferwesen Manomar und Manosom angebetet. Das müssten die Elfen eigentlich verstehen, zumal sie wesentlich traditionsbewusster sind als wir Vykati. Also? Übernimmst du den Auftrag?“

Tarodastrus tat so, als würde er zögern. Doch schließlich nickte er − innerlich amüsiert über Sadothus' Darbietung. Es musste auf Rakhata tatsächlich so wirken, als sei Sadothus derjenige, der ihn drängte, den Auftrag anzunehmen.



Sadothus wies darauf hin, dass sich im Gemäuer halluzinogene Magie erhalten hat.

„Es gibt allerdings ein kleines Hindernis“, fügte Sadothus nun hinzu und wirkte so, als habe er ein schlechtes Gewissen. Tarodastrus befrüchtete schon Schlimmes, als dieser ergänzte: „Unsere Aufzeichnungen berichten, dass sich im Gemäuer der Ruine halluzinogene Magie erhalten hat. Insofern wirst du den Hohenmagier oder den Wächter der Gesetze wohl um Erlaubnis bitten müssen, an diesem sensiblen Ort arbeiten zu dürfen.“

Tarodastrus war erleichtert und beeindruckt zugleich. Das schlechte Gewissen war also nur gespielt, um den Kontakt zu den Zauberweisen zu erklären. Sadothus war wirklich einmalig!

Nun druckste sein Freund jedoch ein wenig herum. Kam jetzt doch noch ein reales Hindernis?, fragte sich Tarodastrus besorgt.

Schließlich meinte Sadothus zögernd mit einem äußerst bedenklichen Gesicht: „Hmm... Und da wäre noch was.“ Er seufzte tief auf: „Wenn eben möglich, solltest du jeglichen Kontakt zu uns unterlassen. Ein Vykati in der Nähe der Elfenstadt wird vermutlich ohnehin schon verdächtig wirken. Wenn du dann noch von uns Nachrichten erhältst oder selbst welche schickst, dann könnten die Elfen vermuten, dass du für die Vykati spionierst. Ich weiß nicht, wie sie das aufnehmen würden. Meinst du, du kämst mit dieser Abschottung klar?“

Tarodastrus musste sich extrem zusammenreißen, um seine Erleichterung nicht nach außen dringen zu lassen und stattdessen so zu tun, als müsse er darüber erst noch nachdenken.

Sadothus hatte seine Aufgabe voll und ganz erfüllt. Er hatte jede Information, die Tarodastrus ihm gegeben hatte, in seinen Auftrag eingearbeitet.

Rakhata musste annehmen, dass Sadothus ihn jetzt auf eine sehr gefährliche Mission schickte − und zog vermutlich nicht den Schluss, dass dieser Auftrag mit dem Besuch vom Vortag zusammenhing. Sadothus war wirklich ein Meister im Erzählen von Geschichten!

Endlich nickte Tarodastrus und meinte: „Ich denke schon. Es wäre ja nur für sechs Wochen.“



Tarodastrus erklärte sich bereit,
Sadothus' angeblichen Auftrag anzunehmen.

Tarodastrus'
Perspektive
Rakhatas
Perspektive
Payelos'
Perspektive
Sadothus' Perspektive

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