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Hariphor hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, seinen Tag mit der Kontrolle des magischen Knotenpunktes im Herzen des Silberwindhains zu beginnen. Dort spürte er den Lebensströmen des Waldes nach und überprüfte, ob die Energien der fünf großen Baumarten Vanavistarias weiterhin harmonisch miteinander verwoben waren: die kräftigen und widerstandsfähigen Jada-Eichen, die empfindsamen Bimara-Buchen, die heilenden Paventa-Birken, die nussreichen Akharota-Eschen und die sirupliefernden Rasada-Ahorne.
Ebenso achtete er darauf, dass die Verbindung zwischen den magischen Knotenpunkten des Waldes ungestört blieb.
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Hariphor begann seinen Tag stets mit der Kontrolle des magischen Knotenpunkts mitten im Silberwindhain.
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Schon kleinste Veränderungen konnten auf beginnende Störungen hindeuten − Risse im Gefüge der Magie oder eine Abschwächung der natürlichen Ströme, die sein Eingreifen erforderlich machten.
Doch heute war alles im Gleichgewicht.
Nachdem er sich von der grundlegenden Gesundheit des Silberwindhains überzeugt hatte, begann seine eigentliche Aufgabe. An einem Tag führte ihn sein Weg zum westlichen Rand des Waldes, am nächsten zum östlichen. Mit bedächtigen Schritten wanderte er von Baum zu Baum, prüfte ihren Zustand und entfernte verdorrte Äste oder welke Blätter, damit Krankheiten und Schädlinge keinen Ansatzpunkt fanden.
Während seiner Wanderungen ruhten seine Sinne stets auf den Spuren der Waldbewohner. Jede ungewöhnliche Bewegung, jede verletzte Kreatur oder jede Veränderung im natürlichen Gleichgewicht konnte ein Zeichen dafür sein, dass seine Hilfe benötigt wurde.
An diesem Tag hatte ihn sein Weg nach Westen geführt. Besonders freute er sich darauf, Vanakara zu begegnen, deren Waldhütte nicht weit vom Jada-Schrein, dem großen Heiligtum der Waldgeister, entfernt lag. Er mochte die junge Tierheilerin, die eine außergewöhnliche Verbindung zu den Geschöpfen des Waldes besaß und über ein beeindruckendes Wissen um die heilenden Kräfte der Pflanzen verfügte.
Insgeheim bewunderte er sie für ihr tiefes Verständnis der Natur und des Zusammenspiels aller Lebewesen.
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Hariphor freute sich auf das Zusammentreffen mit Vanakara.
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Auch er besaß als Waldhüter ein umfassendes Wissen über die Kreisläufe des Waldes und die feinen Verbindungen zwischen seinen Bewohnern. Dennoch hatte er oft das Gefühl, dass er von dieser jungen Waldgeistfrau noch vieles lernen konnte.
Trotz ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten begegnete Vanakara ihm stets mit einer angenehmen Bescheidenheit. Sie stellte ihr Wissen niemals über das anderer und gab ihm immer das Gefühl, dass sie nicht als Schülerin und Lehrer miteinander sprachen, sondern als Gleichgestellte, die voneinander lernen konnten.
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Als Hariphor gerade die Ursache für einen welken Ast an einem Rasada-Ahorn untersuchte, spürte er plötzlich etwas an seiner Wade. Ein sanfter Stups − gefolgt von einem schnatternden Geräusch.
„Nanu?“, meinte er mit einem milden Lächeln und blickte nach unten. „Was führt dich denn zu mir, kleines Eulenbärchen?“
Das Tier schnatterte noch einmal, drehte sich um und hoppelte davon. Hariphor sah ihm schmunzelnd nach, wandte sich dann aber wieder dem Rasada-Ahorn zu.
Kaum hatte er seine Untersuchung fortgesetzt, hörte er hinter sich erneut ein Rascheln. Kurz darauf spürte er wieder einen Stups gegen seine Wade.
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„Ach, da bist du ja wieder“, sagte er grinsend. „Was möchtest du mir denn sagen?“
Das Eulenbärchen schnatterte, als hätte es seine Frage beantwortet, und lief erneut davon.
Kopfschüttelnd wandte sich Hariphor wieder dem Baum zu.
Ein drittes Mal stupste ihn das Tier an.
Langsam verlor der Waldhüter seine Geduld.
„Hör mal“, sagte er und blickte das Eulenbärchen mit leicht gerunzelter Stirn an. „Falls du nach Akharota-Nüssen suchst: Ich habe keine dabei. Und außerdem solltest du wissen, dass dies ein Rasada-Ahorn ist.“
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Hariphor wurde von einem Eulenbärchen an der Wade angestupst.
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Er deutete auf den Baum, als müsse er dem Tier diese offensichtliche Tatsache erklären. Das Eulenbärchen schnatterte kurz, machte kehrt und hoppelte wieder davon.
Mit einem leisen Seufzen wandte sich Hariphor erneut dem Ahorn zu.
Doch kaum hatte er sich wieder auf den welken Ast konzentriert, spürte er abermals den vertrauten Stups an seiner Wade.
„Also langsam reicht es“, rief er nun mit deutlich gereizterer Stimme. „Ich versuche hier, meine Arbeit zu erledigen. Kannst du nicht jemand anderen ärgern?“
Das Eulenbärchen ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Es schnatterte erneut und hoppelte davon − blieb aber nach wenigen Schritten stehen und blickte zurück.
Wieder schnatterte es.
Dann machte es drei weitere Sprünge, hielt erneut inne und sah Hariphor erwartungsvoll an.
Noch einmal ertönte das charakteristische Schnattern.
Da ging dem Waldhüter plötzlich ein Licht auf.
„Hat dich Vanakara geschickt?“, fragte er.
Das Eulenbärchen legte den Kopf schief, als würde es über diese Frage nachdenken, und schnatterte erneut.
Hariphor betrachtete es aufmerksam.
„Soll ich dir folgen?“, fragte er und machte einen Schritt auf das Tier zu.
Das Eulenbärchen antwortete mit einem weiteren Schnattern, drehte sich um und hoppelte wieder ein Stück davon. Nach einigen Schritten blieb es erneut stehen und sah zurück.
„Nun gut“, meinte Hariphor seufzend. „Ich glaube, ich habe verstanden.“
Er hoffte, dass er tatsächlich richtig lag und nicht ohne Grund seine tägliche Routine unterbrach. Doch die Beharrlichkeit des kleinen Tieres ließ ihn vermuten, dass es sich um etwas Wichtiges handeln musste.
Mit schnellen Schritten folgte er dem Eulenbärchen, das ihn auf direktem Weg zu Vanakaras Waldhütte führte.
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Hariphor erfuhr durch Vanakara von einem Vykati, der sich im Jada-Schrein aufhielt.
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Als Hariphor die Hütte betrat, empfing Vanakara ihn mit einem besorgten Blick. Ohne lange Umschweife begann sie zu erzählen: von dem Vykati, dem sie am Vormittag begegnet war, und davon, dass dieser den Auftrag erhalten hatte, den Jada-Schrein zu kartographieren.
Während ihrer Erzählung spürte Hariphor, wie sich Entsetzen und Zorn in ihm ausbreiteten. Was erlaubte sich dieses Volk? Was hatten die Vykati überhaupt auf dem Gebiet der Waldgeister zu suchen?
„Wie haben die Vykati von dem Artefakt erfahren?“, fragte er schließlich irritiert.
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Vanakara zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß es nicht“, gestand sie. „Aber er konnte den Jada-Schrein erstaunlich genau beschreiben, einschließlich der, wie er es nannte, ‚geheimnisvollen Atmosphäre‘ dort.“
Hariphor runzelte die Stirn.
„Wie bist du überhaupt mit ihm ins Gespräch gekommen?“, fragte er.
Dabei dachte er unwillkürlich an all die Geschichten, die sich die Waldgeister über die Vykati erzählten: Geschichten über ein Volk, das rücksichtslos seinen Willen durchsetzte und andere Wesen ohne Zögern unterwarf. Besorgt musterte er Vanakara.
„Er hat mich nach dem Weg zum Jada-Schrein gefragt“, antwortete sie leise.
Hariphor starrte sie verwirrt an.
„Also kannte er den Schrein nicht wirklich?“, fragte er. Dann wurde sein Blick eindringlicher. „Hat er dich gezwungen, ihn dorthin zu führen?“
Er betrachtete sie aufmerksam. Sie wirkte nicht wie jemand, der Gewalt oder Zwang erfahren hatte. Dennoch wollte er sicher sein. Zu oft hatten die Vykati bewiesen, dass sie über Mittel verfügten, die andere Völker nicht einmal erahnen konnten.
Er musste es von ihr selbst hören.
Vanakara schüttelte traurig den Kopf und ließ die Schultern sinken.
„Nein“, sagte sie leise. „Er hat mich nicht gezwungen. Da er den Jada-Schrein so genau beschreiben konnte, bin ich davon ausgegangen, dass die Vykati ohnehin bereits davon wussten.“
Hariphor brauchte einen Moment, um ihre Worte zu verstehen.
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„Und deshalb hast du ihn in das Heiligtum geführt?“, fragte er ungläubig.
Vanakara war sonst so umsichtig, so klug und bedacht.
War es möglich, dass dieser Vykati sie tatsächlich beeinflusst hatte? Dass er ihre Gedanken gelenkt hatte, ohne dass sie es bemerkt hatte? Bei diesem Volk war vieles möglich.
Doch Vanakara nickte nur stumm und seufzte.
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Hariphor war entsetzt über das, was Vanakara getan hatte.
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„Ja, leider“, sagte sie schließlich zögernd. „Allerdings bin ich mir sicher, dass der Vykati den Weg später ohnehin gefunden hätte, vermutlich mithilfe des anderen Vykati, der ihm den Auftrag zur Vermessung gegeben hatte.“
Sie hob den Blick und sah Hariphor unsicher an, als würde sie bereits seine Reaktion fürchten.
Zunächst traf ihn dieses Geständnis wie ein Schlag. Vanakara schien diese Entscheidung aus freien Stücken getroffen zu haben, weder gezwungen noch manipuliert. Nach allem, was sie erzählt hatte, hatte sie den Vykati tatsächlich bewusst zum Jada-Schrein geführt.
Wie konnte sie nur so naiv sein und diesem mächtigen Wesen den Zugang zu ihrem Heiligtum ermöglichen?
Zorn stieg in ihm auf. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Hatte sie überhaupt bedacht, welche Folgen ihr Handeln haben konnte? Ausgerechnet Vanakara, die sonst so viel Umsicht und Weitblick bewies, hatte in diesem Moment scheinbar völlig unbedacht gehandelt.
Doch je länger er darüber nachdachte, desto mehr musste er ihr widerwillig zustimmen. Früher oder später hätte der Vykati vermutlich ohnehin einen Weg zum Jada-Schrein gefunden.
Daher fragte er, nun deutlich ruhiger: „Was hast du dir erhofft, als du ihn zum Jada-Schrein geführt hast?“
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Hariphor wollte verstehen, warum Vanakara den Vykati in den Jada-Schrein geführt hatte.
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Vanakara seufzte erneut und antwortete: „Ich dachte, wenn ich ihm die Sternenblumen zeige, würde er erkennen, wie wichtig das Artefakt für den Jada-Schrein ist. Und für einen Moment hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass es funktioniert hatte. Aber letztendlich ließ er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er wollte die Kartographierung trotzdem durchführen.“
Hariphor versank in Gedanken. Es war unwahrscheinlich, dass der Vykati die Vermessung bereits abgeschlossen hatte.
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Ein Waldgeist-Kartograph hatte ihm einst erklärt, dass sich der Jada-Schrein einer gewöhnlichen Erfassung entzog. Jede Messung lieferte andere Werte. Egal, wie oft man versuchte, denselben Punkt zu bestimmen, das Ergebnis war niemals identisch.
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Selbst ein Vykati mit seiner gewaltigen magischen Begabung würde dieses Problem nicht innerhalb weniger Stunden lösen können. Und falls es ihm tatsächlich gelang, müsste er noch immer mitten in seiner Arbeit stecken.
„Was für einen Eindruck machte der Vykati auf dich?“, fragte Hariphor nachdenklich. „Wirkte er aggressiv oder gewalttätig?“
Vanakara schien die Begegnung noch einmal vor ihrem inneren Auge abzurufen. Schließlich schüttelte sie langsam den Kopf.
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Hariphor ging davon aus, dass der Vykati seine Arbeit noch nicht abgeschlossen hatte.
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„Nein, Aggressionen zeigte er nicht. Er war eher... gefühlskalt. Als hätte er kaum Zugang zu seinen eigenen Emotionen oder würde sie vollständig verbergen.“ Sie blickte ihn fragend an. „Warum fragst du?“
„Ich will mit ihm sprechen“, erklärte Hariphor mit ernstem Blick. „Und ich will ihm deutlich machen, dass wir Waldgeister es nicht hinnehmen werden, wenn die Vykati sich an unseren Heiligtümern und Artefakten vergreifen. Er soll verstehen, dass ein solches Vorgehen ernste Konsequenzen haben wird, sollten sie sich nicht an unsere Regeln halten.“
„Konsequenzen?“, fragte Vanakara skeptisch. „Als ob sich die mächtigen Vykati um Konsequenzen scheren würden, die sie von uns Waldgeistern zu erwarten haben.“
Hariphor lächelte nur geheimnisvoll.
„Wir werden sehen...“
Er würde diesem Vykati einen omnimagischen Ortsbann auferlegen, sollte er ihn nicht davon überzeugen können, den Jada-Schrein unversehrt zu lassen.
Doch als er sich von Vanakara verabschieden wollte, erklärte sie entschlossen: „Ich komme mit.“
Hariphor setzte bereits zu einem Widerspruch an, doch dann ließ er die Schultern sinken. Er kannte Vanakara gut genug. Wenn sie diesen Ton anschlug, war jeder Versuch, sie umzustimmen, vergeblich.
Also machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Jada-Schrein. Dort vermuteten sie den Vykati noch immer vertieft in seine Arbeit.
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Gemeinsam machten sich Hariphor und Vanakara auf den Weg zum Jada-Schrein.
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Tarodastrus' Perspektive
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Vanakaras Perspektive
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Hariphors Perspektive
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