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Seit Tarodastrus vor zwei Wochen diesen merkwürdigen Aussetzer hatte, der ihn ohne weitere Erklärung eilig aus der Kartographie-Werkstatt getrieben hatte, hielt Rakhata ihn noch mehr im Auge als sonst. Sein Verhalten an jenem Tag war so außergewöhnlich und unerklärlich gewesen, dass sie ein Geheimnis dahinter vermutete, das es zu ergründen galt.
Inzwischen hatte sie von der Bruderschaft erfahren, dass ihr Kollege sich an jenem Tag zusammen mit seinem Anhängsel Sadothus zum Jada-Schrein begeben und dort Murkhus geistig zerrüttet aufgefunden hatte.
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Rakhata hielt ihren Kollegen seit dem Vorfall vor zwei Wochen besonders scharf im Auge.
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Doch wieso war er dort hingereist? Warum war er freiwillig an den Ort mit den Magisch-Induzierten Topographischen Fluktuationen zurückgekehrt? War es Zufall gewesen, der ihn genau zu jenem Zeit an diese Stelle geführt hatte, als sich auch Murkhus dort befand? Hatte Murkhus' geistiger Zustand etwas mit den MITF zu tun? Oder waren gar Tarodastrus oder dieses verachtenswerte Subjekt Sadothus daran Schuld?
Die Bruderschaft hatte alles versucht, Murkhus' Geist zu ordnen, um zu erfahren, was diesen auf das Waldgeistergebiet getrieben hatte und was ihm dort zugestoßen war. Doch jeglicher Heilungsversuch war vergebens. Der Geist des jungen Vykati blieb zerrüttet.
Schließlich hatte Atmaka, eine der drei Dunklen Räte der Bruderschaft, den Schlüssel des Vergessens über seine Stirn ziehen müssen, damit gewährleistet war, dass er die Bruderschaft vollkommen vergaß, selbst wenn sein Geist eines Tages wieder von alleine den Weg in die Realität zurückfinden würde.
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Tarodastrus war nach seinem Aufenthalt im Silberwindhain einfach wieder ohne Erklärung an seine Arbeit zurückgekehrt.
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Tarodastrus war später, nach seinem Aufenthalt im Silberwindhain, einfach zu seinen Arbeiten zurückgekehrt, hatte keinerlei Erklärung für sein seltsames Verhalten geliefert, keinen Bericht verfasst und überhaupt so getan, als sei nichts geschehen.
Als gute Vykati stand es Rakhata nicht zu, nachzufragen, und als echtem Vykati war es Tarodastrus auch nicht gestattet, unnötigerweise etwas zu erklären. Dennoch hätte sie gerne eine einleuchtende Erläuterung für dieses abnormale Verhalten bekommen. Da dies nicht geschah, fühlte sie sich − schon allein wegen der Bruderschaft − dazu genötigt, ihren Kollegen im Auge zu behalten, damit sie entweder bei einem problematischem Verhalten direkt gegensteuern konnte, oder hinter das mögliche Geheimnis kam, das mit diesem Vorfall in Verbindung stand.
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An diesem Morgen war sie frühzeitig in die Kartographie-Werkstatt gekommen und hatte rasch die Aufzeichnungen von Tarodastrus durchgesehen, ob etwas Bedeutsames darunter war. Allerdings fand sie nur Notizen zu Routinearbeiten.
Als Tarodastrus erschien, saß sie schon längst an ihrem Schreibpult und hatte ihre eigenen Arbeiten begonnen.
Man nickte sich gegenseitig begrüßend zu und ging dann seinen Beschäftigungen nach.
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Plötzlich öffnete sich die Tür und ein älterer Herr trat hindurch, der sich neugierig umsah.
Rakhata fiel sofort auf, dass der Fremde seine Kapuze nicht absetzte, ein äußerst unhöfliches Verhalten.
Tarodastrus schien dies ähnlich zu empfinden, denn er begrüßte den Fremden mit sehr reserviertem Tonfall: „Guten Tag, kann ich etwas für Euch tun?“
Da sich Tarodastrus um ihn kümmerte, wandte sich Rakhata wieder ihrer Arbeit zu, blieb aber mit ihren Ohren am Geschehen.
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Rakhata fiel sofort auf, dass der Fremde seine Kapuze nicht abnahm.
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Der Fremde antwortete mit einer tiefen Bassstimme: „Guten Tag. Ich bin auf der Suche nach Tarodastrus, dem Hüter des Lichtes, und mir wurde gesagt, dass er hier arbeitet.“
Welch eine distanzlose Frage, dachte Rakhata abschätzig. Und wie erwartet, erfolgte die eisige Antwort von Tarodastrus: „Ich glaube, Ihr geht besser wieder.“
Sie kannte die abweisende Art ihres Kollegen, wenn er auf sein außergewöhnliches Amt angesprochen wurde. Daher hätte jede andere Antwort sie überrascht.
Sie rechnete damit, dass sich die Schritte des Fremden entfernten, doch stattdessen schob er nach: „Es geht um seinen Aufenthalt im Silberwindhain vor zwei Wochen.“
Nun wurde Rakhata hellhörig. Würde sie nun endlich etwas mehr über diesen seltsamen Tag erfahren?
Sie bemerkte, wie die Aussage des Fremden auch bei Tarodastrus etwas auslöste. Denn anstatt sich wieder an sein Schreibpult zu setzen, hörte sie, wie er sich erneut dem Fremden zuwandte und mit kühler Stimme fragte: „Warum sucht ihr ihn?“
Rakhata tat zwar so, als würde sie konzentriert arbeiten, doch in Wirklichkeit lauschte sie nun mit voller Aufmerksamkeit dem Gespräch. Vielleicht würde sich ihr nun das Geheimnis offenbaren, das mit diesem Tag in Verbindung stand.
Doch statt einer Antwort auf diese Fragen wollte der Fremde nun wissen: „Seid Ihr Tarodastrus?“
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Rakhata lauschte genau, was zwischen Tarodastrus und dem Fremden gesprochen wurde.
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Mit gespitzten Ohren rechnete sie mit einer entsprechend kühlen Antwort ihres Kollegen. Doch entgegen ihrer Erwartung vernahm sie die leise gesprochenen Worte des Fremden: „Können wir irgendwo reden, wo niemand uns belauschen kann?“
Rakhata musste all ihre Selbstdisziplin aufweisen, um sich nicht umzudrehen und sich nicht anmerken zu lassen, dass sie hoch alarmiert war. Sie hatte nun den Beweis, dass Tarodastrus tatsächlich in etwas Geheimen verwickelt war. Nur leider hatte sie nicht den Hauch einer Ahnung, was genau das war.
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Umso verwirrter war sie, als sie Tarodastrus abweisende Antwort hörte: „Meine Kollegin ist verschwiegen. Ihr könnt offen vor ihr reden.“
Das passte nun so gar nicht zu etwas Verborgenem, in das Tarodastrus involviert sein sollte. Was ging hier nur vor?
Ein kurzes Zögern, dann die leise Antwort des Fremden: „Nein, das geht nicht. Das, was ich Euch zu sagen habe, ist ausschließlich für Eure Ohren bestimmt.“
Sie wartete auf eine Reaktion von Seiten ihres Kollegen, doch es kam nichts. War er wieder erstarrt, wie an jenem Tag? Mit Anspannung lauschte sie auf jedes kleine Geräusch, doch es blieb still. Sie hatte sich gerade dazu durchgerungen, sich doch zu ihm umzuwenden, als sie seine Schritte vernahm, die sich auf die Tür zubewegten. Der Fremde war ihm dicht auf den Fersen.
Als die Tür hinter den beiden ins Schloss fiel, eilte sie geduckt zum Fenster, um zu sehen, was draußen vor sich ging. Es war ein so außerordentlicher Zwischenfall, dass sie wissen musste, was es damit auf sich hatte. Sie musste die Bruderschaft informieren!
In dieser Situation konnte sie auf die vykatianischen Sitten keine Rücksicht nehmen. Hier war Neugier Pflicht.
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Sie beobachtete heimlich, wie die beiden Männer draußen standen. Das Gesicht ihres Kollegen zeigte Gereiztheit, die er nicht vollkommen unterdrücken konnte.
Leider konnte sie nicht verstehen, was die beiden auf dem Platz vor der Kartographie-Werkstatt miteinander sprachen, da die Fenster geschlossen waren. Eines heimlich zu öffnen, wäre zu riskant gewesen. Tarodastrus wusste nicht, dass sie ihn ausspionierte. Dies hätte ihn auf ihre Fährte locken können.
Insofern konnte sie die beiden Männer nur beobachten, nicht belauschen.
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Rakhata beobachtete Tarodastrus und den Fremden heimlich durchs Fenster.
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Der Fremde raunte ihrem Kollegen etwas zu, woraufhin dieser verzögert nickte. Dann schritten beide von dannen.
Rakhata eilte an ihren Schreibtisch und nahm ein neues Pergament. Sie ging kurz in sich, um über die Worte nachzudenken, die sie nun schreiben wollte. Dann tauchte sie die Feder ins Tintenfass und kritzelte hastig die Worte: „Ich habe Hinweise auf eine unerwartete und gefährliche Störung bei Eurem Luftritual festgestellt. Bitte unbedingt Vorsicht walten lassen!“
Sie faltete das Pergament zusammen und versiegelte es. Dann trat sie vor Tür und rief mit halblauter Stimme: „Maheravo Korvum-Rabe!“
Ungeduldig wartete sie auf den Botenvogel und bot ihm ihren Unterarm als Landeplatz an, als sie ihn endlich kommen sah.
„Bringe diesen Brief umgehend zu Payelos, dem Elementarmagier“, sagte sie. „Es ist von höchster Wichtigkeit!“
Als der Vogel abhob, um davon zu fliegen, kehrte Rakhata umgehend in die Werkstatt zurück. Mehr konnte sie nicht tun.
Was nun folgen würde, lag nicht mehr in ihren Händen.
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Rakhata schickte einen Korvum-Raben mit einer dringenden Nachricht zu Payelos.
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Tarodastrus' Perspektive
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Rakhatas Perspektive
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Payelos' Perspektive
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Niyamos' Perspektive
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